IMPULSE ZU DEN WOCHENLOSUNGEN 2022

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10)

Da ist einer, der will Jesus sehen; ihn nur mal sehen. Warum? – Vielleicht weiß er es selbst nicht. Was erwartet er? Erwartet er etwas – er ist neugierig – er, der Zöllner, der sich mit Geld abgibt und den Zoll für die Besatzer eintreibt? Und er ist alleine, er hat gehört, dass Jesus anders ist als Andere. Das macht Hoffnung, darum will er ihn sehen.

Die vielen Menschen in den Straßen versperren ihm den Weg. Der Mann gibt nicht auf. Er sucht sich einen Ort, an dem er einen Überblick bekommt, einen Ort, der ihn zugleich vor den Blicken der Menschen schützt – einen Baum.

Weiß Jesus von diesem Mann? Haben die Leute über ihn gesprochen? Jesus jedenfalls sieht ihn. Unter der Menschenmenge, die in Jericho zusammengelaufen ist, um Jesus zu sehen, erkennt dieser in Zachäus einen Mann, der ihn wirklich sucht und braucht. Und er will bei ihm zuhause sein. Bei ihm! Bei einem, der viele Leute übers Ohr gehauen hat. Und das heute noch!

Diese Tatsache stellt sein bisheriges Leben auf den Kopf. Plötzlich erkennt er, was wirklich wichtig und richtig ist. Zachäus ist so außer sich vor Freude, dass er anfängt zu teilen. Wo er zu Unrecht etwas erworben hat, will er es von sich aus vierfach zurückgeben (nach damaligem, römischem Recht bei überführtem Diebstahl üblich und nach jüdischem Recht bei Viehdiebstahl). „Heute“ ist in ihm etwas heil geworden. In der Begegnung mit Jesus hat er erfahren, was ihn wirklich reich macht.

Wer in die Nähe von Jesus kommt, der wird sauber, der wird rein, der strahlt wieder, er bekommt den ursprünglichen Glanz zurück.

Und so kann ihn Jesus wieder gebrauchen, er wird Sein Schmuckstück. Wir sollen und dürfen Schmuckstücke von Jesus sein! Und ER will uns gebrauchen zu seiner Ehre und zur Hilfe für die Menschen um uns herum! Und das alles heißt: selig sein, eigentlich gerettet sein, gesund sein, wieder vollständig sein, heil sein.

Und die Leute? Sie reden natürlich. Das ist das Tagesgespräch! Sie sind empört darüber, dass Jesus sich mit so einem abgibt. Bei ihnen hätte er keine Chance des Neuanfangs bekommen – auch „Heute“ nicht. Und bei uns?

Jesus sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe geben. (Matth. 11,28)

Wer sehnt sich nach Erfrischung und nach neuer Kraft?

Viele von uns fühlen sich beladen. Seelsorge kann müde machen. Die Nöte der Anderen und die eigenen zu sehen und dazu noch die Nöte unseres Landes und der Welt, kann unseren Kopf voll und unser Herz schwer machen.

Wenn ich mir den Bibelvers bildhaft vorstelle, denke ich an einen gebeugten Menschen, der sich schwer beladen mit Rucksack auf dem Rücken und zwei Koffern in den Händen zu Jesus schleppt. Dort ist er gerade dabei, die beiden Koffer abzustellen, weil Jesus gesagt hat: „Kommt alle her, die ihr mühselig und beladen seid…“ Er hat der Aufforderung Jesu Folge geleistet. Im 11. Kapitel des Matthäusevangeliums macht Jesus seinen Zuhörern ein großartiges Entlastungsangebot.  Das will gehört und befolgt werden. Das ist Psychohygiene pur! Schlepp deinen ganzen Kram zu Jesus und stelle deine Lasten ab. Was sagt er noch? „Ich will euch erquicken!“ D.h. ich will euch erfrischen, ich will euch Ruhe geben, ich will eure Kraft wieder herstellen.

Für mich war es interessant, den Zusammenhang zu lesen, in welchem Jesus diese Aussage trifft (ab Vers 25). Jesus dankt Gott dafür, dass er seine Weisheit denen enthüllt, die ein kindliches Gemüt haben. Er spricht anschließend davon, wie innig das Verhältnis zwischen ihm und dem Vater ist. Wörtlich sagt er (NLB, V.27): „…Niemand außer dem Vater kennt den Sohn wirklich, und niemand kennt den Vater außer dem Sohn und jenen, denen der Sohn den Vater offenbaren will. Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe schenken.“

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen kindlichen Glauben, der euch in die Arme Jesu treibt. Dort findet Ihr Ruhe, Kraft und Erfrischung.

„Wer Euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (Lukas 10,16a)

Der Bibelvers geht noch weiter. „… Doch wer mich (Jesus) ablehnt, der lehnt auch den ab, der mich gesandt hat (Gott).“ Lukas 10,16b

Ich traue mich einfach mal, den Paralleltext aus dem Johannesevangelium in eine persönliche Form umzuschreiben, damit die Verantwortung aus dem Wochenspruch, genauso wie die Reichweite seiner Verheißung deutlich wird. Er steht in dem Gebet von Jesus, in dem er für bittend für uns bei Gott dem Vater eintritt. Ich formuliere den Text so, als würde die Bitte von Jesus in vollem Umfang von uns gelebt werden, nach Johannes 17,21-23.

„Wir alle sind eins, genauso wie der Vater mit Jesus eins ist. So wie Gott in Jesus ist und Jesus in Gott ist, sind auch wir in uns fest miteinander verbunden. Deshalb glaubt die Welt, dass der Vater Jesus gesandt hat. Deshalb haben wir auch die Herrlichkeit bekommen, die Jesus vom Vater anvertraut bekommen hat, damit wir die gleiche enge Gemeinschaft haben wie Jesus und der Vater. Jesus bleibt in uns, und der Vater bleibt in Jesus. Genauso sind auch wir vollkommen eins. Deshalb erkennt die Welt, dass Gott Jesus gesandt hat und dass Gott uns, seine Jünger, liebt, wie Gott Jesus liebt.“

Eine Einheit bilden, Eins-sein, untereinander, als Geschwister, und auch mit Gott, dem Vater über Jesus Christus, das hat per se einen Kraft, das entwickelt Leuchtkraft, ist ein unübersehbarer Hinweis auf Jesus Christus.

Als ich den Wochenspruch gelesen habe, habe ich instinktiv gedacht: Bitte nicht! Jesus, das kann doch nicht dein Ernst sein! Und vor meinem Gedächtnis standen viele Aussagen und Gesprächsfetzen von mir, bei denen ich mir nicht wünschen würde, dass andere sie als Worte von Jesus hören. Dazu gehören auch Gedanken und Gespräche mit und über meine Geschwister im Glauben.

Und gleichzeitig bin ich total berührt, über die Bereitschaft von Jesus, sich mit mir zu identifizieren. Die hohe Fehlerquote scheint ihn nicht abzuschrecken. Ich weiß nicht, ob ich bereit wäre, jemanden derart zu vertrauen und mich in eine solche Abhängigkeit zu begeben.

Berührt durch dieses Vertrauen, das ich nur als Liebe interpretieren kann, möchte ich die Herrlichkeit Gottes, die er in mein Leben hineingelegt hat, mehr Ausdruck verleihen.

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen“. (2.Korinther 13,13)

Schuld und Vergebung, Glaube und Verzagen, Recht und Unrecht waren die großen Antipoden in der Korinther Gemeinde, die dem Apostel Paulus die ganze Bedürftigkeit der Gemeinde Jesu zeigte. Auch wir stehen immer wieder in diesem Spannungsverhältnis und merken, dass wir uns aus eigener Kraft nicht aus diesen diametral entgegenwirkenden Kräften befreien können. So gesehen hat sich die Bedürftigkeit der Gemeinde Jesu bis heute nicht verändert, vielleicht ist sie sogar noch größer geworden, auf der Suche nach Selbstverwirklichung, Individualität und zunehmender Versachlichung der Spiritualität.

Eines hat sich aber über Generationen hinweg nicht verändert, egal vor welchen ungelösten Konflikten wir gerade stehen oder ob wir von scheinbar unüberwindbaren Beziehungskrisen eingefangen werden: die Allgegenwart Gottes ist dieselbe geblieben und sie wird uns mit der heutigen Wochenlosung so präsent gemacht, dass ihr ganzes Ausmaß in einem einzigen Satz kulminiert. Sie breitet sich aus wie ein Flügel über uns, schützt uns wie ein Schild vor Gefahren und trägt uns wie eine Hand, die uns nicht fallen lässt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus“,

eine unverdiente Zuwendung in jeglicher Not,

die Liebe Gottes“,

die mich bedingungslos annimmt, so wie ich bin und

die Gemeinschaft des Heiligen Geistes“,

die mich nie alleine lässt,

erheben sich wie ein Schirm über unser ganzes Dasein und geben uns eine Zuversicht, die über alle Not hinausträgt.

Was der Paulus hier als Gruß und Schlusswort eines Kapitels an die Korinther schreibt, ist Seelsorge an der ganzen Seele. Er hat der Gemeinde Mut gemacht, ihre Lebensweisen zu prüfen und ihre Wirkungen zu betrachten. Er weiß aber auch um ihre Schwäche und Ohnmacht, die uns an unsere eigene Fehlbarkeit erinnert.

Es gibt Momente im Leben, die muss ich nicht verstehen können. Ebenso wenig muss ich immer einen Rat auf scheinbar unlösbare Probleme für mich oder für andere haben. Was mir aber keiner nehmen kann ist die Zuversicht, die aus der heutigen Wochenlosung hervorgeht. Gnade, Liebe und Gemeinschaft umgeben mich täglich. Sie gehen uns voraus, den Weg zeigend; sie gehen uns nach, wenn wir vom Weg abgekommen sind und sie geben uns eine Geborgenheit, die über alles menschliche Verlangen hinaus unsere tiefsten Sehnsüchte stillt.

Ich wünsche Ihnen diese Erkenntnis für Ihr eigenes Leben und für Ihre Arbeit mit bedürftigen Menschen, dass Gnade, Liebe und Gemeinschaft zu nachhaltigen Veränderungen in unserem Denken und Verhalten führen können.

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen.“ (Sacharja 4,6)

Der Prophet Sacharja kam mit den anderen Verbannten des jüdischen Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft zurück nach Jerusalem. Mit anderen Propheten forderte er auf und machte Mut, auch in aussichtslos erscheinender Lage den Tempel wiederaufzubauen.

Damals noch, als Kyros die Heimkehr erlaubte und den Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels förderte, war das Volk ein armseliger Haufen. Darüber hinaus waren die verbliebenen Bewohner im Heimatland und in Jerusalem alles andere als begeistert. Sie waren feindlich gesinnt und versuchten zu sabotieren. In diese Situation hinein macht Sacharja Mut: „Es soll durch meinen Geist geschehen!“, sagt Gott.

Sacharja schaut nicht nur auf die aktuelle Lebenssituation. Er zeigt einen großen und weiten Blick. Er kündigt den kommenden Messias an. Mit Jesus Christus erfüllte Gott seine durch Sacharja gegebene Verheißung etwa 500 Jahre später.

Als Jesus geboren wurde, war das kein Staatsakt; im Gegenteil, armselig. Und dann noch von den Mächtigen verfolgt; in der Folge eine Flucht bei Nacht und Nebel in’s Exil nach Ägypten.

Als Jesus am Kreuz starb, sah das auch nicht gerade nach einer Machtdemonstration Gottes aus.

Gottes Handeln ist ganz anders als unsere Vorstellung und Vorstellungskraft:

Es war der Hohepriester Kaiphas, der dem Hohen Rat den Tod von Jesus mit den Worten empfahl: „Es ist viel besser für uns, wenn einer für alle stirbt und nicht das ganz Volk umkommt!“ (Johannes 11, 50) Gedacht war es rein menschlich und machtpolitisch. Gott aber handelte gerade dadurch und kommt zu seinem Ziel der Erlösung der Menschen. Er erfüllte in dieser Aussage seine lang zurückliegende Verheißung und gab ihr eine geistliche Bedeutung, die über allem steht.

Als der Hohe Rat Jesus vor den römischen Statthalter Pilatus zur endgültigen Verurteilung zum Tode brachte, zögerte dieser angesichts offensichtlicher Machtspiele. Die Antwort der Massen: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Matthäus 27, 25). Wieder füllte Gott eine menschen- und gottverachtende Forderung mit seinem Geist und wendete sie zum Heil für alle Menschen. Durch das Blut des Sohnes Gottes am Kreuz haben wir Vergebung der Sünde und Frieden mit Gott.

Das erinnert mich an meinen Freund. Er hat mehrere ‚schwarze Gürtel‘ in verschiedenen asiatischen Sportarten zur Selbstverteidigung. Die Kunst besteht darin, die Kraft des Gegners für sich zu nutzen. Gott geht darüber hinaus, denn er hat es nicht nötig sich zu verteidigen. Aber er wendet unsere manches Mal menschlich destruktiven Kräfte durch seinen Geist letztendlich zu unserem Heil.

An Pfingsten feiern wir, dass Jesus uns den Heiligen Geist gesandt hat. Dieser ermahnt uns, tröstet uns und offenbart Gottes Heiligkeit, Macht, Liebe und Barmherzigkeit.

Gott durch-‚kreuzt‘ unser ‚Minus‘ und macht durch seinen Geist daraus ein ‚Plus‘!

„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Johannes 12,32)

„Komm, reich mir Deine Hand, ich helfe Dir, ich ziehe Dich hoch.“ Das ist ein Satz, den ich meiner altgewordenen Mutter sage, wenn ich ihr aus dem Sessel helfe, oder meinem Enkelkind, wenn es irgendwo hinaufklettert und ihn der Mut für die letzte Etappe fehlt. Das ist ein Satz, den ich selber oft gehört habe und, den ich immer dankbar angenommen habe.

Da ist jemand schon angekommen, oder hat es schon geschafft und bietet aus einer Position des Stärkeren die ausgestreckte Hand an. Er wendet eigene Kraft auf, um es für mich leichter zu machen.

Ziehen bedeutet, von etwas weg ziehen, oft gegen einen Widerstand dabei ankämpfend, und sei es nur die Schwerkraft.

Jemanden zu sich ziehen ist ein Ausdruck von großer Nähe. Da will mich jemand bei sich haben. Die ausgestreckte Hand ein starkes Symbol für Gemeinschaft und für ein „Zusammen kriegen wir das hin“.

Der Bibeltext ist ein nachösterlicher Text, der den Weg von Jesus Christus beschreibt. Sein Tod am Kreuz wird angedeutet und auch die Tatsache, dass er die Welt verlässt und zurück zu seinem Vater geht. Am Donnerstag haben wir „Himmelfahrt“ gefeiert.

Aber damit ist noch lange nicht Schluss, Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht, es geht weiter. Jesus geht nicht weg und sagt: „Das war es jetzt, seht zu wie er alleine klar kommt.“ Jesus Christus geht zu seinem Vater und sagt uns, denen, die an ihn glauben, zu, dass er uns zu sich holen wird, ja mehr noch, uns zu sich ziehen wird.

Jesus scheut sozusagen keine Mühen, um uns aus den Verstrickungen und Verhaftungen unseres Lebens in dieser Welt herauszuziehen. Nichts kann uns trennen von seiner Liebe, die in dem Satz am Kreuz: „Es ist vollbracht!“ vollendet wird. Christus hat die Welt besiegt und aus dieser Siegesposition heraus streckt er uns seine Hand entgegen, damit wir teilhaben können an seinem Sieg. Er zieht uns zu sich hin.

Er selbst, Jesus Christus, ist das Ziel. Greifen Sie zu!

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an Erfahrungen in der Kindheit von Annahme und Zurückweisung. Im Grundschulalter haben wir uns oft draußen zum Spielen getroffen. Häufig ging es darum, was wird gespielt und wer darf welche Rolle übernehmen. Dabei sammelten wir wichtige Erfahrungen: Werde ich gehört? Werde ich ernstgenommen? Finden meine Ideen Anklang? Kann ich mich durchsetzen? – Ich erinnere mich: Manchmal brachte ich eine gute Idee ein und sie wurde verworfen. Ein anderes Mal bat ich darum, auch einmal die Führungsrolle beim Spiel übernehmen zu dürfen. Meine Bitte wurde abgewiesen. Zurück blieb ein kleiner Stich im Herzen, der mir zeigte: Du bist nicht so wichtig. Damit musste ich fertig werden. Ja, das war und ist auch heute gut so. Denn auf diese Weise werden wir zu sozialen Wesen geformt.

Immer wieder erleben wir in der Seelsorge Menschen, die den Eindruck haben, Gott hört ihr Gebet nicht. Einmal sagte jemand zu mir: „Ja, andern hilft Gott schon, aber nicht mir.“ Eine Frau hat Gott sogar ein Ultimatum gestellt: Wenn Du bis zum  … (Datum) nicht das und das tust, dann kann ich nicht glauben, dass Du mich hörst und liebst. – Wie sehr wünsche ich mir in diesen Momenten, dass Gott eingreift und diesen Menschen seine Güte zeigt, sein gutes Wesen. – Aber Gott ist Gott und kein Gebetsautomat. Ich selbst werde manchmal auch auf die Geduldsprobe gestellt und ich frage mich: Hat Gott mein Gebet gehört? Wie wird er mir noch darauf antworten?  Ich warte schon so lange. – Im Zweifel versuche ich mich an das zu halten, was die Bibel lehrt, weil sie für mich von sich selbst sagt: „Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig und was er zusagt, das hält er gewiss“. (Psalm 33,4 )Allein im ersten Teil der Psalmen finden wir drei Zusagen, dass Gott Gebet erhört:

Der Herr hört, wenn ich ihn anrufe. Psalm 4,4b

Rufe mich an in der Not, so will ich Dich erretten und Du sollst mich preisen. Psalm 50, 15

Wirf Dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen… Psalm 55,23

Gott verwirft mein Gebet nicht. Mein Anliegen fegt er nicht als unwichtig vom Tisch. Mein Anliegen landet bei ihm, weil ich ihm wichtig bin. – Immer und immer wieder zeigt Gott, wie barmherzig, geduldig und gütig er ist. Die Bibel ist voll von Geschichten mit Menschen, die dies erlebt haben. Ich selbst habe es in den vielen Jahren des Glaubens erlebt: Gott ist ein Gott der Liebe und der Zuwendung. – Menschen können sich aus den verschiedensten Gründen von mir abwenden, aber Gott wendet sich mir zu, wenn ich ihn aufrichtig suche. Darüber freue ich mich und will ihn loben.

Die Frau, die das Gebetsultimatum stellte, kommt weiterhin zur Beratung. Ich wende mich ihr stellvertretend zu und ringe mit ihr um Antworten für ihre Fragen. Ich wünsche ihr einen wichtigen Lernschritt: GOTT ist GOTT. Wenn wir ihn ganz begreifen und beherrschen könnten, wäre er nicht GOTT.  Ich bete darum und will die Hoffnung nicht aufgeben, dass Gott sich ihr ganz persönlich als liebender GOTT und HERR zeigt.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Amen.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Psalm 98,1)

Cantate heißt „singt“. Das ist ein schöner Name für einen Sonntag zwischen Ostern und Pfingsten. Wir erinnern uns daran, wie verzagt die Jünger kurz nach Ostern waren und wie sie durch Jesu Auferstehung froh wurden und gespannt auf das warteten, was nach Jesu Himmelfahrt auf sie zukommen würde. Sie trafen sich zum Beten und zum Gott Loben und ganz bestimmt auch zum Singen.

Singt zu Ehren unseres großen Herrn! Das ist ein Aufruf an uns. Es ist ein Geschenk Gottes, dass Menschen in der Lage sind, viele unterschiedliche Töne hervorzubringen, mit anderen sogar mehrstimmig singen zu können. Wir können Gott mit unserem Gesang ehren, ja wir sind ganzheitlich mit Soma, Pneuma und Psyche beteiligt. Unser Geist und unsere Gefühle werden belebt. Und das erst recht, wenn z. B. Gott wunderbar in unser Leben eingegriffen hat oder wenn sich schwierige Beziehungen ins Gute verkehrt haben, wenn wir die neue, ersehnte Stelle bekommen haben, usw. Dann sind wir erfüllt von Glückseligkeit. Und ganz besonders beglückend ist, wenn wir dabei sein dürfen, dass ein Mensch sein ganzes Leben für Zeit und Ewigkeit Gott anvertraut.

Wie ist es aber, wenn Schweres bei uns einkehrt? Haben wir da noch Lust zu singen? Sagen wir da nicht eher:“ Mir ist heute nicht danach zu Mut!“ In der Apostelgeschichte (Apg. 16, 25-34) gibt es eine Situation, in der schwer gefolterte Menschen mitten in der Nacht anfingen, zu Gott zu beten und ihn zu ehren mit Lobliedern. Und alle Gefangenen hörten zu. Plötzlich kam ein Erdbeben, das Gefängnis erbebte, die Fesseln sprangen von selbst ab, die Türen öffneten sich und alle waren frei. Leichenblaß erschien der Gefängnisaufseher und wollte sich schon das Leben nehmen, weil er Angst hatte, dass die Gefangenen sich davon gemacht hätten. Als er sah, dass alle noch da waren, wurde er offen für die Botschaft des Paulus und ließ sich mit seiner ganzen Familie noch in der Nacht taufen.

Solche Wunder werden wir vielleicht nicht erleben, aber wir erleben auch etwas: Wenn wir Gott loben in Liedern, bleibt für uns immer etwas übrig. Wir werden ermutigt, wir schauen weg von den Problemen hin zu unserem Himmlischen Vater, zu Jesus, unserem Erlöser und lernen auf die leise Stimme des Hl. Geistes zu achten. Über Jahrhunderte hinweg bis heute haben geistliche Menschen Lieder gedichtet und vertont. Wir dürfen aus diesem Schatz schöpfen.

Vielleicht sagt der/die eine oder andere: „Ich kann gar nicht singen!“ Singen lernt man, indem man es tut. Gott hört auch, wenn wir nur 3 Töne herausbringen. Ich bin überzeugt, dass sie im Himmel anders ankommen als in unseren Ohren, wenn sie seinem Lob und seiner Ehre zugedacht sind.

Im Judentum hat die Wiederholung von biblischen Texten einen großen Stellenwert. Ich möchte Lust darauf machen, Lieder, die wir einmal als hilfreich empfanden, auswendig zu lernen, um sie parat zu haben in schwierigen Lebenslagen. Die BTS hat ein sehr schönes Liederbuch mit Texten, die mir und vermutlich auch vielen anderen schon oft geholfen haben, über schwere Situationen hinwegzukommen. Es heißt Heritage- Das goldene Liederbuch. (> https://www.bts-ips.de/shop/heritage/)

Frau Hilde L. Dieterich hat die Lieder gesammelt und herausgegeben. Manchmal gibt es bei mir in der Beratung eine Hausaufgabe, die heißt, bestimmte Liedstrophen auswendig zu lernen. So können Ressourcen erworben werden, um den Unbilden des Lebens Widerstand zu leisten.

Das angegebene Lied für diese Woche heißt übrigens:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön.
Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
Ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Es hat 8 Strophen und wurde von Paul Gerhardt gedichtet.

(Ev. Gesangbuch, S.302)

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor.5, 17)

Bei uns zuhause war so einiges kaputt gegangen: eine Teetasse, eine Plastikklappe im Kühlschrank, die Fernsteuerung für unser Gartenlicht und etliches mehr. Meine Frau fragte mich: „Kannst du das bitte mal reparieren?“ Die Frage war eher eine Bitte, mehr noch: eine Aufforderung.

Die Teetasse und die Plastikklappe zu kleben war kein großer Akt. Aber mein Kommentar an meine Frau: „Sei wirklich vorsichtig mit der Teetasse. Ob sie hält, wenn du sie benutzt, kann ich dir nicht garantieren.“ Ein wenig besser war es mit der Plastikklappe. Aber die hatte ich schon mal geklebt – und nach einem halben Jahr war sie jetzt wieder kaputt. Wieder neu geklebt und mein Kommentar dazu: „Sei vorsichtig, ein drittes Mal wird kleben nicht mehr funktionieren. Dann müssen wir sie wegwerfen und eine neue kaufen.“

Noch schwieriger war es, die Elektronik für die Fernsteuerung des Gartenlichts zu reparieren. Sie war komplett verschmort und stank immer noch. Reparieren hieß: Wegschmeißen und gegen ein neues Bauteil austauschen.

Mir kommt der Gedanke: Was wäre, wenn Gott einfach nur reparieren würde, oder gar wegschmeißen und austauschen??? Wie anders ist doch unser Gott: Er repariert nicht notdürftig mit ein wenig Kleber oder schmeißt weg und tauscht aus. Er schafft neu! Durch seinen Sohn Jesus Christus. Dafür ist sein Sohn in diese Welt gekommen: Wirklich aus alt und kaputt ganz neu zu machen.

Ich werde an das Gespräch von Jesus mit dem theologischen Gelehrten der damaligen Zeit, Nikodemus erinnert (Johannesevangelium, Kapitel 3): „Ich versichere dir“, sagte Jesus, „wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht einmal sehen.“ Was wir brauchen, ist weder eine Reparatur, schon gar nicht ein Austausch. Es geht um eine komplett neue Geburt von uns und in uns. Genau das schenkt Gott durch seinen Sohn Jesus Christus. Davon spricht Paulus.

Ich muss an die Geburt unserer Kinder denken. Bei der Geburt waren so manche Geburtshelfer dabei: Hebammen und Ärzte. Und ich muss dran denken, wer alles bei mir Geburtshelfer war, damit dieses neue Leben in mir seinen Anfang nahm, von dem Paulus spricht: Meine Eltern, Mitarbeiter in der Sonntagsschule (Kindergottesdienst), Jungscharleiter (Pfadfinder), ein Pastor und Freund meines Vaters, und viele mehr.

Halten Sie inne, schließen Sie die Augen, erinnern Sie sich: Wer waren ihre Geburtshelfer für das neue Leben, das Jesus schenkt und von dem Paulus spricht? Danken sie Gott zuerst für Jesus und dann auch für die Geburtshelfer in ihrem Leben. Oder kennen Sie dieses neue Leben noch nicht? Dann bitten Sie Gott, dass er ihnen dieses neue Leben durch seinen Sohn Jesus Christus schenkt. Das ist die Bitte, die Gott am liebsten erhört, nämlich immer!

Wenn Sie Gott jetzt für ihr neues Leben wieder einmal gedankt haben und für ihre Geburtshelfer, dann bitten Sie ihn doch, dass sie selbst Geburtshelfer zum neuen Leben in Jesus Christus für andere Menschen werden. Denn auch dafür schenkt er Ihnen und mir dieses neue Leben, das bis in die Ewigkeit reicht. Dann ist der Tod hier auf dieser Erde die Tür zur „Vollendung“ des neuen Lebens.

Christus spricht: ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe Ihnen das ewige Leben. (Johannes 10,11a. 27-28a)

Bevor Sie weiterlesen:

  • Nehmen Sie einen Stift und ein Blatt Papier zur Hand und halten Sie diese bereit.
  • Lesen Sie nochmals langsam die Wochenlosung.
  • Dann schließen Sie bitte die Augen und fangen Sie an zu träumen.
  • Welche Bilder kommen Ihnen? Was sehen sie vor Ihren inneren Augen?
  • Schreiben Sie auf, welche Bilder ihnen gekommen sind. Oder malen Sie sie.

Vielen Menschen kommen romantische Bilder in den Sinn mit einer grünen Wiese in leicht hügeliger Landschaft, ein paar Wiesenblumen, einem plätschernden Bach, sanft ruhenden wie auch grasenden Schafen, ein paar schattenspendenden Bäumen, Sonnenschein und Schäfchenwolken am Himmel und natürlich ein Hirte, der sich auf seinen Stab stützt und versonnen auf seine Schafe blickt.

Ging ihnen das auch so? Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber es ist nur ein Teil der Realität, ein Teil der Wahrheit.

Gleich im ersten Satz der Wochenlosung stolpere ich über das Adjektiv „gut“. Ganz offensichtlich gibt es auch andere Hirten, die es nicht gut meinen. Was zeichnet dann einen „guten“ Hirten aus? Die Antwort gibt uns Jesus selbst:

Nehmen Sie doch dazu ihre Bibel zur Hand und lesen Sie das Kapitel 10 des Johannes-Evangeliums von Vers 1 bis Vers 30 und achten Sie besonders auf den zweiten Teil des Verses 11. Denn dort lesen Sie: „… Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“

Hirtesein ist nicht nur ein romantisches Bild der Fürsorge, sondern auch eines für Verantwortung und Opferbereitschaft. Ein guter Hirte schont sich nicht selbst. Jesus, der gute Hirte, gab sein Leben für die Schafe.

Und was kennzeichnet Schafe? Sie grasen und ruhen und laufen und laufen und laufen … immer wieder weg, nur der Nase nach und dem grünen Futter hinterher. Wenn Jesus sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme … und sie folgen mir.“, ist das auch nur ein Teil der Realität. Das ist Aussage und zugleich aber auch eine Aufforderung an die Schafe, also an uns: Hören! Und Gehorchen!!

Die Frage, die sich anschließt, ist: Kennen wir wirklich die Stimme Jesu? Hören wir wirklich auf sie?

Um die Stimme unseres guten Hirten von den vielen Stimmen mit Heilsversprechen in dieser Welt unterscheiden zu können, müssen wir unsere Ohren trainieren. Für mich heißt das, nicht nur Auszüge aus seinem Wort zu lesen, nicht nur einzelne Verse oder halbierte Verse, sondern immer wieder sein ganzes Wort. Von vorne bis hinten. Heute zumindest das ganze Kapitel, in dem die Wochenlosung steht.

In der Nachfolge Jesu gehört auch zur ganzen Wahrheit, dass wir nicht nur das – hoffentlich hörende und folgsame – Schaf sind, sondern dass er uns auch in den Hirtendienst beruft. Quasi als Unterhirten. Mit Ohren und Herz stets bei unserem guten Oberhirten. Und mit Tatkraft, „Stecken und Stab“ (siehe Psalm 23) bei den Menschen, die uns der Oberhirte anvertraut.

Dass wir uns dann nicht nur als irgendwelche Hirten, sondern auch als bevollmächtigte gute Unterhirten erweisen, dazu gebe der gute Oberhirte Ihnen und mir seinen Segen.

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1. Petrus 1,3)

„Wer bist Du?“ – „Ich bin wiedergeboren, auf eine lebendige Hoffnung hin!“

Natürlich, das habe ich auch schon vorher gewusst. Aber so auf den Punkt gebracht, merke ich, wie identitätsstiftend dieser Satz ist.

Ich bin nicht nur wiedergeboren, sondern habe auch eine neue Ausrichtung für mein Leben bekommen, meine Wiedergeburt, mein neues Leben wird bestimmt von der „lebendigen Hoffnung“.

Ich habe mir von 833 angezeigten Synonymen zu „lebendig“ einige herausgesucht, die mir in Bezug auf Hoffnung besonders gefallen haben: geheilt, vehement, dynamisch, unverbraucht, greifbar, wirklichkeitsnah und aussagekräftig.

Auch wenn Hoffnung auf die Zukunft gerichtet ist, kommt sie mir sozusagen aus der Zukunft entgegen, und erfüllt meine Gegenwart mit genau den Eigenschaften, die ihr zu eigen sind.

Ich lebe mein Leben hier und jetzt, aber ich habe im Gepäck diese „lebendige Hoffnung“. Sie geht mir voran. Gott gibt mir eine Sicherheit mit auf den Weg, eine Stärkung, eine Zuflucht und einen Trost.

Seit Ostern, seit meiner Entscheidung für ein Leben mit Jesus Christus, gehört die „lebendige Hoffnung“ zu meiner Identität. Ich bin eine Hoffnungsträgerin.

Natürlich gelingt es mir nicht immer als Hoffnungsträgerin zu leben, aber ich bin es trotzdem, durch Jesus Christus. Und ganz ehrlich: Ich möchte auch gar nichts anderes sein.

Wir kennen die Kraft von Einreden, von inneren Dialogen, die oft negativen Charakter haben und unser Leben entsprechend prägen. Die sind aufgehoben, durch die Erlösungstat von Jesus Christus.

Lassen Sie sich von Gott zusprechen, wer sie sind. Geben Sie sich jeden Morgen die richtige Ausrichtung für den Tag und beantworten Sie die Frage: „Wer bin ich?“, mit der klaren Antwort:

„Ich bin wiedergeboren, auf eine lebendige Hoffnung hin.“

„Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1,18)

Wenn’s nicht gut aussieht…- JESUS LEBT!

Du siehst, wie die Zeiten schlechter, teurerer, unsicherer werden. Trotzdem gilt: JESUS LEBT! Du bist auf der Seite des Siegers, wenn Du an Jesus glaubst!

Der 1. Karfreitagabend: Die Jünger sind „am Boden zerstört“- Ihr HERR und Meister ist tot. Es sieht nicht gut aus für sie!

Johannes, der Jünger, ist auf die Insel Patmos verbannt worden: Es sieht nicht gut aus für ihn! Doch dann hat er diese Offenbarung. Jesus selbst offenbart sich ihm. Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)

JESUS LEBT. Er zeigt sich den Jüngern als der Lebendige – damals und heute auch.

Seine Auferstehung ist das Zeichen des Siegs über den Tod. Der Tod konnte Jesus nichts anhaben. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Wir Menschen wissen um unsere Endlichkeit. Wir haben Angst vor dem Sterben und den Tod. Was tun wir alles, um lebendig zu bleiben oder dafür, uns gar nicht mit diesem Thema zu beschäftigen. Wir wollen leben. Doch eins ist sicher: Wir werden sterben. Die Bibel lehrt (Römer 6,23/5,12) Der Lohn der Sünde ist der Tod. Jesus ist der einzige, der sündlos war. Weil Jesus dem Feind nicht durch irgendeine Sünde ein Recht auf sich gegeben hatte, hatte der Feind mit Tod und Hölle auch keine Macht über ihn. Jesus, unser Herr, ist stärker als der Tod. Deshalb findet die Gemeinschaft, die er schenkt, nicht am Tod ihre Grenze. „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben… uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist“. (Römer 8, 38.39) Der Tod wird uns nicht erspart, aber Jesus hat die Schlüssel der Hölle und des Todes und er schließt für uns auf. Der Tod ist ein Durchgang, ein dünner Vorhang, durch den wir hindurch treten. Dann sind wir für immer bei ihm.

Die Gruppe „Outbreakband“ besingt dies so: „Die Ewigkeit ist mein Zuhause. Du hast sie mir ins Herz gelegt. Auch wenn ich sterben werde, weiß ich, dass meine Seele ewig lebt. Und diese Hoffnung wird mich tragen, bis ich dir gegenüber steh.“ Hier ist der Link zum Lied: https://www.youtube.com/watch?v=GT2O5Ax6t90

Mit dieser Hoffnung im Herzen lässt es sich leben. Mit dieser Hoffnung wollen wir an Ostern Jesu Sieg über den Tod feiern.

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Johannes“3,14b+15)

Die Begebenheit, auf die Johannes in unserem Vers anspielt, finden wir in 4.Mose 21. Nachdem das Volk Israel in der Wüste wieder einmal unzufrieden war und Gott und Mose Vorwürfe machten, sie zum Sterben in die Wüste geführt zu haben, sandte Gott zur Strafe feurige Schlangen unter das Volk. Diese Schlangenbisse waren tödlich und so starben viele Menschen daran. Schnell erkannten sie den Zusammenhang zwischen diesen Schlangenbissen und ihrer Sünde und baten Mose, dass er Gott um Hilfe bitten solle.

Und Gott nahm die Schlangen nicht einfach weg, sondern gab Mose den Auftrag, eine eherne Schlange herzustellen und an einem Stab so zu befestigen, dass sie im Lager weithin sichtbar war. Und er versprach, dass die Menschen am Leben bleiben sollten, wenn sie zu der ehernen Schlange blickten, nachdem sie von einer Schlange gebissen worden waren.

Wir lesen, dass dadurch viele Menschen gerettet wurden. Sicher wurden sie nicht durch die eherne Schlange an sich gerettet, sondern durch Gottes Gnade. Die Begebenheit war ein Vorbild für ein späteres Ereignis, das auch die Menschheit vom Tod, aber vom ewigen Tod, retten sollte.

Viele Jahrtausende Jahre später wurde Gottes Sohn, Jesus Christus ans Kreuz geschlagen und somit erhöht. Er nahm die Position der Schlange in unserem Bild ein. Die Schlange ist in der Bibel meistens ein Bild für Sünde und das Böse. Und unser Herr wurde für uns zur Sünde gemacht; auf Ihm lag die Schuld der ganzen Welt. Und wie in der Geschichte von Israel gilt auch jetzt: Wer im Glauben auf diesen erhöhten Christus schaut, der wird gerettet, der bekommt ewiges Leben.

Ich vermute, dass die Israeliten sich über die einfache Methode wunderten, die sie heilen sollte. Einfach nur auf die Schlange schauen?? Kein Gegengift einnehmen oder eine Salbe auftragen? Es war einfach, aber sie mussten es tun. Wem es zu „unwissenschaftlich“ war, seinen Schlangenbiss auf diese Art heilen zu lassen, starb weiterhin an den Folgen.

Genauso ist es mit dem Evangelium. Für viele Menschen ist die Botschaft zu einfach. Sie würden gern kompliziertere Methoden gebrauchen, um heil zu werden. Auch wenn es für unseren Herrn alles andere als ein einfacher Weg war, so ist doch der Glaube an sein Werk am Kreuz immer noch der einzige und einfache Weg zur Errettung. Für viele zu einfach….

„O Herr, was du erduldet, ist alles meine Last;
Ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast.
Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat.
Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad!“

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“   (Matthäus 20,28)

Auf dem Weg nach Jerusalem sind Jesus und seine Jünger unterwegs. Vielleicht erzählen die Jünger von ihren letzten Erfahrungen, wem sie begegnet sind, was sie beeindruckt und was sie gesehen hatten, was sie traurig gemacht hatte und was sie hinter sich gelassen hatten. Vielleicht beschäftigten sie sich so sehr mit ihren eigenen Eindrücken, Erlebnissen und mit ihren Emotionen, dass es ihnen schwer fiel zu hören bzw. zu verstehen was Jesus gesagt hatte. Auch Jesus erzählt zum dritten Mal von seinem Leid, das Ihn in Jerusalem erwartet.

An den Rand gedrängt

Sind die Jünger in ihrer tiefsten Betrübnis hängengeblieben als Jesus zum zweiten Mal über seine Auslieferung in die Hände der Menschen erzählte? Vielleicht dachten sie wie Petrus es zuvor dachte als Jesus das erste Mal sein Leid und Tod erklärte, dass Gott Ihn bewahre, dass es ihm nicht widerfahren wird. Jesus bereitet sie vor. Die himmlische Verurteilung wird auf Ihn fallen. Und jetzt als sie kurz vor in Jerusalem ankamen, betonte Jesus seine Verurteilung zum Tode, die Verspottung, die Geißeln, die Kreuzigung die Er, der Sohn des lebendigen Gottes als Strafe für unsere Missetateten verbüßen musste.

Ob die Jünger die Tragik in Jesus Vorhersage jetzt begreifen werden? Es ist als der Blick auf ihren eigenen menschlichen Ruhm ihren Herzen verschließt. Waren die Söhne des Zebedäus an den Halte-Punkt vorbei gegangen und nur auf ihrem eigenen Ziel fokussiert? Hatten sie gedacht, dass Jesus sie besonders liebhatte, weil sie ihm gehorchten? Was bewegte sie, wenn sie den Wunsch geäußert hatten, ganz nah, ganz eng zusammen mit Jesus in seinem Himmelreich Platz zu nehmen? Ob es uns auch manchmal so geht, dass es uns schwer fällt auf das Gesagte zu hören?

Gib das Purpur auf!

In dem Text lesen wir, dass Jesus seine Freunde ganz nah zu sich rief als er die Konflikte und die Missverständnisse zwischen ihnen spürte, als er das abschätzige Verhalten unter ihnen sah. Konnte es sein, dass Jesus seine Freunde mehr denn je brauchte? Er appellierte an ihr Wissen.  Die Mächtigen zeigen sich in ihre purpurne Toga, die Mächtigen beehren sich, die Mächtigen streben nach höheren Sitzen, die Mächtigen wollen untergeordnete Diener besitzen

Wendepunkt

Es ist, als ob Jesus ohne Verurteilung ihrer Überheblichkeit und ihr Begehren ihnen die Schlüssel ins Herz gibt, wenn er ihre Gedanken richtigstellt. Er leitet sie zu der Einsicht: „Ihr habt erkannt wer ich bin, ihr habt gesehen, wie ich mit euch lebe, ihr habt meine Demut, Barmherzigkeit, Erniedrigung, Knechtschaft, Vergebung bezeugt. Bald, sehr bald werdet ihr durch mein Blut von der ewigen Verdammnis freigekauft. Ich habe euch gerne gedient, baut einander auf, vertragt euch, vergebe dir Selbst und den Anderen, dient einander mit den Begabungen, die ich euch geschenkt habe, so werdet ihr groß werden.“

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“  (Johannes 12, 24.)

Jesus Christus stirbt, damit VIELE (auch ich) leben werden.

Das ist die primäre Aussage des Textes. Der Einzug in Jerusalem liegt hinter Jesus, und sein Kreuzestod steht ihm deutlich vor Augen – mit allen Ängsten und Folgen. An dieser Stelle möchte ich zunächst innehalten, um diese liebevolle und selbstlose Tat von Jesus Christus auf mich wirken zu lassen. Hier kann ich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, Jesus Christus stirbt für mich, damit ich mit ihm auferstehen und leben kann!!!

Sterben ist etwas, was kaum jemand anstrebt. Die meisten Menschen tun sehr viele dafür, dass sie leben, lange leben und ein gutes Leben haben. Das ist auch grundsätzlich normal. Dennoch fordert uns Jesus auf, es ihm nachzutun. Wir sollen unser Leben in dieser Welt geringachten, damit wir ewiges Leben erhalten können.

Jesus unterscheidet zwei Leben: unser Leben in dieser Welt und unser geistliches Leben. Jesus musste auch sein leibliches Leben hingeben, stellvertretend für uns, damit ein ganz neues Leben für viele entstehen konnte – deshalb erhalten wir ewiges Leben durch Glauben, durch eine Entscheidung, Jesus nachzufolgen.

Was aber heißt, Jesus im Sterben zu folgen, damit durch mein neues Leben Frucht entsteht und Gott mich für diesen Schritt ehrt (Vers 26)? „Jesus nachfolgen und ihm dienen“ sind zwei Faktoren, die der Text nennt. Wenn ich jemandem nachfolge und ihm diene, lasse ich mein Eigenes hinter mir und orientiere mich an den Werten, Zielen und Bedürfnissen des anderen.

Natürlich bin ich dankbar, dass ich in der Regel nicht mein leibliches Leben geben muss. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nachfolge dennoch ein tiefgreifendes Erleben ist, ein Sterben meines eigenen Denken und Fühlens, das ich bisher für wahr gehalten habe, weil sie meinen Erfahrungen und Gewordensein entsprechen. Was ich gelernt habe, wie meine Neuronen im Gehirn verschaltet sind, macht mich als Person aus. Und hier hakt der Bibeltext ein.

Der Hirnforscher, Manfred Spitzer, hat den steilen Satz geprägt: „Wir sind unser Gehirn!“ Wenn das wahr ist, dann bedeutet Nachfolge, durch neues Danke und Fühlen ein neues Gehirn zu prägen, ein Gehirn, das sich an Jesus Christus orientiert. So kann „Einswerdung“ mit Jesus Christus geschehen.

Diese grundsätzliche Veränderung durch Nachfolge, ist wie ein eigenes Sterben. Es entsteht eine neue Qualität meines Lebens, und so entsteht auch Frucht. Es geht nicht ohne Sterben.

Auch, wenn Sterben immer mit Ängsten verbunden ist, und das ist auch beim Sterben unseres Denkens und Fühlens nicht anders, dürfen wir uns das neue Leben ganz bildlich vorstellen und die Bibel ist da sehr konkret (z.B. das Liebesgebot; Johannes 15).

Neues, besseres Denken von Jesus Christus zu lernen ist ein Geschenk, ein Geschenk seiner Liebe zu uns, begründet in seinem Sterben.

Lassen sie sich begeistern und überraschen von ihrem ganz persönlichen neuen Leben in Jesus Christus!

„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Luk, 9,62)

Manchmal erschrecke ich über meine Kurzsichtigkeit. Meine Perspektive ist sehr begrenzt. Jesus stellt mich mit meiner Kurzsichtigkeit in Frage. Er will meinen Blick weiten für den Weg, den er mit mir gehen will, sein Ziel: „du sollst geschickt werden für das Reich Gottes. Du sollst vom Ziel her das Wesentliche anstreben, in meiner Spur bleiben. Du sollst Dich ausrichten nach meiner Stimme“.

„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück….Nachfolgen heißt, nicht mal kurzfristig begeistert sein. Nachfolge heißt, den Herausforderungen tapfer ins Auge sehen; und über den Herausforderungen das lohnende Ziel nicht aus den Augen verlieren.

„Lass Dich nicht abbringen von der Nachfolge“, sagt Jesus; „sei gehorsam und geh treu hinter mir her. Es wird manches Ungewisse, manche Unannehmlichkeiten, manchen Verzicht erfordern. Du wirst Deine Abhängigkeiten loslassen müssen. Ist es dir das wert?“

Jesus verführt mich nicht, er zeigt mir die Konsequenzen meines Tuns auf: Nachfolge ist nicht easy. Aber Nachfolge macht das Leben zielsicher. Es weitet meine Kurzsichtigkeit. Ich lebe nicht in den Tag hinein, ich lerne aushalten, lerne Vorläufiges vom Wesentlichen zu unterscheiden, ich falle nicht mehr so leicht auf die Schmeicheleien der Menschen herein. Denn was hilft es, wenn ich die ganze Welt gewinne….Das ist gerade meine Dünnstelle. Ich hätte so gern, dass mich die Menschen bejahen. Aber ich folge dem nach, dessen Weg in das „Verworfensein von Menschen“ führt. Bin ich dann noch bereit, hinter her zu gehen? „Ich bin entschieden zu folgen Jesus“, so bekannte es Sadhu Sundar Singh. So will ich es auch tun.

„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“ (Römer 5,8)

Warum Menschen (nicht) in Frieden leben können

Paulus schreibt im Zusammenhang vom Wochenspruch an die Christen in Rom (V.6): „Christus kam zu einer Zeit, als wir der Sünde noch hilflos ausgeliefert waren und er starb für uns, die wir ohne Gott lebten“. Was heißt das „der Sünde ausgeliefert zu sein“ und „gottlos zu leben“. Wie kann ich diese Begriffe einem Menschen erklären, der nicht christlich sozialisiert ist (und mir vielleicht als Ratsuchender in der Seelsorge gegenübersitzt)?

Der Mensch ohne Gott denkt zuerst an sich selbst. Die Basis seiner Entscheidung trifft er zumeist auf dem Hintergrund der Frage: Was ist für mich gut? Fokussiert auf seine Bedürfniserfüllung sieht er die längerfristigen Konsequenzen seines Handelns nicht oder nimmt die Nachteile, die es für andere mit sich bringt, billigend in Kauf. Wenn ich gottlos lebe, bin ich nur mir selbst verantwortlich. Sünde heißt im Ursprung „das Ziel verfehlen/am Ziel vorbei“ und meint an Gott vorbeizuleben. Paulus beschreibt Sünde wie eine Macht bzw. wie eine Dynamik, die uns von Gott wegzieht. Das Gegenteil von einem gottlosen Leben wäre: In Beziehung zu Gott zu leben, ihn als oberste Instanz zu sehen, der ich mich unterordne und der ich Rechenschaft schuldig bin.

Paulus schreibt weiter (V.7/8): „Selbst für einen guten Menschen würde kaum jemand sterben, am ehesten noch für einen herausragenden Menschen. Gott dagegen beweist uns seine große Liebe dadurch, dass er Christus sandte, damit dieser für uns sterben sollte, als wir noch Sünder waren.“

Obwohl wir Menschen dazu neigen, uns um uns selbst zu kreisen und damit viel Not auslösen, liebt uns Gott. Obwohl wir dazu neigen, an ihm vorbeizuleben, liebt er uns. Er sandte seinen Sohn Jesus Christus, der uns durch sein selbstloses Opfer, Versöhnung anbietet. Stellvertretend stirbt er den Tod, der als Strafe auf ein gottloses Leben folgt. Paulus erklärt (V.9/10a):

„Und da wir durch das Blut von Christus in Gottes Augen gerecht gesprochen worden sind, ist sicher, dass Christus uns vor dem Gericht Gottes bewahren wird. Wir sind ja durch den Tod seines Sohnes mit Gott versöhnt worden als wir noch seine Feinde waren. Dann werden wir erst recht jetzt, wo wir seine Freunde geworden sind, durch das Leben von Christus gerettet werden. So freuen wir uns nun darüber, dass wir wieder eine Beziehung zu Gott haben – weil Jesus Christus, unser Herr, uns mit Gott versöhnt hat (Neues Leben Bibel Römer 5, 6- 11).

Gottes Vorschuss – Liebe ermöglicht dem Menschen, mit Gott in Beziehung zu kommen und zu bleiben. Seine Liebe befähigt uns zur Vorschuss-Liebe, die Beziehungen zu anderen Menschen und damit Frieden gelingen lässt.

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1. Johannes 3,8b)

Als der Sohn Gottes als Baby erschien, brachten ihm die Hirten Lobpreis. Als der Sohn Gottes erschien, brachten ihm die Weisen aus dem Morgenland Gold, Weihrauch und Myrrhe. Als der Sohn Gottes erschien, breiteten ihm viele ihre Kleider und grüne Zweige auf dem Weg aus und lobten Ihn. Als der Sohn Gottes erschien wurden Menschen zu Ihm gezogen und sie erlebten Trost, Wunder, Akzeptanz, Vergebung. Als der Sohn Gottes erschien, trat YAHWE sichtbar in die dunkle Welt.

Der Feind, der hochmütige Teufel, der mächtige Verklagte der Vertrauten Jesu hatte sein finsteres Bollwerk errichtet. Wir können uns fragen was dort zu finden ist? Was wir dort tun? Welche Erwartungen haben wir dort? Was tut uns gut dort zu verweilen? Vielleicht läuft vor unserem inneren Auge ein schon ein bekannter quälender Film in Endlosschleife? Könnte es sein, dass wir uns auf nachhaltige toxische Gewohnheiten einlassen, die unser bekanntes Muster hervorbringen?  Vielleicht sind automatische Verhaltensweisen, verinnerlichte Emotionen, die unseren Blick auf dem Boden lenken lassen?  Vielleicht versuchen wir mit unserer menschlichen Kraft und zerbrechlichen Willen die hohe, starke Mauer zu überwinden, um an die Quelle des Lichtes zu kommen.

Der Sohn Gottes ist erschienen, um den Durcheinanderwerfer unseres Lebens, den Bezwinger der Völker, der Unkraut unter den Weizen sät, den lügnerischen Verführer, den Ankläger der Menschen zu zerstören. Was in der unbeschreiblichen Grausamkeit des Horror Szenarios im Himmelreich geschieht, bleibt unsere Vorstellung verborgen. Wir können uns auf Gotteswort verlassen mit der Gewissheit, dass wir uns auf der Seite des sieggekrönten Sohn Gottes befinden. Als der Sohn Gottes am Kreuz starb, hat Er uns von Sünde, Tod, Teufel befreit und in das Licht des Reiches Gottes versetzt. Als Jesus am Kreuz starb, wurde der Hauptmann und die mit ihm waren überzeugt: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!“

Ob wir uns in der Aktivität unseres Tages bewusst werden, wie wir dem Sohn Gottes begegnen, in seiner Nähe leben, wie all die Erfahrungen, Gedanken, Emotionen die wir durchleben uns mit Ihm verbinden? Während all unserer Tätigkeit Gott Lob bringen, vor Ihm Gold, Weihrauch, Myrrhe legen, unsere Kleider, grüne Zweige bereiten. In seinem  ‚unterwegs sein‘, in seinem ‚stehen bleiben‘, in seinem ‚am Tisch mit den Sündern sitzen‘, in seiner Präsenz in dem Tempel, ist Immanuel erschienen.

„Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“ (Lukas 18,31)

Lukas, der Evangelist, schreibt sein Evangelium als Historiker. Das teilt er uns in seiner Einleitung mit und deshalb ist es ihm wichtig, seinen Bericht auf Fakten zu begründen. Dazu gehören Orte und Zeiten. Immer wieder lesen wir bei Lukas, an welchem Ort sich Jesus befindet, welche Reiseroute er benutzt und wo welche Reden gehalten werden.

Lukas verwendet einen großen Teil seines Berichtes auf die Passionswoche. Das ist der Höhepunkt des Dienstes des Herrn Jesus auf der Erde. In unserem Vers sagt der Herr seinen Jüngern, dass sie auf dem Weg nach Jerusalem sind mit allen dazugehörigen Folgen. Wir lesen im folgenden Abschnitt, dass die Jünger nicht verstanden, was er sagte. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen und begriffen nicht, dass ihr Herr sterben würde. Es passte nicht in das Bild und in ihr Erleben von all den Wundertaten, die er im Laufe der Monate bewirkt hatte. Später verstanden sie, dass alles Teil des Plans war, den Gott von Anfang an durchführen wollte.

Die Juden kannten das Alte Testament sehr gut. Darin finden wir 330 Prophezeiungen auf den leidenden Messias, die sich wortwörtlich erfüllt haben. Beispielsweise der Abschnitt in Jesaja 53, in dem 700 Jahre vor dem Sterben Jesu Worte aufgeschrieben wurden, die genau eintrafen. Jesus wird hier beschrieben als das Opferlamm, das sich stumm zur Schlachtbank führen ließ. Er trug stellvertretend unsere Sünden und wurde nach seinem Tod in das Grab eines Reichen gelegt (Joseph von Arimathia). Ein weiteres, sehr deutliches Beispiel ist Psalm 22, ein Psalm von David. Dort wird detailliert die Kreuzigung beschrieben, obwohl zur Zeit Davids diese Hinrichtungsmethode noch nicht bekannt war. Formulierungen wie „Hände und Füße durchgraben“, „Kleider zerteilt und verlost“, „Gebeine zertrennt“, „Schweiß und Durst“, „Licht und Finsternis“, „Spott und Schmach“ finden wir alle bei der Kreuzigung des Herrn erfüllt. In dem Buch von Roger Liebi „Erfüllte Prophetie“ haben wir eine Gegenüberstellung der Alttestamentlichen Prophezeiungen und der Erfüllungen im Messias, in Jesus Christus. Und im „Messias“ von Händel finden wir drei zusammengehörige Teile: die alttestamentlichen Prophezeiungen, das Leben Jesu und seine Auferstehung.

Das alles soll uns in unserem Glauben bestärken: Wir glauben nicht an eine tote Religion, oder an eine Idee, die ein früherer Mensch in verändertem Bewusstseinszustand empfing. Nein, unser Glaube gründet sich auf Fakten und historischen Ereignissen.  Wir glauben an einen Gott der Geschichte, der, „als die Fülle der Zeit kam, seinen Sohn sandte“ (Galater 4,4).

Wenn wir uns an die Passion von Jesus erinnern, so wollen wir daran denken, dass unser Herr aus Liebe zu seinem Vater und zu uns einen wunderbaren Rettungsplan erfüllte.

„Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn, muss uns die Freiheit kommen.

Dein Kerker ist der Gnadenthron, die Freistatt aller Frommen.

Und gingst du nicht die Knechtschaft ein, müsst unsre Knechtschaft ewig sein.“

(aus der Johannes-Passion von Bach)

„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3,15)

Das ist doch unvorstellbar – oder?

Ich höre heute, in meine ganz persönliche Situation hineingesprochen, das Reden Gottes und, ich mache mein Herz dicht, bleibe uneinsichtig, trotzig und dickköpfig, bei mir, bei meinen Gedanken, bei meinen Vorstellungen, auf meinen Wegen.

Unvorstellbar, oder – oder doch nicht?

Der Vers 13 spricht davon, sich durch den „Betrug der Sünde“ verstocken zu lassen. Das heißt doch, ich kann der Sünde auf den Leim gehe, möglicherweise so stark, dass ich ihr mehr glaube als Gott, ja, dass die Sünde mir vorgaukelt, Gottes Reden zu sein.

„Das will ich nicht!“ – „So ist Gott nicht!“ – „Das kann ich nicht verstehen!“ Sätze, die bestimmt jeder von uns schon einmal gedacht hat, um dann in der jeweiligen Situation eher auf sich zu vertrauen, den eigenen Lösungen. Und je plausibler mir der eingeschlagene Weg erscheint, je mehr er mich überzeugt, umso weniger bin ich bereit auf andere zu hören und eben auch nicht auf Gott.

„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, öffnet euer Herz und seid bereit.“ So könnte der Bibelvers positiv umformuliert werden. Es ist ein Werben um Vertrauen und Gehorsam. Gott will uns durch sein Reden, seine Gedanken und Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Gedanken und Möglichkeiten, die oft jenseits unsers Vorstellungsvermögens sind und deshalb manchmal unbequem zu hören sind.

Gottes Stimme hören zu dürfen ist ein Privileg, ein Sonderrecht, das Gott seinen Kindern gewährt. Gott redet zu uns, weil wir es ihm wert sind, weil er etwas zu sagen hat, weil Gott mein Leben und das dieser Welt mitgestaltet, weil er ein präsenter Gott ist.

Wenn wir seine Stimme hören, Gott sich für uns hörbar macht, dann stehen wir vor einer Entscheidung: Wem will ich vertrauen? Welcher Stimme will ich nachgehen? Durch welches Reden lasse ich mich in meinem Tun leiten?

Vertraue ich mir? Lasse ich mich leiten durch die Sünde? Oder höre ich auf Gottes Stimme.

Bleiben Sie wachsam, hören Sie auf Gottes Stimme, heute!

„Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ (Daniel 9,18)

 Mit welcher Haltung treten wir vor Gott?

Im Normalfall ist unser Christsein durchwoben von dem, was uns geprägt hat. Durch Erfahrungen, die wir gesammelt haben, sind bestimmte Überzeugungen entstanden, die unser Verhalten und unsere Haltung bestimmen, z.B. „Wenn du gut angesehen werden willst, musst du auch etwas dafür tun.“ oder „Wenn du etwas von einer anderen Person willst, dann tue etwas für Sie.“

So verständlich es ist, dass wir solche Überzeugungen unreflektiert auf Gott übertragen, so wichtig ist es, uns in dieser Hinsicht zu reflektieren. Gott braucht uns nicht. Er ist weder auf  unsere Leistung noch auf unser Wohlverhalten angewiesen. Der Wochenspruch führt es uns vor Augen. Wir haben nichts vorzuweisen, was uns vor Gott gerecht dastehen lässt. Deshalb möchte ich nochmals betonen: Das Denken, das wir erworben haben, können wir nicht auf die Gottesbeziehung übertragen. Wir treffen allerdings in der Seelsorge häufig auf dieses Übertragungsphänomen. Es ist hilfreich, wenn wir als Seelsorger regelmäßig im Wort Gottes lesen und Predigten hören, die uns zeigen, wie Gott wirklich ist. Es ist unsere Aufgabe, unseren Ratsuchenden, diesen barmherzigen Gott vor Augen zu führen und sie zum Lesen der Bibel einzuladen, damit sie selbst erkennen, wie Gott ist und wie sehr er sie liebt, trotz allem was sie getan haben.

Die Grundlage für dieses seelsorgerliche Handeln, ist unsere eigene Gottesbeziehung Er wendet sich uns in seinem Sohn Jesus Christus gnädig zu. Jesus bezahlt mit seinem Tod am Kreuz für die Schuld aller Menschen. Wenn wir glauben, dass dies für uns gilt, spricht er uns frei. Er sorgt für die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

Ich lade dazu ein, Bibelstellen zu suchen, die Gottes Gnade beschreiben. Wenn wir diese wahrnehmen, (evtl. unterstreichen) wird uns deutlich, wie häufig die Bibel von diesem gnädigen Gott spricht.

„Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.“ (Psalm 66,5)

Nur zwei Wörter können darüber entscheiden, wie sehr ich mich über Gott freue. ‚Kommt‘ und ‚sehet‘, beides sind Aufforderungen, dass wir etwas tun müssen, um uns in den wahren Lobpreis Gottes einzustimmen.

In der ersten Aufforderung wird meine Aufmerksamkeit eingefordert. ‚Kommt her‘ bedeutet so viel wie unseren Blick auf unser Leben zu richten. Wahrscheinlich fällt es vielen von uns gar nicht so leicht, diesem Blick etwas Positives abzugewinnen. Wir könnten eine lange Liste von Geschichten über unser Leben erzählen, die uns Mühe machen, die uns verletzt haben und mit denen wir gar nicht so richtig versöhnt sind.
In diesen Punkten sind wir aber nicht allein, so schreibt der Psalmist in v.10-11: „Denn Gott, du hast uns geprüft und geläutert…. du hast auf unseren Rücken eine Last gelegt.“ Jeder von uns hat die eine oder andere Last im Leben erlebt und Gott schien in den Situationen weit weg zu sein. Doch in Wirklichkeit war er immer nah bei uns wie uns im V.9 versichert wird: „der unsere Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten“. Der Psalmist will uns daran erinnern, unseren Blick nicht nur auf die Geschichten unseres Lebens zu lenken, sondern auf Gottes Wirken in den Prüfungen unseres Lebens zu schauen.

So wird dann unser Blick mit der zweiten Aufforderung „Sehet an“ auf die Werke Gottes gerichtet, die unsere Prüfungen auf einmal viel kleiner erscheinen lassen, so schwer diese auch in den erlebten Augenblicken wiegen mögen. Gottes Wirken ist größer als das, was uns im Leben herausfordert. Wir müssen uns seine Eingriffe in die Geschichte seines Volkes aber immer wieder vor Augen führen. Er hat ein ganzes Volk aus seiner Gefangenschaft geholt, so wie er auch uns aus unseren Anfechtungen des Lebens herausholt. Auch wir werden von ihm geprüft und geläutert, weil er sich für uns interessiert.

‚Kommt her und sehet an‘ soll uns daher zum Staunen über Gottes Fürsorge in unserem Leben bringen und uns den Blick für Seine Seelsorge an uns eröffnen.

‚Kommt her und sehet an‘ führt uns in einen Lobpreis, der über unsere Gefühle hinausgeht, weil er Gott in all seiner Allmacht in seinen Werken anerkennt. Unsere Geschichten des Lebens bleiben auch weiterhin, aber sie bekommen einen Trost durch den abschließenden Vers in diesem Psalm, v. 20:

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet“.

Ich wünsche Ihnen diesen Lobpreis aus der Tiefe Ihres Herzens, an jedem neuen Tag.

„Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60,2b)

Wie geht das? Dass die Herrlichkeit Gottes über uns erscheint? Das geht mit Gotteskraft.

Genauso wie den Sonnenaufgang können wir auch Gotteskraft nicht aufhalten – wir können sie auch nicht beschleunigen. Aber wir können sie bezeugen.

Wenn Jesus vom Vater und vom Himmel spricht, dann erscheint die Herrlichkeit Gottes über unserem Leben.

Wenn Jesus von der Liebe des Vaters erzählt, mit der der Vater dem heimkehrenden Sohn entgegeneilt, dann ahnen wir, welche Herrlichkeit und welche Kraft von Gott ausgehen.

Wenn der verzweifelte Petrus, nachdem er Jesus verleugnet hatte, von seinem Herrn eine neue Chance bekommt, dann erkennen wir, mit welcher Herrlichkeit Jesus sein Regiment führt.

Wenn es auch eine Lösung für dich in deinem Leben gibt, dann erscheint die Herrlichkeit Gottes über dir.

Und wir bezeugen die Herrlichkeit, indem wir Jesus unser Leben geben. Ganz und gar.

Herr! Ich gehöre dir und ich bezeuge, du bist herrlich. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

„Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“  (Lukas 13,29)

Ein erster Schritt, einen Anfang wagen, eine Unterbrechung in dem Alltag, allmählich ein Aufeinander zugehen – mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem, wertschätzend lehrt er, alle die Ihn trafen. Der Reisebericht nach Lukas punktiert sein Bild von seinem Herrn als Yachweh Rapha, der Herr der Heilung bringt und Elohim Yishi, der Heil anbietet, der die Herstellung des Menschen (Nefesh) aus der ganzen Welt in seiner Würde und Individualität aufrichtet. Er berichtet über die therapeutische Wirkung Jesu und wie Jesus sich in den Gleichnissen porträtiert.

Im Alten hängenbleiben

Vielleicht hatten viele seiner Nachfolger sich mit der strengen religiösen Lehre abgefunden. Vielleicht bekamen Rabbiner, Pharisäer, Sadduzäer Angst, dass was ihre wertvolle gesetzliche Tradition, ihre Säule, ihr Ansehen waren, zu verlieren. Mit einer unvorstellbaren grenzenlosen weltweiten Sichtweise bringt Jesus sie zum Nachdenken.

Kennen wir solche Situationen wo unser Denken so intensiv mit dem Denken anderer geprägt wurde, indem wir uns damit abgefunden haben? Vielleicht haben wir uns mit der Zeit daran gewöhnt, uns auf unsere Glaubenskraft zu verlassen und vergessen dabei, dass wir in unserem Herrn immer Vertrauen üben müssen!

Kennen wir auch solche Phasen die uns fesseln, in der Besorgnis das zu verlieren, womit wir uns identifizieren?

Jesus weiß um die Not seines Volkes. Er will ihm Mut machen, ihm ihren Unglauben, ihre Kraftlosigkeit, ihre Krankheit, ihre Ausweglosigkeit zu nehmen. Er will ihm das Reich Gottes zeigen.

Sehnsucht nach Beziehung

Ein gebildeter Fragesteller (v.22) wird aufgefordert sein Leben neu zu bedenken. Vielleicht hatte er wie auch die Volksmenge die Einsicht zur Umkehr noch nicht verstanden, denn sie hatten eine klare Vorstellung davon, wer in den Himmel durfte und wer nicht. Jesus mitten in der Menge. Jesus erzählt mit einem Gleichnis. Jesus spricht sie konkret an. Jesus als Sehnenden nach Menschen, die ihm in ihrem Leben Platz geben. Werden sie verstehen das was Gott in seiner Güte an Gedanken, Bilder, Freude ausbreitet, auf ein Fundament der persönlichen Beziehung liegt? Ob seine Zuhörer die erklärende Botschaft, Position zu beziehen, sich eine innere Veränderung vorzustellen verstehen konnten?

Ob wir es annehmen, dass Jesus in seiner Interaktion mit uns immer näher an unserem Handeln, Denken, Fühlen kommen möchte, unsere Sehnsucht stillen will, unseren Horizont erweitern?

Jesus weiß wie sein Volk, mit Enttäuschungen hadert. Er will es ermutigen ihre Resignation, ihre Frustration, ihre Ohnmacht zu ihm zu bringen. Er will ihm seinen gedeckten Tisch zeigen.

Integration in dem friedlichen Heiligtum

Welch ein feierliches, umwerfendes Bild des großen Festmahls, das Jesus hier baucht. Welch eine unbeschreibliche Perspektive eine weltweite Versammlung der Andersartigkeit Jesus präsentiert. Eine Einladung zur Tisch Gemeinschaft mit all denen in dieser Welt, die einen freudigen Entschluss zu Jesus Christus gefasst haben und eine lebendige Beziehung festigen wollten, teil zu haben.

Jesus kennt die Menschen in ihren persönlichen Auf und Ab Situationen, in ihren unterschiedlichen Lebensstürmen. Er schenkt uns Hoffnung die unsere Seele zu jubeln erweckt, Ermutigung die unser Herz zu handeln bewegt,

Überzeugung die unser Glaube auf das zukünftige ewige Leben in seiner Herrlichkeit, zum Sieg steuert.

Von seiner Fülle haben wir alle genommen, Gnade um Gnade. (Joh 1,16)

Das Wort „Fülle“ oder auch Überfluss spielte in meinem Leben schon immer eine Rolle. Aufgewachsen in einer Familie mit 9 Kindern (ich war die 4.), gab es genügend Gelegenheit zu Verteilungskämpfen. Selten war da etwas, was man mit niemandem teilen musste, selten gab es Güter, von denen am Schluss noch etwas übrig blieb. Wenn die Mutter auch eine große Tüte abgelaufener Bananen nach Hause schleppte, die „Affenbande“ machte sich darüber her und hinterließ höchstens einen Haufen mit Schalen.

Was mich aber an meinen Eltern beeindruckte, war, dass sie (meistens) aus einer unendlichen Fülle heraus agierten, sie wussten von Johannes 1,16. Es war ihr Prinzip: Wir haben einen verlässlichen, lebensschaffenden Vater im Himmel, der uns so sehr liebt; der uns freispricht. Nicht Knappheit ist sein Prinzip sondern Fülle.

Und diese Luft durften wir Kinder atmen. Es verging kein Jahr, an dem wir nicht in Urlaub fuhren, auch bei noch so klammer Kasse. Wir hatten viel Besuch, Menschen, die unser Leben bereicherten. Wir durften studieren, Musikunterricht nehmen und hatten ein großes Haus. Und wir hatten Frieden, auch wenn nicht alles glatt lief.

Ich habe an meinen Eltern gelernt, auch wenn schwere Zeiten kommen, so sind sie gepflanzt an den Wasserbächen, der Strom der Liebe Gottes versiegt nicht. In dieser Hoffnung gehe ich in das Jahr 2022. In dieser Hoffnung dürfen wir als BTS hineingehen. Und diese Hoffnung vermitteln wir unsern Ratsuchenden.

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“  (Römer 8,14)

Als ich mich als Jugendliche bekehrt habe, Jesus Christus bewusst in mein Leben hineingelassen habe, habe ich diese Erleichterung, Befreiung gespürt, endlich das Belastende in meinem Leben hinter mir lassen zu können und ein neuer Mensch, zu werden. Und ich wusste zugleich auch, dass ich es zurück lassen musste, um das Neue zulassen. Ich war nicht mehr mir selbst ausgeliefert, ich war Gottes Kind geworden. Er hatte mir seinen Geist geschenkt, und einen neuen „Antreiber“ gegeben, damit mein altes Sein mich nicht weiter bestimmt, sondern Gottes neue, heilvolle Gedanken das Ruder übernehmen.

Dieses großartige Glaubenswissen, durch den Glauben in die Kindschaft Gottes katapultiert worden zu sein, ist die Hoffnung, die mir geholfen hat, trotz vieler Kämpfe und Rückschläge nicht aufzugeben, sondern, dran zu bleiben.

Das 8. Kapitel des Römerbriefes erzählt genau von diesen Kämpfen, einerseits ein Kind Gottes zu sein und gleichzeitig noch darauf zu warten, dass es in Vollkommenheit eintritt. Der Römerbrief spricht von einer Sehnsucht der ganzen Schöpfung, auch von uns Menschen, nach diesem erlösten Zustand.

Übersetzt man Sehnsucht mit „schmerzlichem Verlangen“, dann wird deutlich, was in unserem Bibelvers mit dem Wort „treiben“ gemeint ist. Gott gibt uns durch seinen Heiligen Geist eine Sehnsucht, ein schmerzliches Verlangen in unser „nefesh“, als Kind Gottes zu leben. Sehnsucht ist mehr als ein Wunsch, es ist ein schmerzliches Begehren von etwas, das unerreichbar ist, unerreichbar aus mir heraus. Sehnsucht hat etwas von Suchtverhalten, eine starke Fokussierung auf das, was ich begehre und worunter ich leide, wenn ich es nicht bekommen.

Gott weiß, dass wir als seine Kinder nicht alles in seinem Sinne „richtig“ machen. Er kennt unser Scheitern und ist vertraut damit, dass wir oft nicht als „Kind Gottes“ handeln, diesen Titel nicht verdienen. Aber durch den Heiligen Geist, dieser „Kraft Gottes“ in unserem Leben, haben wir Sehnsucht nach Vollkommenheit, eine Ahnung von dem, auf das wir zuleben. Deshalb können wir überhaupt erkennen, wo wir schuldig geworden sind. Deshalb leiden wir an der Zerstörung und dem Zerbruch von Gottes guter Schöpfung, einschließlich unser eigenen Unzulänglichkeit. Deshalb leiden wir an unserer Schuld und suchen den Weg über Vergebung zur Umkehr.

In diesem Sinne: Bleiben sie sehnsüchtig, werden sie nicht gleichgültig, sondern lassen Sie sich, wenn es sein muss, schmerzvoll berühren. Und leben sie in der Gewissheit: Am Ende steht nicht die Unvollkommenheit, sondern Gott, der Vollender, der Vollkommene.

Ein gesegnetes Jahr 2022

„Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1,14b)  (Johannes 1,14)

Der vollständige Vers lautet: „Er, das Wort, wurde Mensch und lebte unter uns. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie sie nur der einzigartige Sohn vom Vater bekommen hat.“ (NeÜ). Der Autor Johannes spricht von Jesus. Johannes schrieb dies etwa im Jahre 85 aus dem Exil in Ephesus; etwa 50 Jahre nach seiner Begegnung mit diesem Jesus.

Was verstehen Sie unter ‚Herrlichkeit‘? Ein Wort der deutschen Sprache, das im Alltag kaum noch vorkommt. Mit dem Begriff ‚Herrlichkeit‘ wird heute Großartigkeit, Glanz, Pracht, Ruhm, Protz, Prunk oder ‚Glanz und Gloria‘ verbunden. Passt das zu Jesus?

In ärmlichen Verhältnissen geboren. Von einer Jungfrau; was die Mehrheit der Menschen mit einem ‚milden‘ Lächeln abtut. Flucht vor Verfolgung mit seinen Eltern in’s Exil nach Ägypten. Als Erwachsener ohne festen Wohnsitz. Stressfaktor für die Eliten und als Aufwiegler verfolgt. Opfer eines Justizskandals. Grausam hingerichtet. Was hat das mit ‚Herrlichkeit‘ zu tun???

‚Herrlichkeit‘ hat noch eine andere Bedeutung. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes ist vor dem 15. Jahrhundert zu finden: ‚Herrlichkeit‘ bezeichnete den Herrschaftsbereich eines Machthabers. Schauen wir auf das Leben von Jesus, scheint damit ‚auch nicht viel Staat zu machen‘ sein… „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagt Jesus selbst dem damaligen Machthaber Pilatus. Wahrheit oder Ausrede?

Der erste Augenschein kann trügen. Gott ist eben ganz anders als wir Menschen. Erst recht als unsere Erwartungen. Das war schon vor Lebzeiten Jesu so, zu seinen Lebzeiten; und es ist bis heute so geblieben. Dabei alles hängt davon ab, wer Jesus eigentlich ist: Ein guter Mensch, damit (nur) ein Vorbild? Das macht ihn nicht groß, sondern klein; begrenzt auf menschliche Möglichkeiten. Denn ist seine Geburt rein natürlich, ist Jesus nur Mensch, mehr nicht. Nur ein wenig ethisch-moralisch höherstehend. Sind seine Wunder nur Mythen, begegnet uns Gott selbst nicht in ihm. Und ist er nicht auferstanden aus dem Tod, bleibt Jesus einfach nur Mensch, mehr auch nicht. Ein Mahatma Ghandi, ein Nelson Mandela des Altertums.

Der Augenzeuge Johannes sagt uns aber, dass Gott selbst sich in Jesus ganz klein und unscheinbar machte. Dass er von außerhalb von ‚Raum und Zeit‘ in diese Welt kam und aus dieser Welt wieder zurückkehrte. Nur ein solcher Gott verdient die Ehren-Bezeichnung ‚Herrlichkeit‘ – in dem doppelten Sinne des Wortes. Und diese Herrlichkeit hat Gott Jesus verliehen, sagt uns Johannes.

Zur Verdeutlichung und Weiterführung eine Geschichte, die ich vor langer Zeit bei Axel Kühner gelesen hatte. Es geht um die Frage, wo Gott wohnt, also wo er das Sagen hat. Dazu erzählt Axel Kühner: Im Kindergarten fragt die Erzieherin die Kinder, wo denn Gott wohne. Ein Kind antwortete: „Gott wohnt im Himmel.“ Ein anderes: „Gott wohnt auf der Erde unter den Menschen.“ Ein drittes sagte: „Gott wohnt im Himmel, aber seine Praxis hat er in der Kirche!“

Wie gut, dass Gott seine Praxis nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft, in der Politik, den Verwaltungen, der Justiz, den Schulen, in den Unternehmen und in den Ehen und Familien hat. Und wie jeder Arzt hat auch Gott ‚das Sagen‘ in seiner Praxis. Und wie jeder Arzt hat auch er Assistenten und Helfer. Diese sind die ersten, die ein Patient zu Gesicht bekommt. Seelsorger und Berater dürfen und sollen sich als Assistenten dieses großen Gottes in seiner Praxis hier auf Erden verstehen. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Denn so wird die Herrlichkeit Gottes in dieser Welt sichtbar.

PS: Ich empfehle, vertiefend das Buch ‚Jesus. Eine Weltgeschichte‘ zu lesen. Autor ist Markus Spieker, Journalist und Historiker.