IMPULSE ZU DEN WOCHENLOSUNGEN 2021

„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Joh 12,32)

Jesu Art zu leben war und ist heute noch revolutionär. Deshalb wurde er gekreuzigt.

Jesus spricht hier von Erhöhung. Ein Begriff, der für eine Thronbesteigung verwendet wurde. Eine Verherrlichung, eine Bestätigung. Dieser Begriff legt sich über das ganze Geschehen am Kreuz, das nach menschlichem Verständnis das genaue Gegenteil ist: die größte Erniedrigung.

Gott bestätigt hier den bedingungslosen Weg der Liebe von Jesus indem er Ihn von den Toten auferweckt und ihn zu der Brücke macht über die auch ich zur Verbindung mit Gott komme.

Sein Tod für meine Schuld. Mein Leben als Dank für seine Gnade.

Nun hat mein Leben Sinn und Ziel.

Wem kann dieser Glaube auch guttun? Fällt uns jemand ein? Jemand der Jesus noch nicht kennt?

In unserer Gemeinde haben wir eine Tradition: wir nennen sie die gute Minute. Wir beten hier für Menschen, die Jesus noch nicht kennen. So werden diese Person und auch Ich vorbereitet für den wesentlichen Austausch über das Vertrauen zu unserem himmlischen Vater.

Jesus hat uns den Himmel erschlossen.

Er ist schon da.

Er sagt nicht: Ich bin dann mal eben weg, nein er ist für Alle da.

Alle will er zu sich ziehen. Alle, durch Raum und Zeit hindurch, vor zweitausend Jahren und auch heute.

Für unsere irdische Lebensreise haben wir einen Heimathafen gefunden, bei Gott unserem himmlischen Vater.

Aus der Niederlage und dem Scheitern am Kreuz wurde ein Zeichen des Sieges über die Krankheit, die Sünde, den Tod und den Teufel; über alles Leid der Welt.

Der Zugang zum Vater ist frei: sein Tod ist eine Brücke zum Himmel geworden.

Hier offenbart sich die Leibe Gottes in einzigartiger Weise und gilt Allen ohne jeden Unterschied. Wer das versteht und dieses Geschenk der Gnade annimmt, der wird verwandelt.

Der wird einstimmen in das Lob dieser wunderbaren Gnade, die auch Ihn zu sich gezogen hat.

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)

Zu Beginn des Psalms lädt der begeisterte Psalmist alle Lande ein, Gott zu Jauchzen. Die ersten fünf Verse in diesem Psalm waren noch ausdrucksvoller, als wollte er einen Befehl erteilen: „macht es: jauchzet, lobsinget“!  Wir können daraus ableiten, dass Gott loben nicht einfach geschenkt ist, dass Loben täglich geübt werden muss. In seinem Lied rühmt er die Wunder, die Gott getan hat, er berichtet über das menschliche Herz, er weist auf das Dankopfer!

Unglaublich, aber wahr
Er erinnert den Leser an Gottes Handlungen in der Vergangenheit, so als ob er sagen will, vergiss nicht wo du gestanden hast. In deiner Verlorenheit, in deiner Sinnlosigkeit, in deiner Sündhaftigkeit hat Gott die Härte, die Schwere deiner eigenen Last zugelassen. Eine unglaubliche Zumutung! Ob wir solche Erfahrungen kennen? In einer Situation gefangen, aus der wir keinen Ausweg wissen? Schritte die wanken, gebrochenen Geist, Seufzer, fließende Tränen, tiefste Verzweiflung – dieses Gefühl als ob Gott unser Gebet doch verwirft.

Staunen
Erinnern wir uns an das Staunen darüber, dass wir durch schmerzliche, traurige Zeiten gekommen sind? Aus dem Buch „der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry, geht es u.a. um den Fuchs, der vom kleinen Prinzen „gezähmt“ werden wollte. Sie wollten sich gegenseitig vertraut machen. Sich vertraut machen! Weich werden! Unsicherheit, Angst weichen. Freundschaft, Vertrauen geben dem Leben einen zarten Hauch der Hoffnung! Dieser anziehende Respekt löst Freude aus, wenn wir zusammenkommen. Gott ebnet einen Weg, steht zur Seite, greift ein, versteht das Ersuchen des Herzens, offenbart sich erneut, löst im Nefesh ein Verlangen aus, die Schönheit seines siegreichen Namens zu verherrlichen, zu loben, zu preisen, zu lieben. Gott loben über all dem was wir schon im Leben erfahren haben. Gott loben weil wir seine Freundlichkeit und seine Zuwendung erkennen.

Leben
Neues bedeutungsvolles Leben entsteht. Ob wir es riskieren, seiner Barmherzigkeit und seiner Vergebung zu vertrauen? Ob wir es wagen, unsere zögernde Hand in seine einladende, schützende, ausgestreckte Hand zu legen? Ob wir seine Zustimmung zum Leben mit allen unseren Sinnen wahrnehmen? Wie wäre es, wenn wir heute anfangen zu glauben, dass unsere höchste Berufung bei Gott ist, in seiner Nähe zu sein, um zur Ruhe zu kommen, seine Stimme zu hören, Lebendigkeit zu spüren. Mit dem Psalmisten Gott erkennen, bringt Licht in die tiefste Dunkelheit, spricht Trost zu in die unerträglichen Schmerzen, öffnet unser „Pneuma“ Ihn zu ehren.

„Gottes Wort fordert uns heraus: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder„(Ps 98,1)

Oft sind es die Lebensumstände, die uns das Lob im Halse stecken lassen. Zum Beispiel in der derzeitigen Corona Situation in der gemeinschaftliches Singen in geschlossenen Räumen eher verboten ist. Oder es sind die bitteren Erfahrungen der letzten Jahre, die kein Lied mehr in uns erklingen lassen. Vielleicht sind es auch Menschen in unsrer unmittelbaren Umgebung, die uns das Leben vergällen und das Singen verderben.

  • Singen und Loben zu sollen, können wir da wie eine Zumutung erleben.
  • Singen und Loben, das kann aber auch wie eine Therapie sein.

Sehen Sie, wir haben weithin ein ausgeprägtes Bewusstsein für Negatives. Die momentane Lebenssituation, die täglichen Nachrichten aus aller Welt – richtig gute sind ganz selten darunter – und nicht zuletzt die eher düsteren Zukunftsprognosen hinterlassen Spuren.

Da sind dann zuweilen so etwas weinerliche, über die Not dieser Welt klagende Christen anzutreffen. Darüber kann man sich stundenlang unterhalten.

Das, worauf ich sehe und womit ich mich intensiv beschäftige, das prägt mich auch. Das bestimmt auch meine Stimmung. Wer zu viel auf sich selber sieht, zu viel auf das, was nicht so läuft wie er das gerne hätte, wird sich nicht wundern müssen, dass ihm das frohe Singen und Loben gar nicht recht über die Lippen kommen will. Kein Wunder!
Das anfangs zitierte Psalmwort setzt da einen anderen Akzent: “Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!”

Musik, Gesang als Mittel gegen die Bedrängnisse des Lebens ist ein Geschenk unseres Schöpfers an uns alle. Musik ist ein Ausdrucksmittel für unsere Gefühle um mit unserem ganzen Sein und nicht nur mit dem Mund Gott zu danken. Die positive Wirkung der Musik auf den ganzen Menschen haben auch säkular Denkende erkannt. Sie wird eingesetzt in der Musiktherapie bei ganz unterschiedlichen psychischen Störungen, wo das Zusammenwirken von Soma, Psyche und Pneuma in ganz besonderer Weise deutlich wird.

Kinder singen von sich aus, ohne dazu angeleitet zu werden.

Es gibt Lieder, die einfach mitreißen. Es ist gewaltig, wenn Menschen aus tiefstem Herzen singt. Das bringt unser Innerstes in Bewegung. Und die Realität, die hinter solcher Musik steht ist Gott der Wunder tun kann. Kleine und große mitten in unserem Leben. Manchmal lernt man erst dann etwas zu schätzen, wenn es fehlt. Mir zumindest fehlt das gemeinsame Singen in der Coronazeit zunehmend. Dann höre ich eine CD und singe da dann mit.

Ich gebe euch eine Hausaufgabe mit für die kommende Woche. Denkt doch mal über den Schatz der Lieder nach, die ihr in eurem Leben angesammelt habt und nutzt diesen Schatz für eure persönliche Zeit Gott dem Herrn ein Lied neu zu singen denn ER tut Wunder.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)

Gestern war gestern und heute ist heute. Neu statt alt. Veränderung auf Knopfdruck, oder besser auf Glauben hin.

So einfach soll das sein?

Der Bibeltext spricht von Tatsachen. Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, weil Neues geworden ist.

Möglicherweise liegt der Schlüssel bei dem kleinen Wörtchen „siehe“. Der Text enthält eine Aufforderung zum Hinsehen. Der vorrangehende Vers 16 im Korinthertext betont diese Aufforderung. Wir sollen neu sehen, neu bewerten, nicht mehr nach menschlichen Maßstäben beurteilen. Es kommt also auf die Sichtweise an.

Das ist spannend. Im Bild gesprochen: Ich soll eine neue Brille aufsetzen, die mit der Sehstärke Gottes. Durch die Hirnforschung wissen wir heute, dass unser Denken und Fühlen, unsere Sichtweise von unseren Erfahrungen und Erlebnissen geprägt sind, also zum „Alten“ gehören und wir so unsere alte Sichtweise automatisch wiederholen und verstärken. So ist Erneuerung nicht möglich.

Neues kann nur entstehen, wenn die Neuronen in unserem Gehirn neu verschaltet werden, wenn die Bereitschaft da ist, neu zu denken und neu zu fühlen, umzulernen und neu zu lernen, Gottes Sichtweise annehmen.

„Siehe“: Wir sollen das Neue sehen, beim anderen und aber auch bei mir selbst. Wir werden aufgefordert daran zu glauben, dass Neues entstanden ist, ohne Beweis und ohne Bewährung, Einfach auf Glauben hin, weil Gott Neues in Jesus Christus erschafft, eine neue Kreatur.

Ich persönlich empfinde diesen Bibeltext als Lebensaufgabe. Es ist der Zuspruch, dass meine Vergangenheit wirklich durch Christus macht- und einflusslos geworden ist. Die Vergangenheit hinter sich zu lassen, ist ein notwendiger Schritt zur Erneuerung und zum Neuanfang. Gleichzeitig ist da aber auch der Anspruch. Der Zuspruch muss für bare Münze genommen, geglaubt werden und dann auch gelebt werden, dem Alten nicht mehr die Macht und Herrschaft zu geben.

So einfach soll das sein? Aus Gottes Sicht vielleicht „Ja“. Für uns Menschen nicht so ganz. Ein erster Schritt könnte sein, nicht mehr auf das Alte zu starren und gegen es anzukämpfen (Es lohnt sich nicht gegen etwas zu kämpfen, das schon besiegt ist. Wir haben Vergebung in Jesus Christus.), sondern sich über alles Neue und alles Gute zu freuen und mehr davon für sich zu erobern.

Entdecken Sie sich und andere als neue Kreatur in Jesus Christus.

„Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Johannes 10,11a.27-28a)

Nein, ich möchte kein dummes Schaf sein!

Im Kontext dieser Andacht habe ich nachgelesen, wie es sich verhält mit dem oft zitierten „dummen Schaf.“ Die Neurowissenschaftlerin Jennifer Morton forschte über Schafe und fand heraus, dass Schafe so ziemlich den schärfsten Verstand auf dem Bauernhof haben! „Um sich vor Räubern zu schützen leben sie in ausgeprägten sozialen Hierarchien mit hoher Bindung. Sie brauchen hoch entwickelte Gehirne, weil auch ihr soziales Zusammenspiel hoch entwickelt ist.“ (Universität Cambridge)

Außerdem können sie sich hervorragend orientieren, lernen schädliches Futter von gutem Futter zu unterscheiden uvm.

Jesus spricht oft zu den Menschen seiner Zeit in Bildern und auch heute dürfen wir dieses Bild auf uns wirken lassen, wenn der Widerstand (dummes Schaf) erst einmal ausgeräumt ist.

In diesem Bild sehe ich förmlich den guten Hirten ganz körperlich und existenziell. Er kennt jedes Schaf von Geburt an, kennt seine Lieblings Weideplätze, ob es ängstlich ist oder ein Draufgänger. Er erkennt es auch in der riesigen Herde, obwohl doch scheinbar alle gleich aussehen. Und er spricht mit ihnen, so kennen sie seine Stimme und achten auf sie; vielleicht singt er auch auf den Wegen die sie zusammen gehen.

Er führt sie zum frischen Wasser, leitet die Hütehunde an kein Schaf zurück zu lassen, oder hebt es selbst aus den Dornen heraus, wenn es sich darin verfangen hat. Und weil sie sich unter seiner Führung sicher fühlen, vertrauen sie und folgen ihm. Er wird sie auch morgen und übermorgen sicher führen.

Bin ich bereit Jesus so vertrauensvoll zu folgen in der Zuversicht auf das ewige Leben mit ihm?

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1.Petrus 1,3)

Wie sich Petrus verändert hat!  Können wir Petrus Melodie „hören“, wie er aus ganzem Herzen, erfüllt mit Freude, Liebe und Dankbarkeit Gott, Vater des Herrn Jesus Christus, lobt? Petrus neue Lebensperspektive hatte ihm eine aufgerichtete Hoffnung auf ein auferstehendes Leben gegeben. Sein Lob, eine Hommage an Gott! Vielleicht flüstert auch uns Jesus zu: „Wecke in deinem Herz das Verlangen und die Sehnsucht bis dein Lied zum Himmel steigt“.

Im Gerichtshof, als Petrus sich auf eigene Kraft, Stolz und Selbstvertrauen stützte,  Petrus eingeschlossen in seinem eigenen Gefängnis, offenbarte er seine Leidensscheu. Jesus nahm Blickkontakt mit ihm. Er sah ihn liebevoll an. Was hat Er aber in Petrus gesehen? Petrus musste bitterlich weinen und fliehen. Jesus kannte seinen Fehlgang und liebte ihn. Er gab ihm Zeit. Er ging mit ihm nach seinem Tempo. Entdecken wir im Alltag wie Jesus in unsere eigene Lebensgeschichte mitgeht? Wie Er uns manchmal so ganz spontan liebevoll ansieht, gerade dann wenn wir uns auf einen Abweg befinden?

Jesus begegnete ihm wieder: „Der Auferstandene Herr Jesus… ist dem Simon erschienen“. Petrus Selbst- und Fremdwahrnehmung kamen zu einer Wende, eine Umkehr. Er wagte seine neue Stellung anzunehmen. Jesus hatte ihn dafür vorbereitet: „Bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder“. Es war an der Zeit den Platz einzunehmen, der ihm zugedacht war.  Woher soll aber der Mut kommen aus dem inneren Gefängnis heraus zu brechen, um unseren Platz einzunehmen?

Petrus angerührt von der Erfahrung durch die Begegnung mit dem Auferstandenen Christus, erfüllt von der Kraft des Heiligen Geistes den Jesus seine Jünger einblies, konnte ein Paradigma Wechsel erleben. Gott loben weil Er barmherzig ist, weil Er Hoffnung ist, weil Er in uns Wohnung genommen hat, weil Er unser Herz mit seiner Gegenwart schmückt.

Mit Petrus, mit den Psalmisten, miteinander – sich gegenseitig anstecken lassen in dem Lob an Gott, um nicht zu vergessen was Er uns Gutes getan hat und tun wird.

„Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1, 18)

Als Kind und Teenager lebte ich mit meinen Eltern und Geschwistern in Mainz. Um die Osterzeit herum sind wir mit dem Zug auf die andere Rheinseite in den Taunus gefahren. Meine Mutter liebte Schlüsselblumen. Sie begannen in der Osterzeit zu blühen. Wir kannten manch abseits gelegenen Wiesen, die mit blühenden Schlüsselblumen überdeckt waren. Eine gelbe Farbenpracht. Und wir pflückten einen kleinen Strauß für unser Wohnzimmer.

Unsere Eltern machten uns klar, dass diese ‚Schlüssel‘, so schön sie auch sind, wieder verblühen werden. Sie erzählten uns von dem, der den wirklichen Schlüssel zu Leben und Tod in der Hand hält: Jesus!

Ich sehe heute noch die Wiesen, übersäht mit Schlüsselblumen, und den kleinen Strauß vor meinen Augen und denke an den ewigen Schlüssel, den Jesus in der Hand hält.

Wer den Schlüssel in der Hand hat, kann Türen aufschließen und freilassen. Er kann Türen zuschließen und einsperren. Jesus hat den Schlüssel in der Hand. Er setzt die frei, die ihr Leben ihm für hier und die Ewigkeit anvertraut haben. Diese Schlüsselgewalt kann ihm weder der Tod noch der Satan nehmen.

Es lohnt sich noch, auf die Worte davor zu schauen: Johannes ist in der Verbannung auf Patmos. Das war damals keine Ferien-, sondern eine Gefangeneninsel; vielleicht wie ‚Alcatraz‘. Dort begegnet ihm Jesus in einer Vision. Und Johannes fällt wie tot um. Aber Jesus sagt ihm: „Hab keine Angst!“

Wie Johannes brauchen wir den Zuspruch. Gerade auch in dieser Zeit. Nicht Corona hat das letzte Wort, sondern Jesus Christus. Und Jesus fährt fort: „Ich bin der Erste und der Letzte!“ Er öffnet Türen, geht voraus und bahnt den Weg. Und er hält den Rücken frei; nach ihm kommt niemand mehr. Das erinnert mich an den Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten: Wolken- und Feuersäule tags und nachts zeigen den Weg und schützen vor Gefahr von hinten.

Und es geht weiter. Jesus sagt: „Schreib alles auf, was Du gezeigt bekommst.“ Jesus will ein Geheimnis lüften. In der ‚Offenbarung‘ zeigt Jesus, wer das Sagen hat. Nicht die Umstände, nicht gewalttätige Machthaber, kein Virus. Auch dann nicht, wenn er ‚Krone‘ (Corona) genannt wird. Auch nicht wir selbst. Sondern allein ER, Gott weil ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben hat.

Johannes erhält diese ‚Offenbarung‘, um sie an die Gemeinden zu senden: Jesus hat die Schlüsselgewalt! Und als Adressaten sind wir wiederum auch Absender unseren Mitmenschen und Ratsuchenden ebenfalls zu sagen: „Hab keine Angst, Jesus hat die Schlüsselgewalt! Ewig.

Reiner Dienlin

PS: Inzwischen stehen Schlüsselblumen unter Naturschutz. Freuen wir uns also in der Natur an Schlüsselblumen. Und denken wir dabei an den ewigen Schlüssel in Seiner Hand.

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,14b.15)

„Der Menschensohn muss erhöht werden …“

Meine Gedanken bleiben bei dem Wörtchen „muss“ hängen. In der Beratung bin ich darauf geeicht, ein „Muss“ zu hinterfragen. Muss ich wirklich? Oder gibt es auch einen alternativen Weg?

„Muss“ ist immer eine Engführung auf eine einzige Lösung hin. Es schließt ein Ausprobieren von Alternativen aus, sowohl in Gedanken als auch in der Umsetzung. Es ist etwas festgesetzt und vorgegeben worden, ein „so“ und nicht „anders“.

Ein „Muss“ schränkt meine persönliche Handlungsfähigkeit ein. Es fordert eine Unterordnung unter einen Sachzwang oder einen Willen ein. Das erzeugt Ohnmachtsgefühle durch Fremdbestimmung – Gefühle, die wir gerne vermeiden wollen. Und Jesus Christus, dem „Menschensohn“ ging es nicht anders. „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorbeiziehen.“ (Lukas 22,42)

Bei Wegstrecken, die uns in unserem Leben nicht gefallen, die uns Nachteile oder Schmerzen bereiten, suchen wir nach Auswegen und würden gerne andere Wege beschreiten. Und das ist auch gut so.

Der Wochenspruch aber lehrt uns, dass es ein „Muss“ geben kann. Das Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wenn etwas Bestimmtes geschehen soll. Das eine Abweichung vom „Muss“ das Ziel unmöglich macht.

Der Wochenspruch beschreibt nicht irgendein Ziel, hier geht es um „den“ Wendepunkt“ in der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen. Es geht um unsere Rettung, um die Basis unserer Beziehung zu Gott. Und das geht nur so: über den Weg der der Erniedrigung (Weihnachten) des Sohnes Gottes und den Weg seiner Erhöhung in die Herrlichkeit (Karfreitag und Ostern). Deshalb stellt sich Jesus Christus auch unter den Willen seines Vaters und geht diesen schweren Weg, obwohl er sich etwas anderes wünscht. Er nimmt das „Muss“ an.

Neben der tiefen Dankbarkeit darüber, dass Jesus Christus sich diesem Weg, diesem „Muss“, gestellt hat, beschäftige ich mich auch immer wieder die Frage nach dem „Muss“ bestimmter Wege und Ereignisse in meinem Leben. Besonders, wenn ich sie nicht verstehe oder nachvollziehen kann.

Manchmal stell ich dann fest, dass ein „Muss“ von meinem Vater im Himmel sinngebend sein kann, weil ich auf die Richtigkeit seines „Muss“ vertraue und das „Muss“ des Leidenswegs von Jesus Christus vorausgegangen ist.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit.

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Matthäus 20, 28)

Wie kam es zu dieser Aussage von Jesus? Eine Mutter wollte vorsorgen (nachzulesen Matthäus 20,20ff.). Sie bat Jesus darum, ihren beiden Söhnen die Plätze links und rechts von sich in Gottes Reich zu geben. Darauf erklärte Jesus, dass zum „Herrschen wollen“ auch das Leiden gehört. Die Platzvergabe steht allein Gott zu. Als sich die anderen Jünger über das „Drängeln um die Ehrenplätze“ ärgerten,  sprach Jesus von dem krassen Gegensatz zwischen den Herrschern dieser Welt, die die Menschen unterdrücken und dem, was bei ihm gilt: „…wer groß sein will unter euch, der sei euer Diener…“

Während der BTS Ausbildung lernen wir, dass Menschen unterschiedliche Motivationen haben. Das Streben nach Besitz, Ehre, Macht und Selbstverwirklichung gehört zu uns Menschen. Es ist Antrieb zur Handlung. Für die Begleitung eines Menschen kann es hilfreich sein, dessen Motivation zu kennen und sie „wohldosiert“ für den Veränderungsprozess zu nutzen.

Andere sehen diese Strebungen als Auswirkung der Sünde an. Vielleicht lässt sich dahinter die Angst „zu kurz zu kommen“ vermuten. Damit wird ein Mangel an Vertrauen deutlich, dass der himmlische Vater gut für seine Menschen sorgt. Wenn Menschen ihr Streben nach Besitz, Ehre, Macht und Selbstverwirklichung zu ihrem Lebenszentrum machen, führt dies ganz offensichtlich zur Sünde. Diesen Menschen geht es darum, selbst „groß“ zu erscheinen. Es geht um ihre Ehre anstatt um Gottes Ehre.

Der Weg zu Größe im Reich Gottes führt über den Dienst. Jesus will uns hierbei ein Vorbild sein. Sein Leben ist von Hingabe und Leiden gekennzeichnet.

Er diente den Menschen in vielfältiger Hinsicht: durch Auslegungen des Alten Testaments, durch Erklären des Heilsplans, durch Heilungen und Wunder, durch sein Vorbild und sein Gebet. Sein größter Dienst besteht allerdings darin, dass er sein Leben als Lösegeld gab. Jeder steht mit seiner Schuld vor Gott und verdient grundsätzlich ein Urteil. Doch schon der Prophet Jesaja weist auf den Knecht Gottes hin, der sein Leben zum Schuldopfer für andere geben und vielen Gerechtigkeit schaffen wird. Im göttlichen Heilsplan gibt es also eine Stellvertretung für Schuld. (siehe Jesaja 53).

In der Passionszeit machen wir uns bewusst:

Indem Jesus stellvertretend für unsre Schuld die Strafe auf sich nimmt und am Kreuz stirbt, erweist er uns den größten Liebesdienst. Er versöhnt uns mit Gott.

Für den, der dies versteht und im Glauben für sich in Anspruch nimmt, zählen andere Maßstäbe: Dienen ist gefragt. Für BTS-Seelsorger soll deshalb das Motto gelten: Dienen, helfen, heilen.

Möge Gott uns dazu befähigen und segnen.

Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh. 12,24)

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Er weiß, dass er einen Auftrag zu erfüllen hat, dass er sterben wird und dass er auferstehen wird. Jesus spricht vielfach in Gleichnissen zu den Menschen.

Aber die Menschen verstehen ihn oft nicht.

Jesus ist ganz Mensch und ganz Gott. Und so wird ihm das kommende Ereignis auch bevorstehen. Am Kreuz ruft er, Vater warum hast du mich verlassen? Er hat Angst, er ist allein.

Dieses Alleinsein, das Unverständnis der Menschen ist ihm auch jetzt schon bewusst und vielleicht spricht er sich mit diesem Wort auch selber Mut zu: Ich werde sterben, aber ich werde auch auf erstehen und bei meinem Vater sein.

Dann habe ich meinen Auftrag erfüllt und ich werde mit denen Gemeinschaft haben, die mir nachfolgen und in Ewigkeit mit mir sein werden.

In der Beratung begegnen wir oft Menschen mit den unterschiedlichsten Ängsten. In der modernen Psychotherapie gibt es gute Strategien um diesen Menschen Angebote zu machen, wie sie mit ihren Ängsten umgehen können.

Aber ist es nicht eine wunderbare Ressource zu wissen,dass ich zu Jesus gehöre, der auch Ängste kannte. Er hat diese Ängste durch Gott, der ein Gott der Lebenden ist und nicht der Toten, überwunden und ist nun dort wo es keine Ängste, Leid und Geschrei mehr geben wird.

Jesus ist auferstanden an Ostern und er lebt heute In unserem Alltag mitten unter uns. Er kennt unsere Ängste und Sorgen und er ermutigt uns, als seine Kinder des Lichts zu leben. Er möchte möchte uns Ruhe und Frieden geben über all unser Verstehen hinaus.

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9, 62)

Es geht in dem Bibeltext um Nachfolge und um die Konsequenz der Nachfolge.

Ehrlich gesagt, habe ich nie wirklich verstanden, warum Jesus es verbietet, sich von seiner Familie zu verabschieden.

Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr um das Verabschieden, sondern viel mehr um das Zurückblicken.

Wir blicken auch in der Beratung manchmal zurück. Wir beschäftigen uns mit unserem Gewordensein, um unser Heute zu verstehen. Wir erkennen Kausalitäten, und dieses Erkennen hilft uns, Neubewertungen der Vergangenheit vorzunehmen. Uns so aus negativen Kausalitätsketten zu befreien.

Wir wissen heute durch die Hirnforschung, wie sehr alte Denkmuster, Erfahrungen und Gewohnheiten in unserem Gehirn abgebildet sind und unser heutiges Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmen.

Hier könnte der Schlüssel zu der Aussage von Jesus liegen. Vielleicht möchte Jesus die Radikalität zwischen dem Leben vor der Nachfolge und dem Leben in der Nachfolge verdeutlichen. Nachfolge bedeutet dann nicht, ein Weitermachen nur mit anderen Prioritäten, sondern der Beginn eines neuen Lebens, in einem neuen Herrschaftsbereich. Ich werde nicht mehr bestimmt von dem was war, sondern darf neue Furchen ziehen, auch in meinem Denken. Ich darf Freiheit erfahren, sogar die Freiheit von alten Systemen, wie es eine Familie sein kann.

Die Radikalität von Jesus kann manchmal sehr erschreckend sein und wirklichkeitsfremd erscheinen. Und ich bekenne, mir kommen während ich diesen Impuls schreibe, auch so meine Bedenken. Aber meine Bedenken sind eben auch von meinen Erfahrungen geprägt. Ich möchte mich aber erneuern lassen, mich immer wieder öffnen für die Möglichkeiten, die in der Nachfolge liegen, in dem Geschenk eines neuen Lebens, in einem Leben als neuer Mensch. Ich will Dinge für möglich halten, die außerhalb meines Denkens liegen, weil Jesus Christus, als der Sohn des allmächtigen Gottes, nicht meinem Denken und meinen Erfahrungen unterliegt.

Christus hat uns zur Nachfolge befreit. Ein Leben in dieser Freiheit ist tausendmal besser, als ein Leben in der Unfreiheit meines Denkens. Und wenn mich doch die Unfreiheit mal wieder gefangen nehmen will, dann höre ich die liebevolle Aufforderung von Jesus ihm erneut zu vertrauen:

FOLGE MIR NACH!

„Gott hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8)

„Manchmal verstärkt mein Glaube meine Not sogar. Mir vorzustellen, dass Jesus da ist, in meiner Not, und nicht hilft, obwohl er allmächtig ist, dass ist für mich in solchen Situationen kaum aushaltbar.“

Das sagte vor kurzem eine Ratsuchende in meiner Beratung. Wut, aber vor allem Enttäuschung über vorenthaltene Liebe. „Warum lässt Gott meine Not zu, wenn er doch einfach nur mit den Fingern schnipsen müsste, und wahrscheinlich noch nicht einmal das?“

Aus solchen Sätzen klingt ein tiefes Vertrauen mit, aber auch ein verzweifeltes Unverständnis über Gottes Liebe.

Der Wochenspruch gibt Auskunft über eine Liebessprache Gottes. Gott macht in Jesus Christus den Weg frei, zu einer ungehinderten und uneingeschränkten Kommunikation mit ihm. Nicht unser Leid ist das Grundübel, sondern unsere Sünde, die uns trennt von Gott. Hier setzt Gott mit seiner Liebe an.

Gott bringt den Himmel auf die Erde, alle Barrieren und Hindernisse sind beseitigt.

Haben wir dadurch den „Himmel auf Erden“? Ja und nein!

Nein, weil nicht alles „gut“ ist. Krankheit, Krieg, Streit und Not bestimmen immer noch teilweise unser Leben. Ein Leben auf „Wolke sieben“ sieht anders aus. Die Not scheint irgendwie zu unserem Leben dazuzugehören. Sie ist Ausdruck unserer gefallenen Welt und ist für uns kaum aushaltbar.

Und Ja, weil ich durch und in Jesus Christus schon im Himmel angekommen bin. Nicht mein notvolles Erleben hat das letzte Wort, sondern Gott, der in seiner Liebe unser Heil vollendet hat. Nichts kann uns mehr trennen von seiner Liebe. Trotz und in meiner Verzweiflung, trotz und in meiner Sünde, begegnet mir Gott. Mein Alleinsein hat ein Ende. Ich bin ein errettetes Kind Gottes, des Höchsten. Und das schon hier, mit meinem Leben, mitten in aller Unvollkommenheit.

Gott hat die Welt überwunden, die Sünde und den Tod. Und Ja: Ich habe weiterhin Angst, ich sündige weiter, und Leid und Sterben gehören zu meinem Leben und gehörten auch zum Leben von Jesus Christus. Was sich verändert hat, dass nicht mehr das Leid und meine Sünde mein Ansprechpartner sind, sondern ich kann mit dem Leid und meiner Sünde zu Gott kommen und um Heilung und Vergebung bitten.

Gott ist da – Gott ist hier – Gott ist bei mir!!!

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1.Joh.3,8 b)

In diesen Wochen vor Ostern führt unser Text uns Jesu Auftrag vor Augen. Er, der Sohn Gottes bietet dem Gegenspieler die Stirn und besiegt ihn durch seinen Tod am Kreuz. Betrachten wir den Anfang des Verses mit, so heißt es: Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Wer ist der Teufel und was sind seine Werke? – Der Teufel, Satan oder Fürst dieser Welt wird von Jesus als Mörder und Vater der Lüge bezeichnet (Joh.8,44: „…Er war von Anbeginn an ein Mörder und hat die Wahrheit immer gehasst. In ihm ist keine Wahrheit. Wenn er lügt, entspricht das seinem Wesen, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“) Im Griechischen steht für Teufel das Wort „Diabolos“, das mit Verleumder und Widersacher übersetzt werden kann. Sein Ziel ist es, Misstrauen und Zwietracht zu säen und Menschen von Gott zu trennen. Wenn wir im Sinne der Allgemeinen Beratung, Psychotherapie und Seelsorge (ABPS) danach fragen, woher das Leiden im Leben eines Menschen in spiritueller Hinsicht kommt, so sind wir uns bewusst, dass der Diabolos Menschen verführen will. – Gott, der uns Menschen das Leben und eine lebenserhaltende Ordnung geschenkt hat, will für uns das Beste. Er möchte, dass es uns und unsern Mitmenschen gut geht. Der Teufel will uns durcheinanderbringen. Er lockt uns mit seinen Lügen, Gottes Ordnungen und damit auch die Gottesnähe zu verlassen. (in der Versuchungsgeschichte nachzulesen: 1. Mose 2,17 und 1. Mose 3,4).

Die Bibel nennt das Leben, das an Gott vorbeigeht, Sünde. Gerade in der Frage der Sünde braucht es Klarheit, weil Gott Sünde sehr ernstnimmt. Ich erinnere nochmals an den Anfang unsres Bibelworts (1. Joh.3, 8a) Sünde trennt von Gott und hat den Tod zur Folge. Deshalb ist es für Seelsorger wichtig, Gottes Wort zu kennen und der Versuchung zu widerstehen, Sünde in irgendeiner Form zu verharmlosen. Seelsorger sollen sich an dieser Stelle wirklich um die Seele des Ratsuchenden sorgen. Jesus will die Werke des Teufels zerstören. Es ist seelsorgerliche Aufgabe, die Wahrheit in Klarheit und Liebe zu sagen, wenn Christen von Verhalten erzählen, dass sich gegen Gott und damit ganz oft gegen die Menschen in ihrem Umfeld richtet. Pneumatische Hilfestellung bedeutet in diesem Zusammenhang, Menschen wieder auf Jesu Erlösungswerk hinzuweisen und sie zur Umkehr einzuladen.

Das alte Kirchenlied „Jesus ist kommen Grund ewiger Freude“ führt in den Strophen 2 und 3 Jesu Erlösungswerk deutlich vor Augen

  1. Jesus ist kommen, nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei.
    Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden; er, der Sohn Gottes, der machet recht frei,
    bringet zu Ehren aus Sünde und Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande.
  2. Jesus ist kommen, der starke Erlöser, bricht dem gewappneten Starken ins Haus,
    sprenget des Feindes befestigte Schlösser, führt die Gefangenen siegend heraus.
    Fühlst du den Stärkeren, Satan, du Böser? Jesus ist kommen, der starke Erlöser.

 „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“ (Luk 18,31)

Warum muss denn dieses Leiden sein?
Am liebsten wäre es uns, wir könnten ungeschoren durchs Leben kommen, Leid, Schmerz, Trauer und Tränen würden uns verschonen.

Was Jesus in seiner 3. Leidensankündigung den Jüngern eröffnet, geht in ihren Kopf nicht rein, es bleibt ihnen unverständlich. Jesus kündigt an, was kurz darauf passieren wird: Menschen werden ihre ganze Phantasie nur dazu einsetzen, ihn zu zerstören. Grausam, so eine Vision. Aber es wird nicht bei der Zerstörung bleiben, Gott ist nicht zu zerstören. Christus wird nach drei Tagen auferstehen. Er wird die Versöhnung für unsere Gottesferne vollenden. Auch diese gewaltige Vision geht nicht in den Kopf der Jünger.

Warum muss denn dieses Leiden sein?

Auch in unsern Köpfen ist eine Vorstellung von einem Gott, der doch nicht zulassen kann, dass wir Leid und Schmerz ertragen müssen. Und wenn es uns trifft, ist es schnell vorbei mit unserm Vertrauen. Er muss uns doch diese harten Proben ersparen! Oder?

Ratlos, zweifelnd und unsicher stehe ich vor meinem Elend, wenn es mich trifft. „Mein  Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ so bete ich automatisch. Solche Glaubensproben müssen die Jesus-Nachfolger von damals – und wir als Jesus-Nachfolger – durchstehen. Solche Glaubensproben müssen unsere Ratsuchenden durchstehen.

Warum muss denn dieses Leiden sein?

Die Auflösung des Unverständnisses für das göttliche Walten sieht Jesus in der vordergründigen Weltsicht seiner Freunde. Als Jesus mit ihnen nach Emmaus wandert, fordert er sie auf, eine neue Sicht zu erlangen: da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn (Luk 24,31).

Manchmal werden uns – mitunter nach langen finstern Tälern – die Augen geöffnet: Und sie erkannten ihn. Können wir  im Tränental mit Philpp Spitta singen?

 „Was böse scheint, ist gut gemeint
er ist doch nimmermehr mein Feind
und gibt nur Liebesschläge.“ (EG 374, 4)

Heute, wenn er seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebräer 3, 15)

Diese Mahnung taucht im Hebräerbrief zweimal auf und erinnert an ein Geschehen, das bei Abfassen des Briefes ca. 1300 Jahre zurückliegt (2.Mose 17,1 ff.): Das Volk Gottes ist auf der Wanderung von Ägypten durch die Wüste in das versprochene Land. Die Wüste ist kein „Schlaraffenland“. Genauso wenig wie das Leben in dieser Zeit und Welt bereits der versprochene Himmel ist.

Da kommt der Gedanke an ‚Lockdown‘ und Corona-Virus auf… Ein Jahr ist es her, dass das öffentliche Leben erst einmal stillstehen musste. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass im Januar 2020 erwartet wurde, dass der ‚Kelch‘ an uns Europäer, zumindest an uns Deutschen vorübergehe. Und wir sind ja recht gut durch die erste Welle gekommen. Wir Deutschen wurden sogar bewundert dafür. Manche Länder beneideten uns um unsere Regierung und unsere Kanzlerin.

Das Volk Gottes damals hat Durst. Es fehlt ihm an Wasser. Es jammert und klagt Mose an: „Warum hast du uns aus Ägypten geführt?“.  Mose hat den Durchblick, es ist kein Angriff gegen ihn ist selbst, sondern eine Herausforderung, eine Provokation Gottes („Versuchung“).

Könnten nicht auch heute in Corona-Zeiten Angriffe gegen Politiker, Regierungen, Verwaltungen und Unternehmen in Deutschland und Europa nur vordergründig sein? Ein Hadern mit Gott?

Mose geht weder in eine Verteidigungshaltung noch in einen Gegenangriff über. Er wendet sich an Gott selbst. Und Gott hilft. Er gibt dem Volk Wasser: durch Mose. Am Ende bekommt der Ort des Geschehens noch einen besonderen Namen: „Massa und Meriba“, d.h. Hadern und Versuchen. Der Schreiber des Hebräerbriefes verbindet den Namen des Ortes mit dem Begriff „Verbitterung“.

Wie viele Menschen sind verbittert. Oder folgen Verschwörungstheorien. Auch Christen. Dagegen hilft nur, sich an Gott zu wenden. Ihm auch die eigene Not zu klagen. Das hält Gott aus; siehe Hiob und viele Psalmbeter. Er fordert sogar dazu auf. Und das macht Mose: Er ‚hadert‘ nicht mit Gott, sondern er klagt Gott das Leid und die Not und erwartet von ihm Hilfe. Und Gott hilft heraus. Damals so wie erbeten. Manchmal aber auch anders als erbeten.

Wie viele Ratsuchende – und manchmal auch Seelsorgerinnen und Seelsorger – hadern mit ihren Mitmenschen, mit sich selbst, mit Gott und werden dadurch verbittert. Oder sie provozieren („versuchen“) und klagen gerade die an, die Ihnen helfen wollen. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind dann gut beraten, solche Provokation nicht persönlich zu nehmen, sondern zu Gott zu führen und sich an ihn zu wenden. Und genauso wie Mose der Versuchung nicht erlag, selbst Abhilfe zu schaffen, sondern auf Gott zu hören, sollen und dürfen Seelsorger Werkzeug in seiner Hand sein und für „Wasser“ nach Leib, Seele und Geist im Auftrag und der Vollmacht Gottes sorgen.

Dafür ist Durchblick und ein offenes Ohr für Gottes Reden und Handeln jeden Tag notwendig. Unser Wochenvers mahnt uns, egal ob in der Person des Ratsuchenden oder in der Person des Seelsorgers, nicht „hartherzig“ zu werden. Dem Hören auf Gott gilt sein Versprechen in demselben Abschnitt, dem unser Vers für die Woche entnommen ist: „So ist also noch eine Ruhe – „Stille“ –  vorhanden dem Volke Gottes“ (Hebr. 4, 9). Der Durst nach Leben wird „gestillt“.

PS: Lesen Sie mal den gesamten Hebräerbrief. Oder zumindest den engeren Zusammenhang unseres Wochenverses Kapitel 3 bis 6! Als Übersetzung empfehle ich die NeÜ. Nebenbei: Der ‚Lockdown‘ des Volkes Israel dauerte damals 40 Jahre. Eine ganze Generation lang…

„Über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erstrahlt über dir.“ (Jesaja 60,2b)

Mitten in der Finsternis, mitten in einer Krise, mitten im Leid, mitten in erlebter Krankheit, mitten in der Not und auch mitten im Tod gibt es Licht. Ein Licht, dass nicht von dieser Welt ist, ein Licht, dass uns auffordert nicht in der Verkrümmung der physischen und psychischen Dunkelheit zu verharren.

„Steh auf Jerusalem und werde Licht, denn dein Licht ist gekommen!“ so beginnt Kapitel 60 im Buch Jesaja.

Der Wochenspruch ist Trost, weil er uns etwas ins Gedächtnis ruft, was wir so schnell vergessen. Es gibt ein „sich Aufrichten“ in der Dunkelheit; nicht nur nach der Dunkelheit, weil die Herrlichkeit des Herrn über uns aufgeht und über uns erstrahlt. Das Licht der Herrlichkeit Gottes umgibt uns.

Wir sind oft problemorientiert, oder mehr noch, problemfokussiert. Wie durch eine schmale Röhre starren wir auf das Problem. Uns fehlt die Weite, wir erleben eine Engführung unseres Denkens und Fühlens.

„Manchmal findet sich die Lösung eines Problems in der Änderung des Blickwinkels.“ (Verfasser unbekannt).

Das Wort Gottes kann so eine Änderung des eigenen Blickwinkels sein. Gottes Wort ist außerhalb von uns. Es wird von Gott in uns hineingesprochen, es kommt uns quasi entgegen Sein Wort sagt uns Wahrheiten, die nicht aus uns heraus kommen und die nicht zu unserem Lösungsrepertoire gehören.

Eine Lösung mit der Krise, eine Lösung in der Krise, weil nicht mehr die Krise mich umgibt, nicht die Angst und auch nicht die Verzweiflung, sondern Gottes Herrlichkeit?

Ich empfinde diesen Gedanken, dieses Bild herausfordernd. In der Krise aufstehen, ein aufgerichteter Mensch, umgeben von der Quelle des Lichts der Herrlichkeit Gottes, dazu berufen selber Licht zu sein.

Ist das ein realistisches Bild? Es klingt ein wenig wie aus einer anderen Welt. Und das ist es auch. Es ist ein Bild, eine Perspektive, die Gott uns gibt, eine Perspektive der Hoffnung.

Lege ich den Fokus auf mein Problem oder auf Gott? Wir haben die Wahl. Wir dürfen Gottes Herrlichkeit über uns mit und in unseren Problemen aufgehen lassen und uns so eine neue Perspektive schenken lassen.

„Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13,29)

Jesus hat die himmlische Tischgemeinschaft schon im Blick als er dies zu seinen Jüngern sagt. Ich möchte Dich einladen, einen Augenblick über diese Szene nachzudenken. Was bedeutet für Dich Tischgemeinschaft? Wie sieht sie aus? Wie fühlt sich diese Gemeinschaft an? Was ist Dir dabei wichtig? In Zeiten des sozialen Entzugs durch Corona-Schutzmaßnahmen können Begegnungen zu Highlights werden. Ich selbst spüre, wie für mich eine Tischgemeinschaft mit der Familie oder guten Freunden an Bedeutsamkeit gewinnt. Über den Genuss einer gemeinsamen Mahlzeit und den Austausch kann eine tiefe Verbundenheit entstehen. Hier bin ich angenommen. Hier darf ich einfach SEIN. In einer von Angst bestimmten Corona-Welt ist dies eine „Insel der Glückseligkeit“.

Wenn wir diesen Aspekt auf unsern Bibelvers übertragen, nähern wir uns dem, was Jesus schon weiß. Die Menschen dort bei der himmlischen Tischgemeinschaft gehören zusammen. Vielleicht melden sich bei uns Fragen:  Tiefe Verbundenheit mit Asiaten erleben? Oder mit Afrikanern? Oder Amerikanern? Ich gebe zu, momentan ist es kaum vorstellbar, sich mit all diesen Personengruppen aus Süden, Norden, Osten und Westen gleichzeitig verbunden zu fühlen. Der Glaube an Christus, den Sohn Gottes, sprengt einmal mehr meine Denkgrenzen. Jesus selbst schafft die tiefste Verbindung, die Menschen mit Gott und untereinander haben können. Er, der Mensch geworden ist, hat durch seinen Sühnetod am Kreuz und seine Auferstehung die Position des Mittlers zwischen Gott und den Menschen eingenommen. Jesus macht aus allen seinen Nachfolgern eine große Familie und ist in diesem Sinne ihr großer Bruder.

Die Begegnung mit Christen aus anderen Kulturen oder der Besuch einer multikulturellen christlichen Gemeinde kann uns herausfordern. Unterschiedliche Stile, den Glauben auszudrücken, treffen aufeinander. Dies bietet eine Gelegenheit, unsere Art zu glauben zu hinterfragen. Was haben wir unkritisch von jemand übernommen? Was an unserem Glauben hängt mit unsrer Kultur zusammen? Was sagt die Bibel zu bestimmten Themen? Worauf kommt es an? Durch diese Auseinandersetzung kann der eigene Glaube an Tiefgang und Authentizität gewinnen. Um den echte überzeugte Nachfolge geht es auch im biblischen Kontext unsres Verses. Wer kommt wirklich in den Himmel? Wer sitzt bei Jesus am Tisch?

Kritische Auseinandersetzungen dieser Art wünsche ich mir für Seelsorger. Sie halten den Glauben lebendig. Wer weiß, was er glaubt, kann es in Beratungsgesprächen bei passender Gelegenheit mit einfließen lassen.

„Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ (Johannes 1,16)

Immer wieder haben wir Gnade von ihm, von Jesus Christus, genommen. So drückt es eine andere Bibelübersetzung aus, immer wieder.

Ein Kontinuum so zusagen, ein nicht enden wollender Vorgang. Ein Topf voller Gnade, der nie leer wird. Bereitgestellt für jeden, der sich bedienen möchte.

Aber nur, weil etwas für mich bereitgestellt ist, heißt ja noch lange nicht, dass ich es auch nehme.

Der Gedanke, von der Gnade oder auch Gunst eines anderen abhängig zu sein, gefällt uns in der Regel nicht wirklich. Da gefällt uns Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit und Autonomie schon eher.

Gnade anzunehmen oder zu geben setzt ein Gefälle voraus, ein Gefälle von einem Höherrangigem und einem der darunter steht. Gnade beinhaltet, dass jemand ein Recht hat etwas durchzusetzen, es aber nicht tut. Abhängigkeit und Ausgeliefertsein auf der einen Seite, stehen einem Verzicht auf die Durchsetzung dieses Rechtes auf der anderen Seite entgegen.

Wer Gnade nimmt, und das immer wieder, der akzeptiert die eigene Bedürftigkeit, auch seine eigene Unfähigkeit und stellt sich unter eine Herrschaft. Der gesteht ein, abhängig von Gnade zu sein.

Gottes Gnade ist seine verzeihende Güte. Das Gefälle Mensch (Geschöpf) zu Gott (Schöpfer) ist zu groß. Unüberbrückbar für uns Menschen. Und da kommt die Gnade ins Spiel, die Gnade, die sichtbar wird in Jesus Christus und die die Kluft überbrückt. Vergebende Gnade ist die Brücke, die Gott uns baut, damit ein Leben mit ihm möglich ist. Gottes purer Liebesbeweis.

Und wenn einzelne Steine durch Schuld aus der Brücke heraus zu bröckeln drohen und dadurch die Statik der Brücke bedroht ist, dann gibt es nur einen Weg der zur Stabilisierung führt:

Aus seiner Fülle Gnade nehmen, wieder, wieder und immer wieder!

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ (Römer 8,14)

In Deutschland gibt es eine Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung. Warum? Weil es so leicht ist, Verbraucher zu täuschen. Ist auch wirklich drin, was drauf steht? In der Bibel gibt es Kennzeichen für Gottes Kinder. Warum? Weil der Bibelleser darüber aufgeklärt werden soll, was ein Gottes Kind ausmacht. Ist auch wirklich drin, was drauf steht?

Bin ich ein Gottes-Kind? Ja, wenn ich den Geist Gottes in mir habe.  Und nein, wenn ich den Geist Gottes nicht in mir habe. Das sind klare Kennzeichen, „wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein“ (Römer 8, 9b).

Wer aber würde sich nicht danach sehnen, ein Gottes-Kind zu sein? Es hat doch keinen Wert, sich ewig mit dem boshaften und sich gegen Gott auflehnenden Herzen zu plagen; das menschliche Herz ist nicht fähig, Gott zu gefallen. Dafür ist doch Christus ein für allemal gestorben. Damit bietet er uns die Chance- ohne eigene Rechtschaffenheit- vor Gott vollkommen zu sein. Das nennt die Bibel ein herzlich geliebtes Gottes-Kind.

„Ist bei euch endlich der Groschen gefallen?“, so ähnlich fragt Paulus seine Adressaten.

Ist bei uns endlich der Groschen gefallen? Wir sind Gottes Kinder, wenn uns der Geist Gottes (das Sühneopfer Jesu) lieber ist als unsere eigene Rechtschaffenheit. Wir sind Gottes Kinder, wenn uns der Geist Gottes treibt, wir sind Gottes Kinder, wenn wir dem Geist Gottes Raum geben. Und dann werden wir täglich sterben, was so viel heißt, wie, den Begierden des „Fleisches“ (allem selbstverliebten Streben) nicht nachgeben. Aber das stößt uns dann nicht sauer auf, sondern wir wachsen hinein in eine tiefe Verbundenheit mit unserm Herrn und Heiland: ein liebevolles Verhältnis zu unserm Abba (Römer 8,15).

„Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1,14b)  (Johannes 1,14)

Der vollständige Vers lautet: „Er, das Wort, wurde Mensch und lebte unter uns. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie sie nur der einzigartige Sohn vom Vater bekommen hat.“ (NeÜ). Der Autor Johannes spricht von Jesus. Johannes schrieb dies etwa im Jahre 85 aus dem Exil in Ephesus; etwa 50 Jahre nach seiner Begegnung mit diesem Jesus.

Was verstehen Sie unter ‚Herrlichkeit‘? Ein Wort der deutschen Sprache, das im Alltag kaum noch vorkommt. Mit dem Begriff ‚Herrlichkeit‘ wird heute Großartigkeit, Glanz, Pracht, Ruhm, Protz, Prunk oder ‚Glanz und Gloria‘ verbunden. Passt das zu Jesus?

In ärmlichen Verhältnissen geboren. Von einer Jungfrau; was die Mehrheit der Menschen mit einem ‚milden‘ Lächeln abtut. Flucht vor Verfolgung mit seinen Eltern in’s Exil nach Ägypten. Als Erwachsener ohne festen Wohnsitz. Stressfaktor für die Eliten und als Aufwiegler verfolgt. Opfer eines Justizskandals. Grausam hingerichtet. Was hat das mit ‚Herrlichkeit‘ zu tun???

‚Herrlichkeit‘ hat noch eine andere Bedeutung. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes ist vor dem 15. Jahrhundert zu finden: ‚Herrlichkeit‘ bezeichnete den Herrschaftsbereich eines Machthabers. Schauen wir auf das Leben von Jesus, scheint damit ‚auch nicht viel Staat zu machen‘ sein… „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagt Jesus selbst dem damaligen Machthaber Pilatus. Wahrheit oder Ausrede?

Der erste Augenschein kann trügen. Gott ist eben ganz anders als wir Menschen. Erst recht als unsere Erwartungen. Das war schon vor Lebzeiten Jesu so, zu seinen Lebzeiten; und es ist bis heute so geblieben. Dabei alles hängt davon ab, wer Jesus eigentlich ist: Ein guter Mensch, damit (nur) ein Vorbild? Das macht ihn nicht groß, sondern klein; begrenzt auf menschliche Möglichkeiten. Denn ist seine Geburt rein natürlich, ist Jesus nur Mensch, mehr nicht. Nur ein wenig ethisch-moralisch höherstehend. Sind seine Wunder nur Mythen, begegnet uns Gott selbst nicht in ihm. Und ist er nicht auferstanden aus dem Tod, bleibt Jesus einfach nur Mensch, mehr auch nicht. Ein Mahatma Ghandi, ein Nelson Mandela des Altertums.

Der Augenzeuge Johannes sagt uns aber, dass Gott selbst sich in Jesus ganz klein und unscheinbar machte. Dass er von außerhalb von ‚Raum und Zeit‘ in diese Welt kam und aus dieser Welt wieder zurückkehrte. Nur ein solcher Gott verdient die Ehren-Bezeichnung ‚Herrlichkeit‘ – in dem doppelten Sinne des Wortes. Und diese Herrlichkeit hat Gott Jesus verliehen, sagt uns Johannes.

Zur Verdeutlichung und Weiterführung eine Geschichte, die ich vor langer Zeit bei Axel Kühner gelesen hatte. Es geht um die Frage, wo Gott wohnt, also wo er das Sagen hat. Dazu erzählt Axel Kühner: Im Kindergarten fragt die Erzieherin die Kinder, wo denn Gott wohne. Ein Kind antwortete: „Gott wohnt im Himmel.“ Ein anderes: „Gott wohnt auf der Erde unter den Menschen.“ Ein drittes sagte: „Gott wohnt im Himmel, aber seine Praxis hat er in der Kirche!“

Wie gut, dass Gott seine Praxis nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft, in der Politik, den Verwaltungen, der Justiz, den Schulen, in den Unternehmen und in den Ehen und Familien hat. Und wie jeder Arzt hat auch Gott ‚das Sagen‘ in seiner Praxis. Und wie jeder Arzt hat auch er Assistenten und Helfer. Diese sind die ersten, die ein Patient zu Gesicht bekommt. Seelsorger und Berater dürfen und sollen sich als Assistenten dieses großen Gottes in seiner Praxis hier auf Erden verstehen. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Denn so wird die Herrlichkeit Gottes in dieser Welt sichtbar.

PS: Ich empfehle, vertiefend das Buch ‚Jesus. Eine Weltgeschichte‘ zu lesen. Autor ist Markus Spieker, Journalist und Historiker.