Was Beratung in einer Gruppe wirklich ausmacht – ein unverzichtbares Tool für die Seelsorge- und Beratungspraxis
Von Lieselotte Beißwanger

Barbara, eine zurückgezogene, einfache Frau, Mitte vierzig, meldet sich auf Anraten des Psychiaters bei mir. Schnell stellt sich heraus, dass Barbaras Problematik mich vor immense Herausforderungen stellen wird. Ob ich mich dieser Beratung stellen soll? Solch tief eingeschliffenen Verhaltensweisen werden doch kaum veränderbar sein. Barbaras Umstände sind dermaßen desolat, dass mein Vorstellungsvermögen an seine Grenzen kommt. Jahrelang hatte sie gehofft, dass ihr alkoholkranker Partner mit dem Trinken aufhört. Ihr ganzes, bescheidenes Einkommen, ihre wenigen Beziehungen, ihr anspruchsloses Hoffen ist in all den Jahren aufgezehrt worden. Sie steht vor einem Trümmerhaufen und ist am Ende. Doch nicht so am Ende, dass sie nicht wieder anfängt, zu hoffen und sich wieder zusammenzureißen und wieder eine Schleife zu drehen. Es ist kaum Geld vorhanden, das Lebenswichtigste zu zahlen- geschweige denn eine Beratung.

Barbara kommt in die Gruppe. Ein Mensch, der sich nur über Defizite definiert, macht kleinste Schritte in ein unbekanntes Terrain- und erlebt Erfolge. Diese Erfolge sind bedingt durch die Gruppenteilnehmer, das hätte ich in der Einzelberatung überhaupt nicht leisten können. Barbara lernt, sich auch als ungeübte Rednerin zu äußern, sie lernt, ihre Scheu vor andern Stück um Stück zu überwinden und von den andern Gruppenmitgliedern Anerkennung anzunehmen. Sie hört aufmerksam zu, wenn andere von ihren Problemen erzählen und gibt unverhofft verblüffende Einsichten preis. Die andern lieben ihre Wärme. Sie fiebern mit ihr, wenn sie sich ein neues Auto kaufen muss. Sie stehen ihr mit ihrem Erfahrungswissen bei und geben dadurch solide Entscheidungsgrundlage. Es ist fast nicht zu glauben, Barbara geht den stetigen Weg einer gesunden Veränderung.

Warum erwähne ich diese Geschichte? Ich will damit aufzeigen, welche entscheidenden Veränderungsprozesse nur mit Hilfe des Gruppensettings ermöglicht werden.

  • Wöchentliche Termine machen den Beratungsprozess kontingent, Barbara besucht nun seit mehr als zwei Jahren regelmäßig die Gruppe und wird dadurch gestützt in ihrem neuen Verhalten. In der Einzelberatung wäre ihr und mir längst der Atem ausgegangen, ganz abgesehen von der finanziellen Überforderung.
  • Wenn ich als Berater freundliche, wertschätzende Worte sage, meint Barbara, das wäre ja schließlich meine Aufgabe. Wenn aber Gruppenteilnehmer dies tun, geht es ihr doch eher unter die Haut.
  • Wenn meine Erfahrungen mit Autokauf begrenzt sind, können andere mit ihrem Erfahrungshorizont einspringen, das gibt dem jeweiligen Teilnehmer auch das Gefühl von Kompetenz.
  • Isolierte Menschen erleben Rückhalt, Zusammenhalt und Getragenwerden, sie erleben aber auch, dass sie diejenigen mittragen können, die gerade bedürftig sind.

Ich könnte noch viel mehr anführen, was mich begeistert an der Gruppenarbeit; mit Manfred Siebalds Lied wird es treffend ausgedrückt: Keiner ist nur immer schwach und keiner hat für alles Kraft, jeder kann mit seinen Gaben, das tun, was kein andrer schafft. Gut, dass wir einander haben.

Wenn Sie Freude daran haben, die BTS Gruppenarbeit kennenzulernen, laden wir Sie ein zu einem Wochenende für Lebensberater: