Wenn man unter Seelsorge das Bemühen („sorgen“) um die menschliche Seele versteht, und den Menschen ganzheitlich im biblischen Sinne sieht (d.h. dass er eine Seele ist – und nicht eine Seele hat), dann bedürfen Seelsorger für eine solch komplexe Aufgabe dringend der Supervision. Zu verantwortlich ist der Umgang mit dem Ebenbild Gottes, als dass man den seelsorgerlichen Dienst ohne Hilfe tun könnte und so kann die Supervision des Seelsorgers, die ihm zur Übersicht, Beratung und Kontrolle verhilft, zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Beratungspraxis werden.

Im Rahmen der Ausbildung und bei der späteren Tätigkeit im Beruf ist für viele soziale Berufe Supervision vorgeschrieben. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der personalen Entfaltung der Beziehungs- bzw. Arbeitsgestaltung, der strukturellen Entfaltung und der methodischen und instrumentellen Entfaltung (Verbesserung von Kenntnissen und Fertigkeiten hinsichtlich des beruflichen Feldes, der Diagnose und Bewältigung von Arbeitsproblemen, Krisenmanagement). Für die Arbeit in der BTS kommt die geistliche Entfaltung (Sicht des Supervisionsgeschehens unter biblischem Blickwinkel) hinzu.

Was leistet Supervision?
Man kann drei Aufgabenfelder unterscheiden
• Bei der Ausbildungssupervision wird überprüft, ob der „Supervisand“ die beruflichen Fähigkeiten erreicht hat (z.B. Zuhören, Fragetechnik, Beobachtung und Bewertung des Ratsuchenden).
• Bei der Selbstkontrolle kann der Supervisand in einem geschützten Raum (oftmals auch zusammen mit Kolleginnen und Kollegen) seine Tätigkeit reflektieren.
• Bei der Teamsupervision wird eine ganze Gruppe beraten, wobei der Supervisor dann auf die Kommunikationsfähigkeit oder Störungen in der Zusammenarbeit aber auch auf die Organisation, Aufgabenverteilung usw. achten wird.

Supervision ist demnach für den Supervisanden Hilfestellung, Wissensvermittlung und Anpassung an die vorgegebenen Arbeitsbedingungen zugleich – nicht jedoch Psychotherapie.

Für die Seelsorgearbeit nimmt m.E. die Selbstkontrolle eine zentrale Stellung ein. Sie geht einher mit dem Erkennen von Projektionen und Übertragungen. Hier brauchen Seelsorger Hilfe von außen, denn ihre Wahrnehmungen und Erinnerungen sowie deren gefühlsmäßige Verarbeitungen sind von der Vergangenheit geprägt und oftmals bringt man bewusst oder unbewusst solche Muster der Erlebnisverarbeitung in das Gespräch ein („Projektion“).
Bei der Übertragung sieht und fühlt man in den gegenwärtigen Gesprächspartner etwas hinein, was eigentlich von einem früheren Kommunikationspartner (z.B. Eltern, Geschwister ) kommt – und merkt das oftmals gar nicht. Supervisoren können solche Muster aufdecken und dadurch manche Beziehungsprobleme klären.                                                                                 © Michael Dieterich

Nächster Termin im Video Live Stream am 27.08.2021 mit Elke Grapentin
Anmeldung zur Supervision über unser  Kontaktformular