IMPULSE ZU DEN WOCHENLOSUNGEN 2020

„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3,15)

Habt ihr schon mal den Satz gehört: „Sag mal, bist du eigentlich taub?“

Ein sehr beliebter Satz, der gerne zwischen sogenannten Erziehungsberechtigten und zu Erziehenden oder auch pubertierende Gegenüber genannt, ausgesprochen.

Da will einer einfach nicht das hören, was er nicht hören will und stellt sich taub, obwohl er durchaus gut hören könnte, wenn er nur wollte.

In der Bibel heißt dieses Phänomen: „Verstockung“ und wird von Gott gegenüber seinem Volk Israel gebraucht.

Angespielt wird hier auf ein Ereignis aus der Geschichte Israels aus ihrer Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten.

Israel befand sich wieder einmal in einer schwierigen Lage. Ihnen waren die Wasservorräte ausgegangen. Also fingen sie an zu jammern, klagen und auf Mose und Gott zu schimpfen, der sie in eine solche Lage gebracht hatte. Nach dem Motto, es sind immer die anderen daran schuld, wenn es mir schlecht geht.

Hoffnungslosigkeit machte sich bei dem Volk breit, obwohl sie die Hilfe und Führung Gottes in ihrem Leben doch immer wieder erfahren hatten. Das aber wollten sie nicht wahrhaben. Sie standen vor dieser Situation nicht mit dem Vertrauen, dass es auch hier mit Gottes Hilfe weitergehen wird.  Stattdessen verzweifelten und resignierten sie.

Dieses mangelnde Vertrauen auf Gott und eine Zukunft, die er geben kann, wird hier zum Vorwurf an das Volk herangetragen, aber auch zur Mahnung an Menschen, die Jesus in ihrem Leben erfahren haben. Für sie gilt es, den Mut nicht zu verlieren sondern im Vertrauen auf IHN, sein Wort und seine Zusagen die Zukunft mutig anzupacken.

Ich erlebe diese Resignation oft auch in Beratungsgesprächen. „Das hat ja doch keinen Zweck, das wird ja doch nichts …“ sind dann die Äußerungen von Ratsuchenden. Statt mutig Veränderungen im Blick auf Gottes Zusagen anzupacken und die Möglichkeiten, die er schenkt in Anspruch zu nehmen, bleiben einige in der Anklage und Schuldzuweisung stecken und verweigern die Schritte, die dran wären. „Sag mal, bist du eigentlich taub?!“ möchte ich da auch manchmal zurufen, lasse es aber meistens bleiben. Ich versuche die Menschen aber zu ihren Veränderungen zu ermutigen, zu denen Gott sie befähigt.

Und das schon heute und nicht erst morgen oder übermorgen.

Ich wünsche allen Lesern Vertrauen in Gottes Zukunft mit euch, auch wenn die Lage noch so schwierig erscheint.

„Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ (Daniel 9,18b)

Der Vers aus der heutigen Wochenlosung entstammt aus ‚Daniel’s Bußgebet‘. Daniel schaut in diesem Abschnitt auf die letzten Jahrzehnte zurück und sieht wie es seinem Volk ergangen ist, verschleppt in ein fremdes Land, fern von ihrem Tempel, zerrüttet und ohne eine erkennbare Ordnung in ihrem Leben. Hatte das Volk Israel das wirklich alles verdient? Hatte Gott sein Volk verlassen und alles Unglück in ihrem Leben zugelassen?

Vielleicht fragen wir uns das auch manchmal, wenn unser Leben in Unordnung gerät, Perspektiven nicht erkennbar sind und uns ratlos machen. Wir haben alles versucht, um mit eigener Kraft aus einem Dilemma herauszukommen und sind immer wieder daran gescheitert. Was können wir noch weiteres tun, um Abhilfe zu schaffen. Genau das hat das Volk Israel sich auch häufig gefragt und hatte dabei eines vergessen. Dreimal erwähnt Daniel in diesem Psalm, dass sie Gottes Stimme nicht gehorchten. D.h. dass Gott zu ihnen und auch zu uns ständig spricht. Nicht er führt uns in scheinbar aussichtslose Situationen sondern wir uns selbst, wenn wir nicht auf seine Stimme hören oder manchmal auch nicht hören wollen. Das hat Konsequenzen für unser Leben, manchmal über viele Jahre bis wir zu der Einsicht kommen, dass wir oftmals versucht haben, unser Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, anstatt auf Gottes Weisungen zu hören.

Daniel benennt seine Einsicht darin, dass sie gesündigt und Unrecht getan haben, sie waren gottlos und abtrünnig geworden. Sie sind von seinen Geboten und Rechten abgewichen (5-6). Die Konsequenzen davon haben sie dann über Jahre am eigenen Leibe erlebt, vertrieben und verlassen in der Ferne, ein Leben im ständigen Umbruch und ohne Aussicht auf Besserung.

Seine Einsicht mündet in einem Veränderungsprozess, der keinerlei psychischer Hilfestellungen bedarf. Veränderung braucht manchmal nur (m)eine Bereitschaft, mit meinem Gebet vor Gott zu liegen, nicht auf meine eigene Gerechtigkeit zu vertrauen, sondern auf seine große Barmherzigkeit.

Danke Herr, dass du es uns so leicht machst. Dein Angebot, im Gebet zu dir zu kommen gilt uns an jedem neuen Tag. Lasse du mich deine Stimme hören, unter all dem Lärm, der mein Leben umgibt und weise du mir deinen Weg. Amen.

„Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60,2b)

Wie geht das? Dass die Herrlichkeit Gottes über uns erscheint? Das geht mit Gotteskraft.

Genauso wie den Sonnenaufgang können wir auch Gotteskraft nicht aufhalten – wir können sie auch nicht beschleunigen. Aber wir können sie bezeugen.

Wenn Jesus vom Vater und vom Himmel spricht, dann erscheint die Herrlichkeit Gottes über unserem Leben.

Wenn Jesus von der Liebe des Vaters erzählt, mit der der Vater dem heimkehrenden Sohn entgegeneilt, dann ahnen wir, welche Herrlichkeit und welche Kraft von Gott ausgehen.

Wenn der verzweifelte Petrus, nachdem er Jesus verleugnet hatte, von seinem Herrn eine neue Chance bekommt, dann erkennen wir, mit welcher Herrlichkeit Jesus sein Regiment führt.

Wenn es auch eine Lösung für dich in deinem Leben gibt, dann erscheint die Herrlichkeit Gottes über dir.

Und wir bezeugen die Herrlichkeit, indem wir Jesus unser Leben geben. Ganz und gar.

Herr! Ich gehöre dir und ich bezeuge, du bist herrlich. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

„Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13,29)

Könnt Ihr Euch vorstellen, was diese Worte bedeuten?

Ich werde an ein Bild auf einem Buchzeichen erinnert, das ich vor vielen Jahren von der christlichen Organisation Wycliff e.v. (Bibelübersetzung, Sprachforschung, Bildung) erhalten habe. Das Buchzeichen habe ich schon lange nicht mehr, aber das innere Bild werde ich nicht vergessen.

Viele von Euch kennen das „Abendmahl“ des italienischen Künstlers Leonardo da Vinci. Es gehört zu den berühmtesten Wandgemälden der Welt.- In Anlehnung an dieses Kunstwerk war zu diesem Bibelvers eine besondere Abendmahlszene abgebildet. Zwölf Menschen sitzen mit Jesus am Tisch. An der farbenprächtigen Darstellung lässt sich leicht erkennen: Hier sitzen Menschen aus allen Erdteilen. Ihre Hautfarbe, ihre Haare, ihre Augenform, ihre Kleidung zeigen ihre Herkunft. – Es beeindruckt mich, wie der Inder neben dem Amerikaner sitzt und der Afrikaner neben dem Eskimo[1]. Alle sitzen in Eintracht beieinander und sind auf Jesus ausgerichtet. Er ist ihr Zentrum….

Gegenwärtig können uns kulturellen Unterschiede, die wir im Umgang mit Geschwistern aus andern Ländern erleben, ziemlich herausfordern. Ob es um das Thema Pünktlichkeit, Tischgepflogenheiten, Rollenverständnis oder anderes geht. Die Freude darüber, dass wir „Geschwister im Herrn“ sind, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in kultureller Hinsicht gleich denken. Besonders im seelsorgerlichen Gespräch müssen wir doch uns dieser Unterschiede bewusst sein und sie in den Prozess einbeziehen.

Was für eine tolle Vorstellung! Eines Tages wird dies alles keine Rolle mehr spielen. Dann werden Menschen aus der ganzen Welt zusammen kommen und ihre Plätze im Reich Gottes einnehmen (dazu auch Matthäus 26,29, Jesus sagt: Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.)

[1] Vielleicht war der Chinese neben dem Eskimo dargestellt und der Südländer neben dem Afrikaner? So genau weiß ich es nicht mehr. Aber darauf kommt es mir jetzt nicht an.

„Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ (Johannes 1,16)

Immer wieder haben wir Gnade von ihm, von Jesus Christus, genommen. So drückt es eine andere Bibelübersetzung aus, immer wieder.

Ein Kontinuum so zusagen, ein nicht enden wollender Vorgang. Ein Topf voller Gnade, der nie leer wird. Bereitgestellt für jeden, der sich bedienen möchte.

Aber nur, weil etwas für mich bereitgestellt ist, heißt ja noch lange nicht, dass ich es auch nehme.

Der Gedanke, von der Gnade oder auch Gunst eines anderen abhängig zu sein, gefällt uns in der Regel nicht wirklich. Da gefällt uns Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit und Autonomie schon eher.

Gnade anzunehmen oder zu geben setzt ein Gefälle voraus, ein Gefälle von einem Höherrangigem und einem der darunter steht. Gnade beinhaltet, dass jemand ein Recht hat etwas durchzusetzen, es aber nicht tut. Abhängigkeit und Ausgeliefertsein auf der einen Seite, stehen einem Verzicht auf die Durchsetzung dieses Rechtes auf der anderen Seite entgegen.

Wer Gnade nimmt, und das immer wieder, der akzeptiert die eigene Bedürftigkeit, auch seine eigene Unfähigkeit und stellt sich unter eine Herrschaft. Der gesteht ein, abhängig von Gnade zu sein.

Gottes Gnade ist seine verzeihende Güte. Das Gefälle Mensch (Geschöpf) zu Gott (Schöpfer) ist zu groß. Unüberbrückbar für uns Menschen. Und da kommt die Gnade ins Spiel, die Gnade, die sichtbar wird in Jesus Christus und die die Kluft überbrückt. Vergebende Gnade ist die Brücke, die Gott uns baut, damit ein Leben mit ihm möglich ist. Gottes purer Liebesbeweis.

Und wenn einzelne Steine durch Schuld aus der Brücke heraus zu bröckeln drohen und dadurch die Statik der Brücke bedroht ist, dann gibt es nur einen Weg der zur Stabilisierung führt:

Aus seiner Fülle Gnade nehmen, wieder, wieder und immer wieder!

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ (Römer 8,14)

In Deutschland gibt es eine Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung. Warum? Weil es so leicht ist, Verbraucher zu täuschen. Ist auch wirklich drin, was drauf steht? In der Bibel gibt es Kennzeichen für Gottes Kinder. Warum? Weil der Bibelleser darüber aufgeklärt werden soll, was ein Gottes Kind ausmacht. Ist auch wirklich drin, was drauf steht?

Bin ich ein Gottes-Kind? Ja, wenn ich den Geist Gottes in mir habe.  Und nein, wenn ich den Geist Gottes nicht in mir habe. Das sind klare Kennzeichen, „wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein“ (Römer 8, 9b).

Wer aber würde sich nicht danach sehnen, ein Gottes-Kind zu sein? Es hat doch keinen Wert, sich ewig mit dem boshaften und sich gegen Gott auflehnenden Herzen zu plagen; das menschliche Herz ist nicht fähig, Gott zu gefallen. Dafür ist doch Christus ein für allemal gestorben. Damit bietet er uns die Chance- ohne eigene Rechtschaffenheit- vor Gott vollkommen zu sein. Das nennt die Bibel ein herzlich geliebtes Gottes-Kind.

„Ist bei euch endlich der Groschen gefallen?“, so ähnlich fragt Paulus seine Adressaten.

Ist bei uns endlich der Groschen gefallen? Wir sind Gottes Kinder, wenn uns der Geist Gottes (das Sühneopfer Jesu) lieber ist als unsere eigene Rechtschaffenheit. Wir sind Gottes Kinder, wenn uns der Geist Gottes treibt, wir sind Gottes Kinder, wenn wir dem Geist Gottes Raum geben. Und dann werden wir täglich sterben, was so viel heißt, wie, den Begierden des „Fleisches“ (allem selbstverliebten Streben) nicht nachgeben. Aber das stößt uns dann nicht sauer auf, sondern wir wachsen hinein in eine tiefe Verbundenheit mit unserm Herrn und Heiland: ein liebevolles Verhältnis zu unserm Abba (Römer 8,15).

„Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1,14b)  (Johannes 1,14)

Dem Wort folgt die Tat. Jesus wird Mensch!

– Menschenworte werden oftmals nicht gehalten. Oft versprechen wir mehr, als wir halten können. Ganz anders ist das bei unserem Vater im Himmel. Solange hat er schon den Retter im Alten Testament ange­sagt und versprochen.

Jetzt ist es soweit. Das Wort wird Fleisch. Jesus wohnt unter den Menschen. Sie kennen ihn als Freund, als Bruder, als Meister. Für seine Freunde hat er ein Gesicht, seine Stimme ist ihnen vertraut. Sie erken­nen ihn an seinen Bewegungen, an seiner Mimik. Sie kennen ihn an sei­ner Art, zu denken und zu sprechen. Ja, vielleicht erkennen sie ihn so­gar an seinem Geruch.

In Jesus bekommt der Trost Gottes eine Schulter, an die wir uns an­lehnen dürfen. In Jesus reicht uns Gott die Hand, die wir ergreifen kön­nen. In Jesus erfahren wir die Herrlichkeit des Vaters. Jesus ist voller Gna­de und Wahrheit.

Worte von Menschen helfen oft nicht. Aber das Wort Gottes ist ein starker Helfer.

Jetzt magst du fragen: Wo ist dieses Wort Gottes heute? Wo ist heu­te die Schulter Gottes, an die ich mich anlehnen kann? Wo ist das Ge­sicht Jesu heute, so dass ich in die Augen unseres Herrn schauen kann? – Nun, Jesus ist in den Himmel zurückgekehrt. Aber er hat uns nicht ver­waist zurückgelassen. Der heilige Geist erfüllt nun all die Aufgaben, die Jesus zu seiner Zeit auf der Erde so treu erfüllt hat. Nun tröstet der hei­li­ge Geist, nun erfüllt uns der heilige Geist. Die Verbindung zum Vater ist jetzt durch ihn hergestellt.

Wollen wir so leben, dass wir den heiligen Geist nicht betrüben!

Dein Wort, Vater, hilft – es ist Christus, unser Herr. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags