„Psychische Störungen stehen häufig in Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstruktur eines Menschen. Daher muss vor jeder Form von Beratung und Seelsorge eine gründliche, überprüfbare Diagnostik erfolgen.“ (M. Dieterich)

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PST-R Fallbeschreibungen aus der Beratungspraxis

Der neue Leiter eines großen Dienstleistungsunternehmens, kam zu mir in die Beratung und berichtete von seiner Unzufriedenheit mit einem seiner Regionalleiter.

„Ist das der richtige Mann für uns, um die von mir angestoßenen Veränderungsprozesse auch umzusetzen?“  Alles was ich ihm vorschlage, stellt er in Frage und beruft sich auf seine langjährige Erfahrung in diesem Unternehmen um mir zu erklären, warum meine Pläne nicht funktionieren werden. Ich sehe einfach nicht, dass er bereit ist, sich zu verändern und von seinen alten Arbeitsweisen loszulassen.“

Nach mehreren Einzelgesprächen mit dem Vorgesetzten und seinem Regionalleiter zeigte sich eine Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, um den anderen besser zu verstehen. Es war für mich offensichtlich, dass sich ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen in ihrer jeweiligen Persönlichkeit wiederspiegeln. Also veranlasste ich, von beiden einen Persönlichkeitsstrukturtest durchzuführen, um die Unterscheide von beiden Personen herauszuarbeiten.

Im Ergebnis sehe ich zwei Menschen, die sich in ihren Wesenszügen und auch in ihrer Grundstruktur sehr ähnlich sind, sich in ihrer Tiefenstruktur aber deutlich unterscheiden und infolge dessen auch unterschiedliche Erwartungen an den anderen haben – also ein klassisches Beispiel für Projektionen auf der Beziehungsebene

 

Herr T., erst seit kurzem als Leiter der Entwicklung für ein weltweit tätiges Dienstleistungsunternehmen eingestellt, beschreibt sich mit warmherzig (3) als ein eher sachlich geprägter Mensch, der strategisch, analytisch, das Ziel vor Augen, planerisch und ein stückweit visionär seine Aufgaben angeht. Er macht sich dabei nicht so sehr von Menschen und deren Meinungen abhängig, sondern ist eher seinen Zielen verpflichtet. Kontinuität und Zuverlässigkeit zeichnen ihn im Wesentlichen aus. So gesehen könnte man seine Ausprägungen in der Persönlichkeit als typische Fähigkeiten eines Unternehmenslenkers betrachten. Das zeigt sich auch in seinem Führungsstil gegenüber seinen Regionalleitern. Er fordert von Ihnen, ihre bisherigen Arbeitsweisen zu überprüfen, macht ihnen Vorgaben welche Ziele sie erreichen sollen und bittet sie um mehr Durchsetzung in ihrer jeweiligen Projektentwicklung.

Herr J., sein Mitarbeiter und als Regionalleiter in diesem Unternehmen bereits seit mehreren Jahren an seinem Platz, beschreibt sich als warmherzig (9), demnach ein deutlich harmoniebedürftiger Mensch, dem es eher darum geht, anderen Menschen zu helfen, dabei aber auch manchmal das Ziel und sich selbst aus den Augen verliert. Seine Motivation liegt im Dienen, um sich anderen Menschen hinzugeben und auch ein stückweit sich selbst dabei aufzugeben. D.h. dass er oftmals bereit ist, seine eigenen Interessen in den Hintergrund zu stellen, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, weil es ihm zuallererst um die anderen geht, die er zufrieden stellen will.

Das macht ihn übrigens auch weniger konfliktfreudig. Differenzen sachlich auszutragen kostet ihm viel Kraft, weil er immer hofft, dass sich die Dinge schon wieder irgendwie hinbiegen, ohne sie konkret ansprechen zu müssen.

Beide Ausprägungen, sowohl von Herrn T., dem Leiter als auch von Herrn J., seinem Mitarbeiter sind in einer Zusammenarbeit zwar sehr konträr, insgesamt aber auch notwendig, wenn sie sich im Team ergänzen wollen. Die Gefahr ist oftmals, dass einer von beiden poloarisiert, also weniger bereit ist, von seinen eigenen Verhaltensmustern loszulassen und diese vom anderen ‚einfordert‘. Dann gerät eine Beziehung sehr schnell in ein Ungleichgewicht.

Herr T. hat häufig versucht, seinen Mitarbeiter in seine Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen und ihm dadurch Raum für seine eigene Entwicklung zu geben. Dennoch war es Herrn J. immer bewusst, dass er etwas von seinem eigenen Rollenverständnis aufgeben muss, was ihm sehr schwer fiel, weil er dieses bereits seit 6 Jahren in seiner Stelle ausprägen konnte. „Ich habe in all diesen Jahren meine Aufgabe sehr gut gemacht und dabei die Menschen vor Ort im Blick gehabt, die unser Unternehmen nach außen hin vertreten. Warum soll ich diese Haltung auf einmal aufgeben?“

Es war ihm ein Widerstand gegenüber Veränderungen an seiner Rolle anzumerken, weil er seine Beziehungen zu den beteiligten Menschen nicht aufgeben wollte, unabhängig davon, ob diese ihre Aufgaben gut gemacht haben. Sich anzupassen bedeutete für ihn eine Zäsur, sich ändern zu müssen.

Es stellte sich für Herrn T. also immer noch dieselbe Frage, ob Herr J. der richtige Mann sei, um die anstehenden Veränderungsprozesse mitzutragen. Herr J. beschreibt sich in seiner Rolle als ein ‚Generalist‘ (d.h. der viele Dinge auf einmal bearbeiten kann, aber diese auch nicht immer zu Ende führt. Das entspricht auch nicht seinen persönlichen Fähigkeiten). Herr T. wollte ihn hingegen zu einem Spezialisten auf seinem Gebiet ausbilden, der sich mit weniger beschäftigt, dafür aber zielgerichteter arbeiten kann.

Für Herrn J. war die Nähe zu Menschen mit dem Bedürfnis nach Harmonie jedoch deutlich wichtiger als sich einem messbaren Erfolg zu verpflichten und sich dadurch ein stückweit selbst ‚aufzugeben‘. Das entspricht nicht seinen Strebungen aus einer hohen Warmherzigkeit heraus. Zudem wurde sein Rollenverständnis häufig durch Rückmeldungen seiner Mitarbeiter vor Ort bestätigt, die ihn für seine ausgeprägte Warmherzigkeit schätzen. (Konkret heißt das, er hat sich durch seine hohe Warmherzigkeit auch von anderen Menschen abhängig gemacht).

Wir kamen schließlich zu einer Konklusion. Das Persönlichkeitsprofil von Herrn J. war nur schwer mit den Anforderungen eines strategisch denkenden und handelnden Menschen zu vereinbaren, der sich einer konsequenten Zielverfolgung verpflichten sollte, so wie es ihm von seinem Vorgesetzten vorgegeben wurde. Es fiel ihm schwer, sich auf deutliche Änderungen in seinem Rollenverständnis einzulassen.

Seine Beweglichkeit und Veränderungsbereitschaft im Hinblick auf eine neue Ausrichtung seines Arbeitgebers waren dabei äußerst starr, weil er den neuen Führungsstil seines Vorgesetzten nicht mit seinem Persönlichkeitsprofil erbringen konnte. Es lag bei ihm nicht an mangelnde Fähigkeiten, diesen Lernprozess einzugehen, sondern eher an seinen Einstellungen, sich auf die anstehenden Veränderungen einzulassen.

So gesehen war dieser Beratungsprozess für beide Seiten eine ‚Befreiung‘ von Ängsten und Befürchtungen, wie eine weitere Zusammenarbeit zwischen den beiden aussehen könnte. Herr J. entschied sehr schnell für sich, dass er mit dieser Erkenntnis eine neue Aufgabe in einem anderen Unternehmen suchen wolle, die mehr seinen persönlichen Veranlagungen entsprach. Sein Arbeitgeber gab ihm dafür ausreichend Zeit, ohne ihn dabei unter Druck zu setzen und er wurde auch schnell fündig.

An diesem Beispiel war für mich sehr eindrücklich zu sehen, wenn die ‚Passung‘ zwischen den Ausprägungen einer Persönlichkeit und den Anforderungen an eine Arbeitsstelle nicht stimmig ist, kann eine Beziehung sehr schwierig werden, vor allem dann, wenn man den Unterschieden in der Persönlichkeit keinen Namen geben kann. Die Testauswertung hat in diesem Fall beiden dazu geholfen, sich besser zu verstehen und sich mit Respekt zu begegnen.

© Ben Vaske – 19.09.2020

Frau P., eine schlanke, natürliche Frau, 50 Jahre alt mit weiß-blonden Naturlocken, sonnengegerbter Haut und groben, rissigen Händen kommt in die Beratung und fängt gleich vor dem ersten Satz an bitterlich an zu weinen. „Sehen sie, so geht es mir schon seit Wochen. Ich muss den ganzen Tag weinen. Gleich morgens nach dem Aufstehen kommen mir schon die ersten Tränen, das geht dann jeden Tag bis in den Abend, wo ich mich in den Schlaf weine. Mein Mann sagt täglich zu mir, dass ich verrückt sei. Laut ihm solle ich mir Tabletten verschreiben lassen, dass ich endlich wieder normal werde. Ich war auch schon bei einer Ärztin. Diese hat mir auch Medikamente verschrieben, jedoch meinte sie auch, ich solle zu einer Beratungsstelle gehen.

Mein Leben war von Anfang an eine Katastrophe. Ich kam als uneheliches Kind zur Welt und meine Eltern hatten mich zu meinen Großeltern gegeben, die mich aber auch nicht sonderlich mochten und sich für mich schämten. Als dann meine Eltern nach dem zweiten Kind schlussendlich doch heirateten, nahmen sie mich nicht mit in ihr neues Zuhause. Sie sagten, ihre Wohnung wäre zu klein für uns alle.

Ich versuchte früh dieser Lieblosigkeit durch eine Heirat zu entrinnen und nahm, als ich 19 Jahre alt war, einen Landwirt aus der Gegend zum Mann, in der Hoffnung, dass mein Leben nun besser werden würde.

Ich bemerkte schnell, dass es mir bei ihm auch nicht besser ging. Nie kam ein liebes Wort für mich über seine Lippen und in den Arm nahm er mich auch nie! Jeden Morgen muss ich um vier Uhr aufstehen, um mit meinem Mann bis 10 Uhr im Stall 150 Kühe zu versorgen. Danach gehe ich rasch in die Küche um für meinen Mann, die Schwiegermutter und damals noch für unsere zwei Kinder und die Landwirtschafshelfer zu kochen. Danach mache ich den Haushalt und den Garten bis ich wieder um 16 Uhr in den Stall muss, um bis 22 Uhr die Tiere zu versorgen. Das geht so tagein, tagaus, auch sonntags und feiertags und nie habe ich mich darüber beschwert. Ich wollte einfach immer alles gut und richtig machen, um dafür geliebt zu werden. Ein Lob oder gar Liebe bekam ich nie dafür.

Ich habe keine Hobbies und keine Freunde, weil ich gar keine Zeit dazu habe. Urlaube und Freizeit gibt es natürlich auch nicht. Ich weiß überhaupt nicht wer ich bin und was ich mag. Ich weiß nur: Ich hasse dieses Leben, ich hasse die Kühe und den Hof und habe sehr viel Mühe mit meinem Mann. Er hatte zwischendurch auch eine andere Frau, die er mit auf den Hof bringen wollte. Dagegen habe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben gewehrt. Ich wollte nicht vertrieben werden. Wohin sollte ich auch gehen? Zu meinen Eltern sicherlich nicht! Außerdem bekomme ich für die viele Arbeit einen Monatslohn von 350.- Euro und muss mir dafür alle meine eigenen Dinge selbst kaufen. Geld habe ich keines und der Hof ist auf meinen Mann geschrieben.

Meine einzige Freude waren meine Kinder. Jetzt ist aber nach meinem Sohn auch meine Tochter ausgezogen und hat eine eigene Familie gegründet. Seitdem ist alles leer, trist und hoffnungslos. Was soll ich nun tun? Weg will und kann ich nicht, so weiterleben will ich aber auch nicht!“

Ich schlage ihr vor einen Persönlichkeitsstrukturtest durchführen zu lassen, damit ich sie als Person besser einschätzen und somit auch besser helfen können werde.

In der darauffolgenden Beratungsstunde besprechen wir die Ergebnisse des Tests, die die Lebensgeschichte in Zahlen widerspiegeln. Weiterhin ermittle ich das Skript, das sich wie ein roter Faden durch das Leben zieht: Für Frau P. ist wichtig, einerseits immer alles richtig und andererseits es allen recht zu machen. Der entsprechende Lebensskriptsatz lautet „Mach es richtig, dann wirst du auch geliebt!“

Die zweite Auffälligkeit liegt innerhalb der Grundstruktur mit Werten für Extraversion 1 und Emotionalität 7. Dazu passt ihr weiteres Lebensskript „Sei still und mache keinen Ärger!“

Dieses Verhalten verdichtet sich auch  innerhalb der Wesenszüge zu einer ausgeprägten Zurückhaltung, überdurchschnittlichem Pragmatismus (tägliche Anforderungen werden in bewährter Manier bewältigt) sowie einer auffällig hohen Reserviertheit (sich in Sachzwängen fügen), Besorgtheit (Angst) und inneren Gespanntheit.

Hinzu kommt eine deutlich ausgeprägte Korrektheit in ihrer Tiefenstruktur, die sie dazu antreibt, alle Aufgaben perfekt auszuführen. D.h. für Frau P. dass sie so viel Energie für Arbeiten aufwendet, die weit über das übliche hinausgehen. Im Ergebnis macht sie das müde und bringt sie an den Rand der Erschöpfung.
Das Erklären der Pareto-Regel, d.h. dass die letzte Genauigkeit den größten Kraftaufwand erfordert,
hilft Frau P, die Zusammenhänge besser zu versehen

Was ihre Leistungsmotivation angeht, zeigt sie bei Ihren Kontrollüberzeugungen eine deutlich höher ausgeprägte externale Ausprägung, die den Einfluss anderer Menschen auf das eigene Leben höher gewichtet als ihren eigenen Einfluss. Sie traut sich selber nicht zu, ihre eigenen Ziele zu verwirklichen.

Ich frage sie, wie es ihr mit dem Testergebnis ergehe. Sie antwortet, über mein Nachfragen erstaunt, dass es sich genauso verhielte wie durch den Text beschrieben. „Es ist erstaunlich, wie ein Test mein kompliziertes Leben so auf den Punkt bringen kann! Aber was machen wir nun damit?“

Ich schlage vor, dass es zu Beginn das Wichtigste sei, sich zu stabilisieren. Da alle Ebenen des Tests auf eine Disposition in Hinblick auf eine Depression verweisen, ermutige ich sie, doch die verschriebenen Medikamente der Ärztin zu nehmen. Das hieße jedoch nicht, dass damit alles erledigt sei, so wie ihr Mann das gerne hätte, aber dass es ihr die anstehende Arbeit erleichtern und sie bei ihrem Prozess unterstützen würde.

Schließlich fixieren wir in dieser Beratungsstunde noch einen Vertrag über geregelte „Weinzeiten“: Sie dürfe jeden Tag drei Mal, jeweils morgens, mittags und abends, zu einer bestimmten Uhrzeit für eine Stunde weinen. In der restlichen Zeit solle sie üben das Weinen bis zu der nächsten ausgemachten Zeit zu verschieben, aber mit dem Wissen und der Sicherheit, dass sie in wenigen Stunden wieder weinen darf. Zudem soll sie sich bis zum nächsten Mal überlegen, was ihr Freude mache, welchen Hobbies sie nachgehen wolle und wie sie sich ihr Leben vorstellen könne.

Beim nächsten Treffen geht es Frau P. schon etwas besser. Sie beteuert, dass sie nun nicht mehr so oft weinen müsse. Sie habe aber gar keine Ahnung was ihr Freude bereiten würde, geschweige denn, welche Hobbies sie gerne hätte oder wie ihr Leben aussehen solle. „Es ist alles so verfahren, es hat doch alles keinen Sinn.“ Ich belasse es nicht bei diesem Satz und wir finden doch heraus, dass sie gerne Fahrrad fährt, mit Freude mit ihrer Tochter Kaffee trinken geht und Blumensträuße aus ihrem Garten liebt. Ein Anfang!

In einem zweiten Schritt ermutige ich sie  jeden zweiten Tag, zwischen Mittagessen und Stallzeit ab 16 Uhr, den Haushalt nicht zu erledigen, sondern sich selbst etwas Gutes zu tun, eben Fahrrad zu fahren gehen, ihre Tochter oder alte Freunde zu besuchen oder Blumen aus ihrem Garten zu pflücken. Ebenso ermutige ich sie die neu abgesprochenen Entspannung- und Atemtechniken auszuprobieren und einzuüben sowie einmal in der Woche die doppelte Menge Mittagessen zu kochen, um am darauffolgenden Tag zwischen den Stallzeiten sich frei nehmen zu können, beispielswiese um in der Stadt einen Cappuccino trinken oder bummeln zu gehen oder einfach um sich eine Auszeit zu gönnen.

Zusätzlich erarbeiten wir gemeinsam folgende Schritte:

  • Neue Erlebniswerte, Hobbies, Freude und Freunde finden
  • Negative Gedanken und Einstellungen erkennen und positive Gedanken üben
  • Eine Erweiterung des Lebensskripts und eine Überschreibung der destruktiven Anteile, d.h. irrige Gedanken wie „Ich kann nur geliebt werden, wenn ich alles richtig mache“ neu bewerten und lernen, dass beispielsweise Liebe nicht vom Grad der „Richtigkeit“ abhängig ist.
  • Die Kommunikation üben
  • Die Selbstbehauptung üben
  • Die Sozialkompetenzen üben (z.B. „Nein“ sagen lernen)
  • Die Auseinandersetzung mit Verletzungen aus der Kindheit und vergeben üben

Diese Punkte betreffend zeigt Frau P. sich bereit diese genauer anzusehen, sich damit auseinanderzusetzten und diese einzuüben. Mit den folgend aufgeführten Aspekten hat Frau P. noch Schwierigkeiten und bittet daher um Geduld und Zeit:

  • Die Partnerschaftsfrage klären und den Mann mit in die Beratung bringen, um grundsätzliche Probleme zu bereden.
  • Sich neue Arbeitszeiten im Hof überlegen (eventuell eine zusätzliche Hilfskraft einstellen, damit sie auch mal einen ganzen Tag frei nehmen kann)
  • Den Arbeitslohn neu überdenken und absprechen

Um diese Punkte klären zu können, so Frau P., bräuchte sie noch mehr Stabilität und Mut und möchte bis dahin noch mehr an sich arbeiten. Der Veränderungsprozess wird wohl noch einige Zeit dauern und einiges an Arbeit benötigen, um auf einen besseren Stand zu erhalten, jedoch war die aktive Auseinandersetzung mit sich selbst hierzu notwendig. Der Persönlichkeitstest hat Frau P. in diesem Prozess sehr geholfen.

© Barbara Spägele – 18.08.2020

Herr W., 56 Jahre und selbständiger Unternehmer kommt in die Beratung, weil er sich mehr Orientierung für seine Lebens- und Unternehmensführung wünscht. Im ersten Gespräch erzählt er mir, dass er in den letzten Monaten einige Verluste erlitten hatte. Daraufhin hatte seine Frau ihm vorgeschlagen, er solle doch in den Vorruhestand gehen, um sich von weiteren Risiken fernzuhalten. Das machte ihn sehr betrübt, was er mir in einem Satz wie folgt beschrieb:

Ich kann mir nun wirklich nicht vorstellen, zuhause bei meiner Frau auf der Couch zu sitzen und nichts selbständiges mehr tun. Die Arbeit hat mir immer Freude bereitet“.

Mit dieser Selbsteinschätzung konnte ich gut verstehen, dass es ihm um seine eigene Lebenserfüllung ging, die man nicht einfach so über Bord werfen konnte, ohne ihm einen gelingenden Abschluss zu geben. „Können Sie mir helfen, meine Prioritäten im Leben neu zu ordnen?“ war seine erste Frage an mich, worauf ich ihm antwortete, „Nein! Ich kann Ihnen aber helfen, sich selbst besser zu verstehen, um in Zukunft die Konsequenzen aus Ihren Entscheidungen besser abzuwägen und dadurch mögliche Risiken zu minimieren“. Damit war im Grunde auch mein Arbeitsauftrag definiert, der als nächstes mit einer Persönlichkeitsdiagnostik einherging.

In der Zusammenfassung der Einzelheiten zu den Wesenszügen, beschreibt sich Herr W. als ein belastbarer und kreativer Mensch.

Mit einer hoch ausgeprägten Emotionalen Widerstandsfähigkeit‘ (8) lässt er sich in seinem Alltagsgeschäft kaum von Schwierigkeiten beeindrucken. Enttäuschungen halten ihn nicht von seinen Zielen ab und so bleibt er beharrlich an seiner Arbeit dran.

Auch seine hohe Selbstsicherheit  (9) beschreibt ihn als jemand, der sich anderen gegenüber sehr gut mitteilen kann. Man merkt es ihm schnell an, dass er von sich und seiner Meinung überzeugt ist.Tätigkeiten, welche Auseinandersetzungen mit sich bringen, weicht er in der Regel auch nicht aus. Ebenso steht er emotional strapazierende Situationen ohne große Mühe durch.

Seine hohe Veränderungsbereitschaft (10) spornt ihn für neue Projekte an, insbesondere solche, die es noch nie gegeben hat und die einen Mehrwert für seine Kunden darstellen könnten. Er orientiert sich in seinem Handeln an Visionen und ist bereit, neue und risikoreiche Wege zu gehen. Es geht ihm weniger darum, alte Strukturen zu bewahren, sondern diese zu verändern, wenn es dafür eine gewinnversprechende Aussicht gibt.

Er nimmt dabei auch in Kauf, seine strategische Ausrichtung zu ändern, was er mir in einem Satz wie folgt beschrieb: „Manchmal kommen mir so viele neue Ideen, dass ich den Menschen Luftschlösser verkaufen kann“.

Allein von seiner äußeren Beschreibung der Wesenszüge her sah ich einen Mann vor mir, der voller Tatendrang war und der Menschen mit seiner Art faszinieren und überzeugen konnte ohne den Anschein einer Übertreibung zu erwecken. Was sollte ihm eigentlich nicht gelingen, dachte ich mir?

Auf diese Frage erfolgte dann aber auch sogleich die Antwort mit Blick auf seine Tiefenstruktur:

Im innersten Teil der Persönlichkeit, der also weniger veränderbar ist beschreibt sich Herr W. auf der Skala „sachlich – warmherzig (7)“ als deutlich warmherzig. Er sucht die Nähe zu den Menschen, möchte anderen helfen und ist dabei auch manchmal etwas großzügig in der Beurteilung anderer. Das kann bei ihm dann aber auch schnell zu Enttäuschungen führen, wie er mir bestätigte, weil er Menschen manchmal zu sehr idealisiert, zu viel von ihnen erwartet und ihre Reaktionen ihm gegenüber dann am Schluss doch nicht seinen Erwartungen entsprechen.

Auf der Skala unkonventionell – korrekt (8)“ ist sein Wunsch nach Veränderungen und Innovation deutlich größer als an bewährte Methoden festzuhalten. Freiheit im Handeln fördert ihn in seinem unternehmerischen Denken mehr als sich an enge Vorgaben halten zu müssen. So gesehen kann man Herrn W. auch als einen Pionier beschreiben, der ganz neue Möglichkeiten entdeckt, an die bisher noch niemand gedacht hat. Er handelt dabei manchmal nach seiner ganz privaten Logik, die für ihn selbst stimmig ist, auf andere aber auch unverständlich wirken kann. Insgesamt hilft ihm diese Ausprägung in der Tiefenstruktur, sich nach Erfolg zu sehnen und dabei auch mal Risiken einzugehen.

Meine Empfehlungen für einen konkreten Förderbedarf

Im Hinblick auf sein Problem, wie er unternehmerische Risiken minimieren kann, konnte ich ihm nun erklären, dass die Ursache dafür in seiner Tiefenstruktur zu finden sei. Wenn jemand so wie er, in seiner hoch ausgeprägten Warmherzigkeit dazu tendiert, andere Menschen zu idealisieren und sich sogar ein stückweit von ihnen abhängig macht, kann er auch schnell von diesen Menschen enttäuscht werden. Er hat anderen manchmal zu sehr vertraut und dabei den Blick für die Sache verloren. Es würde ihm helfen, anderen Menschen mit etwas mehr Skepsis zu begegnen und sich bei wichtigen Entscheidungen nicht zu sehr von seinen eigenen Gefühlen leiten zu lassen.

  • Auch wenn die Tiefenstruktur als solches weniger veränderbar erscheint, ist es dennoch möglich, seine Einstellungen gegenüber anderen Menschen zu verändern, indem man nicht zu viel von ihnen erwartet, nicht auf ihre Rückmeldungen angewiesen ist und sich dadurch selbst in seiner Autonomie stärkt. Eine kritische und selbstbewusste Haltung gegenüber anderen Menschen sollte hierbei das Ziel sein, um seine Projekte objektiv vor Augen zu behalten. Es geht nicht immer darum, es anderen Menschen recht zu machen, sondern diese lediglich in einem Entscheidungsprozess einzubeziehen, soweit es notwendig erscheint. Dazu gehört es auch, eine gewisse Distanz zu anderen zu bewahren und sich auf diese Weise nicht von anderen beeinflussen zu lassen.
  • Die in den Wesenszügen erkennbare hohe „Veränderungsbereitschaft“ sowie die in der Tiefenstruktur deutlich ausgeprägte „Unkonventionalität“ verleiten ihn häufig dazu, seine Ideen nicht auf ‚Herz und Nieren‘ zu prüfen, bevor er sich an eine Umsetzung wagt. Das kann schnell zu Fehleinschätzungen führen, weil Risiken nicht offengelegt bzw. ein Alternativplan nicht abgewogen wurde. Meine Empfehlung an ihn war, seine Gedanken mit einem ‚Sparring Partner‘ intensiver auszutauschen, sich bei neuen Projekten offen hinterfragen zu lassen um dadurch Überraschungen und Risiken in der Umsetzung zu vermeiden. So ein Sparring Partner könnte entweder sein Controller sein oder ein vertrauenswürdiges Mitglied in seiner Geschäftsleitung, der in seiner Tiefenstruktur deutlich mehr korrekt sein sollte. Dieser Dialog würde ihm helfen, seine Ideen auf Nachhaltigkeit zu prüfen, Risiken zu benennen und Überraschungen vorzubeugen. Auf der Grundlage eines kritischen Austauschs (wozu auch die Bereitschaft gehört, sich hinterfragen zulassen) wird es ihm schnell gelingen, seine Konzepte insgesamt auf ein stärkeres Fundament zu stellen bevor er mit einer Implementierung beginnt bzw. bevor er wichtige Entscheidungen trifft.

Herr W. konnte mir aufgrund seiner Ausprägungen in der Tiefenstruktur sehr viele Beispiele aus seinem Berufsleben benennen, die ihm keinen Erfolg gebracht haben. Nicht weil es ihm an Pioniergeist oder Fähigkeiten, sondern an Erkenntnis über die Konsequenzen aus seinen Entscheidungen gefehlt hat. Diese Einsicht konnte er nun aus dem Testergebnis gewinnen und sein Verhalten besser verstehen.

Vor diesem Hintergrund wurde ihm auch schnell klar, dass Vorruhestand keine Option für ihn sei mit einer einfachen Begründung: „Ich habe gelernt, wie ich Risiken in Zukunft besser einschätzen kann und vertraue dabei nicht alleine auf meine Visionen“

© Ben Vaske – 17.07.2020

Frau T. kommt in die Beratung und mein erster Eindruck ist, dass mir eine elegante, sportlich aktive und interessierte Frau mit wachen Augen gegenübersitzt.

Entgegen meiner ersten Einschätzung einer agil-aktiven Frau stellt sie mir die Frage: „Bin ich wirklich ein schwacher und fauler Mensch?“ Mein Mann denkt das nämlich von mir! Obwohl ich meines Erachtens immer aktiv und unternehmungsfreudig bin. Mein Mann macht mehr, ist aktiver und fleißiger. Ich halte seinem Tempo nicht stand, obwohl ich mich sehr bemühe. Er ist Manager einer großen Fima und kommt nach 10 Stunden Arbeit voller Elan und Tatendrang nach Hause. Nach dem Abendessen geht er meist noch für mehrere Stunden ins Büro oder werkelt im Keller oder im Garten. Am Wochenende, das für ihn meist erst am Samstagmittag beginnt, fängt er an das Haus aufzuräumen, die großen Fensterfronten zu putzen, weil der Hund mit seiner nassen Schnauze mal wieder die Scheiben verdreckt hat, macht Reisepläne oder lernt eine neue Sprache. Eigentlich fühle mich auch als aktiver Mensch aber mit diesem Tempo kann ich nicht mithalten. Oft brauche ich abends Ruhe, lese gerne ein Buch oder schau´ mir auch mal einen Film an. Mein Mann belächelt dann meine „Faulheit“ und findet, dass ich mir das Leben zu locker und schön mache.

Auch unsere Urlaube sind eine Herausforderung. Während ich auch mal gerne am Strand liege, versucht er die Kultur und Sprache des Landes zu lernen, alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern und mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Natürlich hat er sein Handy und seinen Laptop immer dabei. Das ist für mich keine Erholung.

Eigentlich arbeite ich auch den ganzen Tag. Die Kinder sind zwar schon aus dem Haus, aber ich habe eine 50%-Stelle als Lehrerin an einem Gymnasium, kümmere mich darüber hinaus um das Haus, den Garten und den Hund und organisiere alles Private. Oft komme ich an meine Grenzen, nicht weil das Leben an sich schwer wäre, sondern weil mein Mann die gleichen Erwartungen an mich stellt, die er auch an sich stellt! Das zwingt mich in die Knie!“

Ich schlage vor einen Persönlichkeitsstrukturtest durchführen zu lassen. Nach meiner Eingangsdiagnostik mit Hilfe des Tests stellt sich, für mich wenig überraschend, folgendes Ergebnis heraus:

Wir besprechen das Ergebnis zunächst mit Blick auf ihre Wesenszüge und ich erklärte ihr, dass sie mit Ausnahme bei ihrer hohen Ausprägung in ihrer Selbstbehauptung (8) im Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung kaum auffällt, sich hier also weder schwach noch faul zeigt.

Um ihrer Frage aber noch mehr auf den Grund zu gehen, war mir schon sehr bald klar, dass es in ihrem Falle viel interessanter wäre, wenn ihr Mann ebenfalls einen Test machen würde. Ihr Ehemann war sofort dazu bereit. Bei der gemeinsamen Testbesprechung stellte sich für ihn folgendes Ergebnis heraus:

Bei den Wesenszügen fällt ihr Mann deutlich mehr auf, mit hohen Ausprägungen in der Selbstbehauptung (10), Begeisterungsfähigkeit (9), Selbstsicherheit (9), Selbstvertrauen (1), also ein nach außen stark auftretender Mann, der weiß was er will und der sich anderen auch so mitteilen kann, ohne Rücksicht auf Kritik oder anderer Meinungen. Sie hingegen ist ihm gegenüber in Ihrer Außenansicht deutlich zurückhaltender und empfindet ihn möglicherweise manchmal als sehr herausfordernd.

Auch in der Grundstruktur zeigt sich ihr Ehemann als sehr belastbar (1). Seine psychische Stabilität ist weit höher als die seiner Ehefrau (4). Diese Ausprägung zeigt sich bei ihm darin, dass er sich nicht so leicht beunruhigen lässt und folglich zu großen psychischen Anstrengungen in der Lage ist. Er ist durch Gefühle kaum ablenkbar und kann dadurch diszipliniert und zielstrebig arbeiten. Man kann ihm sogar weitere psychisch anstrengende Aufgaben übergeben, vor denen er sich nicht so leicht zurückzieht. Das macht ihn für seine Leitungsaufgabe in einem Unternehmen natürlich sehr widerstandsfähig. Während er mit sich und seinem Leben relativ zufrieden ist, macht sie sich eher mehr Sorgen und reagiert manchmal empfindlicher weil sie in ihren Gefühlen häufiger schwankt als ihr Ehemann.

Weil ihr Mann nun davon ausgeht, sie sei schwach und faul konnte ich ihm anhand seiner Testergebnisse erklären, dass er sein Verhalten höchstwahrscheinlich auf seine Frau projiziert und von ihr ein gleiches Leistungsniveau erwartet.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei den beiden in der Kontrollüberzeugung. Während ihre internale ‚Leistungsbereitschaft‘ schon relativ hoch bei 7 ausgeprägt ist, geht diese bei ihm noch weiter und zeigt sich bei 9. Beide sind nach diesem Ergebnis also der Meinung, dass man die meisten Probleme mit einem gewissen Aufwand lösen kann und stellen sich ihren jeweiligen Herausforderungen. Von anderen Menschen werden sie oft als „Macher“ oder „Kämpfer“ beschrieben und sind dadurch auch Leistungsträger in ihren Unternehmen.

Interessant ist bei beiden jedoch ein Vergleich der externalen Kontrollüberzeugung. Während sie (5) manche Leistungseinbrüche dem Schicksal oder auch anderen Menschen in ihrem Umfeld zuschreibt, sucht er (1) bei Misserfolgen die Schuld in der Regel nicht bei anderen, sondern bei sich selbst. Auch hier ein ganz hoher Leistungsanspruch, den er möglicherweise auf seine Frau überträgt, wenn er ihr sagt: „Warum gibst du immer so schnell auf?“. Das setzt sie dann noch mehr unter Druck.

Insgesamt konnte ich beiden mitteilen, dass Herr T. ein eher außergewöhnliches Profil aufweist und er deshalb lernen muss, mit seiner Frau etwas ‚demütiger‘ zu sein und sie nicht mit seinen Anstrengungen und Erwartungen überfordert.

Die Ehefrau war sehr beruhigt auf diesem Wege zu erfahren, dass sie immer noch ‚normal‘ ist und es ihr Mann ist, der bei vielen Wesenszügen aus der Reihe fällt. „Dass mein Mann etwas Besonderes ist, wusste ich schon immer. Deshalb habe ich ihn auch geheiratet“.

So gesehen hat sie gelernt, dass man unterschiedliche Persönlichkeiten immer in Relation zueinander sehen muss und in ihrem konkreten Fall ist sie im Verhältnis zu meinem Mann tatsächlich etwas weniger stabil und belastungsfähig. Sie fasste ihre Einsicht am Schluss der Beratung wie folgt zusammen: „Diese Erkenntnis gibt mir die Freiheit, meinen Mann immer wieder daran zu erinnern, wenn er sich wieder über meine Schwäche und Faulheit lustig macht.“

Um beiden Ehepartnern nochmals die Gelegenheit zu geben, diese Einsichten auch nachhaltig zu verankern, habe ich sie gebeten, ihre bis dahin erlebten Stresssituationen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Persönlichkeitsmerkmale zu beschreiben. Diese Übung hat beiden geholfen, ihre Reibungspunkte anhand ihrer Projektionen konkret zu benennen. Sie haben verstanden, wenn jeder seinen Partner nur durch ‚seine Brille‘ anschaut, wird das häufig Enttäuschungen hervorbringen. Erst wenn es ihnen gelingt, auch die Perspektive ihres Partners zu übernehmen, können sie sich an einer gelingenden Kommunikation erfreuen – und dabei dennoch unterschiedlicher Meinungen sein.

© Barbara Spägele – 08.06.2020

Ein junger Mann, 28 Jahre alt, kam in die Beratung weil er große Mühe hatte, seine Diplomarbeit zu Ende zu schreiben. „Den ganzen Tag sitze ich vor meinem PC und schaffe es nicht einmal, nur ein einziges Blatt voll zu schreiben.“
Er berichtete mir, dass er sich nicht auf seine Aufgabe konzentrieren könne. Ständig gingen ihm Gedanken durch den Kopf, dass er nicht dazu fähig sei, etwas fertig zu bringen. Er zweifelte an seinem Selbstwert und es kamen ihm immer mehr Fragen und Zukunftsängste; hatte er mit seinem Studium überhaupt die richtige Entscheidung getroffen?

So fühlte er sich auch seinen Eltern gegenüber schuldig, dass diese ihn schon so lange unterstützen und er es nicht schaffe, auf eigenen Beinen zu stehen. Er konnte sein Dilemma in einem einzigen Satz zusammenfassen: „Ich weiß nicht wer ich bin und wofür ich lebe.“

Er verlor sich mit der Zeit in einer Spirale von Gedanken, die ihn unfähig machten, an sich zu glauben und ihm Stabilität für sein Leben zu geben. Es galt nun diesen Kreislauf zu unterbrechen und die Ursachen für seine Gedanken zu finden.

Nachdem er den PST-R Persönlichkeitstest durchgeführt hatte, konnte ich ihm einige Erklärungen für seine ‚eingeübten‘ Gedanken geben.

In seinen Wesenszügen zeigte er eine hohe Ausprägung bei der Emotionalen Schwankung (3). Das hatte bei ihm zur Folge, dass er sich leicht beunruhigen lässt und unter Stress, so wie seine Aufgabe mit der Diplomarbeit, ihn so stark beansprucht, dass ihm der Mut und die Konzentration fehlt, diese Arbeit dann noch zu Ende zu führen.

Des Weiteren beschreibt er sich mit einer deutlich großen Besorgtheit (10). Dieses erklärt dann auch, warum ihn seine Gedanken unsicher machen und er häufig an seinem Selbstwert zweifelt. Sorgen nehmen einen großen Anteil an seinen Gedanken und geben ihm das Gefühl, auch noch selbst dafür verantwortlich zu sein.

Schon allein an diesen beiden Wesenszügen konnte er schnell verstehen, warum er sich ständig im Kreis dreht und nicht an sein Ziel kommt.

Für eine weiterführende Diagnostik war es aber auch noch wichtig, sich seine Grundstruktur anzuschauen.

Er beschreibt sich hier einerseits als eher introvertiert (3), der seine Gedanken und Gefühle nicht so schnell von sich gibt, sich also insgesamt als mehr zurückhaltend zeigt. Auf der anderen Achse zeigt er sich als eher emotional flexibel (7), also schwankend in seiner Psyche. Letzteres erklärt dann auch, warum er in seinen Stimmungen so beweglich sein kann und warum er so oft und lange über sein Leben grübeln kann.

Ich konnte ihm mit diesen beiden Schaubildern relativ einfach aufzeigen, warum er sich so leicht von seinen Gedanken kontrollieren lässt, wie er es mir zu Beginn seiner Beratung geschildert hat. Weil dieser Zustand bei ihm schon seit ca. einem halben Jahr so wie geschildert anhält, konnte ich bei ihm von einer leichten depressiven Verstimmung ausgehen, die er insgesamt gesehen über falsche Gedanken ‚erlernt‘ hat.

Seine häufigen negativen Einreden haben ihn dazu gebracht, sich als keinen wertvollen Menschen zu sehen und er dadurch seine ganze Zukunft(splanung) hinterfragt. Die Frage, ob er seine Diplomarbeit überhaupt abschließen soll oder nicht doch mit etwas anderem beginnt, läßt ihn verzweifeln.

Nach den ersten Gesprächen haben wir festgehalten, dass er sich im Augenblick in einer ‚Phase‘ der depressiven Verstimmung befindet, in der er nicht klar und strukturiert denken kann. In dieser Phase sollte er keine Entscheidungen treffen, um sich selbst den Druck zu nehmen, über den Abschluss seiner Diplomarbeit überhaupt nachzudenken. Wichtig ist jetzt im Sinne von Paul Gerhardt „Geh aus mein Herz und suche Freud.“

Als Teilziele haben wir vereinbart, ihm zunächst einmal zu einer Tagesstruktur zu verhelfen, die es ihm ermöglicht, einen groben Stundenplan einzuhalten. Dazu gehörten Aufstehen und Frühstücken zu einer festen Zeit, am Vormittag Bewegung und Sport einplanen und am Nachmittag Gartenarbeit bei seinen Eltern ausführen, um ihn körperlich in eine bessere Verfassung zu bringen. Fahrrad fahren, Joggen und Blumengießen wurden schnell zu seinen neuen Tagesinhalten. Nicht alles ist ihm sofort gut gelungen, er verstand es aber sich Prioritäten zu setzen.

Als weitere Übung hat er angefangen, ein Tagebuch zu führen. In diesem schreibt er täglich einige seiner Gedanken auf, die ihm Mühe gemacht haben oder die ihn herunterziehen. Ebenso sollte er schöne Erlebnisse aufschreiben, was ihm Freude oder ihn zum Lachen gebracht hat. Für viele Menschen sind solche Aufgaben vielleicht ganz banale Dinge. In einer Situation wie bei meinem Ratsuchenden helfen sie aber, sich selbst besser kennen zu lernen und dadurch altes zu verlernen.

Parallel zu diesen Aufgaben haben wir dann in unseren wöchentlichen Gesprächen über seine häufigen Einreden gesprochen und diese auf den Prüfstand gestellt. Stimmen denn diese alten Gedanken, die sich bei ihm verankert haben wirklich so und wenn nicht, welche neuen Einreden können wir den alten entgegensetzen?

Wir haben für ihn auf diese Weise einen ‚Erste Hilfe Kasten‘ zusammengestellt, aus dem er bei Bedarf ganz bestimmte Sätze herausholen kann. Immer dann wenn er wieder in Bedrängnis kam, falsches über sich zu denken, wusste er sogleich, womit er diesen (irrigen) Gedanken entgegentreten konnte. Beispiele wie: „Ich muss jetzt nicht an meine Diplomarbeit denken“ oder „In dieser Phase werde ich keine Entscheidungen über mein Leben treffen“ oder  „Ich will mich nicht hängen lassen“ wurden schnell zu seinen neuen Pflastern, die er auf seine Wunden legen konnte, wenn es ihm in Gedanken schmerzte.

Augenblicke der Freude und des Glücks waren nach einigen Wochen nicht mehr von ihm fern. Er hatte sich einen Schutzschild geschmiedet, den er wie ein römischer Soldat immer dann hochhielt, wenn er Anfechtungen in seinen Gedanken erlebte. Interessant auch hier die Bedeutung von Bildern, die zu Menschen ganz unterschiedlich sprechen können. Er brachte mich auf diese Beschreibung, nachdem er mir von seiner glücklichen Zeit als Soldat berichtet hatte.

Der SatzIch will mich nicht von meinen Gedanken und meinen Gefühlen kontrollieren lassen“ war bei ihm nach sechs Wochen intensiver Beratung nicht mehr nur ein Wunsch, der ins Leere lief sondern ein fest verankerter Glaube in seinem Leben, der ihm neue Hoffnung gab.

Auch wenn diese Zeit des ‚Umlernens‘ und ‚Neu Lernens‘ bei ihm noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, hat mein Ratsuchender neue Hoffnung gefunden, wie er in seiner Persönlichkeit wachsen und an sich selbst neu glauben kann. Seine Stimmungsschwankungen waren nach wenigen Wochen deutlich mehr ausgeglichen.

© Ben Vaske – 15.05.2020

Das Ehepaar F. kommt verzweifelt in die Beratung und er fängt auch gleich an zu erzählen: „Ich bin an einem Punkt in unserer Ehe angekommen, wo ich wirklich nicht mehr kann! Ich weiß, ich habe eine kreative Frau geheiratet und ihre bunte, einfallsreiche und lebensfrohe Art hat mir auch anfangs sehr gefallen. Aber jetzt stresst mich genau das so sehr, dass ich nicht mehr zur Ruhe komme. Ich bin in der Finanzbuchhaltung tätig und die Arbeit kostet mich wirklich sehr viel Kraft.

Meine Arbeit ist es, genaue Abrechnungsabläufe und Zahlen im Blick zu haben und ich brauche, wenn ich nach Hause komme, einfach meine gewohnte und ruhige Umgebung, um mich von dem Stress zu erholen. Aber meine Frau dekoriert ständig das ganze Haus um, streicht alle Wände neu und mein Zuhause ist dann kaum wieder zu erkennen. Das stresst mich so sehr, dass ich Tage brauche bis ich wieder zur Ruhe komme. Kaum habe ich mich an die neue Umgebung gewöhnt, steht plötzlich wieder alles irgendwo anders. Ich weiß ja, dass ihr das Freude macht – sie hat ja auch Design studiert, aber ich komme mit so viel Veränderung überhaupt nicht zurecht. Ich habe sie auch gebeten alles so zu belassen wie es ist, aber sie kann es überhaupt nicht verstehen und denkt noch, sie würde mir eine Freude machen, wenn alles immer wieder anders aussieht.“

Ich schaue die Ehefrau an und frage wie es ihr ergeht. Sie erwidert dann auch gleich: „Am Anfang war ich sehr angetan von seiner stetigen, genauen und zuverlässigen Art. Aber inzwischen treibt mich das in den Wahnsinn! Alles muss so bleiben wie es ist, keine Veränderung – am besten nichts Neues. Jeden Tag dieselben ritualisierten Abläufe, der gleiche Arbeitsweg, dasselbe Essen im Restaurant, alles muss so bleiben wie es ist. Das raubt mir alle Lebenskraft und Freude und nimmt mir die Luft zum Atmen! Das Leben ist doch Veränderung und Neues bringt Lebenskraft! Zu träumen, große Visionen zu haben und Dinge zu tun und zu erleben, die niemand zuvor getan oder erlebt hat, ist doch das Spannende im Leben! Mein Mann ist schon überfordert, wenn ich das Wohnzimmer umstelle! Das ist doch nicht normal, oder?

Ich schlage vor, einen Persönlichkeitsstrukturtest durchzuführen und nach meiner Eingangsdiagnostik mit Hilfe des Tests stellten sich bei den Ehepartnern folgende signifikante Unterschiede heraus:

Obwohl beide Partner sich in der Tiefenstruktur auf der Achse sachlich-warmherzig auf 5 befinden, sind die Werte auf der Achse korrekt-unkonventionell deutlich verschieden. Er weist einen Korrektheitswert von 1, sie eine Wert für Unkonventionalität von 8 auf.

Ich erkläre dem Ehepaar, dass bei diesem Ergebnis in der Tiefenstruktur die natürliche Neigung von Herrn F. ein Streben nach Sicherheit, Ordnung und Kontrolle sei. Seine Komfortzone sei das Festhalten an vertrauten Strukturen, oft verbunden mit Entscheidungsschwierigkeiten, aber auch mit der Neigung Ruhe in eine Situation zu bringen bevor ein neuer Schritt getan wird. Seine Stärken seien Stabilität, Vertrauenswürdigkeit, Zuverlässigkeit, Planung, Kontrolle, Loyalität, Ordnung und Präzision. Bei korrekten Menschen spiele die Angst vor Veränderung eine große Rolle. Er erhole sich in vertrauter Umgebung und vertrauten Situationen und Veränderung kosten ihm sehr viel Kraft.

Ihre natürliche Neigung hingegen sei das Streben nach Freiheit, Weite und Vielseitigkeit, die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und eine große Begeisterungsfähigkeit. Ihre Stärken seien eine ausgeprägte Kreativität, sie könne sich schnell auf neue Situationen einstellen, andere für Neues ermutigen, ließe keine Langeweile aufkommen und ließe sich vor Ungewöhnlichem nicht abschrecken. Wenn es bei ihr um Ängste ginge, dann um Stillstand und Unveränderbarkeit. Gleichbleibendes kostet ihr Kraft und Neues bringt Energie und Lebensfreude mit sich.

„Das ist ja interessant“ meint Frau F. „Ich fühle mich genau beschrieben und bei meinem Mann trifft die Beschreibung auch genau ins Schwarze! Dass diese Tiefenstruktur vererbt oder in der frühen Kindheit erworben worden ist, wusste ich nicht. Ich dachte immer mein Mann wollte mich ärgern oder ist in seinem Verhalten einfach nicht normal. Dass wir beide eher Extreme sind, hätte ich nicht gedacht. Aber das Wissen um unsere Persönlichkeit, und dass jeder so sein darf, wie er ist, hilft uns schon sehr.

Trotzdem stellt es uns vor eine große Herausforderung. Was machen wir denn jetzt?“

Ich schlage folgende Verhaltensübungen vor:

  1. Jeder darf sich und den anderen in seiner Art so annehmen wie er ist. Es gibt kein richtig oder falsch.
  2. Beide sollen sich überlegen, welche Vorteile ihre Unterschiedlichkeit mit sich bringt und welche Bereiche der andere durch seine Art übernehmen kann, die dann beiden dienen.
  3. Jeder soll sich überlegen, was ihm sehr wichtig ist und in welchen Bereichen Kompromisse möglich sind.
  4. Bei Spannung sollen sie im Gespräch bleiben und versuchen gemeinsame Lösungen finden.
  5. Herrn F. schlage ich vor, wann immer es im möglich ist, sich auf Veränderung einzulassen, Neues zu wagen und somit seine gewohnten Strukturen immer wieder zu verlassen und sein „Lebensland“ zu erweitern. Auch soll er sich mehr mit Kunst und Kreativität auseinandersetzten, ins Theater oder in ein Museum gehen und neue Bereiche des Lebens erobern.
  6. Frau F. schlage ich vor, immer wieder Strukturen, Verbindlichkeit und Ordnung zu trainieren, unausgegorene Idee erst einmal für sich allein zu überdenken, ohne ihren Mann dabei zu überfordern, ihrem Partner bei Veränderungen rechtzeitig miteinzubeziehen und ihm bei Entscheidungen Zeit zu lassen.

Nach einiger Zeit der Beratung haben sich beide in einer neuen Tiefe kennengelernt und befinden sich im Prozess gegenseitiger Annahme. Beide sind eifrig dabei, Punkt für Punkt aufzuarbeiten. Betreffend ihrem gemeinsamen Haus und Garten konnten sie einen guten Kompromiss schließen: Frau F. darf Haus und Garten nach ihrem Geschmack jederzeit umgestalten, nur das Wohn- und Schlafzimmer bleibt wie es ist.

© Barbara Spägele – 22.04.2020

Herr V., der den PST-R beruflich kennen gelernt hat, war so begeistert, dass er seine Frau bat den Test ebenfalls zu machen, um daraus Hilfestellungen für ihre Ehe zu erhalten. Die Ehe steckt in keiner Krise. Beide hatten den Wunsch nach bereichernden Impulsen und Erklärungen für Ihr Miteinander.

Frau V.: „Mein Mann zieht sich in Konfliktsituationen häufig zurück und verfällt in ein Schweigen. Das ist für mich nur schwer auszuhalten.“
Herr V. fühlt sich andererseits bei gemeinsamen Projekten oftmals missverstanden und überfordert: „Meine Frau kann sprunghaft ihre Meinung wechseln und ich habe große Mühe, mit meinen Gedanken und Planungen hinterher zu kommen.“

Wir haben daraufhin ihre Persönlichkeitsergebnisse anhand des PST-Rs übereinander gelegt.

In den Wesenszügen wird deutlich, dass Frau V. sich wesentlich > begeisterungsfähiger, flexibler, unkonventioneller, veränderungsbereiter und spontaner beschreibt. Hinzukommt, dass ihre Selbstbehauptung und Selbstsicherheit leicht, aber vor allem ihr Selbstvertrauen stärker ausgeprägt sind als bei ihrem Mann. Insgesamt beschreibt sich Frau V. als eine belastbare, flexibel reagierende und durchsetzungsstarke Persönlichkeit.

In der Beratung wurde herausgearbeitet, dass hierin die Überforderung und Verunsicherung von Herrn V. begründet sein kann. Hinzu kommt, dass sich Herr V. in der Tiefenstruktur mit 1 unkonventionell und Frau V. mit einem Wert von 6 beschreibt. Infolge dessen hat Herr V. ein viel höheres Bedürfnis nach Sicherheit und Planbarkeit. Allein das sichtbar machen der Unterschiedlichkeit hat dem Ehepaar V. geholfen, einander in diesem Punkt besser zu verstehen und die Bedürfnisse des jeweils anderen zu berücksichtigen.

Herr V.:  „Jetzt verstehe ich, warum ich mich oft in Schweigen zurückziehe weil meine Frau ein viel stärkeres Bedürfnis hat, sich mir gegenüber mitzuteilen und dadurch manchmal zu dominant und bedrängend auf mich wirkt.“

Hier kommt verstärkend hinzu, dass sich Frau V. in der Tiefenstruktur etwas warmherziger als ihr Mann beschreibt, dieser aber eine höhere Introvertiertheit aus der Grundstruktur mitbringt.

Das Verdeutlichen dieser Mechanismen und Unterschiedlichkeiten führte dazu, dass beide Ehepartner sofort anfingen, praktische Beispiele aus ihrem Ehealltag zu reflektieren und nach neuen Lösungen zu suchen. Hier kommt dem Ehepaar eine Ressource zur Hilfe, die ebenfalls im PST-R sichtbar wird. Beide verfügen über ein gleiches hohes abstraktes Denkvermögen und beschreiben sich auch in der Selbstbehauptung ähnlich. Dies sind Hinweise dafür, dass eine Kommunikation auf Augenhöhe gut möglich ist.

An diesem Beispiel kann man gut aufzeigen, wie mit Hilfe der Ergebnisse aus dem PST-R die Stabilisierung einer Ehe stattgefunden hat. Gleichzeitig sind die Erkenntnisse ebenso eine Prävention, damit Unstimmigkeiten, die sich nach 8 Ehejahren eingeschlichen haben, nicht weiter ausufern. Der verantwortliche Umgang des Ehepaares V. mit Ihrer Ehe hat mich beeindruckt und begeistert. Eine gute Grundlage für Ihre Beziehung und ihre drei Kinder.

© Elke Grapentin – 26.03.2020

„Ich darf nicht versagen; keine Fehler machen.“

Eine Frau S. 42 Jahre, Sozialarbeiterin, kommt zu mir in die Beratung mit dem Wunsch, kritikfähiger zu werden, mit schwierigen Situationen umgehen zu können und sich bei Kollegen besser behaupten zu können. Sie macht einen vorsichtigen, zurückhaltenden und etwas unsicheren Eindruck.

Derzeit ist sie arbeitslos, möchte gern eine neue Stelle annehmen, aber hat andererseits große Ängste, dass sie wieder „scheitern“ könnte.

Wir schauen uns die Ergebnisse ihres Persönlichkeitstests an.

Frau S. beschreibt sich in den Wesenszügen mit einer geringen Kontaktbereitschaft (3), geht also nicht so leicht auf andere Menschen zu. Mit einer hohen Ausprägung bei der Selbstbehauptung (8) hingegen wirkt sie auf ihre Kollegen dominant und kann stark auftreten, verbirgt aber damit ihre weniger ausgeprägte Selbstsicherheit (3) sowie ihre deutlich hohe Besorgtheit (9). Die Menschen in ihrer Umgebung schätzen sie dadurch falsch ein und sehen nicht ihre innere Unsicherheit sowie Verletzlichkeit (Sensibilität 7), weil sie nach außen anders wirkt als sie sie sich selbst wahrnimmt.

In der Tiefenstruktur hingegen beschreibt sie sich bei warmherzig 6, wünscht sich also deutlich mehr Nahkontakt zu den Menschen als sie es nach außen zeigt. Sie möchte gern Menschen helfen und braucht auch die Zuwendung und Anerkennung Anderer, aber sie teilt sich kaum mit. Dadurch, dass sie sich kaum mitteilt, entstehen Missverständnisse.

„Ich hätte niemals gedacht, dass ich dominant auf andere wirke. Denn ich habe den Eindruck, dass ich mich nicht durchsetzen kann.“

Wir führen Übungen durch: „Wahrnehmen statt Interpretieren“. Frau S. lernt, genau hinzuschauen und die Fakten zu beschreiben. Das hilft ihr, andere Menschen besser verstehen und einschätzen zu können. Außerdem führt Frau S. Entspannungsübungen durch, die sie regelmäßig anwendet, um ihr Angst- und Stresslevel zu senken und innerlich mehr zur Ruhe zu kommen.

Eine weitere Übung ist „Kommunikation in Beziehungen“, bei der sie lernt, ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu kommunizieren und entsprechend auch bei anderen nachzufragen, um Missverständnisse zu vermeiden.

„Ich darf nicht versagen; keine Fehler machen.“

Frau S. hat ein sehr negatives Selbstbild, das sie hindert, ihre Begabungen einzusetzen. Da ihr Glaube eine große Ressource ist, stellen wir ihre negativen Gedanken über sich selbst den Gedanken gegenüber, die Gott über sie denkt. Am Ende der Beratung sagt sie: „Ich habe gelernt, stark zu sein in Gott.“ Sie entwickelt ein positives Selbstbild, was ihr Mut macht, Herausforderungen anzunehmen und keine Angst vor Fehlern zu haben, sondern dazu zu stehen.

Im Lauf des Beratungsprozesses bekommt sie zwei Absagen auf ihre Bewerbungen. Wir üben an diesen praktischen Beispielen, wie sie positiv damit umgehen kann.

Beim letzten Gespräch kommt sie freudestrahlend auf mich zu: „Es geht mir sehr gut! Ich habe eine wunderbare Stelle gefunden!“

Bei einem späteren Kontakt nach einigen Jahren sagt sie mir: „Ich bin sehr dankbar und zufrieden mit meiner Arbeit. Ich komme gut mit meinen Kollegen zurecht.“

© Silke Berg – 25.02.2020

„Ich bin unfähig, als Lehrerin zu arbeiten“

Eine 57-jährige Frau M., seit über 10 Jahren Lehrerin, kommt mit deutlich sichtbaren psychosomatischen Stress Symptomen in die Beratung. Ihre Motivation ist es, Alternativen zum Lehrerberuf zu überprüfen, um dem zu befürchtenden Absturz in die Arbeitsunfähigkeit entgegenzuwirken. In diesem Rahmen wird der PST-R als förderdiagnostisches Instrument empfohlen und eingesetzt.

Am Tag des Auswertungsgesprächs wirkt Frau M. sehr angespannt. Als ich nachfrage, welche Befürchtungen sie belasten, sagt Frau M.: „vielleicht kommt durch das Testergebnis raus, dass ich völlig unfähig bin als Lehrerin zu arbeiten und ich mir und allen anderen nur etwas vormache.“

Ich leite das Auswertungsgespräch mit allgemeinen Hinweisen zur Persönlichkeitsentwicklung ein und weise daraufhin, dass Persönlichkeitsmerkmale per se individuelle Merkmale sind, die objektiv nicht bewertet werden in gute oder schlechte Merkmale.

Zu Beginn des Auswertungsgesprächs zeige ich die Ressourcen in den Wesenszügen auf, die für den Beruf des Lehrers nützlich sind.

Mit einer Wachsamkeit von 4 beschreibt Frau M. sich mit einer gut ausgeprägten Sensibilität, um die Komplexität des Lehreralltags wahrnehmen und professionell und ausgewogen mit Nähe und Distanz den Schülern, Eltern und Kollegen gegenüber reagieren zu können. Die mittige Ausprägung in der Unabhängigkeit und soziale Anpassung vs. Selbstbehauptung unterstützt die Ausgewogenheit zwischen verständnisvoller Wertschätzung und direktivem Handeln in Entscheidungsprozessen. Aufgrund des permanenten Erwartungsdrucks, dem Lehrer im Allgemeinen ausgesetzt sind, ist die Ausprägung der Robustheit / Sensibilität mit 5 eine schützende Ressource, den multikausalen Erwartungen entgegen treten zu können. Die deutlich ausgeprägte Flexibilität, 1, und Unkonventionalität, 10 erleichtert es Frau M. den vielen unvorhersehbaren Situationen im Schulalltag mit hoher Selbstsicherheit, 9 und Eigenständigkeit, 8 begegnen zu können. Vergleichen wir diese Ressource mit der Tiefenstruktur (sachlich / korrekt) wird ein massiver Lernprozess deutlich, der im Schulalltag viel Kraft und Energie gefordert hat und nach wie vor von Frau M. fordert. Dies ist einer der Gründe für die deutlich spürbare Erschöpfung von Frau M.

Im nächsten Schritt verdeutliche ich die Ressource für sie als Lehrerin, die in der Ausprägung der Persönlichkeit sachlich / korrekt in der Tiefenstruktur zu erkennen ist. Mit diesen Kompetenzen ist es ihr möglich, Wissen, inhaltliche Zusammenhänge didaktisch so aufzuarbeiten, dass die Wissensvermittlung gelingt. Ebenso helfen die rational, sachlichen Persönlichkeitsmerkmale dabei, fair und gerecht Leistungsmaßstäbe zu setzen. Diese Fähigkeiten kann Frau M. automatisch mit wenig Kraftaufwand ausleben.

Im Verlauf des Auswertungsgesprächs relativiert die Ratsuchende immer wieder die Ressourcen ihrer Persönlichkeit, die durch die Testergebnisse erkennbar werden. Ich frage Frau M. wie sie es sich erkläre, dass sie über sich denke, sie sei unfähig als Lehrerin zu arbeiten, obwohl das Testergebnis mehrere starke Ressourcen für den Lehrerberuf aufweist. Daraufhin beschreibt Frau M. die negativen Strukturen des Schulsystems, die angepasste Haltung der Lehrkräfte, die überhöhten Erwartungen der Eltern an die Förderung ihrer Kinder und die Tabuisierung von wahrnehmbaren Missständen im Bildungssystem. Sie fühle sich den äußeren Umständen schutzlos ausgesetzt und ihre Leidenschaft, mit der sie ihren Beruf begonnen hatte, sei völlig verloren.

Anhand der Kontrollüberzeugungen konnte ich Frau M. den von ihr beschriebenen Prozess aufzeigen und mit ihr reflektieren, wie die äußeren Einflüsse von Menschen und Umstände dazu geführt haben, dass sie ihre Kernkompetenz der Eigenständigkeit in der Tiefenstruktur, des rationalen Analysieren von Zusammenhänge immer weniger mit Selbstvertrauen (Wesenszüge) und authentischen Durchsetzungsvermögen (Selbstbehauptung, Wesenszüge) leben kann und ihr immer weniger der Zugang zu ihren tiefsten Begabungen gelingt.

Durch den immensen äußeren Druck hat sich Frau M. von einer eigenständigen Willensstarken Persönlichkeit zu einer fremdbestimmten Persönlichkeit entwickelt. Das über viele Jahre entwickelte Bild der Abhängigkeit und das Gefühl ohnmächtig äußeren Bedingungen ausgeliefert zu sein, beeinflusst Frau Ms. Selbstbild massiv und verhindert, dass sie die vielen Ressourcen ihrer Persönlichkeit wahrnehmen kann.

Am Ende des Gespräches wurde deutlich, dass Frau M. unter einem stark verzerrten Selbstbild leidet, wodurch sie die Chancen, die der Alltag für sie bereithält, nicht nur nicht mehr wahrnehmen, sondern darüber hinaus auch nicht mehr für wahr halten kann. Für den weiteren Beratungsprozess vereinbare ich mit Frau M. an einem positiven Selbstbild zu arbeiten, so dass es ihr in Zukunft wieder gelingt, aus ihren vorhandenen Ressourcen heraus ihrem beruflichen Alltag zu begegnen. Die förderdiagnostische Haltung und die Perspektive des lebenslangen Lernens hat Frau M. ermutigt, sich zuversichtlich auf den Lernprozess einzulassen.

© Dagmar Janssen – 28.01.2020

„Mein Mann kann mit allen reden, nur nicht mit mir!“

Das Ehepaar M. kommt verzweifelt und ratlos in die Beratung und sie fängt auch gleich an zu erzählen:

„Mein Mann ist Lehrer und sehr beliebt bei seinen Kollegen und Schülern. Er versteht sich wunderbar mit ihnen, ist Vertrauenslehrer und hat immer ein offenes Ohr für sie. Doch kaum kommt er nach Hause ist er stumm wie ein Fisch. Ich sitze den ganzen Tag allein und ohne Ansprache mit zwei kleinen Kindern zu Hause und freue mich wirklich, wenn er kommt. Aber kaum mache ich die Tür auf und erzähle ihm meinen Tag, verdunkelt sich sein Blick. Er ist dann genervt und nimmt Reißaus Richtung Computer, Keller, Garten oder sonst einen Ort, wo er für sich allein sein kann. Das verletzt mich wirklich sehr. Ich glaube er liebt mich nicht mehr!“

Ich schaue nun Herrn M. an und frage ihn, was er dazu meint. Er beteuert gleich, dass er seine Frau wirklich liebe und sich auch jeden Tag auf seine Frau und die Kinder freue, aber nach acht Unterrichtsstunden sei für ihn irgendwie die Luft raus und seine Worte wären für diesen Tag schon  alle gesprochen. Er wisse auch nicht was da mit ihm los sei.

Nach meiner Eingangsdiagnostik auf Basis des Persönlichkeitsstrukturtests stellten sich bei den Ehepartnern folgende signifikante Unterschiede heraus:

Obwohl beide in ihren Wesenszügen eine hohe Kontaktbereitschaft zeigen (er 7 und sie 8) ist er in der Grundstruktur Introvertiert 1 und sie Extrovertiert 7.

Ich erkläre ihnen, dass Herr M. in  seiner Grundstruktur eher im Schweigen zu Hause ist. Bei Problemen, unter Stress und bei neuen Kontakten zu Menschen wird er diesen Situationen zunächst mit Schweigen begegnen und dadurch Kraft und Ideen schöpfen. In seiner Komfortzone ist er ruhig, nach innen gekehrt, wenig mitteilungsfreudig und gesellig, verschlossen und ernst. Er hat zwar im Laufe der Jahre durch die Arbeit als Lehrer in den Wesenszügen gelernt zu reden, sowie in Kontakt zu anderen zu treten und diese Kontakte zu pflegen. Dieses Verhalten beherrscht er mittlerweile auch gut, aber es kostet ihn sehr viel Kraft und Mühe.

Frau M. ist in ihrer Grundstuktur extrovertiert, das heißt sie ist im Reden zu Hause, löst Anspannung, Stress und Probleme durch Reden. Sie ist von Natur aus gesellig, nach außen gekehrt, hat ein Bedürfnis nach anregender Gesellschaft und Abwechslung und zeigt sich eher spontan und veränderungsfreudig.

>Sie verarbeitet Erlebnisse und Eindrücke des Tages durch Reden und ihr Mann durch Schweigen.

„Ja das stimmt.“ meint Frau M. „Auch jedes Mal, wenn wir uns streiten, werde ich immer lauter und er immer ruhiger. Seine Flucht nach innen macht mich dann so wütend, dass das Gespräch daraufhin  oft eskaliert und er dann gar nichts mehr sagt. Das ist ein furchtbarer Kreislauf. Je mehr ich ihn verbal verfolge, desto mehr zieht er sich zurück und umso ärgerlicher werde ich und versuche ihn noch mehr zu konfrontieren.  Aber was kann ich da machen? Alle Probleme unter den Tisch kehren und nichts mehr bereden will ich aber auch nicht!“

Ich schlage dem Ehepaar M. folgende Verhaltensübungen vor: Wenn Herr M. nach Hause kommt,  darf er sich erstmal erden und ankommen, ohne dass er etwas sagen muss. Je introvertierter der Partner ist, desto mehr braucht er Zeit zum Auftanken und sich zu erholen.  Im Fall des Ehepaars M. empfehle ich eine Auszeit über eine gute Stunde ohne anstrengende Gespräche zu führen. Nach dieser Auszeit darf sie ihm von ihrem Tag erzählen und er bekommt die Aufgabe, ihr auch dann auch aufmerksam zuzuhören und sich am Gespräch zu beteiligen.

Als zweite Übung soll das Paar in den kommenden Wochen im Fall eines sich zuspitzenden Streits das Gespräch vertagen und gemeinsam einen Termin auszumachen, an dem die Probleme nochmals bewegt werden können. Damit hat er die Sicherheit sich konsolidieren zu können und sie weiß, dass die für sie wichtigen Themen nicht unter den Tisch fallen.

Als ich das Paar bei der nächsten Beratungsstunde frage, wie es ihnen mit diesem neuen Setting ergangen sei, bestätigen sie mir, dass sie schon auf einem ganz guten gemeinsamen Weg seien.

Nach dieser Auszeit ist er wirklich neu aufgetankt und wie ausgewechselt.“ Dankbar fügt sie noch hinzu: „Seit diesem Test weiß ich, dass er es mit seinem Schweigen nicht böse gemeint hat, sondern dass es einfach seine Art ist. Das hilft mir am allermeisten!“

© Barbara Spägele – 16.12.2019

Im Rahmen eines Projektes zur Persönlichkeitsentwicklung, das als Angebot für Führungskräfte in einem mittelständischen Unternehmen den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt wurde, entstand eine konkrete Coaching Situation.

Eine junge Frau (Frau G.,26 Jahre) thematisierte im Verlauf des Auswertungsgesprächs, dass sie für eine leitende Position angefragt worden ist. Sie selbst hatte sich noch nicht entschieden, sie war sich unsicher, ob Sie der Anforderung, die so eine Position mit sich bringt, auch wirklich gewachsen ist.

Ich fragte Frau G: „Wovor haben Sie am meisten Angst?“ worauf sie spontan erwiderte: „Ich traue manchmal meinen Gefühlen nicht.“

Nach Auswertung ihres Persönlichkeitsstrukturtests haben wir uns insbesondere die Ausprägungen angeschaut, die etwas über die Leitungskompetenzen von Frau G. aussagen.

Zunächst habe ich das Thema Vulnerabilität in den Wesenszügen angesprochen (Emotionale Schwankung auf 3, Selbstvertrauen auf 10, Innere Ruhe 8). Diese Werte lassen darauf schließen, dass Frau G. über wenig innere Stabilität verfügt und auf der emotionalen Ebene sehr verunsichert ist.

Als zweiter Punkt wurde die Ich-Stärke in den Wesenszügen angesprochen (Soziale Anpassung 4, Zurückhaltung 4, Selbstvertrauen 10). Da eine leitende Position das Führen von Mitarbeitern beinhaltet, braucht es ein gutes Standing, eine mittig bis stark ausgeprägte Ich-Stärke, um Leitung umzusetzen.

Ihr Verhalten wird noch verstärkt durch eine hohe Emotionalität in der Grundstruktur (flexibel 9), d.h. dass es ihr Mühe macht, sich von den eigenen Emotionen ausreichend abzugrenzen. Hinzu kommt noch eine leichte Introvertiertheit von 4. Auch hier wäre eine stärkere Ausprägung in Richtung Extraversion hilfreich, sich anderen Menschen mehr mitzuteilen.

Aus diesen Überlegungen heraus habe ich Frau G. empfohlen, die Leitungsfunktion auf keinen Fall ohne ein begleitendes oder vorgeschobenes Coaching anzunehmen, um an ihrer Resilienz  zu arbeiten.

Es verging ein halbes Jahr und Frau G. befand sich inzwischen in der Leitungsfunktion als sie zu mir in ihrer großen Verzweiflung zurückkam. Ihre ersten Worte waren: „Ich stehe kurz davor, unter der emotionalen Belastung in meiner neuen Stelle zusammenzubrechen. Es gelingt mir einfach nicht, mich anderen gegenüber mehr durchzusetzen.“

Sie hatte jetzt verstanden, was ich ihr in unserem Erstgespräch vermittelt hatte und sie konnte ihre typischen Verhaltensmuster den Ausprägungen in ihrer Persönlichkeit zuordnen. Es war ihr nicht gelungen, in ihren Entscheidungen stetig zu sein und diese auch ihren Mitarbeitern zu vermitteln. Dadurch geriet sie immer wieder in emotionale Schwankungen und erlebte sich als sehr unsicher, was wiederum ihre Ängstlichkeit verstärkte.

Im Rahmen eines sich anschließenden Coachings konnten wir jetzt gemeinsam konkrete Lernprogramme entwickeln. Als erstes sollte es ihr gelingen, sich nicht so sehr von ihren Gefühlen beeinflussen zu lassen und dadurch ihre inneren  Spannungen zu reduzieren. In einem zweiten Schritt haben wir dann daran gearbeitet, die ‚Ich-Stärke‘ von Frau G. zu erhöhen und dabei zu lernen, sich anderen Menschen gegenüber eindrucksvoller ‚zu-behaupten‘. Es gelang ihr mit der Zeit immer besser, ihren Stärken zu vertrauen und sich weniger von ihren Gefühlen beeinflussen zu lassen.

Heute fühlt sich Frau G. in ihrer Führungsrolle und -position wohl. Trotzdem wird sie noch eine gewisse Zeit und Kraft aufwenden müssen, bis sie das neu Erlernte ganz verinnerlicht hat.

© Elke Grapentin – 25.11.2019

 Situationsbeschreibung

Ein Geschäftsführer, 45 Jahre alt, eines kleinen Dienstleistungsunternehmens hatte den Betrieb vor einigen Jahren von seinem Vater übernommen. Schnell war er in die Organisationsabläufe eingearbeitet und er baute das Unternehmen kontinuierlich aus.

Der Vater – obwohl bereits im Ruhestand – konnte sein Geschäft nicht richtig loslassen. Ständig überprüfte er seinen Sohn. Sobald die Tür zum Büro aufging und der Vater vor ihm stand, verwandelte sich der Sohn in einen unscheinbaren und unsicheren Mitarbeiter.

Problemstellung:
Habe ich dir nicht schon immer gesagt, dass du mit diesen modernen Methoden nicht weiterkommst? Wenn du doch nur auf mich hören würdest, wärst du heute schon viel weiter gekommen.“

Solche und andere Sätze trafen den Sohn in seinem Innersten und stellten manchmal auch seinen Selbstwert infrage. Seine Gedanken drehten sich oft im Kreis und er hinterfragte sich, was er denn noch alles besser machen könne. Immer wieder kamen Zweifel auf, ob er in bestimmten Situationen die richtigen Entscheidungen getroffen hatte. Die Geschäftszahlen sahen gut aus, Umsatz und Ertrag stiegen in jedem Jahr an. Neue Produktideen wurden entwickelt, er war auf internationalen Messen gefragt und an innovativen Ideen fehlte es ihm wirklich nicht. So gesehen war der Sohn eigentlich erfolgreich und mit sich zufrieden. Nur der Vater war nie zufrieden und liess ihn das immer wieder wissen.

Als der Sohn in der Beratung dann von der belastenden Beziehung zum übermächtigen Vater berichtete und klagte, wie sehr ihm das zu schaffen machte, war frühzeitig offensichtlich, dass hier wahrscheinlich zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten im Konflikt stehen mussten. Im Rahmen der Diagnostik mit dem PST-R wurde schnell eine Bestätigung für diese Annahme deutlich. So wie der Klient den Vater in seiner Fremdwahrnehmung beschrieben hatte, „sah“ ich ein einen sehr selbstbewussten Mann vor mir, der sich in seinem Leben immer durchgesetzt hatte. Seine Meinung zählte und Widerspruch ließ er meistens nicht zu.

Der Sohn war von klein auf daran gewöhnt und ging der Konfrontation mit dem Vater immer aus dem Weg. Deshalb wunderte es ihn nicht, dass er sich bei der Testauswertung in seinen Wesenszügen auf der Achse „Soziale Anpassung und Selbstbehauptung“ nur mit dem Wert „3“ beschrieben hatte, also jemand, …

der sich schnell den Meinungen anderer Menschen unterordnet, der bereit ist zu dienen und sich anzupassen, ohne dass ihm dabei feindliche Gefühle aufkommen.

Auf meine Frage, wo er auf dieser Achse seinen Vater einordnen würde, sah er dieses Persönlichkeitsmerkmal seines Vaters diametral auf der gegenüberliegenden Seite. D.h. der Vater wurde von ihm als ein Mensch mit einer hohen Selbstbehauptung wahrgenommen, also jemand, …

der mit einer hohen „Ichstärke“ auftritt, der sich selbstbewusst und unnachgiebig zeigt, der sich nicht so leicht etwas gefallen lässt und seine Entscheidungen auch gegen den Widerstand anderer Menschen durchsetzt.

Ich bat meinen Klienten zu beschreiben, welche Konsequenzen zwei so gegensätzliche Verhaltensmerkmale in einer Beziehung haben würden. Darauf sagte er spontan: „Wenn Soziale Anpassung auf Selbstbehauptung trifft, bist du immer nur der Verlierer!“

Es schien auf den Punkt gebracht, als ob mein Klient diesen Satz zu seinem Lebensmotto gemacht hatte. In seiner Persönlichkeit war er ein deutlich warmherziger und sehr einfühlsamer Mensch, der sich gut in andere hineinversetzen und dadurch auch sehr schnell ein Vertrauensverhältnis zu diesen aufbauen konnte. Seine Kunden, seine Mitarbeiter und auch viele in seiner Gemeinde schätzten ihn und waren gerne mit ihm zusammen. Aber, jedes Mal wenn sein Vater ins Büro kam, beschlich ihn ein seltsames Gefühl, dass er schon wieder alles falsch gemacht hatte.

Beratungsansatz

Mit der Betrachtung von diesen beiden unterschiedlichen Verhaltensmerkmalen ‚Soziale Anpassung‘ und ‚Selbstbehauptung‘ in den Wesenszügen wurde ihm sehr schnell klar, woran er arbeiten müsste, um u.a. seinem Vater gegenüber mehr Selbstbehauptung entwickeln zu können.

Drei Schritte wurden in der Beratung ausgearbeitet, an die er sich in jeder neuen Konfliktsituation erinnern soll:

  1. Jedes Mal, wenn sein Vater ein scheinbar vernichtendes Urteil über seine Leistung ausspricht, will er dieses nicht als eine Bewertung seiner Person sehen, sondern als eine „subjektive Wahrnehmung“ eines anderen. Weil diese Bewertung eben nicht der objektiven Wahrheit entsprechen kann, (ist die Macht des väterlichen Urteils abgeschwächt), der Klient fühlt sich befreit und muss sich nicht mehr als Verlierer fühlen. Er ändert also seine innere Einstellung zu der Kritik eines anderen.
  2. Der Sohn beschließt, in Zukunft seine Meinung gegenüber seinem Vater deutlicher zu vertreten, weil er als Erwachsener dazu in der Lage ist. Er kann sich auf den Erfolg des Unternehmens unter seiner Führung berufen, über Schritte im Wandel in der Unternehmenskultur und neue Lösungen für Kunden berichten… Dadurch begegnet er dem Vater ‚auf Augenhöhe‘. Wenn der Sohn durch hohe soziale Anpassung bisher vom Vater als Verlierer wahrgenommen wurde, wird dieser die sich neu entwickelnde Selbstbehauptung des Sohnes als eine neue Stärke erkennen. Dies wird die Dynamik in der Beziehung von Sohn und Vater positiv verändern.
  3. Auch wenn er es seinem Vater nicht immer recht machen kann (und nicht recht machen muss!), wird er mögliche Konflikte auf der Sachebene einordnen lernen: beide dürfen unterschiedlicher Meinung sein! Der Sohn muss sich dabei nicht in seiner Persönlichkeit bzw. in seinem Denken über sich selbst angegriffen fühlen.

Verhaltensänderungen an einem selbst brauchen manchmal nur ein Verstehen der eigenen Wesenszüge und von seinem Gegenüber. Bereits mit veränderten Einstellungen kann man erste Erfolge erzielen. Mein Klient hat dieses in seinem Alltag erlebt, der Vater poltert manchmal immer noch, wenn er mit Kritik zu ihm kommt, aber die negative Wirkung auf seinen Sohn läßt nach.

© Ben Vaske – 30.10.2019

Herr G., Schuldirektor, 54 Jahre alt, seit 30 Jahren verheiratet, 3 Kinder, kommt mit seiner Frau in die Beratung und versteht die Welt nicht mehr. Nach all der langen Zeit einer glücklichen Ehe will sich seine Frau plötzlich von ihm scheiden lassen. Natürlich habe er gemerkt, dass es ihr in den letzten Monaten nicht so gut ging aber seine Frau habe schon immer unter Stimmungsschwankungen gelitten, das gehörte schon von Anfang an zu seiner Ehe.  Aufgrund ihrer zurückhaltenden und unsicheren Art habe er sich seit Beginn seiner Ehe um alles gekümmert. Wann und wie viele Kinder sie haben wollten, wo sie wohnten und arbeiteten – insgesamt, wie das gemeinsame Leben auszusehen habe. Er gehe zur Arbeit und sie kümmere sich um Haus und Kinder. Und es war all die Jahre gut so.

Seine Frau sagte in dieser ersten Beratungsstunde nicht viel. Sie weinte nur.

Nach meiner Eingangsdiagnostik mit Hilfe des Persönlichkeitsstrukturtests stellten sich bei den Ehepartnern folgende signifikante Unterschiede heraus:

  • Grundstruktur:
    Er ist extravertiert (8), sie ausgeprägt introvertiert (1).

  • Tiefenstruktur:
    Beide sind korrekt(2), er aber sachlich (2) und sie eher warmherzig (7).

  • Wesenszüge:
    Er zeichnet sich durch eine ausgeprägte Unabhängigkeit (10) sowie Selbstbehauptung (10) aus. Ihr Test zeigt eine äußerst geringe Ausprägung betreffend ihrer Unabhängigkeit (1) und Selbstbehauptung (3).

Zusammen mit dem Ehepaar interpretierte ich den Test mit folgendem Ergebnis:
Bedingt durch seine hohe (Menschen-) Unabhängigkeit und Selbstbehauptung, setzt sich Herr G. in den meisten Stationen und Entscheidungen in der Ehe durch, ungeachtet, was seine Frau benötigt oder möchte. Da sie zusätzlich sehr introvertiert und sozusagen „im Schweigen zu Hause ist“, wird sie mit ihm als dominanten und wortgewandten Gegner kaum in der Lage sein sich mit ihm auseinandersetzen zu können. Hinzu kommt, bedingt durch ihre Warmherzigkeit, ihr großes Harmoniebedürfnis, welches das Problemverhalten noch verstärkt. Über die Ohnmacht sich nicht behaupten zu können ist sie über die Jahre in eine Depression gefallen, die sie jetzt veranlasst sich aus der Beziehung zurückzuziehen.

Frau G. fühlte sich durch das Ergebnis des Persönlichkeitstest  zum ersten Male  verstanden: „Ich finde zum ersten Mal in meinem Leben passende Worte, um meinem Schmerz einen Namen zu geben und mich nicht dahinter zu verstecken.“ Sie schöpfte daraus neuen Mut und taute förmlich auf.

Ihr Ehemann wiederum zeigte sich irritiert und erleichtert zugleich: „Warum hast du mir das nicht früher gesagt? Ich dachte immer, es sei alles gut!“

Es begann ein auf das Testergebnis abgestimmtes Lernprogramm  mit dem Fokus jeweils mehr auf den Partner einzugehen und gemeinsame Wege zu finden.

Dies ist nun über ein Jahr her und beide haben in der Zwischenzeit große Lernfortschritte erzielt. Als ich neulich Frau G. fragte, wie sie ihre Ehe heute bewerten würde, antwortete sie mir mit einem erleichterten Lächeln „Vor einem Jahr gab ich unserer Ehe noch 10 von 100 Punkten. Heute gebe ich 75.“

(Barbara Spägele, 09.09.2019)

Eine leistungsorientierte Persönlichkeit – im Abseits !

Warum verstehen mich die Menschen nicht, wenn ich sie von meinen Ideen überzeugen  möchte?

Herr M, ein Mitarbeiter in Leitungsposition stellte sich diese Frage immer wieder, warum es ihm nicht gelingt, seine gut durchdachten und innovativen Strategien im Konsens mit anderen umzusetzen. Auf der einen Seite investiert er sehr viel Zeit, neue Konzepte für den Vertrieb zu entwickeln, Geschäftspartner von seinen Vorschlägen zu überzeugen und genießt dabei auch noch das Vertrauen seiner Geschäftsleitung, weil er sich dem Unternehmenserfolg verpflichtet fühlt. Andererseits erlebt er bei der Umsetzung seiner Ideen Widerstand bei den Mitarbeitern und zum Teil auch bei den Geschäftspartnern, mit denen er Kooperationen eingehen will.

In der Beratung fragte er mich, wie er mit diesem Frust um mangelnde Erfolgserlebnisse umgehen soll. Wir haben uns daraufhin sein Persönlichkeitsprofil mit einer PST-R Auswertung angeschaut und kamen zu den folgenden Erkenntnissen:

         In der Zusammenfassung der Einzelheiten zu den Wesenszügen, also für andere leicht erkennbar, beschreibt sich Herr M. als ein unternehmerischer und kreativer Mensch, der das Neue sucht (Unkonventionalität 8) und der andere Menschen leicht von seinen Ideen überzeugen kann (Begeisterungsfähigkeit 9). Er vertritt dabei eine klare Meinung, die er seinen Zielen verpflichtend auch gegenüber andere Menschen unter schwierigen Situationen durchsetzen kann (Selbstbehauptung und Selbstsicherheit 8).

So gesehen hat dieser Mitarbeiter in seiner Persönlichkeitsstruktur eigentlich alle wichtigen Voraussetzungen, um für ein Unternehmen neue Kundenkreise zu werben und diese von seinen Produkten und Dienstleistungen zu überzeugen. Warum gelingt es ihm dennoch nicht?

Wir schauten uns daraufhin zwei weitere Ausprägungen in seinem Persönlichkeitsprofil an, die uns Erkenntnisse über die ihm entgegengebrachten Widerstände geben sollten.

Herr M. beschreibt sich in seinem Profil mit einer geringen Ausprägung in seiner Sensibilität, wird von anderen Menschen also deutlich mehr in seiner Robustheit (3) wahrgenommen.

Nachdem ich ihm die Unterschiede zwischen diesen beiden Polen aufgezeigt hatte, bat ich ihn, mir dieses Verhaltensmuster in seinen eigenen Worten zu erklären und wie er dieses konkret in seinem Alltag erlebt. Er hat mir seine Überlegungen dazu wie folgt beschrieben:

Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, dann packe ich diese einfach an und überlege nicht lange hin und her ob da auch all anderen mit einverstanden sind. Ich habe mir ja bereits genügend Gedanken darüber gemacht und bin mir ziemlich sicher, dass es so funktionieren wird, wie ich mir das vorgestellt habe. Und wenn dann mal jemand nicht damit einverstanden ist, dann habe ich damit ja auch kein Problem.“

Ich fragte ihn anschließend, mal zu überlegen, wie die Menschen in seinem Umfeld seinen gut gemeinten und sachlich fundierten Ehrgeiz wahrnehmen könnten, worauf er mir die folgende Antwort gab:

Also wenn ich ehrlich bin, dann könnte ich mir vorstellen, dass ich manchen Menschen zu sehr auf die Füße trete und mich nicht genügend in ihre Gedanken und Interessen hineinversetze – Pause – das sagt mir meine Frau übrigens auch immer wieder ! Ich bin da wohl manchmal zu schnell.“

Nach dieser von mir geleiteten Selbstwahrnehmung wurde Herrn M. dann sehr schnell bewusst, wie ein Förderprogramm für ihn aussehen könnte. Offensichtlich empfinden ihn manche Menschen aufgrund seiner hohen Ausprägung in der Robustheit als wenig empathisch. Wenn es aber darum geht, diese für eine Sache zu gewinnen, muss Herr M. lernen, die Gedanken und Gefühle seines Gegenübers besser zu erkennen und darauf einzugehen bevor er seine Pläne eigenständig umsetzt. Mit diesem Verhalten kann er Menschen viel effektiver für seine Ideen gewinnen indem er sie in seine Überlegungen mit einbezieht.

Interessant dabei auch sein Resüme nach der Beratung: „das werde ich jetzt mal häufiger mit meiner Frau üben!

Ein leistungsorientierter Mensch, der nicht verstehen konnte, warum seine hohe Kreativität und sein unternehmerisches Denken immer wieder von anderen ausgebremst wurden, entdeckte für sich auf einmal ganz neue Ressourcen in seinem Verhalten aufgrund dieser Gegenüberstellung von einer geleiteten Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Für die Beratungspraxis will ich abschließend noch darauf hinweisen, dass eine hohe Ausprägung, so wie in diesem Fall bei der Robustheit, nicht immer eine Schwäche sein muss. Es gibt durchaus Berufe oder Situationen, in denen es hilfreich sein kann, sich von den Gefühlen anderer Menschen abzugrenzen. Dieses gilt es in der Eingangsdiagnostik zu klären, welche Verhaltensmuster am besten zu einer Stellenbeschreibung passen. Wenn diese zwei gut aufeinander abgestimmt sind, wird es vielen Menschen deutlich besser gelingen, gute Beziehungen am Arbeitsplatz oder auch in der Gemeinde zu gestalten.

© Ben Vaske – 08.08.2019

Eine Ehe (-vorbereitung) kurz vor dem Aus

„Wir haben im letzten halben Jahr mehr miteinander gestritten, als in den 8 Jahren, die wir uns kennen.“

Ein junges Ehepaar bereitet ihre Hochzeit vor und hat viele Entscheidungen zu treffen. Dabei geraten sie immer häufiger aneinander und fragen sich, ob sie denn noch wirklich zueinander passen. In dieser dramatischen Situation kommen sie in die Beratung und suchen Hilfe.

Um mir einen besseren Einblick in ihre Verhaltensweisen zu ermöglichen, bitte ich sie, den Persönlichkeitsstrukturest durchzuführen, dem sie auch gleich zugestimmt haben. Dabei stellt sich heraus, dass sie ihre größten Unterschiede in der Tiefenstruktur erleben. Auf der Achse ‚sachlich-warmherzig‘ beschreibt sie sich mit 2, während er sich bei 6 wiederfindet. Auf der Achse ‚korrekt-unkonventionell‘ befinden sich beide bei 3.

Der Test zeigt hier also sehr schnell, dass sie ihre größten Herausforderungen auf der Nähe-Distanz Ebene erleben.
Sie, eine gute Beobachterin und in ihren Gedanken(spielen) nichts dem Zufall überlassend, strebt nach so viel Unabhängigkeit wie möglich.
Er, in einer sich aufopfernden und dienenden Haltung, meidet den Konflikt in Auseinandersetzungen und sucht über alles andere nach einer harmonischen Beziehung, auch wenn er sich selbst dabei ein stückweit aufgeben muss.

Nachdem ich den beiden diesen Unterschied in ihrer Tiefenstruktur erklärt hatte, bat ich sie, mir ein Beispiel aus ihrem Alltag zu geben, wo sie diese Ausprägungen in ihrer Persönlichkeit möglicherweise erleben. Sie sprechen jetzt insbesondere über Entscheidungen, die bei der Hochzeitsvorbereitung anstehen.
Sie führt an, dass sie sich über viele Sachen Gedanken macht, diese bis ins letzte Detail plant wie es am besten funktionieren könnte und teilt ihm dann das Ergebnis mit. Ihre Motivation dabei ist, ihm Arbeit abzunehmen und es ihm leicht zu machen, Ihrer Entscheidung zuzustimmen. So gesehen zeigt sie sich relativ unabhängig und bezieht ihn in ihren Überlegungen nicht wirklich mit ein.

Er fühlt sich nach mehreren solcher Entscheidungen ihrerseits übergangen und hilflos, weil er gar nicht weiß, mit welchem Thema sie sich gerade beschäftigt. Wenn sie ihn nicht einlädt, an ihren Gedankenspielen schon früher teilzuhaben bevor sie eine Entscheidung trifft, kommt für ihn jeder Vorschlag wie ein unumkehrbarer Entschluss zu dem es dann keine Alternative mehr gibt. Im Grunde will er ihr vertrauen, dass sie schon alles richtig macht, scheut aber den Konflikt, ein Thema ernsthaft und gemeinsam zu diskutieren.

Sie erkennen beide, dass sie im Alltag aus ihrer individuellen Tiefenstruktur heraus ihre Gedanken auf den Partner ‚projizieren‘ ohne zu verstehen, wie der andere wirklich denkt. Im Ergebnis sind dann beide enttäuscht, weil sie keinen gemeinsamen Beschluss fassen können.
Auf die Frage, wie sie im Alltag besser miteinander umgehen könnten, bemerkte sie sehr schnell: „Dann will ich versuchen (aus meinem Streben nach Unabhängigkeit heraus), dich früher in meine Gedanken einzubinden, damit du weißt, was mich gerade beschäftigt und du kannst mir deine Meinung dazu sagen.“
Für ihn wurde es andererseits auch schnell klar, dass er sein Harmoniebedürfnis dabei manchmal aufgeben muss und ihr deutlicher mitteilt, was er eigentlich will um dadurch schon viel früher zu einer gemeinsamen Schnittmenge zu kommen, bevor ihre Entscheidung in eine ganz bestimmte Richtung geht. Er hat sich (in seiner Abhängigkeit ihr gegenüber) viel zu oft zurückgehalten und sich immer hintenan gestellt, in der Hoffnung, es wird schon….bis es zur nächsten Konfrontation kam.
So gesehen konnten beide nach bereits zwei Gesprächen ganz konkrete Hausaufgaben für sich entwickeln, wie sie sich im Alltag besser begegnen und sich anbahnende Konflikte aufgrund ihrer unterschiedlichen Tiefenstruktur entschärfen können.

Beide waren überzeugt, dass die Hochzeitsvorbereitungen nun weniger stressbeladen sein werden.

© Ben Vaske – 29.06.2019