© Jahreslosung im Verlag am Birnbach – Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Vortrag zum Nachhören

„Suche Frieden und jage ihm nach“ – (Psalm 34,15)

Seelsorgerliche Aspekte zur Jahreslosung aus Psalm 34,15 wollten wir miteinander an diesem 32. BTS-Jahrestag am 6. Juli 2019 in Karlsbad betrachten. Doch dann ging eine Erschütterung durch den Saal, als mitgeteilt wurde, dass Prof. Michael Dieterich vor 14 Tagen schwer gestürzt ist und in Tübingen notoperiert werden musste. 32 Jahre lang war ein BTS-Jahrestag ohne Hilde und Michael Dieterich schlicht undenkbar. Diesmal sollte alles anders werden – so wurde beim Gruß des Ehepaares, das die BTS gegründet hat, klar.

Weil Prof. Michael Dieterich an diesem Jahrestag sogar für den Hauptvortrag vorgesehen war, musste im Vorfeld kurzfristig umgeplant werden. Wir konnten Ekki Reimann, Landesreferent des Blauen Kreuzes in Baden-Württemberg und Studienleiter der BTS dafür gewinnen, das Hauptreferat zum Jahrestag zu übernehmen. „Ich werde den Vortrag nicht wie Prof. Dieterich halten können“, gab Ekki Reimann zu bedenken. Doch als er dann von uns die Rückmeldung erhielt, wurde er ermutigt: „Das ist kein Problem: Michael Dieterich würde den Vortrag auch nicht wie Du halten können.“

Wichtig bleibt bei jedem Referat, bei jeder seelsorgerlichen Betrachtung, die Authen­ti­zität des Vortragenden. Und die war bei allen Beiträgen des Jahrestages souverän gewähr­leistet.

Der Tag startete mit der BTS-Studien­lei­terin Susanne Altstädt und einer Betrach­tung zum Bild der Jahreslosung, das Stefanie Bahlinger geschaffen hat. Susanne Altstädt kennt die Künstlerin persönlich, so dass sie alle Informationen zur Entstehung des Bildes aus erster Hand hatte. Interessant war, wie sich während ihres Vortrages das Bild Stück für Stück vor unseren Augen geradezu entfaltete, weil die Aufmerksamkeit auch auf die zuerst unbeachteten Teile des Bildes gelenkt wurde. „Suche Frieden und jage ihm nach“, steht deutlich im Vordergrund des Kunstwerkes. Menschen in Farben des Regenbogens sammeln sich um das Kreuz. In ihren Kleidern finden sich verschiedene Schriftzeichen unterschiedlichster Sprachen – doch alle Texte stammen aus dem Vaterunser. Im Randbereich, fernab vom Kreuz, finden sich graue Gestalten, die noch nicht zum Zentrum – dem Kreuz – vorgedrungen sind. Doch die, die in prächtigen Farben um das Kreuz stehen, leben unter dem Frieden, den das Kreuz von Golgatha schenkt. Über ihnen zeigen sich nicht nur ein Regenbogen sondern auch Häuser als Zeichen, dass diese Menschen eine Heimat im Friedensland gefunden haben.

Ideal ergänzt wurde die Andacht und Bildbetrachtung von Susanne Altstädt durch den Hauptvortrag von Ekki Reimann. Gleich zu Beginn stellte er den Text der Jahreslosung in einen Zusammenhang mit Psalm 34 und der Lebenssituation des Autors des Textes: David. Der komplette Vers 15 aus dem Psalm heißt: „Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach.“ Damit zeichnet sich die auch in der Beratung so bekannte Bewegung von A (lass ab vom Bösen) nach B (tue Gutes) ab. „Shalom“ ist dabei viel umfassender als das so begrenzte Wort „Frieden“ im Deutschen. Shalom bezeichnet den gesegneten und geschützten Frieden in allen drei Feldern, die gestört sein können: Zwischen dem Mensch und Gott, zwischen Mensch und Mensch und zuletzt auch in der Beziehung des Menschen zu sich selbst. Was hindert uns, dem Frieden nachzujagen? Was bringt es hingegen, wenn ich mich auf den Weg mache, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen?

Und was ist eigentlich die Hauptaufgabe eines Jägers? Die Rückfrage bei einem Sachkundigen ergab: Hauptaufgabe eines Jägers ist die Hege, der Erhalt gesunder Populationen heimischer Wildarten, die Pflege der Lebensräume des Wildes und die Stabilisierung und der Schutz bedrohter Wildarten. Ist Frieden auch solch eine bedrohte Wildart in unserem Leben? Hierüber tauschten wir uns am Vormittag in vier unterschiedlichen Workshops aus:

  1. Frieden in Ehe und Partnerschaft
  2. Frieden in der Familie
  3. Frieden am Arbeitsplatz
  4. Frieden in der Gemeinde

Weil schon im Vorfeld absehbar war, dass viele Teilnehmer gerne zwei Themen aussuchen würden, haben wir am Nachmittag die Möglichkeit zum Besuch eines zweiten Workshops geschaffen.

In keinem der Workshops wurde ein finales Schlusswort gesprochen. Klar wurde vielmehr, dass der Frieden in unserem Leben eine bedrohte Wildart bleibt und die Arbeit fortgeführt werden muss: Der Workshop zu Ehe und Partnerschaft und der Workshop zur Familie wird in der Regel nach dem Verlassen des BTS-Jahrestages durch die Rückkehr nachhause fortgeführt, der Workshop zur Gemeinde am Sonntag ab 10.00 Uhr und der Workshop zum Arbeitsplatz am Montag ab 8.00 Uhr fortgesetzt. In allen Arbeitsfeldern wird weiter die Hege des Friedens in den Fokus genommen.

Ein wichtiger Punkt im Programm des Nachmittags war die Segnung neuer BTS-Lebens- und Sozialberater unter der Leitung von Sigrid Kormannshaus und Lieselotte Beißwanger. Wir wissen, wie wichtig es für Berater gerade in schweren Zeiten ist, sich erinnern zu können, dass man für den Dienst berufen und gesegnet worden ist.

Beschenkt waren wir an unserem Jahrestag auch durch das Lobpreisteam, das wieder aus dem Jugend- und Musikpastor Saša Radovanović, Jonas Böhm und Nelson Scheja aus dem Christlichen Zentrum Heidelberg/Leimen bestand.

Nicht unerwähnt bleiben soll die reibungslose technische Leitung durch Manfred Illg und die sorgende Unterstützung durch unsere Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle, Isolde Benz und Simone Helmrich, die in allen Bereichen ihre hilfreichen Hände im Spiel hatten.

Am Ende des Tages waren wir glücklich, Hilde und Michael Dieterich die gute Nachricht überbringen zu können, dass der Jahrestag auch ohne sie stattgefunden hat. Nichts ist für die Gründer eines Werkes schöner, als die Stafette an andere Mitarbeiter weitergeben zu können und zu erkennen, dass die Arbeit von Nachfolgern fortgeführt wird.

Rüdiger Marmulla