Fallbeschreibungen aus der Beratungspraxis

 Situationsbeschreibung

Ein Geschäftsführer, 45 Jahre alt, eines kleinen Dienstleistungsunternehmens hatte den Betrieb vor einigen Jahren von seinem Vater übernommen. Schnell war er in die Organisationsabläufe eingearbeitet und er baute das Unternehmen kontinuierlich aus.

Der Vater – obwohl bereits im Ruhestand – konnte sein Geschäft nicht richtig loslassen. Ständig überprüfte er seinen Sohn. Sobald die Tür zum Büro aufging und der Vater vor ihm stand, verwandelte sich der Sohn in einen unscheinbaren und unsicheren Mitarbeiter.

Problemstellung:
Habe ich dir nicht schon immer gesagt, dass du mit diesen modernen Methoden nicht weiterkommst? Wenn du doch nur auf mich hören würdest, wärst du heute schon viel weiter gekommen.“

Solche und andere Sätze trafen den Sohn in seinem Innersten und stellten manchmal auch seinen Selbstwert infrage. Seine Gedanken drehten sich oft im Kreis und er hinterfragte sich, was er denn noch alles besser machen könne. Immer wieder kamen Zweifel auf, ob er in bestimmten Situationen die richtigen Entscheidungen getroffen hatte. Die Geschäftszahlen sahen gut aus, Umsatz und Ertrag stiegen in jedem Jahr an. Neue Produktideen wurden entwickelt, er war auf internationalen Messen gefragt und an innovativen Ideen fehlte es ihm wirklich nicht. So gesehen war der Sohn eigentlich erfolgreich und mit sich zufrieden. Nur der Vater war nie zufrieden und liess ihn das immer wieder wissen.

Als der Sohn in der Beratung dann von der belastenden Beziehung zum übermächtigen Vater berichtete und klagte, wie sehr ihm das zu schaffen machte, war frühzeitig offensichtlich, dass hier wahrscheinlich zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten im Konflikt stehen mussten. Im Rahmen der Diagnostik mit dem PST-R wurde schnell eine Bestätigung für diese Annahme deutlich. So wie der Klient den Vater in seiner Fremdwahrnehmung beschrieben hatte, „sah“ ich ein einen sehr selbstbewussten Mann vor mir, der sich in seinem Leben immer durchgesetzt hatte. Seine Meinung zählte und Widerspruch ließ er meistens nicht zu.

Der Sohn war von klein auf daran gewöhnt und ging der Konfrontation mit dem Vater immer aus dem Weg. Deshalb wunderte es ihn nicht, dass er sich bei der Testauswertung in seinen Wesenszügen auf der Achse „Soziale Anpassung und Selbstbehauptung“ nur mit dem Wert „3“ beschrieben hatte, also jemand, …

der sich schnell den Meinungen anderer Menschen unterordnet, der bereit ist zu dienen und sich anzupassen, ohne dass ihm dabei feindliche Gefühle aufkommen.

Auf meine Frage, wo er auf dieser Achse seinen Vater einordnen würde, sah er dieses Persönlichkeitsmerkmal seines Vaters diametral auf der gegenüberliegenden Seite. D.h. der Vater wurde von ihm als ein Mensch mit einer hohen Selbstbehauptung wahrgenommen, also jemand, …

der mit einer hohen „Ichstärke“ auftritt, der sich selbstbewusst und unnachgiebig zeigt, der sich nicht so leicht etwas gefallen lässt und seine Entscheidungen auch gegen den Widerstand anderer Menschen durchsetzt.

Ich bat meinen Klienten zu beschreiben, welche Konsequenzen zwei so gegensätzliche Verhaltensmerkmale in einer Beziehung haben würden. Darauf sagte er spontan: „Wenn Soziale Anpassung auf Selbstbehauptung trifft, bist du immer nur der Verlierer!“

Es schien auf den Punkt gebracht, als ob mein Klient diesen Satz zu seinem Lebensmotto gemacht hatte. In seiner Persönlichkeit war er ein deutlich warmherziger und sehr einfühlsamer Mensch, der sich gut in andere hineinversetzen und dadurch auch sehr schnell ein Vertrauensverhältnis zu diesen aufbauen konnte. Seine Kunden, seine Mitarbeiter und auch viele in seiner Gemeinde schätzten ihn und waren gerne mit ihm zusammen. Aber, jedes Mal wenn sein Vater ins Büro kam, beschlich ihn ein seltsames Gefühl, dass er schon wieder alles falsch gemacht hatte.

Beratungsansatz

Mit der Betrachtung von diesen beiden unterschiedlichen Verhaltensmerkmalen ‚Soziale Anpassung‘ und ‚Selbstbehauptung‘ in den Wesenszügen wurde ihm sehr schnell klar, woran er arbeiten müsste, um u.a. seinem Vater gegenüber mehr Selbstbehauptung entwickeln zu können.

Drei Schritte wurden in der Beratung ausgearbeitet, an die er sich in jeder neuen Konfliktsituation erinnern soll:

  1. Jedes Mal, wenn sein Vater ein scheinbar vernichtendes Urteil über seine Leistung ausspricht, will er dieses nicht als eine Bewertung seiner Person sehen, sondern als eine „subjektive Wahrnehmung“ eines anderen. Weil diese Bewertung eben nicht der objektiven Wahrheit entsprechen kann, (ist die Macht des väterlichen Urteils abgeschwächt), der Klient fühlt sich befreit und muss sich nicht mehr als Verlierer fühlen. Er ändert also seine innere Einstellung zu der Kritik eines anderen.
  2. Der Sohn beschließt, in Zukunft seine Meinung gegenüber seinem Vater deutlicher zu vertreten, weil er als Erwachsener dazu in der Lage ist. Er kann sich auf den Erfolg des Unternehmens unter seiner Führung berufen, über Schritte im Wandel in der Unternehmenskultur und neue Lösungen für Kunden berichten… Dadurch begegnet er dem Vater ‚auf Augenhöhe‘. Wenn der Sohn durch hohe soziale Anpassung bisher vom Vater als Verlierer wahrgenommen wurde, wird dieser die sich neu entwickelnde Selbstbehauptung des Sohnes als eine neue Stärke erkennen. Dies wird die Dynamik in der Beziehung von Sohn und Vater positiv verändern.
  3. Auch wenn er es seinem Vater nicht immer recht machen kann (und nicht recht machen muss!), wird er mögliche Konflikte auf der Sachebene einordnen lernen: beide dürfen unterschiedlicher Meinung sein! Der Sohn muss sich dabei nicht in seiner Persönlichkeit bzw. in seinem Denken über sich selbst angegriffen fühlen.

Verhaltensänderungen an einem selbst brauchen manchmal nur ein Verstehen der eigenen Wesenszüge und von seinem Gegenüber. Bereits mit veränderten Einstellungen kann man erste Erfolge erzielen. Mein Klient hat dieses in seinem Alltag erlebt, der Vater poltert manchmal immer noch, wenn er mit Kritik zu ihm kommt, aber die negative Wirkung auf seinen Sohn läßt nach.

© Ben Vaske – 18.10.2019

Bis jetzt war doch immer alles gut bei uns….

Herr G., Schuldirektor, 54 Jahre alt, seit 30 Jahren verheiratet, 3 Kinder, kommt mit seiner Frau in die Beratung und versteht die Welt nicht mehr. Nach all der langen Zeit einer glücklichen Ehe will sich seine Frau plötzlich von ihm scheiden lassen. Natürlich habe er gemerkt, dass es ihr in den letzten Monaten nicht so gut ging aber seine Frau habe schon immer unter Stimmungsschwankungen gelitten, das gehörte schon von Anfang an zu seiner Ehe.  Aufgrund ihrer zurückhaltenden und unsicheren Art habe er sich seit Beginn seiner Ehe um alles gekümmert. Wann und wie viele Kinder sie haben wollten, wo sie wohnten und arbeiteten – insgesamt, wie das gemeinsame Leben auszusehen habe. Er gehe zur Arbeit und sie kümmere sich um Haus und Kinder. Und es war all die Jahre gut so.

Seine Frau sagte in dieser ersten Beratungsstunde nicht viel. Sie weinte nur.

Nach meiner Eingangsdiagnostik mit Hilfe des Persönlichkeitsstrukturtests stellten sich bei den Ehepartnern folgende signifikante Unterschiede heraus:

  • Grundstruktur:
    Er ist extravertiert (8), sie ausgeprägt introvertiert (1).

  • Tiefenstruktur:
    Beide sind korrekt(2), er aber sachlich (2) und sie eher warmherzig (7).

  • Wesenszüge:
    Er zeichnet sich durch eine ausgeprägte Unabhängigkeit (10) sowie Selbstbehauptung (10) aus. Ihr Test zeigt eine äußerst geringe Ausprägung betreffend ihrer Unabhängigkeit (1) und Selbstbehauptung (3).

Zusammen mit dem Ehepaar interpretierte ich den Test mit folgendem Ergebnis:
Bedingt durch seine hohe (Menschen-) Unabhängigkeit und Selbstbehauptung, setzt sich Herr G. in den meisten Stationen und Entscheidungen in der Ehe durch, ungeachtet, was seine Frau benötigt oder möchte. Da sie zusätzlich sehr introvertiert und sozusagen „im Schweigen zu Hause ist“, wird sie mit ihm als dominanten und wortgewandten Gegner kaum in der Lage sein sich mit ihm auseinandersetzen zu können. Hinzu kommt, bedingt durch ihre Warmherzigkeit, ihr großes Harmoniebedürfnis, welches das Problemverhalten noch verstärkt. Über die Ohnmacht sich nicht behaupten zu können ist sie über die Jahre in eine Depression gefallen, die sie jetzt veranlasst sich aus der Beziehung zurückzuziehen.

Frau G. fühlte sich durch das Ergebnis des Persönlichkeitstest  zum ersten Male  verstanden: „Ich finde zum ersten Mal in meinem Leben passende Worte, um meinem Schmerz einen Namen zu geben und mich nicht dahinter zu verstecken.“ Sie schöpfte daraus neuen Mut und taute förmlich auf.

Ihr Ehemann wiederum zeigte sich irritiert und erleichtert zugleich: „Warum hast du mir das nicht früher gesagt? Ich dachte immer, es sei alles gut!“

Es begann ein auf das Testergebnis abgestimmtes Lernprogramm  mit dem Fokus jeweils mehr auf den Partner einzugehen und gemeinsame Wege zu finden.

Dies ist nun über ein Jahr her und beide haben in der Zwischenzeit große Lernfortschritte erzielt. Als ich neulich Frau G. fragte, wie sie ihre Ehe heute bewerten würde, antwortete sie mir mit einem erleichterten Lächeln „Vor einem Jahr gab ich unserer Ehe noch 10 von 100 Punkten. Heute gebe ich 75.“

(Barbara Spägele, 09.09.2019)

Eine leistungsorientierte Persönlichkeit – im Abseits !

Warum verstehen mich die Menschen nicht, wenn ich sie von meinen Ideen überzeugen  möchte?

Herr M, ein Mitarbeiter in Leitungsposition stellte sich diese Frage immer wieder, warum es ihm nicht gelingt, seine gut durchdachten und innovativen Strategien im Konsens mit anderen umzusetzen. Auf der einen Seite investiert er sehr viel Zeit, neue Konzepte für den Vertrieb zu entwickeln, Geschäftspartner von seinen Vorschlägen zu überzeugen und genießt dabei auch noch das Vertrauen seiner Geschäftsleitung, weil er sich dem Unternehmenserfolg verpflichtet fühlt. Andererseits erlebt er bei der Umsetzung seiner Ideen Widerstand bei den Mitarbeitern und zum Teil auch bei den Geschäftspartnern, mit denen er Kooperationen eingehen will.

In der Beratung fragte er mich, wie er mit diesem Frust um mangelnde Erfolgserlebnisse umgehen soll. Wir haben uns daraufhin sein Persönlichkeitsprofil mit einer PST-R Auswertung angeschaut und kamen zu den folgenden Erkenntnissen:

         In der Zusammenfassung der Einzelheiten zu den Wesenszügen, also für andere leicht erkennbar, beschreibt sich Herr M. als ein unternehmerischer und kreativer Mensch, der das Neue sucht (Unkonventionalität 8) und der andere Menschen leicht von seinen Ideen überzeugen kann (Begeisterungsfähigkeit 9). Er vertritt dabei eine klare Meinung, die er seinen Zielen verpflichtend auch gegenüber andere Menschen unter schwierigen Situationen durchsetzen kann (Selbstbehauptung und Selbstsicherheit 8).

So gesehen hat dieser Mitarbeiter in seiner Persönlichkeitsstruktur eigentlich alle wichtigen Voraussetzungen, um für ein Unternehmen neue Kundenkreise zu werben und diese von seinen Produkten und Dienstleistungen zu überzeugen. Warum gelingt es ihm dennoch nicht?

Wir schauten uns daraufhin zwei weitere Ausprägungen in seinem Persönlichkeitsprofil an, die uns Erkenntnisse über die ihm entgegengebrachten Widerstände geben sollten.

Herr M. beschreibt sich in seinem Profil mit einer geringen Ausprägung in seiner Sensibilität, wird von anderen Menschen also deutlich mehr in seiner Robustheit (3) wahrgenommen.

Nachdem ich ihm die Unterschiede zwischen diesen beiden Polen aufgezeigt hatte, bat ich ihn, mir dieses Verhaltensmuster in seinen eigenen Worten zu erklären und wie er dieses konkret in seinem Alltag erlebt. Er hat mir seine Überlegungen dazu wie folgt beschrieben:

Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, dann packe ich diese einfach an und überlege nicht lange hin und her ob da auch all anderen mit einverstanden sind. Ich habe mir ja bereits genügend Gedanken darüber gemacht und bin mir ziemlich sicher, dass es so funktionieren wird, wie ich mir das vorgestellt habe. Und wenn dann mal jemand nicht damit einverstanden ist, dann habe ich damit ja auch kein Problem.“

Ich fragte ihn anschließend, mal zu überlegen, wie die Menschen in seinem Umfeld seinen gut gemeinten und sachlich fundierten Ehrgeiz wahrnehmen könnten, worauf er mir die folgende Antwort gab:

Also wenn ich ehrlich bin, dann könnte ich mir vorstellen, dass ich manchen Menschen zu sehr auf die Füße trete und mich nicht genügend in ihre Gedanken und Interessen hineinversetze – Pause – das sagt mir meine Frau übrigens auch immer wieder ! Ich bin da wohl manchmal zu schnell.“

Nach dieser von mir geleiteten Selbstwahrnehmung wurde Herrn M. dann sehr schnell bewusst, wie ein Förderprogramm für ihn aussehen könnte. Offensichtlich empfinden ihn manche Menschen aufgrund seiner hohen Ausprägung in der Robustheit als wenig empathisch. Wenn es aber darum geht, diese für eine Sache zu gewinnen, muss Herr M. lernen, die Gedanken und Gefühle seines Gegenübers besser zu erkennen und darauf einzugehen bevor er seine Pläne eigenständig umsetzt. Mit diesem Verhalten kann er Menschen viel effektiver für seine Ideen gewinnen indem er sie in seine Überlegungen mit einbezieht.

Interessant dabei auch sein Resüme nach der Beratung: „das werde ich jetzt mal häufiger mit meiner Frau üben!

Ein leistungsorientierter Mensch, der nicht verstehen konnte, warum seine hohe Kreativität und sein unternehmerisches Denken immer wieder von anderen ausgebremst wurden, entdeckte für sich auf einmal ganz neue Ressourcen in seinem Verhalten aufgrund dieser Gegenüberstellung von einer geleiteten Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Für die Beratungspraxis will ich abschließend noch darauf hinweisen, dass eine hohe Ausprägung, so wie in diesem Fall bei der Robustheit, nicht immer eine Schwäche sein muss. Es gibt durchaus Berufe oder Situationen, in denen es hilfreich sein kann, sich von den Gefühlen anderer Menschen abzugrenzen. Dieses gilt es in der Eingangsdiagnostik zu klären, welche Verhaltensmuster am besten zu einer Stellenbeschreibung passen. Wenn diese zwei gut aufeinander abgestimmt sind, wird es vielen Menschen deutlich besser gelingen, gute Beziehungen am Arbeitsplatz oder auch in der Gemeinde zu gestalten.

© Ben Vaske – 08.08.2019

Eine Ehe (-vorbereitung) kurz vor dem Aus

„Wir haben im letzten halben Jahr mehr miteinander gestritten, als in den 8 Jahren, die wir uns kennen.“

Ein junges Ehepaar bereitet ihre Hochzeit vor und hat viele Entscheidungen zu treffen. Dabei geraten sie immer häufiger aneinander und fragen sich, ob sie denn noch wirklich zueinander passen. In dieser dramatischen Situation kommen sie in die Beratung und suchen Hilfe.

Um mir einen besseren Einblick in ihre Verhaltensweisen zu ermöglichen, bitte ich sie, den Persönlichkeitsstrukturest durchzuführen, dem sie auch gleich zugestimmt haben. Dabei stellt sich heraus, dass sie ihre größten Unterschiede in der Tiefenstruktur erleben. Auf der Achse ‚sachlich-warmherzig‘ beschreibt sie sich mit 2, während er sich bei 6 wiederfindet. Auf der Achse ‚korrekt-unkonventionell‘ befinden sich beide bei 3.

Der Test zeigt hier also sehr schnell, dass sie ihre größten Herausforderungen auf der Nähe-Distanz Ebene erleben.
Sie, eine gute Beobachterin und in ihren Gedanken(spielen) nichts dem Zufall überlassend, strebt nach so viel Unabhängigkeit wie möglich.
Er, in einer sich aufopfernden und dienenden Haltung, meidet den Konflikt in Auseinandersetzungen und sucht über alles andere nach einer harmonischen Beziehung, auch wenn er sich selbst dabei ein stückweit aufgeben muss.

Nachdem ich den beiden diesen Unterschied in ihrer Tiefenstruktur erklärt hatte, bat ich sie, mir ein Beispiel aus ihrem Alltag zu geben, wo sie diese Ausprägungen in ihrer Persönlichkeit möglicherweise erleben. Sie sprechen jetzt insbesondere über Entscheidungen, die bei der Hochzeitsvorbereitung anstehen.
Sie führt an, dass sie sich über viele Sachen Gedanken macht, diese bis ins letzte Detail plant wie es am besten funktionieren könnte und teilt ihm dann das Ergebnis mit. Ihre Motivation dabei ist, ihm Arbeit abzunehmen und es ihm leicht zu machen, Ihrer Entscheidung zuzustimmen. So gesehen zeigt sie sich relativ unabhängig und bezieht ihn in ihren Überlegungen nicht wirklich mit ein.

Er fühlt sich nach mehreren solcher Entscheidungen ihrerseits übergangen und hilflos, weil er gar nicht weiß, mit welchem Thema sie sich gerade beschäftigt. Wenn sie ihn nicht einlädt, an ihren Gedankenspielen schon früher teilzuhaben bevor sie eine Entscheidung trifft, kommt für ihn jeder Vorschlag wie ein unumkehrbarer Entschluss zu dem es dann keine Alternative mehr gibt. Im Grunde will er ihr vertrauen, dass sie schon alles richtig macht, scheut aber den Konflikt, ein Thema ernsthaft und gemeinsam zu diskutieren.

Sie erkennen beide, dass sie im Alltag aus ihrer individuellen Tiefenstruktur heraus ihre Gedanken auf den Partner ‚projizieren‘ ohne zu verstehen, wie der andere wirklich denkt. Im Ergebnis sind dann beide enttäuscht, weil sie keinen gemeinsamen Beschluss fassen können.
Auf die Frage, wie sie im Alltag besser miteinander umgehen könnten, bemerkte sie sehr schnell: „Dann will ich versuchen (aus meinem Streben nach Unabhängigkeit heraus), dich früher in meine Gedanken einzubinden, damit du weißt, was mich gerade beschäftigt und du kannst mir deine Meinung dazu sagen.“
Für ihn wurde es andererseits auch schnell klar, dass er sein Harmoniebedürfnis dabei manchmal aufgeben muss und ihr deutlicher mitteilt, was er eigentlich will um dadurch schon viel früher zu einer gemeinsamen Schnittmenge zu kommen, bevor ihre Entscheidung in eine ganz bestimmte Richtung geht. Er hat sich (in seiner Abhängigkeit ihr gegenüber) viel zu oft zurückgehalten und sich immer hintenan gestellt, in der Hoffnung, es wird schon….bis es zur nächsten Konfrontation kam.
So gesehen konnten beide nach bereits zwei Gesprächen ganz konkrete Hausaufgaben für sich entwickeln, wie sie sich im Alltag besser begegnen und sich anbahnende Konflikte aufgrund ihrer unterschiedlichen Tiefenstruktur entschärfen können.

Beide waren überzeugt, dass die Hochzeitsvorbereitungen nun weniger stressbeladen sein werden.

© Ben Vaske – 29.06.2019

>>>Brauchen Sie Hilfe bei der Auswertung eines Testergebnisses? Fragen Sie uns – wir unterstützen Sie gerne<<<