IMPULSE ZU DEN WOCHENLOSUNGEN 2021

„Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ (Lukas 12,48)

In dieser Forderung Gottes geht es nicht um unsere Schuld. Der Schuld­brief gegen uns ist zerrissen, wenn wir Jesus angenommen haben.

Gott will vielmehr, dass die gute Saat, die er in uns gelegt hat, auf­geht. Gott will Ertrag sehen. Er will, dass das Kapital, das er in uns als seine Gemeinde gelegt hat, Zinsen trägt. Er will erleben, dass der gute Same, der in seine Gemeinde und unser Leben ausgesät ist, Frucht trägt.

Seiner Gemeinde hat Gott viel anvertraut und viel gegeben. Der Vater hat der Gemeinde seinen Sohn, Jesus Christus, als Haupt anver­traut. Und das muss auch so sein, sonst wären wir kopflos.

Und wer oder was ist nun die Saat, die Frucht tragen soll? – Jesus, er ist das Weizenkorn, das in den Boden der Gemeinde gefallen ist, das ge­storben ist und das nun viel Frucht tragen soll.

Jesus soll an uns, unserem Wesen, sichtbar werden. Und umso mehr Jesus in die Gemeinde und die einzelnen Menschen, die zu ihr gehören, hineingelegt hat, desto mehr wird er fordern.

Dabei hat Christus die Gemeinde geliebt und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Damit haben wir alles erhalten. Wol­len wir doch dann auch alles geben und nichts für uns zurückbehalten.

Herr! Du hast alles gegeben – dich selbst. Danke. Amen.

 Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

„Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheser 5,8b-9)

Paulus erinnert die Epheser an ihre besondere Stellung, die sie durch Christus bekommen haben: Sie sind jetzt „Kinder des Lichts“. Unser Herr sagt in der Bergpredigt auch zu seinen Jüngern (Matth. 5,14): Ihr seid das Licht der Welt. Licht ist nur dort notwendig, wo es dunkel ist. Wenn es hell ist, braucht es kein Licht. In Offenbarung 22,5 lesen wir über den Zustand in der Ewigkeit: „Und Nacht wird nicht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichtes einer Lampe und des Lichtes der Sonne; denn der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten“ Wenn es keine Nacht mehr geben wird, wird es auch keine Finsternis mehr geben. Die Finsternis ist abgeschafft, weil der Satan nicht mehr wirken kann.

Noch sind wir aber auf der Erde und der Satan wird als „Fürst dieser Welt“ beschrieben und deshalb  ist diese Welt so finster. Diese Finsternis mit all seinen Auswirkungen beschreibt Paulus in dem Abschnitt vor unserem Wochenvers. Er malt sehr ausführlich sündiges, finsteres Verhalten und möchte die Epheser herausfordern, indem er sagt: Könnt ihr euch erinnern? So habt ihr einst gelebt! Ihr wart mittendrin in der Finsternis und euer Verhalten war genauso. Aber jetzt seid ihr anders; „jetzt seid ihr Licht im Herrn“.

Wir brauchen diese Erinnerung, denn obwohl wir neues Leben bekommen haben, so haben wir noch immer das Fleisch in uns, das die Tendenz hat, sich der sündigen Umgebung anzupassen. Es ist unsere Aufgabe, wachsam zu sein und uns an unsere Berufung zu erinnern: Wir sollen Licht sein in einer finsteren und dunklen Umgebung.

Praktisch wird die Frucht des Lichts beschrieben mit Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Güte: Unser Herr soll uns Vorbild sein, der „umherging und Gutes tat“(Apostelgesch. 10,38). Wir sollen an unseren guten Werken erkannt werden.

Gerechtigkeit: Wir setzen uns für Gerechtigkeit ein, wo wir die Möglichkeit dazu haben.

Wahrheit: Wir stehen zur Wahrheit und bekennen uns zu ihr, auch wenn wir selbst Nachteile davon haben.

Als Seelsorger und Berater haben wir oftmals eine Vorbildfunktion. Wir sind häufig ein Modell, von dem Ratsuchende lernen. Das sollte uns zusätzlich zu der Aufforderung von Paulus ein Anreiz sein, wirklich ein Licht in dieser finsteren Welt zu sein, damit noch andere Menschen zu diesem Licht finden!

Ihr seid jetzt also nicht länger Fremde ohne Bürgerrecht, sondern seid – zusammen mit allen anderen, die zu seinem heiligen Volk gehören – Bürger des Himmels; ihr gehört zu Gottes Haus, zu Gottes Familie“. (Epheser 2,19 (Genfer Bibel)

Wie sehr wünschen wir Menschen uns Gemeinschaft und eine Zugehörigkeit zur Familie.

Wenn unsere inzwischen erwachsenen Kinder mit ihren eigen Familien zu uns zu Besuch kommen, dann wird es lebhaft im Haus. Dann müssen viele Teller auf den Tisch, viele Becher Kaffee gekocht und viele Gedecke eingedeckt werden.

Dann packen alle mit an. Auch die kleinen Enkelkinder sind mit Begeisterung dabei den Tisch zu decken und das was sie können zum gemeinsamen Essen beizutragen.

Es wird dann manches auch ganz anders gemacht , als wir es „sonst“ so immer haben. Aber das ist in Ordnung. Schön ist einfach, dass sie da sind und wir Gemeinschaft haben.

So ähnlich stelle ich es mir auch in Gottes „ Haus“ vor: wir, die wir Jesus nachfolgen leben alle zusammen. Da ist weder Jude, noch Grieche, wir sind alle eins in Christus.

Und so tut jeder das was er/ sie gut kann, um die Gemeinschaft gut mitzugestalten. Jede/r packt mit an. Mit den je eigenen Gaben und Möglichkeiten. Wir übernehmen Verantwortung für unser eigenes Handeln und dabei schauen wir nach links und nach rechts, sehen wie es die anderen machen (lernen am Model) und lernen Neues dazu. Wir ergänzen uns, hören uns zu, geben gemeinsam Gott die Ehre, feiern unsere Erlösung und machen so neugierig auf ein Leben in der Nachfolge.

Danke Vater, dass du keinen Unterschied machst und jede/r Einzelne bei dir wertvoll und geachtet ist.

„So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jes.43,1)

Hier ist die Rede vom Schöpfergott.

Überall in der Schöpfung können wir seine liebende Handschrift entdecken. In der unendlichen Weite der Ozeane, in den gewaltigen Bergmassiven, in der Schönheit des Sonnenaufgangs aber auch in den ganz kleinen Dingen des Mikrokosmos. In all dem entdecken wir Gott als Künstler, der ein einzigartiges Kunstwerk erschaffen hat.

Aber er schafft nicht nur den Kosmos, das Große, Galaxien und Sternenhaufen, nein er richtet seine Aufmerksamkeit auf einen kleinen Planeten, die Erde. Hier gibt es ideale Bedingungen, dass Leben möglich ist. Er erschafft unzählige Pflanzen- und Tierarten; richtet aber seine Aufmerksamkeit auf ein Geschöpf: den Menschen. Er ist genauso wie alle anderen Lebewesen aus Materie (Lehm) erschaffen und dennoch hebt Gott ihn von allen anderen ab, indem er ihm seinen Lebensodem einhaucht.

Es ist der Geist Gottes, der den Menschen erst zum Menschen macht. Zum Ebenbild des Schöpfers; aber noch mehr: Er ruft den Menschen mit Namen und indem er ihn ruft fordert er ihn zu einer Antwort auf. Er, der Schöpfer, sucht das Gespräch mit dem Geschöpf. Gott wünscht sich Antwort, ja Freundschaft mit dem Menschen. Das war damals so, bei Adam, aber das gilt für Alle.

Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Das Gott uns ruft, uns wahrnimmt, uns anschaut, das hebt uns zu ihm hinauf.

Das ist darum möglich, weil er, unser Schöpfer zugleich auch unser Erlöser ist. Erlösung bedeutet im Wortsinn Rückkauf. Gott kauft uns von der Sünde, der Trennung zurück uns holt uns wieder ganz auf seine Seite.

Deshalb hat auch die Furcht keinen Raum mehr. Fürchte dich nicht. Das ist Gottes Geschenk, die Folge davon, dass er uns bei unserem Namen ruft. Schöpfung und Erlösung, Beziehung und Freundschaft, Frieden und Leben ohne Furcht ist eine Geschenk Gottes an seine Leute.

Damals hat er es zum Volk Israel gesagt, doch diese Zusage gilt auch uns an jedem Tag. So leuchtet auch schon im ersten Teil der Bibel das ganze Evangelium auf. Er hat seinen Namen auf unser Leben geschrieben: Jesus.

Seine Unterschrift gibt unserem Leben unendlich viel wert, wir sind von Ihm persönlich signiert.

„Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ (Epheser 2,8)

Wenn Selbstwirksamkeit nichts zählt…

Als Seelsorger haben wir es häufig mit verletzten und depressiven Menschen zu tun. In solchen Situationen besteht ein Teil unserer Arbeit darin, das wertzuschätzen, was dieser Mensch kann. Wir heben seine Selbstwirksamkeit hervor und stützen damit seinen Selbstwert. –Es gehört zur gesunden Entwicklung eines Kindes, allmählich vieles ohne fremde Hilfe zu können. Kleine Kinder freuen sich über jeden kleinen Lernerfolg und jedes Mal wird im Belohnungssystem des kindlichen Gehirns Dopamin ausgeschüttet. Dieser lange Lernprozess führt dazu, dass wir – normalerweise – als Erwachsene, die Dinge selbst regeln wollen. Das ergibt für uns Sinn und erfüllt uns mit Stolz. In vielen Religionen gibt es Rituale, die diesem menschlichen Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit gerecht werden.

So ganz anders ist der christliche Glaube… Er bringt unsre menschliche Logik ins Wanken.

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. – Wieviel arbeitest Du für ein Geschenk? Nichts? Bist Du sicher? Manchmal ist auch unser Christsein von Selbstwirksamkeit und vom Leistungsstreben geprägt.  Wir wollen gute Christen sein. Wir wollen das Beste für Jesus. Ein Pfarrer hat diese Art den Glauben zu leben humorvoll in Frage gestellt: „Wenn dieses Prinzip stimmt, dann müssten Diakonissen mit ihren Hauben bereits am Himmel streifen, setzen sie doch ihr ganzes Leben für Gott ein. Das tun sie aber nicht. Ich habe erlebt, dass es bei ihnen, selbst wenn sie schon lange im Dienst sind, sehr menschlich zugeht.“

Aus Gnade seid ihr gerettet und das nicht aus euch. D.h. wir können nichts dafür und nichts dazu tun. Warum? „Auf dass sich nicht jemand rühme“ schreibt Paulus in Vers 9 weiter.

Das ewige Leben, das uns Gott in Christus schenkt, bekommen wir umsonst und unverdient. Es ist ein Geschenk. Es ist Gnade. Ich lade zum Staunen über diese Gnade ein. Staunen kann uns zur Anbetung führen und lässt uns Gott rühmen.

Das bekannte Lied „Amazing Grace“ bringt das zum Ausdruck: (hier die ersten beiden Strophen in deutscher Fassung)

O Gnade Gottes, wunderbar
hast du errettet mich.
Ich war verloren ganz und gar,
war blind, jetzt sehe ich.

Die Gnade hat mich Furcht gelehrt
und auch von Furcht befreit,
seitdem ich mich zu Gott bekehrt
bis hin zur Herrlichkeit.

„Einer trage des Andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Gal. 6,2)

Ich habe einen Traum …

Ich sehe Menschen:

Freunde, Nachbarn, Familien, Paare, Geschwister, Kollegen, Fremde,

die nicht unachtsam aneinander vorbeigehen,

sondern in einem ehrlichen Miteinander unterwegs sind.

Menschen, die sich nicht egal sind,

sondern aufeinander zugehen, hinsehen, nicht wegsehen.

Menschen, die einander nicht sich selbst überlassen,

sondern ermutigen, unterstützen und helfen.

Ich sehe eine Gemeinschaft von Menschen,

in der niemand allein ist,

sondern nachgefragt und Leben geteilt wird.

Ich habe einen Traum …

Möglicherweise hat Gott einen ähnlichen Traum. Auf jeden Fall beschreibt der Bibeltext eine Idee, ein Wissen um ein gelingendes Miteinander.

Der Bibeltext beschreibt eine Kettenreaktion: Ich trage die Last eines anderen, wieder ein anderer meine Last und so weiter und so weiter …

Die Glücks- und Sinnforschung hat längst bestätigt, wie wichtig es für die eigene psychische Gesundheit ist, als sozialer Mensch unterwegs zu sein, der sich für andere oder eine Sache einsetzt und nicht als ein um sich selbst kreisendes Wesen durchs Leben geht. Engagement für Mitmenschen ist eine Win-win-Situation.

Oft hat man das Gefühl, dass die eigene Last schon zu schwer ist, es also unmöglich erscheint, sich auch noch die Last des anderen aufzubürden. Dabei ist es ist oft leichter, die Last eines anderen zu tragen, als die eigene. Da ist die Distanz größer und Lösungen können besser gefunden werden. Aber es ist zu schwer, meine Last und die des anderen zu tragen. Habe ich den Mut, meine Last herzugeben? Habe ich das Vertrauen, dass meine Last getragen wird, ich mich mit meiner Last zumuten kann? Nur so, ausschließlich so kann ich anderen Last abnehmen.

Einander die Last zu tragen ist die Erfüllung des Gesetzes von Jesus Christus. Es ist eine Gesetzmäßigkeit für gottgewolltes Leben, die Gottes guten Gedanken über uns entspringt. Letztlich reiht sich auch Jesus Christus in diese Kette mit ein und ist bereit, unsere Last zu tragen. Und ihm ist keine Last zu schwer.

Träumst du noch dein Leben als Christ oder lebst Du schon das Gesetz Christi?

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“ (Lukas 19,10)

Ein Bürgermeister aus einem uninteressanten Dorf in Afrika sagte zu einem Missionar: „Sie haben unser Dorf auf die Landkarte gemalt“ ein Sprichwort, das überliefert ungefähr bedeutet: „Ihr habt uns ein Gesicht gegeben“. Das war der Anfang von einem vorher vergessenen und hoffnungslosen Dorf mit ebenso verlorenen, bedeutungslosen und verlassenen Dorfbewohnern, für die sich niemand interessierte.

Lukas berichtet über einen verlorenen, ungeliebten, bedeutungslosen Menschen, der klein in Gestalt ist. Der Autor bringt uns zu diesem Baum, um Zeuge einer feinfühligen und wohltuenden Begegnung Jesu mit Zachäus zu werden, dessen Name sich als „Gott hat sich erinnert“ übersetzen lässt.

Unterwegs
Schon in Genesis, macht uns der Erzähler mit Gott, auf der Suche nach einem Menschen bekannt. „Wo bist du, Adam?“ Können wir uns vorstellen, wie intensiv Gott den Schmerz in seinem Herz ertragen musste? Sein Ebenbild, sein Freund Adam, dem Er ein Gesicht gegeben und mit dem Er sich gemeinsame Ziele und Interessen auf seiner Landkarte ausgedacht hatte, hat Ihn verlassen und sich vor Ihm versteckt. Konnte es sein, dass mit der Zeit, in der Gewohnheit im Garten zu verweilen, Adam und Eva diese „Philia“ zwischen Gott und ihnen für selbstverständlich gehalten hatten? Waren Gottes Gedanken nicht an eine gegenseitige Achtung und Herzlichkeit, „an einem Strang ziehen“ gerichtet? Hatten die Menschen den Sinn in ihrem Dasein vergessen?

Neuer Anfang
Und Gott knüpft die Verbindung wieder an. Gott denkt an seine verlorenen Freunde. Verloren in ihren eigensinnigen Gedanken, mit schamerfüllten Gefühlen die Schuld auf andere zu übertragen und mit einem störrischen Verhalten, gefangen in ihren Irrtümern, verwirrt auf dem eigenen Weg, da kommt Gott ihnen entgegen und spricht mit ihnen. Er wird aktiver denn je als Er sie mit seinem Mantel der Geborgenheit zudeckt.

Trotz allem (envers et contre tout): Agape
«Steig eilend herunter, Heute muss ich in deinem Haus einkehren“. Welch eine Aufforderung! Können wir uns vorstellen, runter-zu-kommen von solchen Situationen, wenn wir in unsere selbst erdachten Weisheit gefangen sind und uns selbst erhöht haben? Vielleicht haben wir uns versteckt hinter einem Gewand der Geistlichkeit aus Angst nicht akzeptiert zu werden, aus Scham nicht gut genug zu sein, aus Sorge zu klein zu sein? Wie wäre es, wenn wir heute Gottes Worte hören wurden: „du fehlst mir“!

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matth. 11,28)

Alle die unter Mühsal und Belastung stöhnen sollen zu Jesus kommen. Eine riesige und tolle Einladung, die Jesus hier ausspricht. Allerdings frage ich mich  auch, ist der, der sie ausspricht damit nicht überfordert. Alle, das sind ja unter Umständen schon ziemlich viele. Auf einer Skala von 0 bis 10 gaben die Einwohner der OECD-Länder im Durchschnitt einen Zufriedenheitsgrad von 6,5 an,[1] das heißt, da sagt keiner, er ist vollumfänglich ohne Mühen oder Belastungen. Und das sind erst 1,3 Mrd. Menschen, ca 17% der Weltbevölkerung. Trotz dieser Menge spricht Jesus  diese große Einladung an alle aus. Bei ihm scheint es etwas zu geben, das als Mittel gegen die Mühen und Belastungen des Lebens wirkt.

Mir sind bei dieser Einladung von Jesus drei Dinge aufgefallen, die ich gerne mit euch teilen möchte.

1)  indem Jesus Menschen mit ihren Belastungen einlädt zu ihm zu kommen macht er für mich deutlich, dass er meine (unsere Belastungen) sieht und dass sie ihm nicht egal sind. Bei ihm höre ich nicht: „Ist doch nicht so schlimm;  Hab dich nicht so; Selber schuld; Da musst du halt durch …“. Jesus nimmt uns in unseren Belastungen und Lebensmühen ernst. Er schaut da nicht weg sondern er schaut hin und will sich kümmern. Das heißt, mit all dem, was mir schwer fällt lässt er mich nicht allein. Erinnert irgendwie an die Geschichte des barmherzigen Samariters.

2) Jesus bietet mir mit seiner Einladung einen Ort wo ich richtig bin wenn es um mein Leben und meine Belastungen geht. Mir helfen da Bilder von kleinen Kindern. Wenn was weh tut überlegen sie nicht lange welcher Spezialist der richtige für ihre Problematik ist. Sie kennen den Ort an den sie flüchten, in die Arme von Mama und Papa. Da darf ich weinen, da werde ich getröstet, da erwarte ich Hilfe. Mit der Einladung von Jesus breitet er für mich die Arme aus, zu ihm darf ich kommen, wenn was weh tut, bei ihm finde ich Trost, Erquickung und Kraft zum Weitermachen.

3) In dem Bibelabschnitt geht die Einladung von Jesus noch weiter und das halte ich für ganz wichtig. Neben dem „Komm!“ steht: „Nehmt und lernt …!“ (29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir …) Entstehen Mühen und Belastungen in unserem Leben nicht gerade dort, wo wir uns in ein drückendes Joch in dieser Welt einspannen lassen? In das Joch der Leistung; der Karriere; des Ansehens; der Meinung der Umwelt; der Angst nicht zu genügen … (wie sieht da eigentlich dein Joch aus?) Jesus bietet eine Alternative von den belastenden und mühevollen Jochen dieser Welt. Bei ihm kann und darf ich lernen mich von dem fremden Jochen zu befreien, die mich überfordern und das zu werden, was ich in den Augen Gottes bin.

Und da finde ich es toll, dass wir in der BTS Menschen auf diesem Lern- und Veränderungsprozess begleiten dürfen. Kommt zu Jesus  – Nehmt von Jesus – und lernt von Jesus, das wünsche ich euch für die kommende Woche und darüber hinaus.

[1] http://www.oecdbetterlifeindex.org/de/topics/life-satisfaction-de/

„Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. „ (Lukas 10,16)

Jesus wählt siebzig seiner Nachfolger aus, um sie als Missionare in andere israelische Städte auszusenden. Er gibt ihnen detaillierte Anweisungen, wie ihr Auftrag lautet und wie sie sich zu verhalten haben. Sogar eine „Packliste“ gibt er ihnen: Sie durften nichts mitnehmen! Sie hatten einen verantwortungsvollen Einsatz durchzuführen und sollten sich nicht mit viel Gepäck und anderen Dingen belasten.

Unser Vers steht am Ende von Jesu Aussendungsrede. Sie bekommen ein Mandat wie der Botschafter eines Landes: Er spricht im Namen seines Herkunftslandes. Das ist eine hohe Verantwortung. Und Jesus macht sich genauso eins mit seinen Botschaftern: Er sagt, dass es seine eigene Botschaft ist, die die Jünger verkünden. Und wenn sie Ablehnung und Verachtung erfahren sollten, dann ist es dasselbe, wie wenn sie den Herrn selbst verachten!

Das ist einerseits sehr Mut machend: Der Herr selbst verleiht den Worten der Jünger so ein großes Gewicht, als wenn er selbst reden würde.

Andererseits bedeutet es eine enorm hohe Verantwortung: Die Jünger durften nichts aus sich selbst reden, sondern nur das, was ihr Herr ihnen aufgetragen hatte.

Wenn wir in der Seelsorge im Namen unseres Herrn unterwegs sind, dürfen wir das in seiner Vollmacht tun und dürfen darauf vertrauen, dass Er hinter uns steht. Aber achten wir andererseits genau darauf, dass wir nicht unsere Idee weitertragen, sondern Seine Idee; dass wir Gottes Wort weitergeben und in seinem Namen handeln und reden. Dann werden auch wir Wunder erleben, dass Menschen neu werden durch die Kraft des Heiligen Geistes.

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen.“ (2. Korinther 13,13)

Eigentlich legt der Text sich ja selber aus, aber mit einigen Gedanken möchte ich ihn noch ergänzen.

Die Gnade unseres Herrn Jesus, die uns unverdient zu Kindern Gottes macht, uns unsere Schuld vergibt und uns somit in Freiheit und Freude leben lässt.

Was für ein großartiges Geschenk an uns, über das wir uns jeden Tag freuen dürfen.

Wir dürfen uns diesen Segen täglich zusprechen (lassen) und auch hoffentlich bald wieder in unseren Sonntags Gottesdiensten in Präsenz.

Die Liebe Gottes ist eine unendliche und absolut bedingungslose Liebe zu den Menschen. Mit dem Begriff agape wird die schöpferische und erlösende Liebe Gottes zur Welt und zu den Menschen beschrieben.

Aus dieser Gottes Liebe speist sich unsere Liebe zu Gott und die Liebe des Menschen zum Menschen als Zeugnis der menschlichen Liebe zu Gott.

„Die Liebe ist langmütig und freundlich, sie eifert nicht, sie bläht sich nicht auf, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit….“(1. Kor. 13,ff)

Die Kraft des Heiligen Geistes schenkt uns Gemeinschaft untereinander.

Diese Geistkraft ist an Pfingsten ausgegossen worden vor über 2000 Jahren und bis heute immer wieder neu. Zu welcher Gemeinschaft formt sie uns? Im besten Falle, wenn wir es geschehen lassen, zu einer Gemeinschaft aus unterschiedlichen Denominationen, die in Frieden beieinander ist und somit eine Einheit im Geiste repräsentiert, die JESUS CHRISTUS als ihrem gemeinsamen Herrn die Ehre gibt.

Lasst uns so Zeugnishaft in der Nachfolge Jesu leben, mit Gottes Hilfe.

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sacharja 4,6b)

Mit welchen Widrigkeiten hast Du zu kämpfen? Wovon lässt Du Dich entmutigen? Worüber ärgerst Du Dich? – Wir stehen heute meist nicht offensichtlichen Feinden gegenüber, denen wir mit einem Heer entgegentreten könnten.

Allerdings gibt es Menschen und Situationen, die wir als bedrohlich oder frustrierend erleben. Je nachdem, wie wir unsre eigenen Möglichkeiten einschätzen, greifen wir zu unseren „Waffen“ oder geben auf.

Sacharja war ein Prophet, der circa 520 v. Chr. Visionen von Gott erhielt. Nach der babylonischen Gefangenschaft war er zusammen mit einem kleinen Teil seiner Landsleute in die Heimat zurückgekehrt. Ihre Aufgabe war es, sich gegen die Anfeindungen der sie umgebenden Menschen zu behaupten und die Stadt Jerusalem und den Tempel wieder aufzubauen. Die Verzagtheit der Rückkehrer wuchs angesichts der Widrigkeiten. Es ist davon auszugehen, dass auch Sacharja entmutigt wurde. In dieser Situation erhielt er die Zusage von Gott: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen.

Was tun wir Seelsorger angesichts der Herausforderungen, die an uns gestellt sind? Was tun wir als Berater angesichts der Widrigkeiten, denen wir an der Seite von Ratsuchenden begegnen?

Ratsuchende wenden sich angesichts ihrer Nöte völlig frustriert und mit dem letzten Funken Hoffnung an uns. Wir sollen helfen. Wir sollen ihr Leben in Ordnung bringen. Nicht selten übernehmen wir Seelsorger in solch einer Situation unbewusst die Rolle des Retters. D.h. Wir tun alles, damit es dem Andern besser geht. Wir zeigen Engagement, stecken unsre Kraft rein und übernehmen die Verantwortung, in dem wir die Last auf uns nehmen. Einerseits kann Supervision aufdecken, wo wir zu viel Verantwortung übernommen haben und andrerseits sagt Gott uns zu:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen.

An Pfingsten feiern wir die Ausgießung des Heiligen Geists auf die ersten Christen. Wer Jesus Christus als seinen Herrn und Retter erkannt hat, dem schenkt Gott seinen Geist. Dieser Geist Gottes wohnt in uns. Er schenkt uns Liebe, Kraft und Besonnenheit. D.h. Er hilft uns auch, unsere Grenzen zu erkennen und zu bekennen: Jesus ist der Retter. Letztlich kann nur ER umfassend helfen. Wir sind nur eines seiner vielen Werkzeuge, um Menschen zu helfen. Er hat noch viel mehr Möglichkeiten. – In diesem Zusammenhang ist mir folgender Bibelvers neu wichtig geworden:

Jesus sagt seinen Nachfolgern: Ihr werdet aber die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein…(Apostelgeschichte 1, 8). Lasst uns in der Seelsorge auf Jesus hinweisen, wo sich die Gelegenheit dazu ergibt und es passt. Lasst uns in der Kraft des Heiligen Geistes seine Zeugen sein.

„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Joh 12,32)

Jesu Art zu leben war und ist heute noch revolutionär. Deshalb wurde er gekreuzigt.

Jesus spricht hier von Erhöhung. Ein Begriff, der für eine Thronbesteigung verwendet wurde. Eine Verherrlichung, eine Bestätigung. Dieser Begriff legt sich über das ganze Geschehen am Kreuz, das nach menschlichem Verständnis das genaue Gegenteil ist: die größte Erniedrigung.

Gott bestätigt hier den bedingungslosen Weg der Liebe von Jesus indem er Ihn von den Toten auferweckt und ihn zu der Brücke macht über die auch ich zur Verbindung mit Gott komme.

Sein Tod für meine Schuld. Mein Leben als Dank für seine Gnade.

Nun hat mein Leben Sinn und Ziel.

Wem kann dieser Glaube auch guttun? Fällt uns jemand ein? Jemand der Jesus noch nicht kennt?

In unserer Gemeinde haben wir eine Tradition: wir nennen sie die gute Minute. Wir beten hier für Menschen, die Jesus noch nicht kennen. So werden diese Person und auch Ich vorbereitet für den wesentlichen Austausch über das Vertrauen zu unserem himmlischen Vater.

Jesus hat uns den Himmel erschlossen.

Er ist schon da.

Er sagt nicht: Ich bin dann mal eben weg, nein er ist für Alle da.

Alle will er zu sich ziehen. Alle, durch Raum und Zeit hindurch, vor zweitausend Jahren und auch heute.

Für unsere irdische Lebensreise haben wir einen Heimathafen gefunden, bei Gott unserem himmlischen Vater.

Aus der Niederlage und dem Scheitern am Kreuz wurde ein Zeichen des Sieges über die Krankheit, die Sünde, den Tod und den Teufel; über alles Leid der Welt.

Der Zugang zum Vater ist frei: sein Tod ist eine Brücke zum Himmel geworden.

Hier offenbart sich die Leibe Gottes in einzigartiger Weise und gilt Allen ohne jeden Unterschied. Wer das versteht und dieses Geschenk der Gnade annimmt, der wird verwandelt.

Der wird einstimmen in das Lob dieser wunderbaren Gnade, die auch Ihn zu sich gezogen hat.

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)

Zu Beginn des Psalms lädt der begeisterte Psalmist alle Lande ein, Gott zu Jauchzen. Die ersten fünf Verse in diesem Psalm waren noch ausdrucksvoller, als wollte er einen Befehl erteilen: „macht es: jauchzet, lobsinget“!  Wir können daraus ableiten, dass Gott loben nicht einfach geschenkt ist, dass Loben täglich geübt werden muss. In seinem Lied rühmt er die Wunder, die Gott getan hat, er berichtet über das menschliche Herz, er weist auf das Dankopfer!

Unglaublich, aber wahr
Er erinnert den Leser an Gottes Handlungen in der Vergangenheit, so als ob er sagen will, vergiss nicht wo du gestanden hast. In deiner Verlorenheit, in deiner Sinnlosigkeit, in deiner Sündhaftigkeit hat Gott die Härte, die Schwere deiner eigenen Last zugelassen. Eine unglaubliche Zumutung! Ob wir solche Erfahrungen kennen? In einer Situation gefangen, aus der wir keinen Ausweg wissen? Schritte die wanken, gebrochenen Geist, Seufzer, fließende Tränen, tiefste Verzweiflung – dieses Gefühl als ob Gott unser Gebet doch verwirft.

Staunen
Erinnern wir uns an das Staunen darüber, dass wir durch schmerzliche, traurige Zeiten gekommen sind? Aus dem Buch „der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry, geht es u.a. um den Fuchs, der vom kleinen Prinzen „gezähmt“ werden wollte. Sie wollten sich gegenseitig vertraut machen. Sich vertraut machen! Weich werden! Unsicherheit, Angst weichen. Freundschaft, Vertrauen geben dem Leben einen zarten Hauch der Hoffnung! Dieser anziehende Respekt löst Freude aus, wenn wir zusammenkommen. Gott ebnet einen Weg, steht zur Seite, greift ein, versteht das Ersuchen des Herzens, offenbart sich erneut, löst im Nefesh ein Verlangen aus, die Schönheit seines siegreichen Namens zu verherrlichen, zu loben, zu preisen, zu lieben. Gott loben über all dem was wir schon im Leben erfahren haben. Gott loben weil wir seine Freundlichkeit und seine Zuwendung erkennen.

Leben
Neues bedeutungsvolles Leben entsteht. Ob wir es riskieren, seiner Barmherzigkeit und seiner Vergebung zu vertrauen? Ob wir es wagen, unsere zögernde Hand in seine einladende, schützende, ausgestreckte Hand zu legen? Ob wir seine Zustimmung zum Leben mit allen unseren Sinnen wahrnehmen? Wie wäre es, wenn wir heute anfangen zu glauben, dass unsere höchste Berufung bei Gott ist, in seiner Nähe zu sein, um zur Ruhe zu kommen, seine Stimme zu hören, Lebendigkeit zu spüren. Mit dem Psalmisten Gott erkennen, bringt Licht in die tiefste Dunkelheit, spricht Trost zu in die unerträglichen Schmerzen, öffnet unser „Pneuma“ Ihn zu ehren.

„Gottes Wort fordert uns heraus: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder„(Ps 98,1)

Oft sind es die Lebensumstände, die uns das Lob im Halse stecken lassen. Zum Beispiel in der derzeitigen Corona Situation in der gemeinschaftliches Singen in geschlossenen Räumen eher verboten ist. Oder es sind die bitteren Erfahrungen der letzten Jahre, die kein Lied mehr in uns erklingen lassen. Vielleicht sind es auch Menschen in unsrer unmittelbaren Umgebung, die uns das Leben vergällen und das Singen verderben.

  • Singen und Loben zu sollen, können wir da wie eine Zumutung erleben.
  • Singen und Loben, das kann aber auch wie eine Therapie sein.

Sehen Sie, wir haben weithin ein ausgeprägtes Bewusstsein für Negatives. Die momentane Lebenssituation, die täglichen Nachrichten aus aller Welt – richtig gute sind ganz selten darunter – und nicht zuletzt die eher düsteren Zukunftsprognosen hinterlassen Spuren.

Da sind dann zuweilen so etwas weinerliche, über die Not dieser Welt klagende Christen anzutreffen. Darüber kann man sich stundenlang unterhalten.

Das, worauf ich sehe und womit ich mich intensiv beschäftige, das prägt mich auch. Das bestimmt auch meine Stimmung. Wer zu viel auf sich selber sieht, zu viel auf das, was nicht so läuft wie er das gerne hätte, wird sich nicht wundern müssen, dass ihm das frohe Singen und Loben gar nicht recht über die Lippen kommen will. Kein Wunder!
Das anfangs zitierte Psalmwort setzt da einen anderen Akzent: “Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!”

Musik, Gesang als Mittel gegen die Bedrängnisse des Lebens ist ein Geschenk unseres Schöpfers an uns alle. Musik ist ein Ausdrucksmittel für unsere Gefühle um mit unserem ganzen Sein und nicht nur mit dem Mund Gott zu danken. Die positive Wirkung der Musik auf den ganzen Menschen haben auch säkular Denkende erkannt. Sie wird eingesetzt in der Musiktherapie bei ganz unterschiedlichen psychischen Störungen, wo das Zusammenwirken von Soma, Psyche und Pneuma in ganz besonderer Weise deutlich wird.

Kinder singen von sich aus, ohne dazu angeleitet zu werden.

Es gibt Lieder, die einfach mitreißen. Es ist gewaltig, wenn Menschen aus tiefstem Herzen singt. Das bringt unser Innerstes in Bewegung. Und die Realität, die hinter solcher Musik steht ist Gott der Wunder tun kann. Kleine und große mitten in unserem Leben. Manchmal lernt man erst dann etwas zu schätzen, wenn es fehlt. Mir zumindest fehlt das gemeinsame Singen in der Coronazeit zunehmend. Dann höre ich eine CD und singe da dann mit.

Ich gebe euch eine Hausaufgabe mit für die kommende Woche. Denkt doch mal über den Schatz der Lieder nach, die ihr in eurem Leben angesammelt habt und nutzt diesen Schatz für eure persönliche Zeit Gott dem Herrn ein Lied neu zu singen denn ER tut Wunder.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)

Gestern war gestern und heute ist heute. Neu statt alt. Veränderung auf Knopfdruck, oder besser auf Glauben hin.

So einfach soll das sein?

Der Bibeltext spricht von Tatsachen. Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, weil Neues geworden ist.

Möglicherweise liegt der Schlüssel bei dem kleinen Wörtchen „siehe“. Der Text enthält eine Aufforderung zum Hinsehen. Der vorrangehende Vers 16 im Korinthertext betont diese Aufforderung. Wir sollen neu sehen, neu bewerten, nicht mehr nach menschlichen Maßstäben beurteilen. Es kommt also auf die Sichtweise an.

Das ist spannend. Im Bild gesprochen: Ich soll eine neue Brille aufsetzen, die mit der Sehstärke Gottes. Durch die Hirnforschung wissen wir heute, dass unser Denken und Fühlen, unsere Sichtweise von unseren Erfahrungen und Erlebnissen geprägt sind, also zum „Alten“ gehören und wir so unsere alte Sichtweise automatisch wiederholen und verstärken. So ist Erneuerung nicht möglich.

Neues kann nur entstehen, wenn die Neuronen in unserem Gehirn neu verschaltet werden, wenn die Bereitschaft da ist, neu zu denken und neu zu fühlen, umzulernen und neu zu lernen, Gottes Sichtweise annehmen.

„Siehe“: Wir sollen das Neue sehen, beim anderen und aber auch bei mir selbst. Wir werden aufgefordert daran zu glauben, dass Neues entstanden ist, ohne Beweis und ohne Bewährung, Einfach auf Glauben hin, weil Gott Neues in Jesus Christus erschafft, eine neue Kreatur.

Ich persönlich empfinde diesen Bibeltext als Lebensaufgabe. Es ist der Zuspruch, dass meine Vergangenheit wirklich durch Christus macht- und einflusslos geworden ist. Die Vergangenheit hinter sich zu lassen, ist ein notwendiger Schritt zur Erneuerung und zum Neuanfang. Gleichzeitig ist da aber auch der Anspruch. Der Zuspruch muss für bare Münze genommen, geglaubt werden und dann auch gelebt werden, dem Alten nicht mehr die Macht und Herrschaft zu geben.

So einfach soll das sein? Aus Gottes Sicht vielleicht „Ja“. Für uns Menschen nicht so ganz. Ein erster Schritt könnte sein, nicht mehr auf das Alte zu starren und gegen es anzukämpfen (Es lohnt sich nicht gegen etwas zu kämpfen, das schon besiegt ist. Wir haben Vergebung in Jesus Christus.), sondern sich über alles Neue und alles Gute zu freuen und mehr davon für sich zu erobern.

Entdecken Sie sich und andere als neue Kreatur in Jesus Christus.

„Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Johannes 10,11a.27-28a)

Nein, ich möchte kein dummes Schaf sein!

Im Kontext dieser Andacht habe ich nachgelesen, wie es sich verhält mit dem oft zitierten „dummen Schaf.“ Die Neurowissenschaftlerin Jennifer Morton forschte über Schafe und fand heraus, dass Schafe so ziemlich den schärfsten Verstand auf dem Bauernhof haben! „Um sich vor Räubern zu schützen leben sie in ausgeprägten sozialen Hierarchien mit hoher Bindung. Sie brauchen hoch entwickelte Gehirne, weil auch ihr soziales Zusammenspiel hoch entwickelt ist.“ (Universität Cambridge)

Außerdem können sie sich hervorragend orientieren, lernen schädliches Futter von gutem Futter zu unterscheiden uvm.

Jesus spricht oft zu den Menschen seiner Zeit in Bildern und auch heute dürfen wir dieses Bild auf uns wirken lassen, wenn der Widerstand (dummes Schaf) erst einmal ausgeräumt ist.

In diesem Bild sehe ich förmlich den guten Hirten ganz körperlich und existenziell. Er kennt jedes Schaf von Geburt an, kennt seine Lieblings Weideplätze, ob es ängstlich ist oder ein Draufgänger. Er erkennt es auch in der riesigen Herde, obwohl doch scheinbar alle gleich aussehen. Und er spricht mit ihnen, so kennen sie seine Stimme und achten auf sie; vielleicht singt er auch auf den Wegen die sie zusammen gehen.

Er führt sie zum frischen Wasser, leitet die Hütehunde an kein Schaf zurück zu lassen, oder hebt es selbst aus den Dornen heraus, wenn es sich darin verfangen hat. Und weil sie sich unter seiner Führung sicher fühlen, vertrauen sie und folgen ihm. Er wird sie auch morgen und übermorgen sicher führen.

Bin ich bereit Jesus so vertrauensvoll zu folgen in der Zuversicht auf das ewige Leben mit ihm?

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1.Petrus 1,3)

Wie sich Petrus verändert hat!  Können wir Petrus Melodie „hören“, wie er aus ganzem Herzen, erfüllt mit Freude, Liebe und Dankbarkeit Gott, Vater des Herrn Jesus Christus, lobt? Petrus neue Lebensperspektive hatte ihm eine aufgerichtete Hoffnung auf ein auferstehendes Leben gegeben. Sein Lob, eine Hommage an Gott! Vielleicht flüstert auch uns Jesus zu: „Wecke in deinem Herz das Verlangen und die Sehnsucht bis dein Lied zum Himmel steigt“.

Im Gerichtshof, als Petrus sich auf eigene Kraft, Stolz und Selbstvertrauen stützte,  Petrus eingeschlossen in seinem eigenen Gefängnis, offenbarte er seine Leidensscheu. Jesus nahm Blickkontakt mit ihm. Er sah ihn liebevoll an. Was hat Er aber in Petrus gesehen? Petrus musste bitterlich weinen und fliehen. Jesus kannte seinen Fehlgang und liebte ihn. Er gab ihm Zeit. Er ging mit ihm nach seinem Tempo. Entdecken wir im Alltag wie Jesus in unsere eigene Lebensgeschichte mitgeht? Wie Er uns manchmal so ganz spontan liebevoll ansieht, gerade dann wenn wir uns auf einen Abweg befinden?

Jesus begegnete ihm wieder: „Der Auferstandene Herr Jesus… ist dem Simon erschienen“. Petrus Selbst- und Fremdwahrnehmung kamen zu einer Wende, eine Umkehr. Er wagte seine neue Stellung anzunehmen. Jesus hatte ihn dafür vorbereitet: „Bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder“. Es war an der Zeit den Platz einzunehmen, der ihm zugedacht war.  Woher soll aber der Mut kommen aus dem inneren Gefängnis heraus zu brechen, um unseren Platz einzunehmen?

Petrus angerührt von der Erfahrung durch die Begegnung mit dem Auferstandenen Christus, erfüllt von der Kraft des Heiligen Geistes den Jesus seine Jünger einblies, konnte ein Paradigma Wechsel erleben. Gott loben weil Er barmherzig ist, weil Er Hoffnung ist, weil Er in uns Wohnung genommen hat, weil Er unser Herz mit seiner Gegenwart schmückt.

Mit Petrus, mit den Psalmisten, miteinander – sich gegenseitig anstecken lassen in dem Lob an Gott, um nicht zu vergessen was Er uns Gutes getan hat und tun wird.

„Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1, 18)

Als Kind und Teenager lebte ich mit meinen Eltern und Geschwistern in Mainz. Um die Osterzeit herum sind wir mit dem Zug auf die andere Rheinseite in den Taunus gefahren. Meine Mutter liebte Schlüsselblumen. Sie begannen in der Osterzeit zu blühen. Wir kannten manch abseits gelegenen Wiesen, die mit blühenden Schlüsselblumen überdeckt waren. Eine gelbe Farbenpracht. Und wir pflückten einen kleinen Strauß für unser Wohnzimmer.

Unsere Eltern machten uns klar, dass diese ‚Schlüssel‘, so schön sie auch sind, wieder verblühen werden. Sie erzählten uns von dem, der den wirklichen Schlüssel zu Leben und Tod in der Hand hält: Jesus!

Ich sehe heute noch die Wiesen, übersäht mit Schlüsselblumen, und den kleinen Strauß vor meinen Augen und denke an den ewigen Schlüssel, den Jesus in der Hand hält.

Wer den Schlüssel in der Hand hat, kann Türen aufschließen und freilassen. Er kann Türen zuschließen und einsperren. Jesus hat den Schlüssel in der Hand. Er setzt die frei, die ihr Leben ihm für hier und die Ewigkeit anvertraut haben. Diese Schlüsselgewalt kann ihm weder der Tod noch der Satan nehmen.

Es lohnt sich noch, auf die Worte davor zu schauen: Johannes ist in der Verbannung auf Patmos. Das war damals keine Ferien-, sondern eine Gefangeneninsel; vielleicht wie ‚Alcatraz‘. Dort begegnet ihm Jesus in einer Vision. Und Johannes fällt wie tot um. Aber Jesus sagt ihm: „Hab keine Angst!“

Wie Johannes brauchen wir den Zuspruch. Gerade auch in dieser Zeit. Nicht Corona hat das letzte Wort, sondern Jesus Christus. Und Jesus fährt fort: „Ich bin der Erste und der Letzte!“ Er öffnet Türen, geht voraus und bahnt den Weg. Und er hält den Rücken frei; nach ihm kommt niemand mehr. Das erinnert mich an den Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten: Wolken- und Feuersäule tags und nachts zeigen den Weg und schützen vor Gefahr von hinten.

Und es geht weiter. Jesus sagt: „Schreib alles auf, was Du gezeigt bekommst.“ Jesus will ein Geheimnis lüften. In der ‚Offenbarung‘ zeigt Jesus, wer das Sagen hat. Nicht die Umstände, nicht gewalttätige Machthaber, kein Virus. Auch dann nicht, wenn er ‚Krone‘ (Corona) genannt wird. Auch nicht wir selbst. Sondern allein ER, Gott weil ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben hat.

Johannes erhält diese ‚Offenbarung‘, um sie an die Gemeinden zu senden: Jesus hat die Schlüsselgewalt! Und als Adressaten sind wir wiederum auch Absender unseren Mitmenschen und Ratsuchenden ebenfalls zu sagen: „Hab keine Angst, Jesus hat die Schlüsselgewalt! Ewig.

Reiner Dienlin

PS: Inzwischen stehen Schlüsselblumen unter Naturschutz. Freuen wir uns also in der Natur an Schlüsselblumen. Und denken wir dabei an den ewigen Schlüssel in Seiner Hand.

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,14b.15)

„Der Menschensohn muss erhöht werden …“

Meine Gedanken bleiben bei dem Wörtchen „muss“ hängen. In der Beratung bin ich darauf geeicht, ein „Muss“ zu hinterfragen. Muss ich wirklich? Oder gibt es auch einen alternativen Weg?

„Muss“ ist immer eine Engführung auf eine einzige Lösung hin. Es schließt ein Ausprobieren von Alternativen aus, sowohl in Gedanken als auch in der Umsetzung. Es ist etwas festgesetzt und vorgegeben worden, ein „so“ und nicht „anders“.

Ein „Muss“ schränkt meine persönliche Handlungsfähigkeit ein. Es fordert eine Unterordnung unter einen Sachzwang oder einen Willen ein. Das erzeugt Ohnmachtsgefühle durch Fremdbestimmung – Gefühle, die wir gerne vermeiden wollen. Und Jesus Christus, dem „Menschensohn“ ging es nicht anders. „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorbeiziehen.“ (Lukas 22,42)

Bei Wegstrecken, die uns in unserem Leben nicht gefallen, die uns Nachteile oder Schmerzen bereiten, suchen wir nach Auswegen und würden gerne andere Wege beschreiten. Und das ist auch gut so.

Der Wochenspruch aber lehrt uns, dass es ein „Muss“ geben kann. Das Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wenn etwas Bestimmtes geschehen soll. Das eine Abweichung vom „Muss“ das Ziel unmöglich macht.

Der Wochenspruch beschreibt nicht irgendein Ziel, hier geht es um „den“ Wendepunkt“ in der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen. Es geht um unsere Rettung, um die Basis unserer Beziehung zu Gott. Und das geht nur so: über den Weg der der Erniedrigung (Weihnachten) des Sohnes Gottes und den Weg seiner Erhöhung in die Herrlichkeit (Karfreitag und Ostern). Deshalb stellt sich Jesus Christus auch unter den Willen seines Vaters und geht diesen schweren Weg, obwohl er sich etwas anderes wünscht. Er nimmt das „Muss“ an.

Neben der tiefen Dankbarkeit darüber, dass Jesus Christus sich diesem Weg, diesem „Muss“, gestellt hat, beschäftige ich mich auch immer wieder die Frage nach dem „Muss“ bestimmter Wege und Ereignisse in meinem Leben. Besonders, wenn ich sie nicht verstehe oder nachvollziehen kann.

Manchmal stell ich dann fest, dass ein „Muss“ von meinem Vater im Himmel sinngebend sein kann, weil ich auf die Richtigkeit seines „Muss“ vertraue und das „Muss“ des Leidenswegs von Jesus Christus vorausgegangen ist.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit.

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Matthäus 20, 28)

Wie kam es zu dieser Aussage von Jesus? Eine Mutter wollte vorsorgen (nachzulesen Matthäus 20,20ff.). Sie bat Jesus darum, ihren beiden Söhnen die Plätze links und rechts von sich in Gottes Reich zu geben. Darauf erklärte Jesus, dass zum „Herrschen wollen“ auch das Leiden gehört. Die Platzvergabe steht allein Gott zu. Als sich die anderen Jünger über das „Drängeln um die Ehrenplätze“ ärgerten,  sprach Jesus von dem krassen Gegensatz zwischen den Herrschern dieser Welt, die die Menschen unterdrücken und dem, was bei ihm gilt: „…wer groß sein will unter euch, der sei euer Diener…“

Während der BTS Ausbildung lernen wir, dass Menschen unterschiedliche Motivationen haben. Das Streben nach Besitz, Ehre, Macht und Selbstverwirklichung gehört zu uns Menschen. Es ist Antrieb zur Handlung. Für die Begleitung eines Menschen kann es hilfreich sein, dessen Motivation zu kennen und sie „wohldosiert“ für den Veränderungsprozess zu nutzen.

Andere sehen diese Strebungen als Auswirkung der Sünde an. Vielleicht lässt sich dahinter die Angst „zu kurz zu kommen“ vermuten. Damit wird ein Mangel an Vertrauen deutlich, dass der himmlische Vater gut für seine Menschen sorgt. Wenn Menschen ihr Streben nach Besitz, Ehre, Macht und Selbstverwirklichung zu ihrem Lebenszentrum machen, führt dies ganz offensichtlich zur Sünde. Diesen Menschen geht es darum, selbst „groß“ zu erscheinen. Es geht um ihre Ehre anstatt um Gottes Ehre.

Der Weg zu Größe im Reich Gottes führt über den Dienst. Jesus will uns hierbei ein Vorbild sein. Sein Leben ist von Hingabe und Leiden gekennzeichnet.

Er diente den Menschen in vielfältiger Hinsicht: durch Auslegungen des Alten Testaments, durch Erklären des Heilsplans, durch Heilungen und Wunder, durch sein Vorbild und sein Gebet. Sein größter Dienst besteht allerdings darin, dass er sein Leben als Lösegeld gab. Jeder steht mit seiner Schuld vor Gott und verdient grundsätzlich ein Urteil. Doch schon der Prophet Jesaja weist auf den Knecht Gottes hin, der sein Leben zum Schuldopfer für andere geben und vielen Gerechtigkeit schaffen wird. Im göttlichen Heilsplan gibt es also eine Stellvertretung für Schuld. (siehe Jesaja 53).

In der Passionszeit machen wir uns bewusst:

Indem Jesus stellvertretend für unsre Schuld die Strafe auf sich nimmt und am Kreuz stirbt, erweist er uns den größten Liebesdienst. Er versöhnt uns mit Gott.

Für den, der dies versteht und im Glauben für sich in Anspruch nimmt, zählen andere Maßstäbe: Dienen ist gefragt. Für BTS-Seelsorger soll deshalb das Motto gelten: Dienen, helfen, heilen.

Möge Gott uns dazu befähigen und segnen.

Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh. 12,24)

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Er weiß, dass er einen Auftrag zu erfüllen hat, dass er sterben wird und dass er auferstehen wird. Jesus spricht vielfach in Gleichnissen zu den Menschen.

Aber die Menschen verstehen ihn oft nicht.

Jesus ist ganz Mensch und ganz Gott. Und so wird ihm das kommende Ereignis auch bevorstehen. Am Kreuz ruft er, Vater warum hast du mich verlassen? Er hat Angst, er ist allein.

Dieses Alleinsein, das Unverständnis der Menschen ist ihm auch jetzt schon bewusst und vielleicht spricht er sich mit diesem Wort auch selber Mut zu: Ich werde sterben, aber ich werde auch auf erstehen und bei meinem Vater sein.

Dann habe ich meinen Auftrag erfüllt und ich werde mit denen Gemeinschaft haben, die mir nachfolgen und in Ewigkeit mit mir sein werden.

In der Beratung begegnen wir oft Menschen mit den unterschiedlichsten Ängsten. In der modernen Psychotherapie gibt es gute Strategien um diesen Menschen Angebote zu machen, wie sie mit ihren Ängsten umgehen können.

Aber ist es nicht eine wunderbare Ressource zu wissen,dass ich zu Jesus gehöre, der auch Ängste kannte. Er hat diese Ängste durch Gott, der ein Gott der Lebenden ist und nicht der Toten, überwunden und ist nun dort wo es keine Ängste, Leid und Geschrei mehr geben wird.

Jesus ist auferstanden an Ostern und er lebt heute In unserem Alltag mitten unter uns. Er kennt unsere Ängste und Sorgen und er ermutigt uns, als seine Kinder des Lichts zu leben. Er möchte möchte uns Ruhe und Frieden geben über all unser Verstehen hinaus.

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9, 62)

Es geht in dem Bibeltext um Nachfolge und um die Konsequenz der Nachfolge.

Ehrlich gesagt, habe ich nie wirklich verstanden, warum Jesus es verbietet, sich von seiner Familie zu verabschieden.

Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr um das Verabschieden, sondern viel mehr um das Zurückblicken.

Wir blicken auch in der Beratung manchmal zurück. Wir beschäftigen uns mit unserem Gewordensein, um unser Heute zu verstehen. Wir erkennen Kausalitäten, und dieses Erkennen hilft uns, Neubewertungen der Vergangenheit vorzunehmen. Uns so aus negativen Kausalitätsketten zu befreien.

Wir wissen heute durch die Hirnforschung, wie sehr alte Denkmuster, Erfahrungen und Gewohnheiten in unserem Gehirn abgebildet sind und unser heutiges Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmen.

Hier könnte der Schlüssel zu der Aussage von Jesus liegen. Vielleicht möchte Jesus die Radikalität zwischen dem Leben vor der Nachfolge und dem Leben in der Nachfolge verdeutlichen. Nachfolge bedeutet dann nicht, ein Weitermachen nur mit anderen Prioritäten, sondern der Beginn eines neuen Lebens, in einem neuen Herrschaftsbereich. Ich werde nicht mehr bestimmt von dem was war, sondern darf neue Furchen ziehen, auch in meinem Denken. Ich darf Freiheit erfahren, sogar die Freiheit von alten Systemen, wie es eine Familie sein kann.

Die Radikalität von Jesus kann manchmal sehr erschreckend sein und wirklichkeitsfremd erscheinen. Und ich bekenne, mir kommen während ich diesen Impuls schreibe, auch so meine Bedenken. Aber meine Bedenken sind eben auch von meinen Erfahrungen geprägt. Ich möchte mich aber erneuern lassen, mich immer wieder öffnen für die Möglichkeiten, die in der Nachfolge liegen, in dem Geschenk eines neuen Lebens, in einem Leben als neuer Mensch. Ich will Dinge für möglich halten, die außerhalb meines Denkens liegen, weil Jesus Christus, als der Sohn des allmächtigen Gottes, nicht meinem Denken und meinen Erfahrungen unterliegt.

Christus hat uns zur Nachfolge befreit. Ein Leben in dieser Freiheit ist tausendmal besser, als ein Leben in der Unfreiheit meines Denkens. Und wenn mich doch die Unfreiheit mal wieder gefangen nehmen will, dann höre ich die liebevolle Aufforderung von Jesus ihm erneut zu vertrauen:

FOLGE MIR NACH!

„Gott hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8)

„Manchmal verstärkt mein Glaube meine Not sogar. Mir vorzustellen, dass Jesus da ist, in meiner Not, und nicht hilft, obwohl er allmächtig ist, dass ist für mich in solchen Situationen kaum aushaltbar.“

Das sagte vor kurzem eine Ratsuchende in meiner Beratung. Wut, aber vor allem Enttäuschung über vorenthaltene Liebe. „Warum lässt Gott meine Not zu, wenn er doch einfach nur mit den Fingern schnipsen müsste, und wahrscheinlich noch nicht einmal das?“

Aus solchen Sätzen klingt ein tiefes Vertrauen mit, aber auch ein verzweifeltes Unverständnis über Gottes Liebe.

Der Wochenspruch gibt Auskunft über eine Liebessprache Gottes. Gott macht in Jesus Christus den Weg frei, zu einer ungehinderten und uneingeschränkten Kommunikation mit ihm. Nicht unser Leid ist das Grundübel, sondern unsere Sünde, die uns trennt von Gott. Hier setzt Gott mit seiner Liebe an.

Gott bringt den Himmel auf die Erde, alle Barrieren und Hindernisse sind beseitigt.

Haben wir dadurch den „Himmel auf Erden“? Ja und nein!

Nein, weil nicht alles „gut“ ist. Krankheit, Krieg, Streit und Not bestimmen immer noch teilweise unser Leben. Ein Leben auf „Wolke sieben“ sieht anders aus. Die Not scheint irgendwie zu unserem Leben dazuzugehören. Sie ist Ausdruck unserer gefallenen Welt und ist für uns kaum aushaltbar.

Und Ja, weil ich durch und in Jesus Christus schon im Himmel angekommen bin. Nicht mein notvolles Erleben hat das letzte Wort, sondern Gott, der in seiner Liebe unser Heil vollendet hat. Nichts kann uns mehr trennen von seiner Liebe. Trotz und in meiner Verzweiflung, trotz und in meiner Sünde, begegnet mir Gott. Mein Alleinsein hat ein Ende. Ich bin ein errettetes Kind Gottes, des Höchsten. Und das schon hier, mit meinem Leben, mitten in aller Unvollkommenheit.

Gott hat die Welt überwunden, die Sünde und den Tod. Und Ja: Ich habe weiterhin Angst, ich sündige weiter, und Leid und Sterben gehören zu meinem Leben und gehörten auch zum Leben von Jesus Christus. Was sich verändert hat, dass nicht mehr das Leid und meine Sünde mein Ansprechpartner sind, sondern ich kann mit dem Leid und meiner Sünde zu Gott kommen und um Heilung und Vergebung bitten.

Gott ist da – Gott ist hier – Gott ist bei mir!!!

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1.Joh.3,8 b)

In diesen Wochen vor Ostern führt unser Text uns Jesu Auftrag vor Augen. Er, der Sohn Gottes bietet dem Gegenspieler die Stirn und besiegt ihn durch seinen Tod am Kreuz. Betrachten wir den Anfang des Verses mit, so heißt es: Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Wer ist der Teufel und was sind seine Werke? – Der Teufel, Satan oder Fürst dieser Welt wird von Jesus als Mörder und Vater der Lüge bezeichnet (Joh.8,44: „…Er war von Anbeginn an ein Mörder und hat die Wahrheit immer gehasst. In ihm ist keine Wahrheit. Wenn er lügt, entspricht das seinem Wesen, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“) Im Griechischen steht für Teufel das Wort „Diabolos“, das mit Verleumder und Widersacher übersetzt werden kann. Sein Ziel ist es, Misstrauen und Zwietracht zu säen und Menschen von Gott zu trennen. Wenn wir im Sinne der Allgemeinen Beratung, Psychotherapie und Seelsorge (ABPS) danach fragen, woher das Leiden im Leben eines Menschen in spiritueller Hinsicht kommt, so sind wir uns bewusst, dass der Diabolos Menschen verführen will. – Gott, der uns Menschen das Leben und eine lebenserhaltende Ordnung geschenkt hat, will für uns das Beste. Er möchte, dass es uns und unsern Mitmenschen gut geht. Der Teufel will uns durcheinanderbringen. Er lockt uns mit seinen Lügen, Gottes Ordnungen und damit auch die Gottesnähe zu verlassen. (in der Versuchungsgeschichte nachzulesen: 1. Mose 2,17 und 1. Mose 3,4).

Die Bibel nennt das Leben, das an Gott vorbeigeht, Sünde. Gerade in der Frage der Sünde braucht es Klarheit, weil Gott Sünde sehr ernstnimmt. Ich erinnere nochmals an den Anfang unsres Bibelworts (1. Joh.3, 8a) Sünde trennt von Gott und hat den Tod zur Folge. Deshalb ist es für Seelsorger wichtig, Gottes Wort zu kennen und der Versuchung zu widerstehen, Sünde in irgendeiner Form zu verharmlosen. Seelsorger sollen sich an dieser Stelle wirklich um die Seele des Ratsuchenden sorgen. Jesus will die Werke des Teufels zerstören. Es ist seelsorgerliche Aufgabe, die Wahrheit in Klarheit und Liebe zu sagen, wenn Christen von Verhalten erzählen, dass sich gegen Gott und damit ganz oft gegen die Menschen in ihrem Umfeld richtet. Pneumatische Hilfestellung bedeutet in diesem Zusammenhang, Menschen wieder auf Jesu Erlösungswerk hinzuweisen und sie zur Umkehr einzuladen.

Das alte Kirchenlied „Jesus ist kommen Grund ewiger Freude“ führt in den Strophen 2 und 3 Jesu Erlösungswerk deutlich vor Augen

  1. Jesus ist kommen, nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei.
    Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden; er, der Sohn Gottes, der machet recht frei,
    bringet zu Ehren aus Sünde und Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande.
  2. Jesus ist kommen, der starke Erlöser, bricht dem gewappneten Starken ins Haus,
    sprenget des Feindes befestigte Schlösser, führt die Gefangenen siegend heraus.
    Fühlst du den Stärkeren, Satan, du Böser? Jesus ist kommen, der starke Erlöser.

 „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“ (Luk 18,31)

Warum muss denn dieses Leiden sein?
Am liebsten wäre es uns, wir könnten ungeschoren durchs Leben kommen, Leid, Schmerz, Trauer und Tränen würden uns verschonen.

Was Jesus in seiner 3. Leidensankündigung den Jüngern eröffnet, geht in ihren Kopf nicht rein, es bleibt ihnen unverständlich. Jesus kündigt an, was kurz darauf passieren wird: Menschen werden ihre ganze Phantasie nur dazu einsetzen, ihn zu zerstören. Grausam, so eine Vision. Aber es wird nicht bei der Zerstörung bleiben, Gott ist nicht zu zerstören. Christus wird nach drei Tagen auferstehen. Er wird die Versöhnung für unsere Gottesferne vollenden. Auch diese gewaltige Vision geht nicht in den Kopf der Jünger.

Warum muss denn dieses Leiden sein?

Auch in unsern Köpfen ist eine Vorstellung von einem Gott, der doch nicht zulassen kann, dass wir Leid und Schmerz ertragen müssen. Und wenn es uns trifft, ist es schnell vorbei mit unserm Vertrauen. Er muss uns doch diese harten Proben ersparen! Oder?

Ratlos, zweifelnd und unsicher stehe ich vor meinem Elend, wenn es mich trifft. „Mein  Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ so bete ich automatisch. Solche Glaubensproben müssen die Jesus-Nachfolger von damals – und wir als Jesus-Nachfolger – durchstehen. Solche Glaubensproben müssen unsere Ratsuchenden durchstehen.

Warum muss denn dieses Leiden sein?

Die Auflösung des Unverständnisses für das göttliche Walten sieht Jesus in der vordergründigen Weltsicht seiner Freunde. Als Jesus mit ihnen nach Emmaus wandert, fordert er sie auf, eine neue Sicht zu erlangen: da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn (Luk 24,31).

Manchmal werden uns – mitunter nach langen finstern Tälern – die Augen geöffnet: Und sie erkannten ihn. Können wir  im Tränental mit Philpp Spitta singen?

 „Was böse scheint, ist gut gemeint
er ist doch nimmermehr mein Feind
und gibt nur Liebesschläge.“ (EG 374, 4)

Heute, wenn er seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebräer 3, 15)

Diese Mahnung taucht im Hebräerbrief zweimal auf und erinnert an ein Geschehen, das bei Abfassen des Briefes ca. 1300 Jahre zurückliegt (2.Mose 17,1 ff.): Das Volk Gottes ist auf der Wanderung von Ägypten durch die Wüste in das versprochene Land. Die Wüste ist kein „Schlaraffenland“. Genauso wenig wie das Leben in dieser Zeit und Welt bereits der versprochene Himmel ist.

Da kommt der Gedanke an ‚Lockdown‘ und Corona-Virus auf… Ein Jahr ist es her, dass das öffentliche Leben erst einmal stillstehen musste. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass im Januar 2020 erwartet wurde, dass der ‚Kelch‘ an uns Europäer, zumindest an uns Deutschen vorübergehe. Und wir sind ja recht gut durch die erste Welle gekommen. Wir Deutschen wurden sogar bewundert dafür. Manche Länder beneideten uns um unsere Regierung und unsere Kanzlerin.

Das Volk Gottes damals hat Durst. Es fehlt ihm an Wasser. Es jammert und klagt Mose an: „Warum hast du uns aus Ägypten geführt?“.  Mose hat den Durchblick, es ist kein Angriff gegen ihn ist selbst, sondern eine Herausforderung, eine Provokation Gottes („Versuchung“).

Könnten nicht auch heute in Corona-Zeiten Angriffe gegen Politiker, Regierungen, Verwaltungen und Unternehmen in Deutschland und Europa nur vordergründig sein? Ein Hadern mit Gott?

Mose geht weder in eine Verteidigungshaltung noch in einen Gegenangriff über. Er wendet sich an Gott selbst. Und Gott hilft. Er gibt dem Volk Wasser: durch Mose. Am Ende bekommt der Ort des Geschehens noch einen besonderen Namen: „Massa und Meriba“, d.h. Hadern und Versuchen. Der Schreiber des Hebräerbriefes verbindet den Namen des Ortes mit dem Begriff „Verbitterung“.

Wie viele Menschen sind verbittert. Oder folgen Verschwörungstheorien. Auch Christen. Dagegen hilft nur, sich an Gott zu wenden. Ihm auch die eigene Not zu klagen. Das hält Gott aus; siehe Hiob und viele Psalmbeter. Er fordert sogar dazu auf. Und das macht Mose: Er ‚hadert‘ nicht mit Gott, sondern er klagt Gott das Leid und die Not und erwartet von ihm Hilfe. Und Gott hilft heraus. Damals so wie erbeten. Manchmal aber auch anders als erbeten.

Wie viele Ratsuchende – und manchmal auch Seelsorgerinnen und Seelsorger – hadern mit ihren Mitmenschen, mit sich selbst, mit Gott und werden dadurch verbittert. Oder sie provozieren („versuchen“) und klagen gerade die an, die Ihnen helfen wollen. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind dann gut beraten, solche Provokation nicht persönlich zu nehmen, sondern zu Gott zu führen und sich an ihn zu wenden. Und genauso wie Mose der Versuchung nicht erlag, selbst Abhilfe zu schaffen, sondern auf Gott zu hören, sollen und dürfen Seelsorger Werkzeug in seiner Hand sein und für „Wasser“ nach Leib, Seele und Geist im Auftrag und der Vollmacht Gottes sorgen.

Dafür ist Durchblick und ein offenes Ohr für Gottes Reden und Handeln jeden Tag notwendig. Unser Wochenvers mahnt uns, egal ob in der Person des Ratsuchenden oder in der Person des Seelsorgers, nicht „hartherzig“ zu werden. Dem Hören auf Gott gilt sein Versprechen in demselben Abschnitt, dem unser Vers für die Woche entnommen ist: „So ist also noch eine Ruhe – „Stille“ –  vorhanden dem Volke Gottes“ (Hebr. 4, 9). Der Durst nach Leben wird „gestillt“.

PS: Lesen Sie mal den gesamten Hebräerbrief. Oder zumindest den engeren Zusammenhang unseres Wochenverses Kapitel 3 bis 6! Als Übersetzung empfehle ich die NeÜ. Nebenbei: Der ‚Lockdown‘ des Volkes Israel dauerte damals 40 Jahre. Eine ganze Generation lang…

„Über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erstrahlt über dir.“ (Jesaja 60,2b)

Mitten in der Finsternis, mitten in einer Krise, mitten im Leid, mitten in erlebter Krankheit, mitten in der Not und auch mitten im Tod gibt es Licht. Ein Licht, dass nicht von dieser Welt ist, ein Licht, dass uns auffordert nicht in der Verkrümmung der physischen und psychischen Dunkelheit zu verharren.

„Steh auf Jerusalem und werde Licht, denn dein Licht ist gekommen!“ so beginnt Kapitel 60 im Buch Jesaja.

Der Wochenspruch ist Trost, weil er uns etwas ins Gedächtnis ruft, was wir so schnell vergessen. Es gibt ein „sich Aufrichten“ in der Dunkelheit; nicht nur nach der Dunkelheit, weil die Herrlichkeit des Herrn über uns aufgeht und über uns erstrahlt. Das Licht der Herrlichkeit Gottes umgibt uns.

Wir sind oft problemorientiert, oder mehr noch, problemfokussiert. Wie durch eine schmale Röhre starren wir auf das Problem. Uns fehlt die Weite, wir erleben eine Engführung unseres Denkens und Fühlens.

„Manchmal findet sich die Lösung eines Problems in der Änderung des Blickwinkels.“ (Verfasser unbekannt).

Das Wort Gottes kann so eine Änderung des eigenen Blickwinkels sein. Gottes Wort ist außerhalb von uns. Es wird von Gott in uns hineingesprochen, es kommt uns quasi entgegen Sein Wort sagt uns Wahrheiten, die nicht aus uns heraus kommen und die nicht zu unserem Lösungsrepertoire gehören.

Eine Lösung mit der Krise, eine Lösung in der Krise, weil nicht mehr die Krise mich umgibt, nicht die Angst und auch nicht die Verzweiflung, sondern Gottes Herrlichkeit?

Ich empfinde diesen Gedanken, dieses Bild herausfordernd. In der Krise aufstehen, ein aufgerichteter Mensch, umgeben von der Quelle des Lichts der Herrlichkeit Gottes, dazu berufen selber Licht zu sein.

Ist das ein realistisches Bild? Es klingt ein wenig wie aus einer anderen Welt. Und das ist es auch. Es ist ein Bild, eine Perspektive, die Gott uns gibt, eine Perspektive der Hoffnung.

Lege ich den Fokus auf mein Problem oder auf Gott? Wir haben die Wahl. Wir dürfen Gottes Herrlichkeit über uns mit und in unseren Problemen aufgehen lassen und uns so eine neue Perspektive schenken lassen.

„Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13,29)

Jesus hat die himmlische Tischgemeinschaft schon im Blick als er dies zu seinen Jüngern sagt. Ich möchte Dich einladen, einen Augenblick über diese Szene nachzudenken. Was bedeutet für Dich Tischgemeinschaft? Wie sieht sie aus? Wie fühlt sich diese Gemeinschaft an? Was ist Dir dabei wichtig? In Zeiten des sozialen Entzugs durch Corona-Schutzmaßnahmen können Begegnungen zu Highlights werden. Ich selbst spüre, wie für mich eine Tischgemeinschaft mit der Familie oder guten Freunden an Bedeutsamkeit gewinnt. Über den Genuss einer gemeinsamen Mahlzeit und den Austausch kann eine tiefe Verbundenheit entstehen. Hier bin ich angenommen. Hier darf ich einfach SEIN. In einer von Angst bestimmten Corona-Welt ist dies eine „Insel der Glückseligkeit“.

Wenn wir diesen Aspekt auf unsern Bibelvers übertragen, nähern wir uns dem, was Jesus schon weiß. Die Menschen dort bei der himmlischen Tischgemeinschaft gehören zusammen. Vielleicht melden sich bei uns Fragen:  Tiefe Verbundenheit mit Asiaten erleben? Oder mit Afrikanern? Oder Amerikanern? Ich gebe zu, momentan ist es kaum vorstellbar, sich mit all diesen Personengruppen aus Süden, Norden, Osten und Westen gleichzeitig verbunden zu fühlen. Der Glaube an Christus, den Sohn Gottes, sprengt einmal mehr meine Denkgrenzen. Jesus selbst schafft die tiefste Verbindung, die Menschen mit Gott und untereinander haben können. Er, der Mensch geworden ist, hat durch seinen Sühnetod am Kreuz und seine Auferstehung die Position des Mittlers zwischen Gott und den Menschen eingenommen. Jesus macht aus allen seinen Nachfolgern eine große Familie und ist in diesem Sinne ihr großer Bruder.

Die Begegnung mit Christen aus anderen Kulturen oder der Besuch einer multikulturellen christlichen Gemeinde kann uns herausfordern. Unterschiedliche Stile, den Glauben auszudrücken, treffen aufeinander. Dies bietet eine Gelegenheit, unsere Art zu glauben zu hinterfragen. Was haben wir unkritisch von jemand übernommen? Was an unserem Glauben hängt mit unsrer Kultur zusammen? Was sagt die Bibel zu bestimmten Themen? Worauf kommt es an? Durch diese Auseinandersetzung kann der eigene Glaube an Tiefgang und Authentizität gewinnen. Um den echte überzeugte Nachfolge geht es auch im biblischen Kontext unsres Verses. Wer kommt wirklich in den Himmel? Wer sitzt bei Jesus am Tisch?

Kritische Auseinandersetzungen dieser Art wünsche ich mir für Seelsorger. Sie halten den Glauben lebendig. Wer weiß, was er glaubt, kann es in Beratungsgesprächen bei passender Gelegenheit mit einfließen lassen.

„Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ (Johannes 1,16)

Immer wieder haben wir Gnade von ihm, von Jesus Christus, genommen. So drückt es eine andere Bibelübersetzung aus, immer wieder.

Ein Kontinuum so zusagen, ein nicht enden wollender Vorgang. Ein Topf voller Gnade, der nie leer wird. Bereitgestellt für jeden, der sich bedienen möchte.

Aber nur, weil etwas für mich bereitgestellt ist, heißt ja noch lange nicht, dass ich es auch nehme.

Der Gedanke, von der Gnade oder auch Gunst eines anderen abhängig zu sein, gefällt uns in der Regel nicht wirklich. Da gefällt uns Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit und Autonomie schon eher.

Gnade anzunehmen oder zu geben setzt ein Gefälle voraus, ein Gefälle von einem Höherrangigem und einem der darunter steht. Gnade beinhaltet, dass jemand ein Recht hat etwas durchzusetzen, es aber nicht tut. Abhängigkeit und Ausgeliefertsein auf der einen Seite, stehen einem Verzicht auf die Durchsetzung dieses Rechtes auf der anderen Seite entgegen.

Wer Gnade nimmt, und das immer wieder, der akzeptiert die eigene Bedürftigkeit, auch seine eigene Unfähigkeit und stellt sich unter eine Herrschaft. Der gesteht ein, abhängig von Gnade zu sein.

Gottes Gnade ist seine verzeihende Güte. Das Gefälle Mensch (Geschöpf) zu Gott (Schöpfer) ist zu groß. Unüberbrückbar für uns Menschen. Und da kommt die Gnade ins Spiel, die Gnade, die sichtbar wird in Jesus Christus und die die Kluft überbrückt. Vergebende Gnade ist die Brücke, die Gott uns baut, damit ein Leben mit ihm möglich ist. Gottes purer Liebesbeweis.

Und wenn einzelne Steine durch Schuld aus der Brücke heraus zu bröckeln drohen und dadurch die Statik der Brücke bedroht ist, dann gibt es nur einen Weg der zur Stabilisierung führt:

Aus seiner Fülle Gnade nehmen, wieder, wieder und immer wieder!

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ (Römer 8,14)

In Deutschland gibt es eine Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung. Warum? Weil es so leicht ist, Verbraucher zu täuschen. Ist auch wirklich drin, was drauf steht? In der Bibel gibt es Kennzeichen für Gottes Kinder. Warum? Weil der Bibelleser darüber aufgeklärt werden soll, was ein Gottes Kind ausmacht. Ist auch wirklich drin, was drauf steht?

Bin ich ein Gottes-Kind? Ja, wenn ich den Geist Gottes in mir habe.  Und nein, wenn ich den Geist Gottes nicht in mir habe. Das sind klare Kennzeichen, „wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein“ (Römer 8, 9b).

Wer aber würde sich nicht danach sehnen, ein Gottes-Kind zu sein? Es hat doch keinen Wert, sich ewig mit dem boshaften und sich gegen Gott auflehnenden Herzen zu plagen; das menschliche Herz ist nicht fähig, Gott zu gefallen. Dafür ist doch Christus ein für allemal gestorben. Damit bietet er uns die Chance- ohne eigene Rechtschaffenheit- vor Gott vollkommen zu sein. Das nennt die Bibel ein herzlich geliebtes Gottes-Kind.

„Ist bei euch endlich der Groschen gefallen?“, so ähnlich fragt Paulus seine Adressaten.

Ist bei uns endlich der Groschen gefallen? Wir sind Gottes Kinder, wenn uns der Geist Gottes (das Sühneopfer Jesu) lieber ist als unsere eigene Rechtschaffenheit. Wir sind Gottes Kinder, wenn uns der Geist Gottes treibt, wir sind Gottes Kinder, wenn wir dem Geist Gottes Raum geben. Und dann werden wir täglich sterben, was so viel heißt, wie, den Begierden des „Fleisches“ (allem selbstverliebten Streben) nicht nachgeben. Aber das stößt uns dann nicht sauer auf, sondern wir wachsen hinein in eine tiefe Verbundenheit mit unserm Herrn und Heiland: ein liebevolles Verhältnis zu unserm Abba (Römer 8,15).

„Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1,14b)  (Johannes 1,14)

Der vollständige Vers lautet: „Er, das Wort, wurde Mensch und lebte unter uns. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie sie nur der einzigartige Sohn vom Vater bekommen hat.“ (NeÜ). Der Autor Johannes spricht von Jesus. Johannes schrieb dies etwa im Jahre 85 aus dem Exil in Ephesus; etwa 50 Jahre nach seiner Begegnung mit diesem Jesus.

Was verstehen Sie unter ‚Herrlichkeit‘? Ein Wort der deutschen Sprache, das im Alltag kaum noch vorkommt. Mit dem Begriff ‚Herrlichkeit‘ wird heute Großartigkeit, Glanz, Pracht, Ruhm, Protz, Prunk oder ‚Glanz und Gloria‘ verbunden. Passt das zu Jesus?

In ärmlichen Verhältnissen geboren. Von einer Jungfrau; was die Mehrheit der Menschen mit einem ‚milden‘ Lächeln abtut. Flucht vor Verfolgung mit seinen Eltern in’s Exil nach Ägypten. Als Erwachsener ohne festen Wohnsitz. Stressfaktor für die Eliten und als Aufwiegler verfolgt. Opfer eines Justizskandals. Grausam hingerichtet. Was hat das mit ‚Herrlichkeit‘ zu tun???

‚Herrlichkeit‘ hat noch eine andere Bedeutung. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes ist vor dem 15. Jahrhundert zu finden: ‚Herrlichkeit‘ bezeichnete den Herrschaftsbereich eines Machthabers. Schauen wir auf das Leben von Jesus, scheint damit ‚auch nicht viel Staat zu machen‘ sein… „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagt Jesus selbst dem damaligen Machthaber Pilatus. Wahrheit oder Ausrede?

Der erste Augenschein kann trügen. Gott ist eben ganz anders als wir Menschen. Erst recht als unsere Erwartungen. Das war schon vor Lebzeiten Jesu so, zu seinen Lebzeiten; und es ist bis heute so geblieben. Dabei alles hängt davon ab, wer Jesus eigentlich ist: Ein guter Mensch, damit (nur) ein Vorbild? Das macht ihn nicht groß, sondern klein; begrenzt auf menschliche Möglichkeiten. Denn ist seine Geburt rein natürlich, ist Jesus nur Mensch, mehr nicht. Nur ein wenig ethisch-moralisch höherstehend. Sind seine Wunder nur Mythen, begegnet uns Gott selbst nicht in ihm. Und ist er nicht auferstanden aus dem Tod, bleibt Jesus einfach nur Mensch, mehr auch nicht. Ein Mahatma Ghandi, ein Nelson Mandela des Altertums.

Der Augenzeuge Johannes sagt uns aber, dass Gott selbst sich in Jesus ganz klein und unscheinbar machte. Dass er von außerhalb von ‚Raum und Zeit‘ in diese Welt kam und aus dieser Welt wieder zurückkehrte. Nur ein solcher Gott verdient die Ehren-Bezeichnung ‚Herrlichkeit‘ – in dem doppelten Sinne des Wortes. Und diese Herrlichkeit hat Gott Jesus verliehen, sagt uns Johannes.

Zur Verdeutlichung und Weiterführung eine Geschichte, die ich vor langer Zeit bei Axel Kühner gelesen hatte. Es geht um die Frage, wo Gott wohnt, also wo er das Sagen hat. Dazu erzählt Axel Kühner: Im Kindergarten fragt die Erzieherin die Kinder, wo denn Gott wohne. Ein Kind antwortete: „Gott wohnt im Himmel.“ Ein anderes: „Gott wohnt auf der Erde unter den Menschen.“ Ein drittes sagte: „Gott wohnt im Himmel, aber seine Praxis hat er in der Kirche!“

Wie gut, dass Gott seine Praxis nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft, in der Politik, den Verwaltungen, der Justiz, den Schulen, in den Unternehmen und in den Ehen und Familien hat. Und wie jeder Arzt hat auch Gott ‚das Sagen‘ in seiner Praxis. Und wie jeder Arzt hat auch er Assistenten und Helfer. Diese sind die ersten, die ein Patient zu Gesicht bekommt. Seelsorger und Berater dürfen und sollen sich als Assistenten dieses großen Gottes in seiner Praxis hier auf Erden verstehen. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Denn so wird die Herrlichkeit Gottes in dieser Welt sichtbar.

PS: Ich empfehle, vertiefend das Buch ‚Jesus. Eine Weltgeschichte‘ zu lesen. Autor ist Markus Spieker, Journalist und Historiker.

„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.“ (Psalm 33,12)

Wie in vielen Psalmen wird in Psalm 33 dazu aufgerufen, Gott zu loben. Alle Menschen sollen ihn achten. Gott wird als Schöpfer und Machthaber beschrieben. In diesem Kontext steht Vers 12: wohl dem Volk dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.

„Ja, die Israeliten haben es gut“, dachte ich als Kind. „Aber ich gehöre nicht zum Volk Israel. Das ist doch irgendwie ungerecht, dass Gott ein Lieblingsvolk hat“. Heute stelle ich mir die Frage, muss Gott in meine Denkmuster passen? Lasse ich Gott Gott sein?

Paulus setzt sich in seinem Brief an die Römer in den Kapiteln 9 – 11 ausführlich mit der Erwählung Israels, deren Unglaube und dem Angebot der Gnade für Israel und alle Menschen auseinander. Römer 9,4 berichtet, dass Gott  das Volk Israel als seine besonderen Kindern erwählt hat, denen er seine Herrlichkeit geoffenbart und mit denen er Bündnisse geschlossen hat. Ihnen hat er sein Gesetz und seine Zusagen gegeben das Vorrecht, ihn anzubeten. In den nachfolgenden Versen kommentiert Paulus, dass Gott nach seinem freien Willen entscheidet und fragt nachfolgend in Vers 20: „Was denkst du, wer du bist? Du bist doch nur ein Mensch und willst dich mit Gott streiten? …“

Dass Gott sein Angebot der Gnade auf andere Völker ausdehnt, zeigen schon die Worte des Propheten Hosea (2,25): „Die nicht mein Volk waren, will ich jetzt mein Volk nennen und ich will lieben, die ich zuvor nicht geliebt habe.“

Paulus erklärt weiter, dass die Juden versucht haben, durch das Halten des Gesetzes vor Gott gerecht zu werden anstatt auf den Glauben zu vertrauen. – Keiner kann vor Gott mit irgendwelchen guten Taten bestehen, auch wir nicht.

Römer 10,4: „Denn mit Christus ist die Absicht des Gesetzes vollkommen erfüllt. Wer an ihn glaubt, wird vor Gott gerecht gesprochen“. – Um es abzukürzen: Das ist das Evangelium, die gute Botschaft für alle Menschen: Durch den Glauben an Jesus Christus, der uns von unsrer Schuld befreit und vor Gott gerecht macht, gehören wir zu Gottes Volk.

Paulus schreibt an die Galater (3,29): „Und weil ihr nun zu Christus gehört, seid ihr die wahren Nachkommen Abrahams. Ihr seid seine Erben und alle Zusagen Gottes an ihn gelten auch euch“.