Neu im Curriculum – Einführung in die Gemeindeberatung

In der BTS-Ausbildung stehen bisher überwiegend die Begleitung Einzelner und Paare im Vordergrund. Seit vielen Jahren bewährt sich das Konzept der ABPS in diesen Feldern. Darüber hinaus begleiten einzelne Kolleginnen und Kollegen Mitarbeiter, Leiter und Teams in Gemeinden. Wie beim Einzelnen geht es auch hier darum, Veränderung zu gestalten, den Ist-Zustand zu verstehen, Entropie und ihre Einflussfaktoren zu identifizieren um dann mutig, beharrlich und mit Gottes Hilfe auf neue Ziele zuzugehen.

Bedarf
Leben ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Von Beginn an steht über uns das Wort aus Genesis 2,18: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.« Wir sind soziale Wesen, die zum Wir berufen sind. Der Prediger unterstreicht das, wenn er im Kapitel 4,12 schreibt: »Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.« Realistisch merkt er aber auch an, dass dies kein Selbstläufer ist: »So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe« [4,9]. Eine konstruktive Gemeinschaft zu leben ist aufwändig, sie kostet Mühe. Und sie ist die Mühe wert.

Auch das Wesen des christlichen Glaubens ist Begegnung und Beziehung. Wir finden das in der höchsten und wichtigsten Weisung Gottes an uns Menschen, die Jesus wie folgt zusammenfasst: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten« [5Mo 6,5; 3Mo 19,18; Mt 22,37; Mk 12,30 und Lk 10,27].

An erster Stelle steht die Gottesbeziehung, gefolgt von den zwischenmenschlichen Beziehungen. Doch gerade dieser Bereich ist häufig wenig von Liebe geprägt. Die Realität ist, dass hier Konflikte, Verletzungen und Enttäuschungen entstehen.

Die Kirchengeschichte unterstreicht, dass auch den Nachfolgern Jesu Frieden und Einheit nicht in den Schoß fallen. Dabei wird die christliche Gemeinde mit starken Bildern der Einheit und Solidarität beschrieben:

– ein Leib mit vielen Gliedern und Christus als ihrem Haupt;
– eine Herde mit Christus als ihrem guten Hirten;
– eine Familie mit Gott als ihrem himmlischen Vater und
– lebendige Steine, die auf dem Eckstein Christus gegründet, zu einem geistlichen Haus erbaut werden, das Menschen Heimat bietet und Gott ehrt.

Die Wirklichkeit sieht häufig anders aus. Irritationen, Spannungen, Streit und Spaltungen sind Belastungsproben für Christen und trüben darüber hinaus die heilsamen Wirkungen des Glaubens für Suchende ein. Sollten die Jesus-Jünger nicht Vorreiter einer friedvollen, solidarischen und christuszentrierten Gemeinschaft sein?

Stolz, Minderwertigkeit, Missgunst, Machtmissbrauch, Neid, Gleichgültigkeit – wie können die destruktiven Muster in Beziehungen erkannt und überwunden werden? Wie kann es gelingen, das Miteinander zu gestalten und Jesu Gebot zu verwirklichen, der sagt: »Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt« [Joh 13,35].

Chancen
Nicht nur angesichts bestehender Konflikte, auch in Orientierungsphasen, bei personellen Wechseln und in Fragen strategischer Ausrichtung – die Felder für Gemeindeberatung sind vielfältig. Es geht darum, die ganzheitliche Sicht des Menschen auch in der Gemeinschaft zu etablieren, denn die Probleme sind längst nicht alle theologischer Natur. Psyche (Denken, Fühlen und Wollen), Soma (Leiblichkeit) und Pneuma (Glaube und Spiritualität) wirken sich aus und wollen berücksichtigt werden. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten mit ihren individuellen Gaben, Grenzen, Motiven und Frömmigkeiten wollen erkannt, respektiert und zu einem tragfähigen Wir verbunden werden.

Angebote
Konkret haben wir im vergangenen Jahr zwei neue Kurse erarbeitet. Im Modul „Einführung in die Gemeindeberatung“ erschließen wir uns

  • Spannungsfelder, typische Konfliktthemen und Herausforderungen;
  • Selbst- und Fremdwahrnehmung in Teams;
  • Auswirkungen unterschiedlicher Persönlichkeiten auf Glauben, Theologie und Teamarbeit;
  • Gaben und Aufgaben im Reich Gottes vor dem Hintergrund der Tiefenstruktur und
  • praxisorientierte Tipps für die Beratung.

Im Modul „Konflikt- und Krisengespräche führen“ geht es um das Wesen und die Entstehung von Konflikten;

  • unterschiedliche Konfliktarten und Eskalationsstufen;
  • typische, persönlichkeitsbedingte Konfliktpotenziale;
  • konstruktive Haltungen und hilfreiches Verhalten im Konflikt sowie
  • Hilfestellungen zur Konfliktmoderation und -vermittlung.

Diese zwei Praxistage ergänzen das Modul „Einführung in Berufsberatung und Coaching“. Darin teilen wir wertvolle Impulse für eine persönlichkeits- und stärkenorientierte Besetzung beruflicher und ehrenamtlicher Positionen sowie die gezielte Förderung und aktive Begabung Einzelner.

Wir wollen mit diesen neuen Themen einen wirksamen Beitrag leisten, das übergeordnete Ziel zu erreichen: Christliche Gemeinschaft soll – durch Gottes Geist und vom Charakter Jesu geprägt – zum Ort der Annahme, Vergebung, Wertschätzung, Wahrhaftigkeit, Gnade und Ermutigung werden. Das wollen wir fördern, daran arbeiten wir – es ist die Mühe wert.

Termine in Präsenz und über Video Live Stream:


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