IMPULSE ZU DEN WOCHENLOSUNGEN 2022

„Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“  (Lukas 13,29)

Ein erster Schritt, einen Anfang wagen, eine Unterbrechung in dem Alltag, allmählich ein Aufeinander zugehen – mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem, wertschätzend lehrt er, alle die Ihn trafen. Der Reisebericht nach Lukas punktiert sein Bild von seinem Herrn als Yachweh Rapha, der Herr der Heilung bringt und Elohim Yishi, der Heil anbietet, der die Herstellung des Menschen (Nefesh) aus der ganzen Welt in seiner Würde und Individualität aufrichtet. Er berichtet über die therapeutische Wirkung Jesu und wie Jesus sich in den Gleichnissen porträtiert.

Im Alten hängenbleiben

Vielleicht hatten viele seiner Nachfolger sich mit der strengen religiösen Lehre abgefunden. Vielleicht bekamen Rabbiner, Pharisäer, Sadduzäer Angst, dass was ihre wertvolle gesetzliche Tradition, ihre Säule, ihr Ansehen waren, zu verlieren. Mit einer unvorstellbaren grenzenlosen weltweiten Sichtweise bringt Jesus sie zum Nachdenken.

Kennen wir solche Situationen wo unser Denken so intensiv mit dem Denken anderer geprägt wurde, indem wir uns damit abgefunden haben? Vielleicht haben wir uns mit der Zeit daran gewöhnt, uns auf unsere Glaubenskraft zu verlassen und vergessen dabei, dass wir in unserem Herrn immer Vertrauen üben müssen!

Kennen wir auch solche Phasen die uns fesseln, in der Besorgnis das zu verlieren, womit wir uns identifizieren?

Jesus weiß um die Not seines Volkes. Er will ihm Mut machen, ihm ihren Unglauben, ihre Kraftlosigkeit, ihre Krankheit, ihre Ausweglosigkeit zu nehmen. Er will ihm das Reich Gottes zeigen.

Sehnsucht nach Beziehung

Ein gebildeter Fragesteller (v.22) wird aufgefordert sein Leben neu zu bedenken. Vielleicht hatte er wie auch die Volksmenge die Einsicht zur Umkehr noch nicht verstanden, denn sie hatten eine klare Vorstellung davon, wer in den Himmel durfte und wer nicht. Jesus mitten in der Menge. Jesus erzählt mit einem Gleichnis. Jesus spricht sie konkret an. Jesus als Sehnenden nach Menschen, die ihm in ihrem Leben Platz geben. Werden sie verstehen das was Gott in seiner Güte an Gedanken, Bilder, Freude ausbreitet, auf ein Fundament der persönlichen Beziehung liegt? Ob seine Zuhörer die erklärende Botschaft, Position zu beziehen, sich eine innere Veränderung vorzustellen verstehen konnten?

Ob wir es annehmen, dass Jesus in seiner Interaktion mit uns immer näher an unserem Handeln, Denken, Fühlen kommen möchte, unsere Sehnsucht stillen will, unseren Horizont erweitern?

Jesus weiß wie sein Volk, mit Enttäuschungen hadert. Er will es ermutigen ihre Resignation, ihre Frustration, ihre Ohnmacht zu ihm zu bringen. Er will ihm seinen gedeckten Tisch zeigen.

Integration in dem friedlichen Heiligtum

Welch ein feierliches, umwerfendes Bild des großen Festmahls, das Jesus hier baucht. Welch eine unbeschreibliche Perspektive eine weltweite Versammlung der Andersartigkeit Jesus präsentiert. Eine Einladung zur Tisch Gemeinschaft mit all denen in dieser Welt, die einen freudigen Entschluss zu Jesus Christus gefasst haben und eine lebendige Beziehung festigen wollten, teil zu haben.

Jesus kennt die Menschen in ihren persönlichen Auf und Ab Situationen, in ihren unterschiedlichen Lebensstürmen. Er schenkt uns Hoffnung die unsere Seele zu jubeln erweckt, Ermutigung die unser Herz zu handeln bewegt,

Überzeugung die unser Glaube auf das zukünftige ewige Leben in seiner Herrlichkeit, zum Sieg steuert.

Von seiner Fülle haben wir alle genommen, Gnade um Gnade. (Joh 1,16)

Das Wort „Fülle“ oder auch Überfluss spielte in meinem Leben schon immer eine Rolle. Aufgewachsen in einer Familie mit 9 Kindern (ich war die 4.), gab es genügend Gelegenheit zu Verteilungskämpfen. Selten war da etwas, was man mit niemandem teilen musste, selten gab es Güter, von denen am Schluss noch etwas übrig blieb. Wenn die Mutter auch eine große Tüte abgelaufener Bananen nach Hause schleppte, die „Affenbande“ machte sich darüber her und hinterließ höchstens einen Haufen mit Schalen.

Was mich aber an meinen Eltern beeindruckte, war, dass sie (meistens) aus einer unendlichen Fülle heraus agierten, sie wussten von Johannes 1,16. Es war ihr Prinzip: Wir haben einen verlässlichen, lebensschaffenden Vater im Himmel, der uns so sehr liebt; der uns freispricht. Nicht Knappheit ist sein Prinzip sondern Fülle.

Und diese Luft durften wir Kinder atmen. Es verging kein Jahr, an dem wir nicht in Urlaub fuhren, auch bei noch so klammer Kasse. Wir hatten viel Besuch, Menschen, die unser Leben bereicherten. Wir durften studieren, Musikunterricht nehmen und hatten ein großes Haus. Und wir hatten Frieden, auch wenn nicht alles glatt lief.

Ich habe an meinen Eltern gelernt, auch wenn schwere Zeiten kommen, so sind sie gepflanzt an den Wasserbächen, der Strom der Liebe Gottes versiegt nicht. In dieser Hoffnung gehe ich in das Jahr 2022. In dieser Hoffnung dürfen wir als BTS hineingehen. Und diese Hoffnung vermitteln wir unsern Ratsuchenden.

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“  (Römer 8,14)

Als ich mich als Jugendliche bekehrt habe, Jesus Christus bewusst in mein Leben hineingelassen habe, habe ich diese Erleichterung, Befreiung gespürt, endlich das Belastende in meinem Leben hinter mir lassen zu können und ein neuer Mensch, zu werden. Und ich wusste zugleich auch, dass ich es zurück lassen musste, um das Neue zulassen. Ich war nicht mehr mir selbst ausgeliefert, ich war Gottes Kind geworden. Er hatte mir seinen Geist geschenkt, und einen neuen „Antreiber“ gegeben, damit mein altes Sein mich nicht weiter bestimmt, sondern Gottes neue, heilvolle Gedanken das Ruder übernehmen.

Dieses großartige Glaubenswissen, durch den Glauben in die Kindschaft Gottes katapultiert worden zu sein, ist die Hoffnung, die mir geholfen hat, trotz vieler Kämpfe und Rückschläge nicht aufzugeben, sondern, dran zu bleiben.

Das 8. Kapitel des Römerbriefes erzählt genau von diesen Kämpfen, einerseits ein Kind Gottes zu sein und gleichzeitig noch darauf zu warten, dass es in Vollkommenheit eintritt. Der Römerbrief spricht von einer Sehnsucht der ganzen Schöpfung, auch von uns Menschen, nach diesem erlösten Zustand.

Übersetzt man Sehnsucht mit „schmerzlichem Verlangen“, dann wird deutlich, was in unserem Bibelvers mit dem Wort „treiben“ gemeint ist. Gott gibt uns durch seinen Heiligen Geist eine Sehnsucht, ein schmerzliches Verlangen in unser „nefesh“, als Kind Gottes zu leben. Sehnsucht ist mehr als ein Wunsch, es ist ein schmerzliches Begehren von etwas, das unerreichbar ist, unerreichbar aus mir heraus. Sehnsucht hat etwas von Suchtverhalten, eine starke Fokussierung auf das, was ich begehre und worunter ich leide, wenn ich es nicht bekommen.

Gott weiß, dass wir als seine Kinder nicht alles in seinem Sinne „richtig“ machen. Er kennt unser Scheitern und ist vertraut damit, dass wir oft nicht als „Kind Gottes“ handeln, diesen Titel nicht verdienen. Aber durch den Heiligen Geist, dieser „Kraft Gottes“ in unserem Leben, haben wir Sehnsucht nach Vollkommenheit, eine Ahnung von dem, auf das wir zuleben. Deshalb können wir überhaupt erkennen, wo wir schuldig geworden sind. Deshalb leiden wir an der Zerstörung und dem Zerbruch von Gottes guter Schöpfung, einschließlich unser eigenen Unzulänglichkeit. Deshalb leiden wir an unserer Schuld und suchen den Weg über Vergebung zur Umkehr.

In diesem Sinne: Bleiben sie sehnsüchtig, werden sie nicht gleichgültig, sondern lassen Sie sich, wenn es sein muss, schmerzvoll berühren. Und leben sie in der Gewissheit: Am Ende steht nicht die Unvollkommenheit, sondern Gott, der Vollender, der Vollkommene.

Ein gesegnetes Jahr 2022

„Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1,14b)  (Johannes 1,14)

Der vollständige Vers lautet: „Er, das Wort, wurde Mensch und lebte unter uns. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie sie nur der einzigartige Sohn vom Vater bekommen hat.“ (NeÜ). Der Autor Johannes spricht von Jesus. Johannes schrieb dies etwa im Jahre 85 aus dem Exil in Ephesus; etwa 50 Jahre nach seiner Begegnung mit diesem Jesus.

Was verstehen Sie unter ‚Herrlichkeit‘? Ein Wort der deutschen Sprache, das im Alltag kaum noch vorkommt. Mit dem Begriff ‚Herrlichkeit‘ wird heute Großartigkeit, Glanz, Pracht, Ruhm, Protz, Prunk oder ‚Glanz und Gloria‘ verbunden. Passt das zu Jesus?

In ärmlichen Verhältnissen geboren. Von einer Jungfrau; was die Mehrheit der Menschen mit einem ‚milden‘ Lächeln abtut. Flucht vor Verfolgung mit seinen Eltern in’s Exil nach Ägypten. Als Erwachsener ohne festen Wohnsitz. Stressfaktor für die Eliten und als Aufwiegler verfolgt. Opfer eines Justizskandals. Grausam hingerichtet. Was hat das mit ‚Herrlichkeit‘ zu tun???

‚Herrlichkeit‘ hat noch eine andere Bedeutung. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes ist vor dem 15. Jahrhundert zu finden: ‚Herrlichkeit‘ bezeichnete den Herrschaftsbereich eines Machthabers. Schauen wir auf das Leben von Jesus, scheint damit ‚auch nicht viel Staat zu machen‘ sein… „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagt Jesus selbst dem damaligen Machthaber Pilatus. Wahrheit oder Ausrede?

Der erste Augenschein kann trügen. Gott ist eben ganz anders als wir Menschen. Erst recht als unsere Erwartungen. Das war schon vor Lebzeiten Jesu so, zu seinen Lebzeiten; und es ist bis heute so geblieben. Dabei alles hängt davon ab, wer Jesus eigentlich ist: Ein guter Mensch, damit (nur) ein Vorbild? Das macht ihn nicht groß, sondern klein; begrenzt auf menschliche Möglichkeiten. Denn ist seine Geburt rein natürlich, ist Jesus nur Mensch, mehr nicht. Nur ein wenig ethisch-moralisch höherstehend. Sind seine Wunder nur Mythen, begegnet uns Gott selbst nicht in ihm. Und ist er nicht auferstanden aus dem Tod, bleibt Jesus einfach nur Mensch, mehr auch nicht. Ein Mahatma Ghandi, ein Nelson Mandela des Altertums.

Der Augenzeuge Johannes sagt uns aber, dass Gott selbst sich in Jesus ganz klein und unscheinbar machte. Dass er von außerhalb von ‚Raum und Zeit‘ in diese Welt kam und aus dieser Welt wieder zurückkehrte. Nur ein solcher Gott verdient die Ehren-Bezeichnung ‚Herrlichkeit‘ – in dem doppelten Sinne des Wortes. Und diese Herrlichkeit hat Gott Jesus verliehen, sagt uns Johannes.

Zur Verdeutlichung und Weiterführung eine Geschichte, die ich vor langer Zeit bei Axel Kühner gelesen hatte. Es geht um die Frage, wo Gott wohnt, also wo er das Sagen hat. Dazu erzählt Axel Kühner: Im Kindergarten fragt die Erzieherin die Kinder, wo denn Gott wohne. Ein Kind antwortete: „Gott wohnt im Himmel.“ Ein anderes: „Gott wohnt auf der Erde unter den Menschen.“ Ein drittes sagte: „Gott wohnt im Himmel, aber seine Praxis hat er in der Kirche!“

Wie gut, dass Gott seine Praxis nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft, in der Politik, den Verwaltungen, der Justiz, den Schulen, in den Unternehmen und in den Ehen und Familien hat. Und wie jeder Arzt hat auch Gott ‚das Sagen‘ in seiner Praxis. Und wie jeder Arzt hat auch er Assistenten und Helfer. Diese sind die ersten, die ein Patient zu Gesicht bekommt. Seelsorger und Berater dürfen und sollen sich als Assistenten dieses großen Gottes in seiner Praxis hier auf Erden verstehen. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Denn so wird die Herrlichkeit Gottes in dieser Welt sichtbar.

PS: Ich empfehle, vertiefend das Buch ‚Jesus. Eine Weltgeschichte‘ zu lesen. Autor ist Markus Spieker, Journalist und Historiker.