IMPULSE ZU DEN WOCHENLOSUNGEN 2022

„Steht auf und erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28)

Das ist ein endzeitlicher Text. Der Kontext beschreibt die Zeit kurz vor der Wiederkunft von Jesus Christus.

Auf der Erde geht es drunter und drüber. Himmel und Erde geraten aus den Fugen. Angst Verzweiflung und Schrecken machen sich breit. Nichts hat mehr Bestand, alles hat seine Verlässlichkeit verloren.

Der Selbsterhaltungstrieb sagt uns in solchen Situationen: „Versteck dich! Duck dich, mach dich klein! Bringe dich in Sicherheit! Rette was zu retten ist!“

„Steht auf und erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht.“ Das ist das Gegenprogramm, das uns die Bibel rät. Macht Euch groß! Zeigt euch! Lasst euch nicht klein machen. Behaltet eure Würde. Nicht etwa, weil das alles gar nicht so Furcht einflößend, furchtbar oder Angst machend ist. Nein, das ist es.

Was uns aufstehen lässt, Mut macht, erhobenen Hauptes leben und hoffen lässt, ist die Tatsache, dass unsere Erlösung naht. Wir haben dem Schrecken etwas entgegen zu halten.

Der Tod hat nicht das letzte Wort. Leid Schmerz und Tränen werden vergehen und mit ihnen diese Welt. Das ist die Voraussetzung für das Entstehen einer neuen Erde. Altes muss vergehen, damit Neues entstehen kann. Das gilt im Kleinen wie im Großen.

Aufrecht und mit erhobenen Haupt, nicht gebeugt und mit gesenktem Blick, dürfen wir in die Zukunft gehen, uns auf die Wiederkunft von Jesus Christus, unserem Heiland und Erlöser, freuen. Allem anderen zum Trotz.

Die Bibel berichtet transparent von dem, was uns erwartet. Sie lässt uns nicht als Unwissende in unser Schicksal laufen. Aber, sie begegnet der Realität mit einer Hoffnung, einer Gewissheit einem siegreichen: DENNOCH!

Ich wünsche Allen einen gesegneten aufrechten Advent.

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer“. (Sacharja 9,9b)

Das Volk Gottes, sein Augapfel, kehrte aus dem babylonischen Exil in ein verwüstetes Land zurück. Jenseits ihrem aktuellen „Hier und Jetzt“ befanden sich traurige Gegenden. Die Zeit des Aufbruchs war gekommen und das Volk hatte es gewagt, diesen zu riskieren. Sie hatten den Abbruch mit einem fremdbestimmten Lebensstil eingestellt und sich auf dem Weg gemacht. Können wir uns vorstellen, dass so eine Änderung  Mut bedeutet?  Ehrgeiz, Eifer, Beharrlichkeit unterstützten den spannenden Ablauf bis hin dass ein mangelndes Interesse, Sinnlosigkeit und die Vergangenheit sie wieder einholte.

Was sollten wir hinter uns lassen, was uns aus alten Traditionen in Spannung hält? Brauchen wir manchmal einen Engel der uns, mit einem Blick auf die herrliche Zukunft, die Gott für uns vorgesehen hat, lenken hilft? Ein Engel der uns motiviert aus eindringlichen trüben  Gedanken, Gefühlen und Handeln herauszukommen?

Durchbruch zum Leben
 „Siehe! Schau her! Sei wachsam!“ ein sehnsüchtiger Appell aus Gottes Herzen an unsere Aufmerksamkeit, uns auf seine Wirklichkeit zu fokussieren. Vielleicht fragen wir uns manchmal was wir brauchen, um ein anderes Bild zu sehen das liebevoll und freudig erscheint. Das persönliche Bild das Gott uns schenkt, das uns berührt, das uns nicht mehr los lässt, könnte unsere Lebens- und Denkweise sowie unsere innere Haltung verändern.

Gott denkt an dich
Einladende Worte, weiche Worte, warme Worte die die Herzen öffnen, die Geborgenheit schenken, die die Grundstimmung der Resignation aufbrechen, solche Worte die Gott spricht eröffnen auch uns, auf unentdeckte Ziele zu gehen und eine wohlwollende Haltung zu entfalten.

„Dein König kommt zu dir“! eine Unterbrechung mitten in unseren Alltagsgeschehnissen, der persönliche Gott selber setzt ein Zeichen. In den leeren Herzen weckt Gott eine Sehnsucht nach Barmherzigkeit, erhellt die Dunkelheit in unserem innersten, berührt behutsam die Schmerzen um sie zu heilen und er spricht zu uns.

Können wir seine Stimme trotz allem was uns fesselt hören? Wo aber soll der persönliche Gott Platz in unserem zerbrochenen Leben finden? Der Prophet stellt uns diesen persönlichen König als umgänglich, kontaktfreudig, vergebend und als Friedensbringer vor, der sich zu uns liebevoll verneigt. Er selber gibt uns die Berechtigung Ihn zu rufen: „Mein König, Mein Herr, Mein Gott, Mein Retter, Mein Heil“!

Grund der Freude
Kann es sein, dass Gott uns sagen will, „weil Ich dein König bin deshalb komme ich zu dir? Ich will Deine Gerechtigkeit werden, ich will Dich von Unfairness, Verurteilung, Unversöhnlichkeit, Ungerechtigkeit und Unfrieden befreien. Ich will Dir helfen, die innere Transformation von lähmenden Lebenseinstellungen zu einer lebendigen Beziehung zu mir auszuführen. Komm zu mir.

„Lasst Eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen“ (Lukas 12, 35)

Eine merkwürdige, vielen fremde Aufforderung ‚lasst Eure Lenden umgürtet sein‘. Lange Gewänder im Orient waren in der Hitze angenehm zu tragen. Aber für die Arbeit auf dem Feld, für den weiten Weg oder einen Kampf waren sie hinderlich. Dann wurden diese langen Gewänder mit einem Gürtel hochgebunden. Damit heißt die Aufforderung nichts anderes als: ‚Haltet Euch bereit!‘

Das sagt Jesus seinen Jüngern. Er spricht von dem Warten auf sein Wiederkommen nach Tod und Auferstehung. Und dieses Warten ist nicht untätig wie im Warteraum eines Arztes. Es bedeutet auch nicht, die Zeit vertreiben bis zum Aufruf. Es geht um aktives Warten und Erwarten des Herrn Jesus. Er sagt: ‚Freuen darf sich jeder, den er bei der Rückkehr an der Arbeit findet.‘ (Luk.12, 43)

Der zweite Teil der Aufforderung heißt: ‚Lasst Eure Lichter brennen‘. Mich erinnert das an die vielen Kerzen in unserem Zuhause, die in Schubladen liegen oder auf Ständer gesteckt sind. Aber sie brennen nicht. Sie tun nicht das, wozu sie da sind: Licht und Wärme geben, die Umgebung hell machen.

Eigentlich ist dieser zweite Teil unseres Verses gar keine Aufforderung. Grammatikalisch-sprachlich schon, aber nicht in seiner tieferen Bedeutung. Ich sehe darin Trost und Ermutigung: Keine Kerze zündet sich selbst an. Das Feuer kommt von oben, zündet die Kerze an und lässt sie leuchten. So wie an Pfingsten der Heilige Geist von oben auf die Jünger kam, so kommt auch das Feuer, das Dich und mich in dieser Welt brennen und Licht bringen lässt, von oben.

So ist die Erwartung des Wiederkommens unseres Herrn Jesus Christus immer beides: Aufforderung und Zusage zugleich.

„Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi“ (2. Korinther 5,10a)

Was kommt da auf uns zu? Richterstuhl? Ich bin nur mir selbst verantwortlich, höre ich den modernen Menschen sagen. Das ist die Realität des Menschen ohne Gottesbezug. Wenn ich mich selbst an die höchste Stelle setze, kann ich mir mein eigenes Urteil fällen über Situationen und mein Verhalten. – Während die einen sehr gut von sich denken und gut wegkommen, denken andere schlecht von sich und gehen entsprechend gebeugt durch das Leben. Das kennen wir ja aus dem Beratungskontext. Es entstehen subjektive Wirklichkeiten bzw.  subjektive Wahrheiten. Wenn jeder nur sich selbst verantwortlich ist, wird vieles beliebig. Denn was ich gut finde, muss ein andrer nicht gut finden. Menschen, die sehr unterschiedlich ihre Wirklichkeit vertreten, füllen zunehmend unsre Medien. Während die einen Menschen retten wollen – seien es Sanitäter in einem Rettungsfahrzeug oder Kapitäne, die Menschen aus dem Meer ziehen, gibt es andere, die die Natur und damit ihre Lebenswelt retten wollen und sich dafür auf die Straße kleben bzw. Staaten, die sich vor einer Flut an Flüchtlingen retten und sich vor Überforderung schützen wollen. – WER HAT RECHT?

Die Realität eines Christen ist: Es ist ein Gott über uns, eine Instanz, die über allem steht. Einer, der nach seinen Maßstäben urteilt. Er ist ein liebender Gott, der sich zuallererst eine gute Beziehung mit uns Menschen wünscht. Er hat alles dafür getan, dass der Riss zwischen seiner Heiligkeit (bzw. Vollkommenheit) und unserem irdischen Unvermögen überwunden werden kann. Er hat seinen Sohn Jesus Christus in den Riss treten lassen, damit wir mit ihm in Verbindung sein können (Johannes 3, 16). – Wenn du bereits die Entscheidung getroffen hast, dich durch Christus mit Gott versöhnen zu lassen, dann bist du gerettet. D.h. du kommst nicht in das Endgericht, in dem es um Tod und Leben geht (Johannes 5, 24).

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat zu seinen Lebzeiten, es sei gut oder böse. So heißt der ganze Vers. Es geht darum, dem Sohn Gottes, der sein Leben für uns hingegeben hat, gegenüber verantwortlich zu sein. Er wird uns dann den angemessenen Lohn geben, sozusagen eine Vergütung, eine Entschädigung. Dies ist ein Trost für Christen, die wegen ihres Glaubens leiden und befürchten, dafür mit ihrem Leben bezahlen zu müssen.

Manche nennen dieses Gericht das Preisgericht. Der Begriff lässt uns allerdings an ein Preisgericht im Sport denken, bei dem Leistungen bewertet werden. Achtung: Es wird weniger um christliche Leistungen als um Beziehung gehen. Wenn wir vor ihm erscheinen, wird ans Licht kommen, wie unser Verhältnis zu ihm ausgesehen hat. ER liebt uns bedingungslos. Die Frage wird sein, wie hat uns dies berührt? Als liebender Gott wird ihn vermutlich interessieren: Liebst du mich mehr als alles andere? Nimmst Du mich beim Wort? Geht es Dir um meine Ehre?

Besinne dich heute und alle Tage auf das, was bei Gott zählt!

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“  (Matthäus 5,9)

Frieden ist in unseren Zeiten ein hohes Gut geworden, ein Gut, dass uns nicht mehr selbstverständlich erscheint. Frieden ist sehr zerbrechlich. Es braucht nicht viel, damit aus Frieden Unfrieden oder sogar Krieg wird. Es gibt Situationen, in denen ich noch nicht einmal zum Unfrieden beitragen muss, damit Unfrieden entsteht. Manchmal kommt er sehr plötzlich, wie aus dem nichts. Zumindest erscheint das so, weil die Vorboten übersehen worden sind oder Vorrangegangenes falsch interpretiert wurde.

Der Wochenspruch fordert dazu auf, aktiv Frieden zu stiften. Nicht nur nichts zu tun, was den Frieden beeinträchtigen kann, sondern den Frieden aktiv zu suchen, ihm nachzujagen, wie es in einer anderen Bibelstelle steht.

Ich verstehe das so, dass wir prophylaktisch handeln sollen, um den Unfrieden im Keim zu ersticken.

Was aber heißt das konkret?

Die Bibel gibt dafür viele Anregungen, die zu einer friedlichen Grundhaltung führen können:

  1. „Einer achte den anderen höher als sich selbst.“
  2. „Überwinde das Böse mir Gutem.“
  3. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
  4. „Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders? Geh zuerst und entferne deinen Balken.“
  5. „Wenn dir jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin.“
  6. Das große Feld der Vergebung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Friedensstifter zu sein bedeutet nicht, „Falschem“ Raum zu geben, nachzugeben um des „lieben Friedens“ willen. Friedensstifter entziehen viel mehr dem Unfrieden den Nährboden, er kann schwerer wurzeln. Sie können auf das Recht auf „Rechthaben wollen“ verzichten, müssen auf einen Angriff nicht mit Gegenangriff antworten.

Ein Garant für den Frieden sind auch Friedensstifter nicht. Frieden braucht die Friedensbereitschaft aller beteiligten Parteien. Friedensstifter tragen Frieden in sich und haben Frieden mit Gott und sie sind deshalb geadelt.

Friedensstifter werden als Gottes Kinder erkannt und auch so genannt. Sie bekommen einen Titel. Und wie ich finde den schönsten Titel der Welt.

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8)

Dieser „Regelkatalog“ in Kurzform scheint auf den ersten Blick einfach und übersichtlich. Nicht so verwirrend wie die vielen Regeln und Anordnungen aus dem Gesetz des Mose: „Tu dies“, „tu dies nicht“. Sondern er erinnert uns an die Aufforderung Jesu: „Liebe Gott…und deinen Nächsten wie dich selbst.“

Zwei Forderungen beziehen sich auf unsere Gottesbeziehung und eine auf die Beziehung untereinander.

Gottes Wort halten und demütig sein:
Gott teilt uns in Seinem Wort seine Gedanken und Prinzipien mit; betreffend unser Leben hier auf dieser Erde und unsere Beziehung zu Ihm. Als unser Schöpfer und Baumeister kennt er uns besser, als wir uns selbst kennen und wenn wir seine „Gebrauchsanweisung“ gründlich lesen und befolgen, schaffen wir gute Voraussetzungen, dass unser Leben gelingt und „im Sinne des Schöpfers“ verwendet wird. Viele Menschen verstehen Gott und sein Wort als einschränkend und als Spaßbremse. Aber wenn ich z.B. einen Wasserkocher nicht bestimmungsgemäß zum Wasserkochen verwende, sondern eventuell zum Essenkochen zweckentfremde, muss ich mich nicht wundern, wenn er kaputt geht. So müssen wir uns auch nicht wundern, dass unser Leben „kaputt“ geht, wenn wir die Anweisungen des Schöpfers nicht einhalten.

Demut heißt, dass ich Gott als meinen Schöpfer und Herrn anerkenne und nicht immer alles besser weiß als er. Dass ich mich und mein Verhalten selbst reflektiere, meine Sünden bekenne und in der Abhängigkeit zu Ihm lebe.

Liebe üben:
Diese Aufforderung bezieht sich auf meine Mitmenschen. Doch wenn ich die ersten beiden Forderungen beachte und immer mehr in meinem Leben umsetze, wird mir auch diese Aufforderung besser gelingen.

Wie würde eine Welt aussehen, in der die Menschen diese Regeln befolgen? Es gäbe keine Kriege, keine Morde, keine Raubüberfälle und Diebstähle, keine Streitereien und Machtkämpfe mehr. Wir wissen, dass wir in Gottes Reich in der Zukunft solche Verhältnisse erleben werden und ich freue mich jeden Tag mehr darauf!

Aber noch leben wir auf dieser Erde und wir wissen, dass die Vorstellung utopisch ist, dass alle Menschen so leben. Doch wie sieht es unter uns Christen aus? Wie setzen wir diese „einfachen“ Regeln in unserem Leben und unserer Umgebung um? Sehen die Menschen von außen an uns, dass wir anders leben als sie? Können sie von uns sagen: „Seht, wie lieb haben sie sich untereinander“?

Unsere Ethik und Verantwortung in der Biblisch-therapeutischen Seelsorge ist es, Gottes Aufforderungen mit Seiner Hilfe nachzukommen und diese dann an unsere Ratsuchenden weiterzugeben. In dem Buch von Michael Dieterich „Einführung in die ABPS“ zitiert er Hermann Bezzel in der Einleitung: „Nicht Satte können andere trösten, sondern Gespeiste, nicht Sichere können anderen die Not ihres Lebens sagen, sondern Gewisse, nicht Fertige können dem Volk sein tiefstes Elend recht schildern, sondern Gereifte“

„Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm.“ (Jeremia 17,14)

Der Prophet Jeremia macht hier eine sehr klare und kraftvolle Glaubensaussage. Eine Aussage, die keinen Zweifel an der Wahrheit zulässt. Wenn wir die Lebensumstände Jeremias anschauen, dann hätte er allen Grund, die Hoffnung zu verlieren. Und tatsächlich ist es auch so, dass Jeremia klagt (er verfasste die „Klagelieder“) und er wird auch der „weinende Prophet“ genannt. Klagen ist nicht verboten, aber wir sollten Gott unsere Not klagen und mit IHM darüber reden. Er sagt uns immer wieder in seinem Wort, dass wir unser Herz bei ihm ausschütten sollen. Und ich denke, dass dieses ehrliche und offene Klagen Jeremias die Beziehung zu seinem Gott stärkte und ihm gleichzeitig die Augen öffnete für die wahre Hilfe!

Das ist es, was wir in der BTS-Ausbildung immer wieder vermitteln: Es geht in unserer Arbeit um „Soteriogenese“, es geht um das „Heilwerden“ im ganzheitlichen Sinne, nicht einfach nur um eine psychische oder körperliche Verbesserung der Situation. Dieses „Heilwerden“ anzunehmen oder abzulehnen ist die Entscheidung des einzelnen Menschen, aber wir dürfen diese Glaubensüberzeugung weitergeben: „Nur bei IHM ist wahre Heilung und Rettung zu finden – in keinen Umständen oder bei keinem Menschen!“

Im 17.Kapitel des Jeremia-Buches werden die beiden Lebensentwürfe gegenübergestellt:

  1. Die Folgen, wenn wir auf Menschen vertrauen (Verse 5-6)
  2. Die Folgen, wenn wir auf den Herrn vertrauen (Verse 7-8)

Ich wünsche mir und uns allen, dass wir begeistert sind von Gottes wunderbarem Plan; von diesem zuverlässigen Angebot und dieses auch unseren Ratsuchenden weitergeben und vermitteln:

„Auf Gott ruht mein Heil und meine Ehre; der Fels meines Schutzes, meine Zuflucht ist in Gott.“ Psalm 62,8

„Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe.“ (1. Johannes 4,21)

  1. Johannes 4 ab Vers 7 ist eine Hommage auf die Liebe Gottes, an dessen Ende der Wochenspruch steht.

Die Liebe Gottes zu uns Menschen, zu dir und mir, wird in aller Breite beschrieben; wodurch sie sichtbar wird, und was sie erreichen soll. Es werden vier Ziele genannt: 1. Die Einheit mit Gott, 2. Heilsgewissheit, 3. Furchtlosigkeit und 4. die Liebe zu den Geschwistern.

Gottes Liebe kommt in uns zum Ziel (neben den ersten drei genannten Zielen), wenn sie nicht nur bei mir bleibt, sondern wenn erfahrene Liebe durch Gott weitergegeben wird an Geschwister, oder meinen Nächsten.

Die erstgenannten Ziele betreffen mich, meine Glauben, mein Denken und Fühlen, meine Sicht auf das Leben. Sie geben mir Sicherheit, mir Geborgenheit, mir Selbstwert. Erst dann kommt die Ausrichtung auf die Geschwister hin. Aber: Diese Ausrichtung ist ein KO-Kriterium. Wenn die Liebe zu den Geschwistern nicht da ist, dann ist meine Liebe zu Gott eine Lüge.

Das heißt konkret, dass auch, wenn ich die Glaubenswahrheiten für mich erkannt und verinnerlicht habe, ich aber die erfahrene und erlebte Liebe Gottes nicht zu meinen Geschwistern bringe, dann entlarve ich selbst, meine Liebe zu Gott, als Lüge.

Meine Glaubenserfahrung ist, dass immer dann, wenn die Bibel so radikal und bedingungslos Dinge benennt und einfordert, dann liegt dem ein übergeordnetes Thema zu Grunde, das zu schützen gilt.

Professor Dieterich hat einmal „die Liebe“ als Ausdruck der Sehnsucht Gottes nach uns, seinen Kindern, als so ein Thema bezeichnet, dem sich die gesamten Aussagen der Bibel unter- und zuordnen lassen.

Gott hat unsere Treulosigkeit und Beziehungslosigkeit ihm gegenüber mit Liebe geknackt. Liebe ist damit die stärkste Kraft, die selbst die Sünde überwindet. Die Liebe wird somit zur Waffe, um Streit, Unversöhnlichkeit, Missverständnissen, Verletzungen und vielem mehr entgegenzutreten und Gedanken und Taten Raum zu geben, die aus Gottes Liebe zu mir resultieren.

„Liebe, und dann tue, was du willst.“ hat Augustinus gesagt.

Und so denke ich: DIE BIBEL GIBT IHM RECHT!

„Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“ (1. Johannes 5,4)

Welch eine ermutigende Botschaft sendet der Apostel Johannes hinein in unseren Alltag. Es ist, als ob er uns durch seine liebevolle Rede auffordert, unseren individuellen Glauben an den dreieinigen Gott zu akzeptieren. Er beginnt seinen Brief mit einer empathischen und familiären Anrede und weist uns auf die enge Beziehung zu Gott in einer vertrauten Gemeinschaft hin. Johannes begleitet uns durch eine Lernschule, in der wir unseren Glauben, der unsere ganze nefesh umfasst, als neue Kraftquelle in uns aufbrechen sehen.

„Durch den Horizont sehen“

Bildlich ausgedrückt erklären die Papuas die Bedeutung des Glaubens mit den Worten: „durch den Horizont sehen“. Das was wir nicht sehen, was wir nicht anfassen können, was nicht begreiflich ist, besteht. Vielleicht erblicken auch wir, so wie durch einen kleinen Spalt in einer verriegelten Tür in unseren Herzen ein warmes Licht, einen Geruch des Lebens, ein Hören einer Einladung am Tisch zu sitzen, ein Schmecken von freudigen Worten und ein Tasten der Hoffnung. Wollen wir es wagen, Gott als unser Gegenüber, unseren Verbündeten zuzulassen und die Verbundenheit Gottes mit uns als Zeichen seiner Sehnsucht zu erleben?

Die Quelle ist der Sieg

Johannes geleitet uns auf dem Weg des Verstehens, dass nur unser Herr Jesus der Triumphator ist. Auch wenn wir gerade auf einem einsamen Platz stehen, der umgeben ist von Sorgen, Einsamkeit und von Missverständnissen, können wir dennoch in einem „Dagala“ (einer Zone die von herunterströmenden Lava verschont wurde) gedeihen. Vielleicht ist es unser Ort in dem wir lernen können, den Triumph anzunehmen über all das was uns unsere innere Welt anbietet. Ein Triumph über die Seelenzerstörenden Tendenzen, die in uns wohnen und Ruhelosigkeit, Entwürdigung, Beurteilung, Verkümmerung und Unvergebenheit veranlassen wollen.

Unsere Persönlichkeit ist geprägt von unserer individuellen Sozialisation, Herkunft, Prägung, und folgt oft aus Rücksicht auf „andere“ fremden Regeln und unzähligen trivialen Entscheidungen. Bis eine noch verborgene Kraftquelle sich meldet und eine Faszination von diversen eigenartigen Fähigkeiten erweckt, die in den Jahren gewachsen sind und uns im tiefsten Inneren Licht, Hoffnung, Freude, Vergebung, Heilung und Sieg vermitteln.

Es ist vielleicht ungewöhnlich uns vorzustellen, mit Christus in einem Triumphzug zu sein, umgeben von seinen beschützenden, lichtbringenden Engeln, aufgerichtet in unserem Glauben auf seiner Bahn zu gehen. Es erfordert eine Lernbereitschaft, auf noch unbekannten Wegen zu pilgern und dabei auf ein himmlisches Ziel mit Blick auf den kommenden König zu schauen.

„Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.“ (Psalm 145,15)

Aufs Essen warten… Welche Bilder gehen uns dabei durch den Kopf? Da sitzen Kinder beim Zeltlager an Biertischgarnituren und warten aufs Essen. Alte Menschen sitzen an ihrem Platz im Pflegeheim und warten aufs Essen. Menschen, die im Restaurant eine Bestellung aufgegeben haben, warten aufs Essen. Menschen in Ostafrika, die in der Schlange um Hilfsgüter anstehen, warten aufs Essen.

Wie existenziell ist die Versorgung durch Nahrungsmittel! Oft sind wir uns dessen nicht bewusst. Denn das Essen für die Zeltlagerkinder, die Pflegeheimbewohner und Restaurantbesucher kommt in jedem Fall. Menschen in den Dürregebieten dieser Erde spüren die Abhängigkeit von der Hilfe anderer hautnah.

Was unsre Ernährung betrifft, sind wir alle abhängig von Gott, ob uns dies bewusst ist oder nicht. Nichts wächst, wenn Gott es nicht will. – Jesus lehrte seine Nachfolger beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute“.  Damit zeigt er uns, wie wir in einer bittenden und abhängigen Haltung vor Gott treten sollen.

Während der Wochenspruch zum Erntedankfest uns zunächst an Nahrungsmittel denken lässt, beschreibt die Bibel sowohl im Alten als auch Neuen Testament das Wort Gottes als Speise.

Dein Wort ward meine Speise, sooft ich’s empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth, schreibt Jeremia (Kap.15,16).

Als Jesus vom Teufel versucht wurde, antwortete er und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht. «

Die Bibel zeigt, dass wir für unsre Nefesh mehr als irdische Nahrungsmittel benötigen. Wir brauchen Gottes Zusagen, die uns viel tiefer nähren und wir brauchen Jesus, der von sich sagt (Johannes 6,35): Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Als Biblisch-Therapeutische Seelsorger sehen wir immer den ganzen Menschen. Neben allem, was wir gelernt haben, um Menschen zu helfen, sprechen wir deshalb Ratsuchenden auch das biblische Wort zu. Denn für sie kann es die Speise sein, auf die sie gewartet haben. – Menschen, die Jesus noch nicht als den erkannt haben, der ihren Lebenshunger stillt, erzählen wir von dem Brot, das uns satt macht. Unsern eigenen Bedarf an geistlicher Nahrung erwarten wir täglich von Gott.

„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7)

„Werft in Demut alle eure Sorgen auf Gott, denn er sorgt sich in allem was euch betrifft.“ So steht der Vers in der Bibelübersetzung „bibel.heute“. Hier wird ein Bezug zum Inhalt des vorhergehenden Verses hergestellt, in dem es um Demut geht.

Ist das „sich Sorgen machen“ ein Ausdruck von Hochmut?

Möglicherweise schon, denn Sorgengedanken erwecken den Eindruck, sie könnten Dinge lösen, die in der Zukunft liegen. Der Versuch, alle möglichen Zukunftsvarianten durchzudenken, um gut vorbereitet zu sein und sie für sich händelbar zu machen, das ist schon dem reichen Kornbauern in Lukas 12 nicht gelungen und auch in Matthäus 6 sagt Jesus, dass unser Sorgen, unser Leben nicht um eine Elle verlängert.

Am Unmöglichen festzuhalten, sich etwas zuzutrauen, was menschliche Fähigkeiten übersteigt, kann als Hochmut angesehen werden. Umso mehr, wenn als Gegenüber meines Sorgens, Gott selber auftritt.

Demut braucht Mut, in diesem Fall Mut, auf die Selbstkontrolle zu verzichten, was heißt, Gott die Sorge zu überlassen. Gott will sich an unserer Stelle sorgen. Der Ansatz Problemlösungen zu finden, Sicherheit zu erfahren, einen Umgang mit schwierigen Dingen zu finden bleibt, aber Gott will die Sorge dafür übernehmen. Es geht möglicherweise nicht um das Sorgen an sich, sondern um die Qualität der Sorge.

Wenn ich mich sorge ist das vergebliche Sorgensmühe. Wenn Gott sich sorgt, dann führt es zur Erfüllung seines Planes mit mir und dieser Welt. Gott bietet sich an, an unserer statt zu sorgen. Anders ausgedrückt, da sorgt jemand für mich und dieser „jemand“ ist Gott, Gott der Allmächtige.

Sorgen werden häufig durch Angst angestoßen und aufrechterhalten. Angst erzeugt Sorge und Sorge wiederum neue Angst, und so entsteht ein Sorgenkreislauf. Der Bibelvers ermutigt uns, diesen Kreislauf zu unterbrechen und die Unsinnigkeit der Sorgen zu entlarven. Ein anderer Ansatz wäre auch, einen neuen Umgang mit meiner Angst zu finden.

Es ist besser, die Kraft nicht in Angst und Sorge zu stecken, sondern in ein tiefes Urvertrauen zu Gott, in dessen Vollendung seines Planes ich ein Teil bin.

Erzähle nicht Gott, wie groß deine Probleme sind, sondern deinen Problemen, wie groß Gott ist!“

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)

Unzählige Male wurde dieser wunderschöne Psalm schon vertont: als Choral und Kantate in der Barockzeit; aber auch in den letzten Jahrhunderten bis in die heutige Zeit haben Komponisten und Liedermacher den Text des 103. Psalms genutzt, um ein Lied daraus zu machen.

Ursprünglich war es ja auch ein Lied von David. Er hält hier Zwiesprache mit seiner Seele und erinnert sie und damit sich selbst, das Loben nicht zu vergessen. Schon David wusste, wie vergesslich wir Menschen sind und wie schnell wir die guten Dinge vergessen, die Gott uns im Lauf unseres Lebens geschenkt hat. Wie schnell sind wir dabei, das Schlechte und Unangenehme in unserem Leben zu fokussieren und das Gute zu übersehen.

Vielleicht gibt es Phasen in unserem Leben, in denen wir viel Leid und Not erleben und in denen wir nicht mehr wissen, wofür wir Gott danken und loben sollen? Dafür hat David auch einen Tipp im 3.und 4.Vers: „..der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit…“

Selbst wenn wir keinen anderen Grund zum Danken und Loben finden sollten, dann können wir immer noch dafür danken, dass Gott uns unsere Sünden vergeben hat und unser Leben vom Verderben erlöst hat. Das ist doch auch das Wichtigste und Zentrale in unserem Leben: Dass unsere Schuld vergeben ist und wir ewiges Leben bekommen haben. Was würde es nützen, wenn wir ein perfektes, leidfreies Leben hier auf der Erde hätten, aber unsere Schuld noch nicht vergeben wäre? Wir würden ewig verloren gehen!

Und so können wir jeden Tag mit Gotteslob beginnen; zuerst dafür, dass Er uns die Sünden vergeben hat. Und ich weiß, wenn wir einmal damit beginnen, fallen uns noch zehntausend andere Gründe ein, Gott zu loben. Es kann und sollte zu einem Lebensstil werden, nicht nur einmal pro Woche beim Lobpreis im Gottesdienst. Spurgeon sagte: „Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben.“

Es ist einerseits unsere Aufgabe, Gott zu loben und ihm zu danken, aber es wird uns andererseits selbst unendlich guttun und unser Leben froh machen. Und nicht zuletzt sind wir damit für unsere Mitmenschen angenehmere Zeitgenossen, als wenn wir missmutig und verbittert durchs Leben gehen.

Damit können wir zum Modell für unsere Ratsuchenden werden, denn Dankbarkeit und Gotteslob sind große Ressourcen, die zu positiven Veränderungen führen.

Christus spricht: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matth.25, 40b)

Unser Leben hier, wie wir leben, was uns wichtig ist, hat Folgen.

Jesus ist in Jerusalem angekommen. Er weiß, was dort auf ihn zukommen wird. Und auf seine Jünger. Deshalb bereitet er sie vor.

Er wettert gegen die religiösen Führer, die fromm daherreden, deren Taten und Lebensführung im krassen Widerspruch dazu stehen. Er klagt über den (geistlichen) Zustand Jerusalems. Er predigt über das Kommen des Christus, wie das sein wird, wie verschieden die Menschen darauf reagieren werden. Er beschreibt, wie richtiges und falsches Warten auf das Kommen des Christus aussieht.

In Bildern, Gleichnissen, macht Jesus das anschaulich: Die ‚klugen und törichten Jungfrauen‘ zeigen, dass die einen wirklich mit dem Kommen rechnen und die anderen ihn nicht ernst nehmen. Der Umgang mit den ‚anvertrauten Zentnern‘ zeigt uns, dass Warten aktiv ist und nicht bedeutet, auf einer Wartebank die Hände in den Schoß zu legen. Gaben und Begabungen sollen wir einsetzen.

Das Ganze gipfelt in der Beschreibung des kommenden Weltgerichtes. Und wieder scheiden sich hier die Geister, wird dann entschieden in die einen, die ihre Gaben und Begabungen bis zum Kommen des Christus eingesetzt haben im Dienst an den Mitmenschen und die anderen, die sie haben brach liegen lassen oder vergeudet. In beiden Fällen lautet das Resumee: „Was ihr (nicht) getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir (nicht) getan.“

Unser Leben hier hat Folgen. An Christus entscheidet es sich. Praktisch sichtbar an und im Nächsten.

Nach dem Blick in das dereinst kommende Weltgericht mit dem Wiederkommen Jesu Christi kündigt Jesus ein letztes Mal seinen Leidensweg an. Und er teilt mit Ihnen das Abendmahl. Alle nimmt er mit hinein, den Verräter Judas wie den Verleugner Petrus und alle anderen, die weglaufen, als es ernst wird.

Auch das Leben Jesu vor zweitausend Jahren auf dieser Erde hat Folgen: Die Brücke aus der Sünde hinein in das (ewige) Leben, die Erbschaft als Kinder Gottes. Geliebt und vom Versagen begnadigt. Und ganz neu begabt und gerufen in die Gemeinschaft mit Jesus Christus. In die Leidens- und Dienstgemeinschaft.

Lesen Sie mal die Kapitel 24 bis 28 des Matthäusevangeliums.

„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jesaja 42,3 a)

Was für starke Bilder werden uns in dieser Bibelstelle vor Augen gemalt.

Als Seelsorger sehen wir häufig gebrochene Menschen oder Menschen, die wie ein glimmender Docht sind. Es braucht nicht mehr viel, dann geht etwas endgültig zu Ende.

Manchmal kommen Menschen zur Seelsorge, die am Ende ihrer Kraft sind, weil sie am Ende ihre Möglichkeiten sind. Alles haben sie versucht, um ihre Situation zu lösen. Jetzt sind sie müde, abgekämpft und hoffnungslos. Als Seelsorger stellen wir uns zu Ihnen. Wir stützen Sie, stärken Ihr Vertrauen in Gottes Möglichkeiten. Wir gehen mit Ihnen neue Wege und dürfen erleben, wie sie sich erholen und neue Kraft bekommen. – Da entsteht in mir das Bild, dass Gott uns gebraucht wie eine Stütze, an der man eine geknickte Pflanze anbindet. Er stellt uns solange an die Seite eines Ratsuchenden bis dieser selbständig leben kann. Dann ist der Beratungsprozess zu Ende.

Manche Ratsuchende (oder Menschen in unserm Umfeld) sind kurz davor, ihren Glauben zu verlieren. Eine solche Person begleite ich seit längerem. Ich möchte alles tun, um den Glauben dieser Person, der wie ein glimmender Docht ist, neu zu entflammen. Die Person befindet sich mit ihren eigenen Notlösungen auf einem Weg, der von Gott wegführt. Was kann ich als Seelsorger tun? Ich zeige den Weg der Umkehr, lade ein zur Reue und zum Bekenntnis vor Jesus. Wiederholt habe ich dies in diesem Beratungsfall getan. Wir haben die Vorteile erörtert (Gewinn des neuen Verhaltens). Aber ich kann den glimmenden Docht nicht neu entflammen.

NUR ER KANN ES, er der Gottes Knecht, auf den Jesaja hinweist. Das geknickte Rohr wird ER nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird ER nicht auslöschen. Jesus ist der Messias und Heiland. Jesus ist es, der gebrochene Menschen stärken kann und den Glauben neu entflammen kann. Viele Berichte aus der Zeit seines Wirkens, die in den Evangelien festgehalten sind, zeigen uns dies.

„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“ (1. Petrus  5,5b)

An ganz vielen Stellen im Alten und Neuen Testament wird Gnade als ein Beziehungsgeschehen zu Gott beschrieben. Es werden ebenfalls Beispiele von Demut und Hochmut überliefert. Wir lesen von zwei Eigenschaften die in den Herzen der Menschen wohnen. In seinem Text ermutigt Petrus die Ältesten und die Jüngeren miteinander an der Demut festzuhalten. Wir können uns fragen welche Erwartungshaltung diese „zwei Gruppen“ in ihrer bedrängten Lage voneinander hatten, als Petrus sie zuerst ermahnt.

Wenn Hochmut und Demut gemeinsam unterwegs sind.

Kennen wir solchen Zustände in unseren Herzen wenn Altes, Vergangenes und Kränkendes sich meldet und uns zur Rebellion oder zur Hochmütigkeit leitet? Vielleicht wollen wir keine lähmende, resignierte, schmerzliche Unterwürfigkeit mehr erleben. Hat Gott unsere bittere Verwirrung mitgefüllt, unseren unendlichen Hilfeschrei gehört? Was sind das für tiefe, schmerzbehaftete Verletzungen die uns zur Überheblichkeit bringen? Kann es auch sein, dass ein irriges Selbstbild tief in uns geprägt wurde, mit der Folge eine bedeckte Arroganz zu entfalten?

Vielleicht stellen wir Gottes Fürsorge in Frage, weil der Herr nicht eingreift wenn Situationen, Beziehungen, Entmutigungen in einer Sackgasse gelangen, scheint manchmal der einzige Weg mit unsere persönliche Weisheit das Geschehen selber in die Hand zu nehmen um menschliche Lösungen zu erfinden, ohne Gott, Pläne zu schmieden. Vielleicht ist es, als ob solche Zeiten, die uns in ein tiefes Tal der Verzweiflung bringen können, fern von Gottes Gegenwart, unsere Herzen verändern und versteinern wollen.

Vielleicht gibt uns unser Leben, unser Denken und unser Tun ein utopisches Gefühl der Allmacht, der Lebhaftigkeit und der Beherrschbarkeit. Petrus versteht die im Judaismus geprägte Gefahr einer kontrollierten und strengen Autorität bei den Ältesten die, wie auch die Herde, verstreut wohnten. Welche sinngebende Perspektive würde sich zeigen, wenn sich ein Wechsel von Skepsis zu Vertrauen wagen würde? Petrus ermahnt sie die Anbefohlenen zu weiden, zu würdigen, ihnen zu dienen, fern von Macht, Gewinn, Lob, Anerkennung und Selbst-Verwirklichung.

„Seid Vorbilder“!

Könnte es sein dass auch wir mit den Grundfragen unserer Motivation konfrontiert werden? Petrus erklärt dass die Beziehung zu einander auf Vertrauen, Respekt, Wertschätzung, Akzeptanz der Andersartigkeit gestützt sein soll. Welch eine Wirkung würden wir verspüren, indem wir unsere persönliche Metanoia erleben!

Würde unsere Entscheidung heißen, eine souveräne lebendige, freundliche Haltung anzustreben, eine bedeutsame Änderung unserer Lebenseinstellung, die uns zur Reue führt, zu erzielen, eine rücksichtvolle Orientierung die zu Frieden bahnt, bestmöglich auszudenken?

Wir brauchen Gottes Zurückweisung. Wir brauchen Gottes Zuwendung. Wir brauchen Gottes unverdientes Gnadengeschenk. Wir brauchen es so lange, bis wir im Herzen verstanden haben, dass Gott uns schon lange seine Gnade durch sein Bund in unseren Leben, gegeben hat.

„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ (Psalm 33,12)

Die Psalmen, diese Lieder umhüllt mit einem kostbaren Duft und begleitet von Instrumentalmusik, wurden gesungen und gebetet, um Gott zu loben, zu danken, zu rufen und zu klagen. Für die Verfasser gaben sie einen Sinn im Leben. Sie zeigten einen neuen Kurs, boten die wegweisendste Richtschnur für ein feinsinniges Denken und für ein vernunftgemäßes Handeln der Menschen. David und andere Schreiber wussten, dass edle Gewohnheit, fleißige Übung, intrinsischer Wille erworben sein müssen. Entscheidungen Gott zu loben, zu preisen und zu lieben waren Ausdruck ihrer inneren Freiheit, sowohl in Zeiten der Schwere und Leid als auch in Zeiten der Unbekümmertheit. Welch eine Inspiration für uns!

Wohl dem Volk, ein glückliches Volk, lebendiges Volk, gesundes Volk, gesegnetes Volk, das auf Gott aufschaut und ihn lobt. Solche Glückseligkeit, solchen Segen hat der Herr für sein Volk im Sinn. Seine besondere Sorgfalt und Aufmerksamkeit wird auf sein Volk gerichtet, das Ihm äußerste Freude bereitet. Gott selbst hält seine Hand über ihm und durch ihn sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden (1.Mose 26,3-4). Gott selbst hat dabei den Durchbruch zum Leben gemacht. Sein perfekter Plan gilt ebenso den übrigen Erdenbewohnern, die Er auch erwählt hat. Er lenkt ihnen allen das Herz ein und er gibt Acht auf ihre Werke. Diese Augenblicke in die unbegreifliche Wirklichkeit Gottes zu werfen, gehört zu unserem Privileg wenn wir uns auf dem Weg unseres Lebens bewegen. Solche Momente im Leben festhalten wie ein Licht das aufgeht, sie betrachten wie Gott mit den Seilen seiner Liebe die Erdenbewohner begleitet, wird das sanfte Licht, die Schönheit seiner Gegenwart Spuren hinterlassen.

Israel seine Erbe, Israel seine Auserwählte, Israel sein Augapfel – wir seine Erben, wir seine Auserwählten, wir sein Augapfel, für uns sind seine Tore offen, um in seiner Nähe zu verweilen. Es sind die Wärme und das Licht, die uns Vertrauen schenken, die uns von der Gefangenschaft unserer Wirklichkeit befreit. Es sind seine Gnade, Vergebung und Wahrheit die uns festhalten, die uns Hoffnung, Freude und Frieden geben.

Gott hat uns auserwählt, ein ungeheuerlicher Gedanke?! Es scheint so als ob seine Entscheidung uns anzunehmen, ein neues Ziel in unser Leben geben könnte, neue Lösungen zu finden, um andere Freundschaften werben, ehrenwerte Gedanken die unsere Haltung verändern werden können oder unser somatisches Wohlbefinden zu aktivieren. Dabei werden wir durch Ihn unterstützt, geholfen, gestärkt und geleitet.

Ob wir es wagen, uns heute auf ein neues Ziel hin zu bewegen?

„Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ ( Epheser 5, 8b,9)

Ein Bibeltext mit Aufforderungscharakter. Ein Text, der uns nicht im Ungewissen darüber lässt, wie unser Leben als Kinder Gottes gelebt werden soll.

Es ist ein Abgrenzungstext. In den Versen vorher ist beschrieben, wie wir nicht leben sollen, was uns von einem Leben in der „Finsternis“ (falsche Prioritäten, Unsittlichkeit, Habsucht, dummes Gerede …) unterscheiden soll.

Gott weiß, dass es nicht ausreicht, nur zu beschreiben, wovon wir wegkommen sollen. Wer ein Leben ohne Gott kennt, hat möglicherweise nichts anderes gelernt und kennt keine Handlungsalternativen zu einem Leben in der „Finsternis“.

Wer umkehren will, Neues lernen möchte, noch einmal von vorne anfangen möchte, der braucht konkrete Handlungsanweisungen, der braucht Vorbilder, die aufzeigen, wie es geht. Und genau das macht dieser Text.

Nehmt Euch Gott zum Vorbild, so wie er als Vater und als Sohn und Heiliger Geist in der Bibel beschrieben ist. Benutzt Orientierungspunkte: „Ist mein Handeln von Liebe, Dankbarkeit, Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit bestimmt?“

Fünf einfache Begriffe, die ich auswendig lernen kann, damit sie mir als Sieb dienen, durch das ich mein Denken, Fühlen und Handeln und meine Motivation filtern kann. Das ist einfach, aber möglicherweise unbequem.

Ich bin oftmals fasziniert von der Klarheit biblischer Texte. Kein frommes Gesäusel, sondern einfach nur der Aufruf, es zu tun, Dinge im Leben umzusetzen.

Natürlich weiß Gott, dass es manchmal nicht so einfach geht, sich zu verändern und dass wir auch scheitern. Ich denke, dass Gott weniger Probleme mit unserem Scheitern hat, als vielmehr damit, dass wir es gar nicht erst versuchen.

Trauen sie den neuen Wegen, die gefiltert sind durch den Filter des Lichts.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Epheser 2,19)

Paulus spricht hier im Epheserbrief im Besonderen die Christen an, die nicht aus dem jüdischen Volk stammten und sichert ihnen zu, gemeinsam mit dem auserwählten Volk ganz eng zu Gott zu gehören.

Basis für diese Zugehörigkeit ist der Glaube an Jesus, als den Sohn Gottes.

Mich fasziniert bei dieser Aussage vor allem das Wort „Gäste“. Gäste sind ja solche, die man gerne kommen aber dann nach einiger Zeit auch gerne wieder gehen sieht. Einer soll seine Gäste mal mit den Worten begrüßt haben: „Wie lange bleibt ihr?“

Im Unterschied zum Gast, der irgendwann wieder geht, ist der Hausgenosse an diesem Ort daheim. Mit daheim sein verbinde ich den Gedanken, da darf ich so sein wie ich bin. Als Kind hieß es öfter, wenn ich mit meinen Eltern irgendwo zu Besuch war: „Sei aber auch anständig.“ Das meinte: Pass dein Verhalten den Vorstellungen des Gastgebers an.

Zuhause, das ist mein sicherer Hafen, da fühle ich mich geborgen – der Engländer sagt „My home is my castle“, –  mein Zuhause, das ist meine Burg. Da darf ich mich im Schlabberlook wohl fühlen und da darf das zum Vorschein kommen was ich bin.

Oft brauchen wir in der Beratung lange um diagnostisch an diesen Punkt zu kommen und da hilft ja auch der PST-R ganz erheblich dazu. Wer bin ich und was kann ich sein, wo sind meine Entwicklungsmöglichkeiten. Wir alle brauchen solche sicheren Häfen, um uns ehrlich selber in die Augen zu schauen ohne Angst abgelehnt oder als unliebsamer Gast rausgeworfen zu werden.

So ein Zuhause bietet mir letztlich Gott an. Bei ihm darf ich Zuhause sein, zu ihm darf ich Nachhause kommen, so wie ich bin, ohne Sorge, abgelehnt zu werden, wenn ich mich falsch benehme. Zuhause bei Gott, zugehörig zu seiner Familie: das bin ich und von diesem sicheren Bezugspunkt kann ich anfangen, mich und die Welt zu erkunden. Ich wünsche euch gerade in der kommenden Woche viel Vergnügen dabei.

„So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“    (Jesaja 43,1)

Dieser Ruf „Fürchte dich nicht“, vor mehreren tausend Jahren geschrieben, ist heute aktueller denn je.  In einer Zeit, in der Angststörungen ständig zunehmen, in einer Zeit der Orientierungslosigkeit und oftmals mangelnder Geborgenheit.

Wer ist es, der diese Zusage macht? „Der Herr, der dich geschaffen hat“ – es klingt wie eine Autorisierung dafür, dass der Herr wirklich in der Lage ist, diesen  Trost zu geben. Er, der uns geschaffen hat, weiß, was uns bewegt und Angst macht.

Wenn ein gläubiger Israelit diese Verse las, dachte er vielleicht daran, dass der Schöpfer

  1. sein Volk aus Ägypten erlöst hat,
  2. dass er ihm einen Namen gegeben hat, den es vorher nicht hatte (Israel) und
  3. dass der Herr immer wieder betont, dass Israel sein Eigentum ist.

Im folgenden Vers heißt es: „Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten.“

Auch das hatten die Israeliten erlebt: Der Herr hatte sie trockenen Fußes durchs Schilfmeer gehen lassen und alle kamen heil ans andere Ufer, nur nicht die Feinde.

Das alles hatte ein gläubiger Israelit im Hinterkopf, wenn er diesen Vers las.

Aber auch tausende Jahre später, außerhalb von Israel, dürfen wir uns über diesen Trost und diese Zusage freuen, denn der Herr ist auch unser Schöpfer,

  1. er hat uns erlöst durch sein eigenes Blut,
  2. er hat uns zu Kindern Gottes gemacht und
  3. er hat uns erkauft durch sein Blut.

Auch wenn wir heute keine Stimme vom Himmel hören und keine Wolkensäule vor uns herziehen sehen, so wissen wir, dass unser Herr in der Geschichte gehandelt hat und dass er auch heute mit uns handelt und uns durch die Wasser hindurchbegleitet.

Diesen Trost dürfen wir selbst felsenfest halten und unseren Ratsuchenden weitergeben!

Es gibt keine Alternative!

„Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ (Epheser 2, 8)

Abhängig von Gottes Gnaden, will ich das? Da entscheidet sich Gott mich zu retten, und ich soll nichts dazu tun können?

Kein Reziprozitätsprinzip? Kein Geben und Nehmen, kein, Gott gibt mit Rettung, und ich gebe ihm meine Leistung. Gott errettet ganz einseitig. Der Vers macht es unmissverständlich deutlich, im Doppelpack: 1. Rettung ist Gnade und 2. sie kommt nicht aus uns.

Das muss man erst einmal aushalten. Keine Selbstwirksamkeit, keine Handlungsfähigkeit von unserer Seite. Einfach nur Annehmender sein, beschenkt, weil Gott das so will.

Wer die Geschichte Gottes mit uns Menschen ein wenig kennt, der weiß, dass Gott die Nase voll hatte, seine Liebe zu uns, von unserem Tun abhängig zu machen. Immer wieder hat er sich auf unsere Versprechen eingelassen und wurde enttäuscht.

Seine Antwort darauf ist Gnade. Gott liebt uns und errettet uns aus Gnade. Er will die Beziehung zu uns nicht mehr durch unser Fehlverhalten stören lassen. Sein Weg der Liebe ist größer als unsere Sünde. Jesus Christus macht durch seinen Tod und seine Auferstehung Gottes Gnade möglich.

Kann ich denn gar nichts tun? Doch: „Ich kann glauben!“ Ich bin mir nicht sicher, ob glauben ein Tun ist, aber es ist mindestens ein Aushalten, ein Aushalten, nichts aktiv beitragen zu können. Es ist eine Entscheidung, ein für wahr halten, was ich nicht sehen kann. Es ist die Entscheidung, Gott zu vertrauen.

Und wenn jemand es so gar nicht aushalten kann, nicht mit seiner Leistung zu seiner Rettung beitragen zu können, dem sei gesagt: Es gibt es unendlich viele Möglichkeiten Gott im Alltag zu zeigen, wie sehr seine Gnade schätze.

Gott freut sich über jedes gelungene Leben, über jeden Moment, in dem ich seinen Willen in meinem Leben umsetze und ihm ähnlicher werde.

So kommt dann doch noch das Reziprozitätsprinzip zum Einsatz. Ich darf Gott von ganzem Herzen lieben und seine Liebe an andere und mich weitergeben.

Nur: Meine Rettung bleibt Gnade!

„Einer trage der anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6, 2)

Kennen Sie die Schokolade „Merci“? Bestimmt. Ist es doch ein beliebtes kleines Geschenk als „Dankeschön“. Ich musste an dieser Schokolade denken, als ich den Bibelvers für diese Woche las. Ich kann mich heute noch sehr gut an mein erstes „Merci“ erinnern; lange bevor ich verstand, dass das Wort „Merci“ aus der französischen Sprache kommt und „Danke“ bedeutet. Es hat damit folgende Bewandtnis: Als ich angehender Teenager war, sind wir nach Saarbrücken gezogen. In demselben Haus lebte in der dritten Etage eine ältere Frau, der es schwerfiel, die Tasche mit ihren Einkäufen hochzutragen. Mir fiel das leicht. Und noch leichter, weil es ihre Gewohnheit war, mir jedes Mal ein „Merci“ zu schenken. Sie freute sich. Ich freute mich. Über die dahintersteckende Motivation eines angehenden Teenagers könnten wir natürlich trefflich diskutieren… Ich denke trotzdem, dass auch dies ein Stück der Erfüllung des „Gesetzes Christi“ war.

Schauen wir uns den Zusammenhang unserer Wochenlosung an, entdecken wir, dass es um noch mehr geht als eine kleine Handreichung: „Liebe Geschwister, wenn jemand von euch in eine Sünde hineinstolpert, dann müsst ihr, als vom Geist bestimmte Menschen, ihn verständnisvoll auf den rechten Weg zurückbringen.“ (Galater 6,1a.; NeÜ). Paulus spricht an, dass wir uns auch dann noch an unserem Nächsten schuldig machen können, wenn wir Jesus Christus als den Herrn unseres Lebens und Erlöser angenommen haben. Dann geht es darum, dass wir als vom Geist Gottes Bewegte und Erfüllte unseren Mitmenschen helfen, wieder Kurs für das eigene Leben zu finden. Das versteht Paulus unter „Helft euch gegenseitig, die Lasten zu tragen.“

Ehrlich gesagt, jemandem eine Einkaufstasche zu tragen, fällt mir viel leichter, als jemanden freundlich und liebevoll anzusprechen, wenn er sich auf einem „Holzweg“ befindet. Warum? Könnte das etwas mit Motivation zu tun haben? Ein Stück „Merci“ wäre nicht zu erwarten. Auch wenn wir uns unserer Motivationen als Erwachsene nicht immer im Klaren sind, denke ich, dass es tiefer liegt. Denn Paulus fährt im zweiten Teil des Verses fort: „Du solltest dabei aber gut aufpassen, dass du nicht selbst zu Fall kommst.“ (Galater 6,1b.; NeÜ). Uns ist doch im Tiefsten bewusst, dass unsere eigene „Weste auch nicht weiß“ ist. Das ist die eine Seite.

Es gibt aber auch noch eine ganz andere, abgrundtiefe Seite; nämlich die, die uns auf den anderen herabsehen lässt. Das scheint das größere Problem zu sein. Denn Paulus widmet ihm gleich mehrere Gedanken: „Wenn jemand sich einbildet, etwas zu bedeuten, obwohl er doch nichts darstellt, betrügt er sich selbst. Jeder prüfe sein eigenes Tun, dann mag er stolz auf sich sein, ohne sich über einen anderen zu erheben. Denn jeder hat genug an seiner eigenen Verantwortung vor Gott zu tragen.“ (Galater 6,3-5; NeÜ)

Was hat es nun mit dem „Gesetz Christi“ zu tun? Ich denke, es ist die liebevolle Zuwendung zum Nächsten, so wie Jesus Christus es getan und unsere Last – Sünde und Schuld – getragen hat. Er als Unschuldiger, als Sohn Gottes. Wir als Begnadete, die unseren Mitmenschen wahrhaftig und authentisch, aber zugleich barmherzig und liebevoll begegnen: Wahrheit ohne Liebe verletzt und ist brutal, Liebe ohne Wahrheit ist Heuchelei. Um Liebe und Wahrheit in der Begegnung mit unseren Mitmenschen zur Geltung zu verhelfen, brauchen wir den Heiligen Geist. Auch davon spricht Paulus.

Die Bitte um den Heiligen Geist ist die, die Gott in jedem Falle erfüllt. Weil er es verheißen hat. So werden wir Lasten gemeinsam tragen und das Gesetz Christi erfüllen.

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10)

Da ist einer, der will Jesus sehen; ihn nur mal sehen. Warum? – Vielleicht weiß er es selbst nicht. Was erwartet er? Erwartet er etwas – er ist neugierig – er, der Zöllner, der sich mit Geld abgibt und den Zoll für die Besatzer eintreibt? Und er ist alleine, er hat gehört, dass Jesus anders ist als Andere. Das macht Hoffnung, darum will er ihn sehen.

Die vielen Menschen in den Straßen versperren ihm den Weg. Der Mann gibt nicht auf. Er sucht sich einen Ort, an dem er einen Überblick bekommt, einen Ort, der ihn zugleich vor den Blicken der Menschen schützt – einen Baum.

Weiß Jesus von diesem Mann? Haben die Leute über ihn gesprochen? Jesus jedenfalls sieht ihn. Unter der Menschenmenge, die in Jericho zusammengelaufen ist, um Jesus zu sehen, erkennt dieser in Zachäus einen Mann, der ihn wirklich sucht und braucht. Und er will bei ihm zuhause sein. Bei ihm! Bei einem, der viele Leute übers Ohr gehauen hat. Und das heute noch!

Diese Tatsache stellt sein bisheriges Leben auf den Kopf. Plötzlich erkennt er, was wirklich wichtig und richtig ist. Zachäus ist so außer sich vor Freude, dass er anfängt zu teilen. Wo er zu Unrecht etwas erworben hat, will er es von sich aus vierfach zurückgeben (nach damaligem, römischem Recht bei überführtem Diebstahl üblich und nach jüdischem Recht bei Viehdiebstahl). „Heute“ ist in ihm etwas heil geworden. In der Begegnung mit Jesus hat er erfahren, was ihn wirklich reich macht.

Wer in die Nähe von Jesus kommt, der wird sauber, der wird rein, der strahlt wieder, er bekommt den ursprünglichen Glanz zurück.

Und so kann ihn Jesus wieder gebrauchen, er wird Sein Schmuckstück. Wir sollen und dürfen Schmuckstücke von Jesus sein! Und ER will uns gebrauchen zu seiner Ehre und zur Hilfe für die Menschen um uns herum! Und das alles heißt: selig sein, eigentlich gerettet sein, gesund sein, wieder vollständig sein, heil sein.

Und die Leute? Sie reden natürlich. Das ist das Tagesgespräch! Sie sind empört darüber, dass Jesus sich mit so einem abgibt. Bei ihnen hätte er keine Chance des Neuanfangs bekommen – auch „Heute“ nicht. Und bei uns?

Jesus sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe geben. (Matth. 11,28)

Wer sehnt sich nach Erfrischung und nach neuer Kraft?

Viele von uns fühlen sich beladen. Seelsorge kann müde machen. Die Nöte der Anderen und die eigenen zu sehen und dazu noch die Nöte unseres Landes und der Welt, kann unseren Kopf voll und unser Herz schwer machen.

Wenn ich mir den Bibelvers bildhaft vorstelle, denke ich an einen gebeugten Menschen, der sich schwer beladen mit Rucksack auf dem Rücken und zwei Koffern in den Händen zu Jesus schleppt. Dort ist er gerade dabei, die beiden Koffer abzustellen, weil Jesus gesagt hat: „Kommt alle her, die ihr mühselig und beladen seid…“ Er hat der Aufforderung Jesu Folge geleistet. Im 11. Kapitel des Matthäusevangeliums macht Jesus seinen Zuhörern ein großartiges Entlastungsangebot.  Das will gehört und befolgt werden. Das ist Psychohygiene pur! Schlepp deinen ganzen Kram zu Jesus und stelle deine Lasten ab. Was sagt er noch? „Ich will euch erquicken!“ D.h. ich will euch erfrischen, ich will euch Ruhe geben, ich will eure Kraft wieder herstellen.

Für mich war es interessant, den Zusammenhang zu lesen, in welchem Jesus diese Aussage trifft (ab Vers 25). Jesus dankt Gott dafür, dass er seine Weisheit denen enthüllt, die ein kindliches Gemüt haben. Er spricht anschließend davon, wie innig das Verhältnis zwischen ihm und dem Vater ist. Wörtlich sagt er (NLB, V.27): „…Niemand außer dem Vater kennt den Sohn wirklich, und niemand kennt den Vater außer dem Sohn und jenen, denen der Sohn den Vater offenbaren will. Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe schenken.“

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen kindlichen Glauben, der euch in die Arme Jesu treibt. Dort findet Ihr Ruhe, Kraft und Erfrischung.

„Wer Euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (Lukas 10,16a)

Der Bibelvers geht noch weiter. „… Doch wer mich (Jesus) ablehnt, der lehnt auch den ab, der mich gesandt hat (Gott).“ Lukas 10,16b

Ich traue mich einfach mal, den Paralleltext aus dem Johannesevangelium in eine persönliche Form umzuschreiben, damit die Verantwortung aus dem Wochenspruch, genauso wie die Reichweite seiner Verheißung deutlich wird. Er steht in dem Gebet von Jesus, in dem er für bittend für uns bei Gott dem Vater eintritt. Ich formuliere den Text so, als würde die Bitte von Jesus in vollem Umfang von uns gelebt werden, nach Johannes 17,21-23.

„Wir alle sind eins, genauso wie der Vater mit Jesus eins ist. So wie Gott in Jesus ist und Jesus in Gott ist, sind auch wir in uns fest miteinander verbunden. Deshalb glaubt die Welt, dass der Vater Jesus gesandt hat. Deshalb haben wir auch die Herrlichkeit bekommen, die Jesus vom Vater anvertraut bekommen hat, damit wir die gleiche enge Gemeinschaft haben wie Jesus und der Vater. Jesus bleibt in uns, und der Vater bleibt in Jesus. Genauso sind auch wir vollkommen eins. Deshalb erkennt die Welt, dass Gott Jesus gesandt hat und dass Gott uns, seine Jünger, liebt, wie Gott Jesus liebt.“

Eine Einheit bilden, Eins-sein, untereinander, als Geschwister, und auch mit Gott, dem Vater über Jesus Christus, das hat per se einen Kraft, das entwickelt Leuchtkraft, ist ein unübersehbarer Hinweis auf Jesus Christus.

Als ich den Wochenspruch gelesen habe, habe ich instinktiv gedacht: Bitte nicht! Jesus, das kann doch nicht dein Ernst sein! Und vor meinem Gedächtnis standen viele Aussagen und Gesprächsfetzen von mir, bei denen ich mir nicht wünschen würde, dass andere sie als Worte von Jesus hören. Dazu gehören auch Gedanken und Gespräche mit und über meine Geschwister im Glauben.

Und gleichzeitig bin ich total berührt, über die Bereitschaft von Jesus, sich mit mir zu identifizieren. Die hohe Fehlerquote scheint ihn nicht abzuschrecken. Ich weiß nicht, ob ich bereit wäre, jemanden derart zu vertrauen und mich in eine solche Abhängigkeit zu begeben.

Berührt durch dieses Vertrauen, das ich nur als Liebe interpretieren kann, möchte ich die Herrlichkeit Gottes, die er in mein Leben hineingelegt hat, mehr Ausdruck verleihen.

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen“. (2.Korinther 13,13)

Schuld und Vergebung, Glaube und Verzagen, Recht und Unrecht waren die großen Antipoden in der Korinther Gemeinde, die dem Apostel Paulus die ganze Bedürftigkeit der Gemeinde Jesu zeigte. Auch wir stehen immer wieder in diesem Spannungsverhältnis und merken, dass wir uns aus eigener Kraft nicht aus diesen diametral entgegenwirkenden Kräften befreien können. So gesehen hat sich die Bedürftigkeit der Gemeinde Jesu bis heute nicht verändert, vielleicht ist sie sogar noch größer geworden, auf der Suche nach Selbstverwirklichung, Individualität und zunehmender Versachlichung der Spiritualität.

Eines hat sich aber über Generationen hinweg nicht verändert, egal vor welchen ungelösten Konflikten wir gerade stehen oder ob wir von scheinbar unüberwindbaren Beziehungskrisen eingefangen werden: die Allgegenwart Gottes ist dieselbe geblieben und sie wird uns mit der heutigen Wochenlosung so präsent gemacht, dass ihr ganzes Ausmaß in einem einzigen Satz kulminiert. Sie breitet sich aus wie ein Flügel über uns, schützt uns wie ein Schild vor Gefahren und trägt uns wie eine Hand, die uns nicht fallen lässt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus“,

eine unverdiente Zuwendung in jeglicher Not,

die Liebe Gottes“,

die mich bedingungslos annimmt, so wie ich bin und

die Gemeinschaft des Heiligen Geistes“,

die mich nie alleine lässt,

erheben sich wie ein Schirm über unser ganzes Dasein und geben uns eine Zuversicht, die über alle Not hinausträgt.

Was der Paulus hier als Gruß und Schlusswort eines Kapitels an die Korinther schreibt, ist Seelsorge an der ganzen Seele. Er hat der Gemeinde Mut gemacht, ihre Lebensweisen zu prüfen und ihre Wirkungen zu betrachten. Er weiß aber auch um ihre Schwäche und Ohnmacht, die uns an unsere eigene Fehlbarkeit erinnert.

Es gibt Momente im Leben, die muss ich nicht verstehen können. Ebenso wenig muss ich immer einen Rat auf scheinbar unlösbare Probleme für mich oder für andere haben. Was mir aber keiner nehmen kann ist die Zuversicht, die aus der heutigen Wochenlosung hervorgeht. Gnade, Liebe und Gemeinschaft umgeben mich täglich. Sie gehen uns voraus, den Weg zeigend; sie gehen uns nach, wenn wir vom Weg abgekommen sind und sie geben uns eine Geborgenheit, die über alles menschliche Verlangen hinaus unsere tiefsten Sehnsüchte stillt.

Ich wünsche Ihnen diese Erkenntnis für Ihr eigenes Leben und für Ihre Arbeit mit bedürftigen Menschen, dass Gnade, Liebe und Gemeinschaft zu nachhaltigen Veränderungen in unserem Denken und Verhalten führen können.

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen.“ (Sacharja 4,6)

Der Prophet Sacharja kam mit den anderen Verbannten des jüdischen Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft zurück nach Jerusalem. Mit anderen Propheten forderte er auf und machte Mut, auch in aussichtslos erscheinender Lage den Tempel wiederaufzubauen.

Damals noch, als Kyros die Heimkehr erlaubte und den Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels förderte, war das Volk ein armseliger Haufen. Darüber hinaus waren die verbliebenen Bewohner im Heimatland und in Jerusalem alles andere als begeistert. Sie waren feindlich gesinnt und versuchten zu sabotieren. In diese Situation hinein macht Sacharja Mut: „Es soll durch meinen Geist geschehen!“, sagt Gott.

Sacharja schaut nicht nur auf die aktuelle Lebenssituation. Er zeigt einen großen und weiten Blick. Er kündigt den kommenden Messias an. Mit Jesus Christus erfüllte Gott seine durch Sacharja gegebene Verheißung etwa 500 Jahre später.

Als Jesus geboren wurde, war das kein Staatsakt; im Gegenteil, armselig. Und dann noch von den Mächtigen verfolgt; in der Folge eine Flucht bei Nacht und Nebel in’s Exil nach Ägypten.

Als Jesus am Kreuz starb, sah das auch nicht gerade nach einer Machtdemonstration Gottes aus.

Gottes Handeln ist ganz anders als unsere Vorstellung und Vorstellungskraft:

Es war der Hohepriester Kaiphas, der dem Hohen Rat den Tod von Jesus mit den Worten empfahl: „Es ist viel besser für uns, wenn einer für alle stirbt und nicht das ganz Volk umkommt!“ (Johannes 11, 50) Gedacht war es rein menschlich und machtpolitisch. Gott aber handelte gerade dadurch und kommt zu seinem Ziel der Erlösung der Menschen. Er erfüllte in dieser Aussage seine lang zurückliegende Verheißung und gab ihr eine geistliche Bedeutung, die über allem steht.

Als der Hohe Rat Jesus vor den römischen Statthalter Pilatus zur endgültigen Verurteilung zum Tode brachte, zögerte dieser angesichts offensichtlicher Machtspiele. Die Antwort der Massen: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Matthäus 27, 25). Wieder füllte Gott eine menschen- und gottverachtende Forderung mit seinem Geist und wendete sie zum Heil für alle Menschen. Durch das Blut des Sohnes Gottes am Kreuz haben wir Vergebung der Sünde und Frieden mit Gott.

Das erinnert mich an meinen Freund. Er hat mehrere ‚schwarze Gürtel‘ in verschiedenen asiatischen Sportarten zur Selbstverteidigung. Die Kunst besteht darin, die Kraft des Gegners für sich zu nutzen. Gott geht darüber hinaus, denn er hat es nicht nötig sich zu verteidigen. Aber er wendet unsere manches Mal menschlich destruktiven Kräfte durch seinen Geist letztendlich zu unserem Heil.

An Pfingsten feiern wir, dass Jesus uns den Heiligen Geist gesandt hat. Dieser ermahnt uns, tröstet uns und offenbart Gottes Heiligkeit, Macht, Liebe und Barmherzigkeit.

Gott durch-‚kreuzt‘ unser ‚Minus‘ und macht durch seinen Geist daraus ein ‚Plus‘!

„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Johannes 12,32)

„Komm, reich mir Deine Hand, ich helfe Dir, ich ziehe Dich hoch.“ Das ist ein Satz, den ich meiner altgewordenen Mutter sage, wenn ich ihr aus dem Sessel helfe, oder meinem Enkelkind, wenn es irgendwo hinaufklettert und ihn der Mut für die letzte Etappe fehlt. Das ist ein Satz, den ich selber oft gehört habe und, den ich immer dankbar angenommen habe.

Da ist jemand schon angekommen, oder hat es schon geschafft und bietet aus einer Position des Stärkeren die ausgestreckte Hand an. Er wendet eigene Kraft auf, um es für mich leichter zu machen.

Ziehen bedeutet, von etwas weg ziehen, oft gegen einen Widerstand dabei ankämpfend, und sei es nur die Schwerkraft.

Jemanden zu sich ziehen ist ein Ausdruck von großer Nähe. Da will mich jemand bei sich haben. Die ausgestreckte Hand ein starkes Symbol für Gemeinschaft und für ein „Zusammen kriegen wir das hin“.

Der Bibeltext ist ein nachösterlicher Text, der den Weg von Jesus Christus beschreibt. Sein Tod am Kreuz wird angedeutet und auch die Tatsache, dass er die Welt verlässt und zurück zu seinem Vater geht. Am Donnerstag haben wir „Himmelfahrt“ gefeiert.

Aber damit ist noch lange nicht Schluss, Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht, es geht weiter. Jesus geht nicht weg und sagt: „Das war es jetzt, seht zu wie er alleine klar kommt.“ Jesus Christus geht zu seinem Vater und sagt uns, denen, die an ihn glauben, zu, dass er uns zu sich holen wird, ja mehr noch, uns zu sich ziehen wird.

Jesus scheut sozusagen keine Mühen, um uns aus den Verstrickungen und Verhaftungen unseres Lebens in dieser Welt herauszuziehen. Nichts kann uns trennen von seiner Liebe, die in dem Satz am Kreuz: „Es ist vollbracht!“ vollendet wird. Christus hat die Welt besiegt und aus dieser Siegesposition heraus streckt er uns seine Hand entgegen, damit wir teilhaben können an seinem Sieg. Er zieht uns zu sich hin.

Er selbst, Jesus Christus, ist das Ziel. Greifen Sie zu!

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an Erfahrungen in der Kindheit von Annahme und Zurückweisung. Im Grundschulalter haben wir uns oft draußen zum Spielen getroffen. Häufig ging es darum, was wird gespielt und wer darf welche Rolle übernehmen. Dabei sammelten wir wichtige Erfahrungen: Werde ich gehört? Werde ich ernstgenommen? Finden meine Ideen Anklang? Kann ich mich durchsetzen? – Ich erinnere mich: Manchmal brachte ich eine gute Idee ein und sie wurde verworfen. Ein anderes Mal bat ich darum, auch einmal die Führungsrolle beim Spiel übernehmen zu dürfen. Meine Bitte wurde abgewiesen. Zurück blieb ein kleiner Stich im Herzen, der mir zeigte: Du bist nicht so wichtig. Damit musste ich fertig werden. Ja, das war und ist auch heute gut so. Denn auf diese Weise werden wir zu sozialen Wesen geformt.

Immer wieder erleben wir in der Seelsorge Menschen, die den Eindruck haben, Gott hört ihr Gebet nicht. Einmal sagte jemand zu mir: „Ja, andern hilft Gott schon, aber nicht mir.“ Eine Frau hat Gott sogar ein Ultimatum gestellt: Wenn Du bis zum  … (Datum) nicht das und das tust, dann kann ich nicht glauben, dass Du mich hörst und liebst. – Wie sehr wünsche ich mir in diesen Momenten, dass Gott eingreift und diesen Menschen seine Güte zeigt, sein gutes Wesen. – Aber Gott ist Gott und kein Gebetsautomat. Ich selbst werde manchmal auch auf die Geduldsprobe gestellt und ich frage mich: Hat Gott mein Gebet gehört? Wie wird er mir noch darauf antworten?  Ich warte schon so lange. – Im Zweifel versuche ich mich an das zu halten, was die Bibel lehrt, weil sie für mich von sich selbst sagt: „Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig und was er zusagt, das hält er gewiss“. (Psalm 33,4 )Allein im ersten Teil der Psalmen finden wir drei Zusagen, dass Gott Gebet erhört:

Der Herr hört, wenn ich ihn anrufe. Psalm 4,4b

Rufe mich an in der Not, so will ich Dich erretten und Du sollst mich preisen. Psalm 50, 15

Wirf Dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen… Psalm 55,23

Gott verwirft mein Gebet nicht. Mein Anliegen fegt er nicht als unwichtig vom Tisch. Mein Anliegen landet bei ihm, weil ich ihm wichtig bin. – Immer und immer wieder zeigt Gott, wie barmherzig, geduldig und gütig er ist. Die Bibel ist voll von Geschichten mit Menschen, die dies erlebt haben. Ich selbst habe es in den vielen Jahren des Glaubens erlebt: Gott ist ein Gott der Liebe und der Zuwendung. – Menschen können sich aus den verschiedensten Gründen von mir abwenden, aber Gott wendet sich mir zu, wenn ich ihn aufrichtig suche. Darüber freue ich mich und will ihn loben.

Die Frau, die das Gebetsultimatum stellte, kommt weiterhin zur Beratung. Ich wende mich ihr stellvertretend zu und ringe mit ihr um Antworten für ihre Fragen. Ich wünsche ihr einen wichtigen Lernschritt: GOTT ist GOTT. Wenn wir ihn ganz begreifen und beherrschen könnten, wäre er nicht GOTT.  Ich bete darum und will die Hoffnung nicht aufgeben, dass Gott sich ihr ganz persönlich als liebender GOTT und HERR zeigt.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Amen.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Psalm 98,1)

Cantate heißt „singt“. Das ist ein schöner Name für einen Sonntag zwischen Ostern und Pfingsten. Wir erinnern uns daran, wie verzagt die Jünger kurz nach Ostern waren und wie sie durch Jesu Auferstehung froh wurden und gespannt auf das warteten, was nach Jesu Himmelfahrt auf sie zukommen würde. Sie trafen sich zum Beten und zum Gott Loben und ganz bestimmt auch zum Singen.

Singt zu Ehren unseres großen Herrn! Das ist ein Aufruf an uns. Es ist ein Geschenk Gottes, dass Menschen in der Lage sind, viele unterschiedliche Töne hervorzubringen, mit anderen sogar mehrstimmig singen zu können. Wir können Gott mit unserem Gesang ehren, ja wir sind ganzheitlich mit Soma, Pneuma und Psyche beteiligt. Unser Geist und unsere Gefühle werden belebt. Und das erst recht, wenn z. B. Gott wunderbar in unser Leben eingegriffen hat oder wenn sich schwierige Beziehungen ins Gute verkehrt haben, wenn wir die neue, ersehnte Stelle bekommen haben, usw. Dann sind wir erfüllt von Glückseligkeit. Und ganz besonders beglückend ist, wenn wir dabei sein dürfen, dass ein Mensch sein ganzes Leben für Zeit und Ewigkeit Gott anvertraut.

Wie ist es aber, wenn Schweres bei uns einkehrt? Haben wir da noch Lust zu singen? Sagen wir da nicht eher:“ Mir ist heute nicht danach zu Mut!“ In der Apostelgeschichte (Apg. 16, 25-34) gibt es eine Situation, in der schwer gefolterte Menschen mitten in der Nacht anfingen, zu Gott zu beten und ihn zu ehren mit Lobliedern. Und alle Gefangenen hörten zu. Plötzlich kam ein Erdbeben, das Gefängnis erbebte, die Fesseln sprangen von selbst ab, die Türen öffneten sich und alle waren frei. Leichenblaß erschien der Gefängnisaufseher und wollte sich schon das Leben nehmen, weil er Angst hatte, dass die Gefangenen sich davon gemacht hätten. Als er sah, dass alle noch da waren, wurde er offen für die Botschaft des Paulus und ließ sich mit seiner ganzen Familie noch in der Nacht taufen.

Solche Wunder werden wir vielleicht nicht erleben, aber wir erleben auch etwas: Wenn wir Gott loben in Liedern, bleibt für uns immer etwas übrig. Wir werden ermutigt, wir schauen weg von den Problemen hin zu unserem Himmlischen Vater, zu Jesus, unserem Erlöser und lernen auf die leise Stimme des Hl. Geistes zu achten. Über Jahrhunderte hinweg bis heute haben geistliche Menschen Lieder gedichtet und vertont. Wir dürfen aus diesem Schatz schöpfen.

Vielleicht sagt der/die eine oder andere: „Ich kann gar nicht singen!“ Singen lernt man, indem man es tut. Gott hört auch, wenn wir nur 3 Töne herausbringen. Ich bin überzeugt, dass sie im Himmel anders ankommen als in unseren Ohren, wenn sie seinem Lob und seiner Ehre zugedacht sind.

Im Judentum hat die Wiederholung von biblischen Texten einen großen Stellenwert. Ich möchte Lust darauf machen, Lieder, die wir einmal als hilfreich empfanden, auswendig zu lernen, um sie parat zu haben in schwierigen Lebenslagen. Die BTS hat ein sehr schönes Liederbuch mit Texten, die mir und vermutlich auch vielen anderen schon oft geholfen haben, über schwere Situationen hinwegzukommen. Es heißt Heritage- Das goldene Liederbuch. (> https://www.bts-ips.de/shop/heritage/)

Frau Hilde L. Dieterich hat die Lieder gesammelt und herausgegeben. Manchmal gibt es bei mir in der Beratung eine Hausaufgabe, die heißt, bestimmte Liedstrophen auswendig zu lernen. So können Ressourcen erworben werden, um den Unbilden des Lebens Widerstand zu leisten.

Das angegebene Lied für diese Woche heißt übrigens:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön.
Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
Ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Es hat 8 Strophen und wurde von Paul Gerhardt gedichtet.

(Ev. Gesangbuch, S.302)

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor.5, 17)

Bei uns zuhause war so einiges kaputt gegangen: eine Teetasse, eine Plastikklappe im Kühlschrank, die Fernsteuerung für unser Gartenlicht und etliches mehr. Meine Frau fragte mich: „Kannst du das bitte mal reparieren?“ Die Frage war eher eine Bitte, mehr noch: eine Aufforderung.

Die Teetasse und die Plastikklappe zu kleben war kein großer Akt. Aber mein Kommentar an meine Frau: „Sei wirklich vorsichtig mit der Teetasse. Ob sie hält, wenn du sie benutzt, kann ich dir nicht garantieren.“ Ein wenig besser war es mit der Plastikklappe. Aber die hatte ich schon mal geklebt – und nach einem halben Jahr war sie jetzt wieder kaputt. Wieder neu geklebt und mein Kommentar dazu: „Sei vorsichtig, ein drittes Mal wird kleben nicht mehr funktionieren. Dann müssen wir sie wegwerfen und eine neue kaufen.“

Noch schwieriger war es, die Elektronik für die Fernsteuerung des Gartenlichts zu reparieren. Sie war komplett verschmort und stank immer noch. Reparieren hieß: Wegschmeißen und gegen ein neues Bauteil austauschen.

Mir kommt der Gedanke: Was wäre, wenn Gott einfach nur reparieren würde, oder gar wegschmeißen und austauschen??? Wie anders ist doch unser Gott: Er repariert nicht notdürftig mit ein wenig Kleber oder schmeißt weg und tauscht aus. Er schafft neu! Durch seinen Sohn Jesus Christus. Dafür ist sein Sohn in diese Welt gekommen: Wirklich aus alt und kaputt ganz neu zu machen.

Ich werde an das Gespräch von Jesus mit dem theologischen Gelehrten der damaligen Zeit, Nikodemus erinnert (Johannesevangelium, Kapitel 3): „Ich versichere dir“, sagte Jesus, „wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht einmal sehen.“ Was wir brauchen, ist weder eine Reparatur, schon gar nicht ein Austausch. Es geht um eine komplett neue Geburt von uns und in uns. Genau das schenkt Gott durch seinen Sohn Jesus Christus. Davon spricht Paulus.

Ich muss an die Geburt unserer Kinder denken. Bei der Geburt waren so manche Geburtshelfer dabei: Hebammen und Ärzte. Und ich muss dran denken, wer alles bei mir Geburtshelfer war, damit dieses neue Leben in mir seinen Anfang nahm, von dem Paulus spricht: Meine Eltern, Mitarbeiter in der Sonntagsschule (Kindergottesdienst), Jungscharleiter (Pfadfinder), ein Pastor und Freund meines Vaters, und viele mehr.

Halten Sie inne, schließen Sie die Augen, erinnern Sie sich: Wer waren ihre Geburtshelfer für das neue Leben, das Jesus schenkt und von dem Paulus spricht? Danken sie Gott zuerst für Jesus und dann auch für die Geburtshelfer in ihrem Leben. Oder kennen Sie dieses neue Leben noch nicht? Dann bitten Sie Gott, dass er ihnen dieses neue Leben durch seinen Sohn Jesus Christus schenkt. Das ist die Bitte, die Gott am liebsten erhört, nämlich immer!

Wenn Sie Gott jetzt für ihr neues Leben wieder einmal gedankt haben und für ihre Geburtshelfer, dann bitten Sie ihn doch, dass sie selbst Geburtshelfer zum neuen Leben in Jesus Christus für andere Menschen werden. Denn auch dafür schenkt er Ihnen und mir dieses neue Leben, das bis in die Ewigkeit reicht. Dann ist der Tod hier auf dieser Erde die Tür zur „Vollendung“ des neuen Lebens.

Christus spricht: ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe Ihnen das ewige Leben. (Johannes 10,11a. 27-28a)

Bevor Sie weiterlesen:

  • Nehmen Sie einen Stift und ein Blatt Papier zur Hand und halten Sie diese bereit.
  • Lesen Sie nochmals langsam die Wochenlosung.
  • Dann schließen Sie bitte die Augen und fangen Sie an zu träumen.
  • Welche Bilder kommen Ihnen? Was sehen sie vor Ihren inneren Augen?
  • Schreiben Sie auf, welche Bilder ihnen gekommen sind. Oder malen Sie sie.

Vielen Menschen kommen romantische Bilder in den Sinn mit einer grünen Wiese in leicht hügeliger Landschaft, ein paar Wiesenblumen, einem plätschernden Bach, sanft ruhenden wie auch grasenden Schafen, ein paar schattenspendenden Bäumen, Sonnenschein und Schäfchenwolken am Himmel und natürlich ein Hirte, der sich auf seinen Stab stützt und versonnen auf seine Schafe blickt.

Ging ihnen das auch so? Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber es ist nur ein Teil der Realität, ein Teil der Wahrheit.

Gleich im ersten Satz der Wochenlosung stolpere ich über das Adjektiv „gut“. Ganz offensichtlich gibt es auch andere Hirten, die es nicht gut meinen. Was zeichnet dann einen „guten“ Hirten aus? Die Antwort gibt uns Jesus selbst:

Nehmen Sie doch dazu ihre Bibel zur Hand und lesen Sie das Kapitel 10 des Johannes-Evangeliums von Vers 1 bis Vers 30 und achten Sie besonders auf den zweiten Teil des Verses 11. Denn dort lesen Sie: „… Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“

Hirtesein ist nicht nur ein romantisches Bild der Fürsorge, sondern auch eines für Verantwortung und Opferbereitschaft. Ein guter Hirte schont sich nicht selbst. Jesus, der gute Hirte, gab sein Leben für die Schafe.

Und was kennzeichnet Schafe? Sie grasen und ruhen und laufen und laufen und laufen … immer wieder weg, nur der Nase nach und dem grünen Futter hinterher. Wenn Jesus sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme … und sie folgen mir.“, ist das auch nur ein Teil der Realität. Das ist Aussage und zugleich aber auch eine Aufforderung an die Schafe, also an uns: Hören! Und Gehorchen!!

Die Frage, die sich anschließt, ist: Kennen wir wirklich die Stimme Jesu? Hören wir wirklich auf sie?

Um die Stimme unseres guten Hirten von den vielen Stimmen mit Heilsversprechen in dieser Welt unterscheiden zu können, müssen wir unsere Ohren trainieren. Für mich heißt das, nicht nur Auszüge aus seinem Wort zu lesen, nicht nur einzelne Verse oder halbierte Verse, sondern immer wieder sein ganzes Wort. Von vorne bis hinten. Heute zumindest das ganze Kapitel, in dem die Wochenlosung steht.

In der Nachfolge Jesu gehört auch zur ganzen Wahrheit, dass wir nicht nur das – hoffentlich hörende und folgsame – Schaf sind, sondern dass er uns auch in den Hirtendienst beruft. Quasi als Unterhirten. Mit Ohren und Herz stets bei unserem guten Oberhirten. Und mit Tatkraft, „Stecken und Stab“ (siehe Psalm 23) bei den Menschen, die uns der Oberhirte anvertraut.

Dass wir uns dann nicht nur als irgendwelche Hirten, sondern auch als bevollmächtigte gute Unterhirten erweisen, dazu gebe der gute Oberhirte Ihnen und mir seinen Segen.

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1. Petrus 1,3)

„Wer bist Du?“ – „Ich bin wiedergeboren, auf eine lebendige Hoffnung hin!“

Natürlich, das habe ich auch schon vorher gewusst. Aber so auf den Punkt gebracht, merke ich, wie identitätsstiftend dieser Satz ist.

Ich bin nicht nur wiedergeboren, sondern habe auch eine neue Ausrichtung für mein Leben bekommen, meine Wiedergeburt, mein neues Leben wird bestimmt von der „lebendigen Hoffnung“.

Ich habe mir von 833 angezeigten Synonymen zu „lebendig“ einige herausgesucht, die mir in Bezug auf Hoffnung besonders gefallen haben: geheilt, vehement, dynamisch, unverbraucht, greifbar, wirklichkeitsnah und aussagekräftig.

Auch wenn Hoffnung auf die Zukunft gerichtet ist, kommt sie mir sozusagen aus der Zukunft entgegen, und erfüllt meine Gegenwart mit genau den Eigenschaften, die ihr zu eigen sind.

Ich lebe mein Leben hier und jetzt, aber ich habe im Gepäck diese „lebendige Hoffnung“. Sie geht mir voran. Gott gibt mir eine Sicherheit mit auf den Weg, eine Stärkung, eine Zuflucht und einen Trost.

Seit Ostern, seit meiner Entscheidung für ein Leben mit Jesus Christus, gehört die „lebendige Hoffnung“ zu meiner Identität. Ich bin eine Hoffnungsträgerin.

Natürlich gelingt es mir nicht immer als Hoffnungsträgerin zu leben, aber ich bin es trotzdem, durch Jesus Christus. Und ganz ehrlich: Ich möchte auch gar nichts anderes sein.

Wir kennen die Kraft von Einreden, von inneren Dialogen, die oft negativen Charakter haben und unser Leben entsprechend prägen. Die sind aufgehoben, durch die Erlösungstat von Jesus Christus.

Lassen Sie sich von Gott zusprechen, wer sie sind. Geben Sie sich jeden Morgen die richtige Ausrichtung für den Tag und beantworten Sie die Frage: „Wer bin ich?“, mit der klaren Antwort:

„Ich bin wiedergeboren, auf eine lebendige Hoffnung hin.“

„Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1,18)

Wenn’s nicht gut aussieht…- JESUS LEBT!

Du siehst, wie die Zeiten schlechter, teurerer, unsicherer werden. Trotzdem gilt: JESUS LEBT! Du bist auf der Seite des Siegers, wenn Du an Jesus glaubst!

Der 1. Karfreitagabend: Die Jünger sind „am Boden zerstört“- Ihr HERR und Meister ist tot. Es sieht nicht gut aus für sie!

Johannes, der Jünger, ist auf die Insel Patmos verbannt worden: Es sieht nicht gut aus für ihn! Doch dann hat er diese Offenbarung. Jesus selbst offenbart sich ihm. Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)

JESUS LEBT. Er zeigt sich den Jüngern als der Lebendige – damals und heute auch.

Seine Auferstehung ist das Zeichen des Siegs über den Tod. Der Tod konnte Jesus nichts anhaben. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Wir Menschen wissen um unsere Endlichkeit. Wir haben Angst vor dem Sterben und den Tod. Was tun wir alles, um lebendig zu bleiben oder dafür, uns gar nicht mit diesem Thema zu beschäftigen. Wir wollen leben. Doch eins ist sicher: Wir werden sterben. Die Bibel lehrt (Römer 6,23/5,12) Der Lohn der Sünde ist der Tod. Jesus ist der einzige, der sündlos war. Weil Jesus dem Feind nicht durch irgendeine Sünde ein Recht auf sich gegeben hatte, hatte der Feind mit Tod und Hölle auch keine Macht über ihn. Jesus, unser Herr, ist stärker als der Tod. Deshalb findet die Gemeinschaft, die er schenkt, nicht am Tod ihre Grenze. „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben… uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist“. (Römer 8, 38.39) Der Tod wird uns nicht erspart, aber Jesus hat die Schlüssel der Hölle und des Todes und er schließt für uns auf. Der Tod ist ein Durchgang, ein dünner Vorhang, durch den wir hindurch treten. Dann sind wir für immer bei ihm.

Die Gruppe „Outbreakband“ besingt dies so: „Die Ewigkeit ist mein Zuhause. Du hast sie mir ins Herz gelegt. Auch wenn ich sterben werde, weiß ich, dass meine Seele ewig lebt. Und diese Hoffnung wird mich tragen, bis ich dir gegenüber steh.“ Hier ist der Link zum Lied: https://www.youtube.com/watch?v=GT2O5Ax6t90

Mit dieser Hoffnung im Herzen lässt es sich leben. Mit dieser Hoffnung wollen wir an Ostern Jesu Sieg über den Tod feiern.

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Johannes“3,14b+15)

Die Begebenheit, auf die Johannes in unserem Vers anspielt, finden wir in 4.Mose 21. Nachdem das Volk Israel in der Wüste wieder einmal unzufrieden war und Gott und Mose Vorwürfe machten, sie zum Sterben in die Wüste geführt zu haben, sandte Gott zur Strafe feurige Schlangen unter das Volk. Diese Schlangenbisse waren tödlich und so starben viele Menschen daran. Schnell erkannten sie den Zusammenhang zwischen diesen Schlangenbissen und ihrer Sünde und baten Mose, dass er Gott um Hilfe bitten solle.

Und Gott nahm die Schlangen nicht einfach weg, sondern gab Mose den Auftrag, eine eherne Schlange herzustellen und an einem Stab so zu befestigen, dass sie im Lager weithin sichtbar war. Und er versprach, dass die Menschen am Leben bleiben sollten, wenn sie zu der ehernen Schlange blickten, nachdem sie von einer Schlange gebissen worden waren.

Wir lesen, dass dadurch viele Menschen gerettet wurden. Sicher wurden sie nicht durch die eherne Schlange an sich gerettet, sondern durch Gottes Gnade. Die Begebenheit war ein Vorbild für ein späteres Ereignis, das auch die Menschheit vom Tod, aber vom ewigen Tod, retten sollte.

Viele Jahrtausende Jahre später wurde Gottes Sohn, Jesus Christus ans Kreuz geschlagen und somit erhöht. Er nahm die Position der Schlange in unserem Bild ein. Die Schlange ist in der Bibel meistens ein Bild für Sünde und das Böse. Und unser Herr wurde für uns zur Sünde gemacht; auf Ihm lag die Schuld der ganzen Welt. Und wie in der Geschichte von Israel gilt auch jetzt: Wer im Glauben auf diesen erhöhten Christus schaut, der wird gerettet, der bekommt ewiges Leben.

Ich vermute, dass die Israeliten sich über die einfache Methode wunderten, die sie heilen sollte. Einfach nur auf die Schlange schauen?? Kein Gegengift einnehmen oder eine Salbe auftragen? Es war einfach, aber sie mussten es tun. Wem es zu „unwissenschaftlich“ war, seinen Schlangenbiss auf diese Art heilen zu lassen, starb weiterhin an den Folgen.

Genauso ist es mit dem Evangelium. Für viele Menschen ist die Botschaft zu einfach. Sie würden gern kompliziertere Methoden gebrauchen, um heil zu werden. Auch wenn es für unseren Herrn alles andere als ein einfacher Weg war, so ist doch der Glaube an sein Werk am Kreuz immer noch der einzige und einfache Weg zur Errettung. Für viele zu einfach….

„O Herr, was du erduldet, ist alles meine Last;
Ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast.
Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat.
Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad!“

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“   (Matthäus 20,28)

Auf dem Weg nach Jerusalem sind Jesus und seine Jünger unterwegs. Vielleicht erzählen die Jünger von ihren letzten Erfahrungen, wem sie begegnet sind, was sie beeindruckt und was sie gesehen hatten, was sie traurig gemacht hatte und was sie hinter sich gelassen hatten. Vielleicht beschäftigten sie sich so sehr mit ihren eigenen Eindrücken, Erlebnissen und mit ihren Emotionen, dass es ihnen schwer fiel zu hören bzw. zu verstehen was Jesus gesagt hatte. Auch Jesus erzählt zum dritten Mal von seinem Leid, das Ihn in Jerusalem erwartet.

An den Rand gedrängt

Sind die Jünger in ihrer tiefsten Betrübnis hängengeblieben als Jesus zum zweiten Mal über seine Auslieferung in die Hände der Menschen erzählte? Vielleicht dachten sie wie Petrus es zuvor dachte als Jesus das erste Mal sein Leid und Tod erklärte, dass Gott Ihn bewahre, dass es ihm nicht widerfahren wird. Jesus bereitet sie vor. Die himmlische Verurteilung wird auf Ihn fallen. Und jetzt als sie kurz vor in Jerusalem ankamen, betonte Jesus seine Verurteilung zum Tode, die Verspottung, die Geißeln, die Kreuzigung die Er, der Sohn des lebendigen Gottes als Strafe für unsere Missetateten verbüßen musste.

Ob die Jünger die Tragik in Jesus Vorhersage jetzt begreifen werden? Es ist als der Blick auf ihren eigenen menschlichen Ruhm ihren Herzen verschließt. Waren die Söhne des Zebedäus an den Halte-Punkt vorbei gegangen und nur auf ihrem eigenen Ziel fokussiert? Hatten sie gedacht, dass Jesus sie besonders liebhatte, weil sie ihm gehorchten? Was bewegte sie, wenn sie den Wunsch geäußert hatten, ganz nah, ganz eng zusammen mit Jesus in seinem Himmelreich Platz zu nehmen? Ob es uns auch manchmal so geht, dass es uns schwer fällt auf das Gesagte zu hören?

Gib das Purpur auf!

In dem Text lesen wir, dass Jesus seine Freunde ganz nah zu sich rief als er die Konflikte und die Missverständnisse zwischen ihnen spürte, als er das abschätzige Verhalten unter ihnen sah. Konnte es sein, dass Jesus seine Freunde mehr denn je brauchte? Er appellierte an ihr Wissen.  Die Mächtigen zeigen sich in ihre purpurne Toga, die Mächtigen beehren sich, die Mächtigen streben nach höheren Sitzen, die Mächtigen wollen untergeordnete Diener besitzen

Wendepunkt

Es ist, als ob Jesus ohne Verurteilung ihrer Überheblichkeit und ihr Begehren ihnen die Schlüssel ins Herz gibt, wenn er ihre Gedanken richtigstellt. Er leitet sie zu der Einsicht: „Ihr habt erkannt wer ich bin, ihr habt gesehen, wie ich mit euch lebe, ihr habt meine Demut, Barmherzigkeit, Erniedrigung, Knechtschaft, Vergebung bezeugt. Bald, sehr bald werdet ihr durch mein Blut von der ewigen Verdammnis freigekauft. Ich habe euch gerne gedient, baut einander auf, vertragt euch, vergebe dir Selbst und den Anderen, dient einander mit den Begabungen, die ich euch geschenkt habe, so werdet ihr groß werden.“

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“  (Johannes 12, 24.)

Jesus Christus stirbt, damit VIELE (auch ich) leben werden.

Das ist die primäre Aussage des Textes. Der Einzug in Jerusalem liegt hinter Jesus, und sein Kreuzestod steht ihm deutlich vor Augen – mit allen Ängsten und Folgen. An dieser Stelle möchte ich zunächst innehalten, um diese liebevolle und selbstlose Tat von Jesus Christus auf mich wirken zu lassen. Hier kann ich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, Jesus Christus stirbt für mich, damit ich mit ihm auferstehen und leben kann!!!

Sterben ist etwas, was kaum jemand anstrebt. Die meisten Menschen tun sehr viele dafür, dass sie leben, lange leben und ein gutes Leben haben. Das ist auch grundsätzlich normal. Dennoch fordert uns Jesus auf, es ihm nachzutun. Wir sollen unser Leben in dieser Welt geringachten, damit wir ewiges Leben erhalten können.

Jesus unterscheidet zwei Leben: unser Leben in dieser Welt und unser geistliches Leben. Jesus musste auch sein leibliches Leben hingeben, stellvertretend für uns, damit ein ganz neues Leben für viele entstehen konnte – deshalb erhalten wir ewiges Leben durch Glauben, durch eine Entscheidung, Jesus nachzufolgen.

Was aber heißt, Jesus im Sterben zu folgen, damit durch mein neues Leben Frucht entsteht und Gott mich für diesen Schritt ehrt (Vers 26)? „Jesus nachfolgen und ihm dienen“ sind zwei Faktoren, die der Text nennt. Wenn ich jemandem nachfolge und ihm diene, lasse ich mein Eigenes hinter mir und orientiere mich an den Werten, Zielen und Bedürfnissen des anderen.

Natürlich bin ich dankbar, dass ich in der Regel nicht mein leibliches Leben geben muss. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nachfolge dennoch ein tiefgreifendes Erleben ist, ein Sterben meines eigenen Denken und Fühlens, das ich bisher für wahr gehalten habe, weil sie meinen Erfahrungen und Gewordensein entsprechen. Was ich gelernt habe, wie meine Neuronen im Gehirn verschaltet sind, macht mich als Person aus. Und hier hakt der Bibeltext ein.

Der Hirnforscher, Manfred Spitzer, hat den steilen Satz geprägt: „Wir sind unser Gehirn!“ Wenn das wahr ist, dann bedeutet Nachfolge, durch neues Danke und Fühlen ein neues Gehirn zu prägen, ein Gehirn, das sich an Jesus Christus orientiert. So kann „Einswerdung“ mit Jesus Christus geschehen.

Diese grundsätzliche Veränderung durch Nachfolge, ist wie ein eigenes Sterben. Es entsteht eine neue Qualität meines Lebens, und so entsteht auch Frucht. Es geht nicht ohne Sterben.

Auch, wenn Sterben immer mit Ängsten verbunden ist, und das ist auch beim Sterben unseres Denkens und Fühlens nicht anders, dürfen wir uns das neue Leben ganz bildlich vorstellen und die Bibel ist da sehr konkret (z.B. das Liebesgebot; Johannes 15).

Neues, besseres Denken von Jesus Christus zu lernen ist ein Geschenk, ein Geschenk seiner Liebe zu uns, begründet in seinem Sterben.

Lassen sie sich begeistern und überraschen von ihrem ganz persönlichen neuen Leben in Jesus Christus!

„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Luk, 9,62)

Manchmal erschrecke ich über meine Kurzsichtigkeit. Meine Perspektive ist sehr begrenzt. Jesus stellt mich mit meiner Kurzsichtigkeit in Frage. Er will meinen Blick weiten für den Weg, den er mit mir gehen will, sein Ziel: „du sollst geschickt werden für das Reich Gottes. Du sollst vom Ziel her das Wesentliche anstreben, in meiner Spur bleiben. Du sollst Dich ausrichten nach meiner Stimme“.

„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück….Nachfolgen heißt, nicht mal kurzfristig begeistert sein. Nachfolge heißt, den Herausforderungen tapfer ins Auge sehen; und über den Herausforderungen das lohnende Ziel nicht aus den Augen verlieren.

„Lass Dich nicht abbringen von der Nachfolge“, sagt Jesus; „sei gehorsam und geh treu hinter mir her. Es wird manches Ungewisse, manche Unannehmlichkeiten, manchen Verzicht erfordern. Du wirst Deine Abhängigkeiten loslassen müssen. Ist es dir das wert?“

Jesus verführt mich nicht, er zeigt mir die Konsequenzen meines Tuns auf: Nachfolge ist nicht easy. Aber Nachfolge macht das Leben zielsicher. Es weitet meine Kurzsichtigkeit. Ich lebe nicht in den Tag hinein, ich lerne aushalten, lerne Vorläufiges vom Wesentlichen zu unterscheiden, ich falle nicht mehr so leicht auf die Schmeicheleien der Menschen herein. Denn was hilft es, wenn ich die ganze Welt gewinne….Das ist gerade meine Dünnstelle. Ich hätte so gern, dass mich die Menschen bejahen. Aber ich folge dem nach, dessen Weg in das „Verworfensein von Menschen“ führt. Bin ich dann noch bereit, hinter her zu gehen? „Ich bin entschieden zu folgen Jesus“, so bekannte es Sadhu Sundar Singh. So will ich es auch tun.

„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“ (Römer 5,8)

Warum Menschen (nicht) in Frieden leben können

Paulus schreibt im Zusammenhang vom Wochenspruch an die Christen in Rom (V.6): „Christus kam zu einer Zeit, als wir der Sünde noch hilflos ausgeliefert waren und er starb für uns, die wir ohne Gott lebten“. Was heißt das „der Sünde ausgeliefert zu sein“ und „gottlos zu leben“. Wie kann ich diese Begriffe einem Menschen erklären, der nicht christlich sozialisiert ist (und mir vielleicht als Ratsuchender in der Seelsorge gegenübersitzt)?

Der Mensch ohne Gott denkt zuerst an sich selbst. Die Basis seiner Entscheidung trifft er zumeist auf dem Hintergrund der Frage: Was ist für mich gut? Fokussiert auf seine Bedürfniserfüllung sieht er die längerfristigen Konsequenzen seines Handelns nicht oder nimmt die Nachteile, die es für andere mit sich bringt, billigend in Kauf. Wenn ich gottlos lebe, bin ich nur mir selbst verantwortlich. Sünde heißt im Ursprung „das Ziel verfehlen/am Ziel vorbei“ und meint an Gott vorbeizuleben. Paulus beschreibt Sünde wie eine Macht bzw. wie eine Dynamik, die uns von Gott wegzieht. Das Gegenteil von einem gottlosen Leben wäre: In Beziehung zu Gott zu leben, ihn als oberste Instanz zu sehen, der ich mich unterordne und der ich Rechenschaft schuldig bin.

Paulus schreibt weiter (V.7/8): „Selbst für einen guten Menschen würde kaum jemand sterben, am ehesten noch für einen herausragenden Menschen. Gott dagegen beweist uns seine große Liebe dadurch, dass er Christus sandte, damit dieser für uns sterben sollte, als wir noch Sünder waren.“

Obwohl wir Menschen dazu neigen, uns um uns selbst zu kreisen und damit viel Not auslösen, liebt uns Gott. Obwohl wir dazu neigen, an ihm vorbeizuleben, liebt er uns. Er sandte seinen Sohn Jesus Christus, der uns durch sein selbstloses Opfer, Versöhnung anbietet. Stellvertretend stirbt er den Tod, der als Strafe auf ein gottloses Leben folgt. Paulus erklärt (V.9/10a):

„Und da wir durch das Blut von Christus in Gottes Augen gerecht gesprochen worden sind, ist sicher, dass Christus uns vor dem Gericht Gottes bewahren wird. Wir sind ja durch den Tod seines Sohnes mit Gott versöhnt worden als wir noch seine Feinde waren. Dann werden wir erst recht jetzt, wo wir seine Freunde geworden sind, durch das Leben von Christus gerettet werden. So freuen wir uns nun darüber, dass wir wieder eine Beziehung zu Gott haben – weil Jesus Christus, unser Herr, uns mit Gott versöhnt hat (Neues Leben Bibel Römer 5, 6- 11).

Gottes Vorschuss – Liebe ermöglicht dem Menschen, mit Gott in Beziehung zu kommen und zu bleiben. Seine Liebe befähigt uns zur Vorschuss-Liebe, die Beziehungen zu anderen Menschen und damit Frieden gelingen lässt.

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1. Johannes 3,8b)

Als der Sohn Gottes als Baby erschien, brachten ihm die Hirten Lobpreis. Als der Sohn Gottes erschien, brachten ihm die Weisen aus dem Morgenland Gold, Weihrauch und Myrrhe. Als der Sohn Gottes erschien, breiteten ihm viele ihre Kleider und grüne Zweige auf dem Weg aus und lobten Ihn. Als der Sohn Gottes erschien wurden Menschen zu Ihm gezogen und sie erlebten Trost, Wunder, Akzeptanz, Vergebung. Als der Sohn Gottes erschien, trat YAHWE sichtbar in die dunkle Welt.

Der Feind, der hochmütige Teufel, der mächtige Verklagte der Vertrauten Jesu hatte sein finsteres Bollwerk errichtet. Wir können uns fragen was dort zu finden ist? Was wir dort tun? Welche Erwartungen haben wir dort? Was tut uns gut dort zu verweilen? Vielleicht läuft vor unserem inneren Auge ein schon ein bekannter quälender Film in Endlosschleife? Könnte es sein, dass wir uns auf nachhaltige toxische Gewohnheiten einlassen, die unser bekanntes Muster hervorbringen?  Vielleicht sind automatische Verhaltensweisen, verinnerlichte Emotionen, die unseren Blick auf dem Boden lenken lassen?  Vielleicht versuchen wir mit unserer menschlichen Kraft und zerbrechlichen Willen die hohe, starke Mauer zu überwinden, um an die Quelle des Lichtes zu kommen.

Der Sohn Gottes ist erschienen, um den Durcheinanderwerfer unseres Lebens, den Bezwinger der Völker, der Unkraut unter den Weizen sät, den lügnerischen Verführer, den Ankläger der Menschen zu zerstören. Was in der unbeschreiblichen Grausamkeit des Horror Szenarios im Himmelreich geschieht, bleibt unsere Vorstellung verborgen. Wir können uns auf Gotteswort verlassen mit der Gewissheit, dass wir uns auf der Seite des sieggekrönten Sohn Gottes befinden. Als der Sohn Gottes am Kreuz starb, hat Er uns von Sünde, Tod, Teufel befreit und in das Licht des Reiches Gottes versetzt. Als Jesus am Kreuz starb, wurde der Hauptmann und die mit ihm waren überzeugt: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!“

Ob wir uns in der Aktivität unseres Tages bewusst werden, wie wir dem Sohn Gottes begegnen, in seiner Nähe leben, wie all die Erfahrungen, Gedanken, Emotionen die wir durchleben uns mit Ihm verbinden? Während all unserer Tätigkeit Gott Lob bringen, vor Ihm Gold, Weihrauch, Myrrhe legen, unsere Kleider, grüne Zweige bereiten. In seinem  ‚unterwegs sein‘, in seinem ‚stehen bleiben‘, in seinem ‚am Tisch mit den Sündern sitzen‘, in seiner Präsenz in dem Tempel, ist Immanuel erschienen.

„Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“ (Lukas 18,31)

Lukas, der Evangelist, schreibt sein Evangelium als Historiker. Das teilt er uns in seiner Einleitung mit und deshalb ist es ihm wichtig, seinen Bericht auf Fakten zu begründen. Dazu gehören Orte und Zeiten. Immer wieder lesen wir bei Lukas, an welchem Ort sich Jesus befindet, welche Reiseroute er benutzt und wo welche Reden gehalten werden.

Lukas verwendet einen großen Teil seines Berichtes auf die Passionswoche. Das ist der Höhepunkt des Dienstes des Herrn Jesus auf der Erde. In unserem Vers sagt der Herr seinen Jüngern, dass sie auf dem Weg nach Jerusalem sind mit allen dazugehörigen Folgen. Wir lesen im folgenden Abschnitt, dass die Jünger nicht verstanden, was er sagte. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen und begriffen nicht, dass ihr Herr sterben würde. Es passte nicht in das Bild und in ihr Erleben von all den Wundertaten, die er im Laufe der Monate bewirkt hatte. Später verstanden sie, dass alles Teil des Plans war, den Gott von Anfang an durchführen wollte.

Die Juden kannten das Alte Testament sehr gut. Darin finden wir 330 Prophezeiungen auf den leidenden Messias, die sich wortwörtlich erfüllt haben. Beispielsweise der Abschnitt in Jesaja 53, in dem 700 Jahre vor dem Sterben Jesu Worte aufgeschrieben wurden, die genau eintrafen. Jesus wird hier beschrieben als das Opferlamm, das sich stumm zur Schlachtbank führen ließ. Er trug stellvertretend unsere Sünden und wurde nach seinem Tod in das Grab eines Reichen gelegt (Joseph von Arimathia). Ein weiteres, sehr deutliches Beispiel ist Psalm 22, ein Psalm von David. Dort wird detailliert die Kreuzigung beschrieben, obwohl zur Zeit Davids diese Hinrichtungsmethode noch nicht bekannt war. Formulierungen wie „Hände und Füße durchgraben“, „Kleider zerteilt und verlost“, „Gebeine zertrennt“, „Schweiß und Durst“, „Licht und Finsternis“, „Spott und Schmach“ finden wir alle bei der Kreuzigung des Herrn erfüllt. In dem Buch von Roger Liebi „Erfüllte Prophetie“ haben wir eine Gegenüberstellung der Alttestamentlichen Prophezeiungen und der Erfüllungen im Messias, in Jesus Christus. Und im „Messias“ von Händel finden wir drei zusammengehörige Teile: die alttestamentlichen Prophezeiungen, das Leben Jesu und seine Auferstehung.

Das alles soll uns in unserem Glauben bestärken: Wir glauben nicht an eine tote Religion, oder an eine Idee, die ein früherer Mensch in verändertem Bewusstseinszustand empfing. Nein, unser Glaube gründet sich auf Fakten und historischen Ereignissen.  Wir glauben an einen Gott der Geschichte, der, „als die Fülle der Zeit kam, seinen Sohn sandte“ (Galater 4,4).

Wenn wir uns an die Passion von Jesus erinnern, so wollen wir daran denken, dass unser Herr aus Liebe zu seinem Vater und zu uns einen wunderbaren Rettungsplan erfüllte.

„Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn, muss uns die Freiheit kommen.

Dein Kerker ist der Gnadenthron, die Freistatt aller Frommen.

Und gingst du nicht die Knechtschaft ein, müsst unsre Knechtschaft ewig sein.“

(aus der Johannes-Passion von Bach)

„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3,15)

Das ist doch unvorstellbar – oder?

Ich höre heute, in meine ganz persönliche Situation hineingesprochen, das Reden Gottes und, ich mache mein Herz dicht, bleibe uneinsichtig, trotzig und dickköpfig, bei mir, bei meinen Gedanken, bei meinen Vorstellungen, auf meinen Wegen.

Unvorstellbar, oder – oder doch nicht?

Der Vers 13 spricht davon, sich durch den „Betrug der Sünde“ verstocken zu lassen. Das heißt doch, ich kann der Sünde auf den Leim gehe, möglicherweise so stark, dass ich ihr mehr glaube als Gott, ja, dass die Sünde mir vorgaukelt, Gottes Reden zu sein.

„Das will ich nicht!“ – „So ist Gott nicht!“ – „Das kann ich nicht verstehen!“ Sätze, die bestimmt jeder von uns schon einmal gedacht hat, um dann in der jeweiligen Situation eher auf sich zu vertrauen, den eigenen Lösungen. Und je plausibler mir der eingeschlagene Weg erscheint, je mehr er mich überzeugt, umso weniger bin ich bereit auf andere zu hören und eben auch nicht auf Gott.

„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, öffnet euer Herz und seid bereit.“ So könnte der Bibelvers positiv umformuliert werden. Es ist ein Werben um Vertrauen und Gehorsam. Gott will uns durch sein Reden, seine Gedanken und Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Gedanken und Möglichkeiten, die oft jenseits unsers Vorstellungsvermögens sind und deshalb manchmal unbequem zu hören sind.

Gottes Stimme hören zu dürfen ist ein Privileg, ein Sonderrecht, das Gott seinen Kindern gewährt. Gott redet zu uns, weil wir es ihm wert sind, weil er etwas zu sagen hat, weil Gott mein Leben und das dieser Welt mitgestaltet, weil er ein präsenter Gott ist.

Wenn wir seine Stimme hören, Gott sich für uns hörbar macht, dann stehen wir vor einer Entscheidung: Wem will ich vertrauen? Welcher Stimme will ich nachgehen? Durch welches Reden lasse ich mich in meinem Tun leiten?

Vertraue ich mir? Lasse ich mich leiten durch die Sünde? Oder höre ich auf Gottes Stimme.

Bleiben Sie wachsam, hören Sie auf Gottes Stimme, heute!

„Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ (Daniel 9,18)

 Mit welcher Haltung treten wir vor Gott?

Im Normalfall ist unser Christsein durchwoben von dem, was uns geprägt hat. Durch Erfahrungen, die wir gesammelt haben, sind bestimmte Überzeugungen entstanden, die unser Verhalten und unsere Haltung bestimmen, z.B. „Wenn du gut angesehen werden willst, musst du auch etwas dafür tun.“ oder „Wenn du etwas von einer anderen Person willst, dann tue etwas für Sie.“

So verständlich es ist, dass wir solche Überzeugungen unreflektiert auf Gott übertragen, so wichtig ist es, uns in dieser Hinsicht zu reflektieren. Gott braucht uns nicht. Er ist weder auf  unsere Leistung noch auf unser Wohlverhalten angewiesen. Der Wochenspruch führt es uns vor Augen. Wir haben nichts vorzuweisen, was uns vor Gott gerecht dastehen lässt. Deshalb möchte ich nochmals betonen: Das Denken, das wir erworben haben, können wir nicht auf die Gottesbeziehung übertragen. Wir treffen allerdings in der Seelsorge häufig auf dieses Übertragungsphänomen. Es ist hilfreich, wenn wir als Seelsorger regelmäßig im Wort Gottes lesen und Predigten hören, die uns zeigen, wie Gott wirklich ist. Es ist unsere Aufgabe, unseren Ratsuchenden, diesen barmherzigen Gott vor Augen zu führen und sie zum Lesen der Bibel einzuladen, damit sie selbst erkennen, wie Gott ist und wie sehr er sie liebt, trotz allem was sie getan haben.

Die Grundlage für dieses seelsorgerliche Handeln, ist unsere eigene Gottesbeziehung Er wendet sich uns in seinem Sohn Jesus Christus gnädig zu. Jesus bezahlt mit seinem Tod am Kreuz für die Schuld aller Menschen. Wenn wir glauben, dass dies für uns gilt, spricht er uns frei. Er sorgt für die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

Ich lade dazu ein, Bibelstellen zu suchen, die Gottes Gnade beschreiben. Wenn wir diese wahrnehmen, (evtl. unterstreichen) wird uns deutlich, wie häufig die Bibel von diesem gnädigen Gott spricht.

„Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.“ (Psalm 66,5)

Nur zwei Wörter können darüber entscheiden, wie sehr ich mich über Gott freue. ‚Kommt‘ und ‚sehet‘, beides sind Aufforderungen, dass wir etwas tun müssen, um uns in den wahren Lobpreis Gottes einzustimmen.

In der ersten Aufforderung wird meine Aufmerksamkeit eingefordert. ‚Kommt her‘ bedeutet so viel wie unseren Blick auf unser Leben zu richten. Wahrscheinlich fällt es vielen von uns gar nicht so leicht, diesem Blick etwas Positives abzugewinnen. Wir könnten eine lange Liste von Geschichten über unser Leben erzählen, die uns Mühe machen, die uns verletzt haben und mit denen wir gar nicht so richtig versöhnt sind.
In diesen Punkten sind wir aber nicht allein, so schreibt der Psalmist in v.10-11: „Denn Gott, du hast uns geprüft und geläutert…. du hast auf unseren Rücken eine Last gelegt.“ Jeder von uns hat die eine oder andere Last im Leben erlebt und Gott schien in den Situationen weit weg zu sein. Doch in Wirklichkeit war er immer nah bei uns wie uns im V.9 versichert wird: „der unsere Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten“. Der Psalmist will uns daran erinnern, unseren Blick nicht nur auf die Geschichten unseres Lebens zu lenken, sondern auf Gottes Wirken in den Prüfungen unseres Lebens zu schauen.

So wird dann unser Blick mit der zweiten Aufforderung „Sehet an“ auf die Werke Gottes gerichtet, die unsere Prüfungen auf einmal viel kleiner erscheinen lassen, so schwer diese auch in den erlebten Augenblicken wiegen mögen. Gottes Wirken ist größer als das, was uns im Leben herausfordert. Wir müssen uns seine Eingriffe in die Geschichte seines Volkes aber immer wieder vor Augen führen. Er hat ein ganzes Volk aus seiner Gefangenschaft geholt, so wie er auch uns aus unseren Anfechtungen des Lebens herausholt. Auch wir werden von ihm geprüft und geläutert, weil er sich für uns interessiert.

‚Kommt her und sehet an‘ soll uns daher zum Staunen über Gottes Fürsorge in unserem Leben bringen und uns den Blick für Seine Seelsorge an uns eröffnen.

‚Kommt her und sehet an‘ führt uns in einen Lobpreis, der über unsere Gefühle hinausgeht, weil er Gott in all seiner Allmacht in seinen Werken anerkennt. Unsere Geschichten des Lebens bleiben auch weiterhin, aber sie bekommen einen Trost durch den abschließenden Vers in diesem Psalm, v. 20:

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet“.

Ich wünsche Ihnen diesen Lobpreis aus der Tiefe Ihres Herzens, an jedem neuen Tag.

„Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60,2b)

Wie geht das? Dass die Herrlichkeit Gottes über uns erscheint? Das geht mit Gotteskraft.

Genauso wie den Sonnenaufgang können wir auch Gotteskraft nicht aufhalten – wir können sie auch nicht beschleunigen. Aber wir können sie bezeugen.

Wenn Jesus vom Vater und vom Himmel spricht, dann erscheint die Herrlichkeit Gottes über unserem Leben.

Wenn Jesus von der Liebe des Vaters erzählt, mit der der Vater dem heimkehrenden Sohn entgegeneilt, dann ahnen wir, welche Herrlichkeit und welche Kraft von Gott ausgehen.

Wenn der verzweifelte Petrus, nachdem er Jesus verleugnet hatte, von seinem Herrn eine neue Chance bekommt, dann erkennen wir, mit welcher Herrlichkeit Jesus sein Regiment führt.

Wenn es auch eine Lösung für dich in deinem Leben gibt, dann erscheint die Herrlichkeit Gottes über dir.

Und wir bezeugen die Herrlichkeit, indem wir Jesus unser Leben geben. Ganz und gar.

Herr! Ich gehöre dir und ich bezeuge, du bist herrlich. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

„Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“  (Lukas 13,29)

Ein erster Schritt, einen Anfang wagen, eine Unterbrechung in dem Alltag, allmählich ein Aufeinander zugehen – mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem, wertschätzend lehrt er, alle die Ihn trafen. Der Reisebericht nach Lukas punktiert sein Bild von seinem Herrn als Yachweh Rapha, der Herr der Heilung bringt und Elohim Yishi, der Heil anbietet, der die Herstellung des Menschen (Nefesh) aus der ganzen Welt in seiner Würde und Individualität aufrichtet. Er berichtet über die therapeutische Wirkung Jesu und wie Jesus sich in den Gleichnissen porträtiert.

Im Alten hängenbleiben

Vielleicht hatten viele seiner Nachfolger sich mit der strengen religiösen Lehre abgefunden. Vielleicht bekamen Rabbiner, Pharisäer, Sadduzäer Angst, dass was ihre wertvolle gesetzliche Tradition, ihre Säule, ihr Ansehen waren, zu verlieren. Mit einer unvorstellbaren grenzenlosen weltweiten Sichtweise bringt Jesus sie zum Nachdenken.

Kennen wir solche Situationen wo unser Denken so intensiv mit dem Denken anderer geprägt wurde, indem wir uns damit abgefunden haben? Vielleicht haben wir uns mit der Zeit daran gewöhnt, uns auf unsere Glaubenskraft zu verlassen und vergessen dabei, dass wir in unserem Herrn immer Vertrauen üben müssen!

Kennen wir auch solche Phasen die uns fesseln, in der Besorgnis das zu verlieren, womit wir uns identifizieren?

Jesus weiß um die Not seines Volkes. Er will ihm Mut machen, ihm ihren Unglauben, ihre Kraftlosigkeit, ihre Krankheit, ihre Ausweglosigkeit zu nehmen. Er will ihm das Reich Gottes zeigen.

Sehnsucht nach Beziehung

Ein gebildeter Fragesteller (v.22) wird aufgefordert sein Leben neu zu bedenken. Vielleicht hatte er wie auch die Volksmenge die Einsicht zur Umkehr noch nicht verstanden, denn sie hatten eine klare Vorstellung davon, wer in den Himmel durfte und wer nicht. Jesus mitten in der Menge. Jesus erzählt mit einem Gleichnis. Jesus spricht sie konkret an. Jesus als Sehnenden nach Menschen, die ihm in ihrem Leben Platz geben. Werden sie verstehen das was Gott in seiner Güte an Gedanken, Bilder, Freude ausbreitet, auf ein Fundament der persönlichen Beziehung liegt? Ob seine Zuhörer die erklärende Botschaft, Position zu beziehen, sich eine innere Veränderung vorzustellen verstehen konnten?

Ob wir es annehmen, dass Jesus in seiner Interaktion mit uns immer näher an unserem Handeln, Denken, Fühlen kommen möchte, unsere Sehnsucht stillen will, unseren Horizont erweitern?

Jesus weiß wie sein Volk, mit Enttäuschungen hadert. Er will es ermutigen ihre Resignation, ihre Frustration, ihre Ohnmacht zu ihm zu bringen. Er will ihm seinen gedeckten Tisch zeigen.

Integration in dem friedlichen Heiligtum

Welch ein feierliches, umwerfendes Bild des großen Festmahls, das Jesus hier baucht. Welch eine unbeschreibliche Perspektive eine weltweite Versammlung der Andersartigkeit Jesus präsentiert. Eine Einladung zur Tisch Gemeinschaft mit all denen in dieser Welt, die einen freudigen Entschluss zu Jesus Christus gefasst haben und eine lebendige Beziehung festigen wollten, teil zu haben.

Jesus kennt die Menschen in ihren persönlichen Auf und Ab Situationen, in ihren unterschiedlichen Lebensstürmen. Er schenkt uns Hoffnung die unsere Seele zu jubeln erweckt, Ermutigung die unser Herz zu handeln bewegt,

Überzeugung die unser Glaube auf das zukünftige ewige Leben in seiner Herrlichkeit, zum Sieg steuert.

Von seiner Fülle haben wir alle genommen, Gnade um Gnade. (Joh 1,16)

Das Wort „Fülle“ oder auch Überfluss spielte in meinem Leben schon immer eine Rolle. Aufgewachsen in einer Familie mit 9 Kindern (ich war die 4.), gab es genügend Gelegenheit zu Verteilungskämpfen. Selten war da etwas, was man mit niemandem teilen musste, selten gab es Güter, von denen am Schluss noch etwas übrig blieb. Wenn die Mutter auch eine große Tüte abgelaufener Bananen nach Hause schleppte, die „Affenbande“ machte sich darüber her und hinterließ höchstens einen Haufen mit Schalen.

Was mich aber an meinen Eltern beeindruckte, war, dass sie (meistens) aus einer unendlichen Fülle heraus agierten, sie wussten von Johannes 1,16. Es war ihr Prinzip: Wir haben einen verlässlichen, lebensschaffenden Vater im Himmel, der uns so sehr liebt; der uns freispricht. Nicht Knappheit ist sein Prinzip sondern Fülle.

Und diese Luft durften wir Kinder atmen. Es verging kein Jahr, an dem wir nicht in Urlaub fuhren, auch bei noch so klammer Kasse. Wir hatten viel Besuch, Menschen, die unser Leben bereicherten. Wir durften studieren, Musikunterricht nehmen und hatten ein großes Haus. Und wir hatten Frieden, auch wenn nicht alles glatt lief.

Ich habe an meinen Eltern gelernt, auch wenn schwere Zeiten kommen, so sind sie gepflanzt an den Wasserbächen, der Strom der Liebe Gottes versiegt nicht. In dieser Hoffnung gehe ich in das Jahr 2022. In dieser Hoffnung dürfen wir als BTS hineingehen. Und diese Hoffnung vermitteln wir unsern Ratsuchenden.

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“  (Römer 8,14)

Als ich mich als Jugendliche bekehrt habe, Jesus Christus bewusst in mein Leben hineingelassen habe, habe ich diese Erleichterung, Befreiung gespürt, endlich das Belastende in meinem Leben hinter mir lassen zu können und ein neuer Mensch, zu werden. Und ich wusste zugleich auch, dass ich es zurück lassen musste, um das Neue zulassen. Ich war nicht mehr mir selbst ausgeliefert, ich war Gottes Kind geworden. Er hatte mir seinen Geist geschenkt, und einen neuen „Antreiber“ gegeben, damit mein altes Sein mich nicht weiter bestimmt, sondern Gottes neue, heilvolle Gedanken das Ruder übernehmen.

Dieses großartige Glaubenswissen, durch den Glauben in die Kindschaft Gottes katapultiert worden zu sein, ist die Hoffnung, die mir geholfen hat, trotz vieler Kämpfe und Rückschläge nicht aufzugeben, sondern, dran zu bleiben.

Das 8. Kapitel des Römerbriefes erzählt genau von diesen Kämpfen, einerseits ein Kind Gottes zu sein und gleichzeitig noch darauf zu warten, dass es in Vollkommenheit eintritt. Der Römerbrief spricht von einer Sehnsucht der ganzen Schöpfung, auch von uns Menschen, nach diesem erlösten Zustand.

Übersetzt man Sehnsucht mit „schmerzlichem Verlangen“, dann wird deutlich, was in unserem Bibelvers mit dem Wort „treiben“ gemeint ist. Gott gibt uns durch seinen Heiligen Geist eine Sehnsucht, ein schmerzliches Verlangen in unser „nefesh“, als Kind Gottes zu leben. Sehnsucht ist mehr als ein Wunsch, es ist ein schmerzliches Begehren von etwas, das unerreichbar ist, unerreichbar aus mir heraus. Sehnsucht hat etwas von Suchtverhalten, eine starke Fokussierung auf das, was ich begehre und worunter ich leide, wenn ich es nicht bekommen.

Gott weiß, dass wir als seine Kinder nicht alles in seinem Sinne „richtig“ machen. Er kennt unser Scheitern und ist vertraut damit, dass wir oft nicht als „Kind Gottes“ handeln, diesen Titel nicht verdienen. Aber durch den Heiligen Geist, dieser „Kraft Gottes“ in unserem Leben, haben wir Sehnsucht nach Vollkommenheit, eine Ahnung von dem, auf das wir zuleben. Deshalb können wir überhaupt erkennen, wo wir schuldig geworden sind. Deshalb leiden wir an der Zerstörung und dem Zerbruch von Gottes guter Schöpfung, einschließlich unser eigenen Unzulänglichkeit. Deshalb leiden wir an unserer Schuld und suchen den Weg über Vergebung zur Umkehr.

In diesem Sinne: Bleiben sie sehnsüchtig, werden sie nicht gleichgültig, sondern lassen Sie sich, wenn es sein muss, schmerzvoll berühren. Und leben sie in der Gewissheit: Am Ende steht nicht die Unvollkommenheit, sondern Gott, der Vollender, der Vollkommene.

Ein gesegnetes Jahr 2022