IMPULSE ZU DEN WOCHENLOSUNGEN 2023

„Aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir“.  (Jes.60,2 b)

Um was geht es im geschichtlichen Kontext?

Wenn wir den roten Faden der Bibel betrachten, die Geschichte Gottes mit seinen geliebten Geschöpfen, zeigt das Buch Jesaja ein düsteres Bild. Die Menschen hatten sich von Gott „weg entwickelt“. Statt seinen guten Maßstäben für ein gelingendes Leben zu folgen, hatten sie nach ihren eigenen Vorstellungen gelebt und dadurch nahm das Unheil seinen Lauf. „Denn Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker“ beschreibt der Versanfang die Situation (Jes. 60,2a). Mit dem Volk Israel hatte Gott einen Bund geschlossen. Ihnen wollte er sich in besonderer Weise zeigen. Seine Nähe hatten sie vielfach erlebt: z.B. als Wolkensäule am Tag und Feuersäule in der Nacht beim Auszug aus Ägypten, als Wolke am Berg Sinai, in der Stiftshütte und im Tempel in Jerusalem auf dem Zionsberg. Zion ist im Buch Jesaja der Ort, an dem Gottesbegegnung stattfindet. -Was haben Menschen seit damals auf sich genommen, um dort hinzureisen? Vers 3: „Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht“.

Was oder wo ist Zion heute, habe ich mich gefragt. Welche besonderen Orte der Gottesbegegnung gibt es heute? –Ist es Taize in Frankreich, Willow Creek in den USA oder das Gebetshaus in Augsburg? – Wir sehnen uns nach Orten, an denen Gottes Nähe erlebbar wird.

aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir….

Jerusalem, die Stadt auf dem Zionsberg, der heiligen Ort, an dem Gott sich festgelegt hat, den Menschen im Tempel nah zu sein. Was zeigt das Neue Testament? „Glaube mir, es kommt die Zeit, in der es keine Rolle mehr spielt, ob ihr den Vater hier oder in Jerusalem anbetet“, sagte Jesus zu der Frau, die er in Samaria am Jakobsbrunnen traf (Joh. 4, 21 ff NLB) „Aber die Zeit kommt, ja sie ist schon da, in der die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten“. Die Frau wurde durch Erkenntnis, dass es der verheißene Messias ist, der sich ihr zuwendet, so verändert, dass dies für ihr Umfeld sichtbar wurde.

Das ist das Geheimnis: Wer Jesus begegnet und erkennt: er ist die Wahrheit, der Weg und das Leben und wer ihm nachfolgt, der wird verändert. Paulus schrieb an die Gemeinde in Kolossä/Kolossai. „Das ist das Geheimnis: Christus lebt in Euch…“ (Kol. 1,27)

…. aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir….

Glaubst Du an Christus, gilt das alte Jesaja-Wort heute Dir. Der Herr kommt mit seiner Herrlichkeit. Er verändert Dich und Du hast etwas von dem göttlichen Glanz, der von ihm ausstrahlt und durch Dich durchstrahlt. Deine Umgebung wird es merken. – Christus in uns – ein starker Wirkfaktor in der Seelsorge. Menschen, die Beratung suchen und noch keine Christen sind, können in der Begegnung mit uns eine Ahnung von Gott bekommen. Für sie wird erlebbar, da gibt es etwas, das sie nicht haben. Willst Du als Seelsorger/in mit deinem Leben Lust auf mehr wecken? Auf die Gefahr hin, mich in meinen geistlichen Impulsen zu wiederholen: Suche als Seelsorger die Nähe Gottes, damit sein Glanz durch dich scheint.

„Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“( Lukas 13,29)

Vor ein paar Wochen hatte ich mir vorgenommen, unbedingt bei einem festlichen Online-Date dabei sein. Ich setzte alle Hebel in Gang, um mir den Termin freizuschaufeln. Endlich saß ich vor dem Bildschirm- noch ganz außer Atem. Doch was erwartete mich? Verschlossene Türen. „Derzeit ist für Sie kein Raum geöffnet“. Trotz aller Bemühungen konnte ich nicht in die Konferenz eintreten. Ich war vor den Kopf gestoßen. Der Gedanke, dass meine Freunde jetzt ohne mich feiern und ich zu den Ausgeschlossenen gehöre, traf mich bis ins Innerste.

Eine verschlossene Tür kann frustrieren.

Wer gehört dazu?  Wer ist ausgeschlossen? Wem wird der Zugang genehmigt, wem nicht? Was sind die Voraussetzungen, um dazuzugehören?

Auch für die Jünger Jesu hatte dieses Thema eine hohe Brisanz. Sie fragten Jesus nach den Voraussetzungen, um beim großen Festmahl dabei sein zu dürfen. Und was antwortet Jesus?

„Ich kenne euch nicht“, wird er denen antworten, die so selbstverständlich dachten, dass sie seinen Ansprüchen genügen. Ihr seid nicht zugelassen. Harte Worte.

Und doch sind die Zugangsvoraussetzungen Jesu seltsam einfach: es werden Menschen von überall herkommen, und am Tisch sitzen im Reich Gottes.  Eure Maßstäbe sind nicht meine, soll das vielleicht heißen. Wenn es nach euch ginge, würdet ihr wahrscheinlich gnadenlos aussortieren: Der und die wären dabei, aber der und die gewiss nicht. Bei Jesus gelten andere Maßstäbe: Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. Lukas 13,29

Jesus sieht hinter die Kulissen: „Ich kenne euch“ das ist die Voraussetzung um dazuzugehören. Jesus misst uns lediglich an unserer Liebe zu ihm, an unserer ungeteilten Liebe zu ihm. Dann spielen Rasse und Status keine Rolle mehr. Dann haben alle Bedürftigen Zugang und Platz am reich gedeckten Tisch Gottes.

Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch. Bleibt in meiner Liebe. Joh. 15.9.

Es kennt der Herr die Seinen und hat sie stets gekannt,
die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land.
Er lässt sie nicht verderben, er führt sie aus und ein;
im Leben und im Sterben sind sie und bleiben sein.“  Ph. Spitta

„Von deiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ (Joh. 1,16)

„Wir haben genommen“, es gehört uns, es gehört zu uns, die Fülle ist auf uns übergegangen, ohne dass die Fülle abgenommen hätte. Weil Jesus Christus selbst die Quelle der Fülle ist. Mehr geht nicht.

Ich habe recherchiert, was Gnade eigentlich meint: „Das Wort Gnade ist ein spezifisch christlicher Begriff, der eine Zusammenfassung dessen ist, was Worte wie Heil, Liebe und Freundschaft im Zusammenhang mit dem Erlösungsgeschehen in Jesus Christus beschreiben.“ (Wikipedia).

Mir ist das Bild eines Buffets in den Sinn gekommen. Ich bediene mich an den für mich leckersten Speisen, an dem, was meinen Hunger stillt und immer, wenn ich erneut an das Buffet gehe, ist nachgelegt. Ich werde satt, ich bin satt und es reicht für alle.

Gnade um Gnade, Heil um Heil, Liebe um Liebe, Freundschaft um Freundschaft. Das Wort „Gnade“ umfasst unsere tiefsten Sehnsüchte, unsere Grundbedürfnisse, die in unserem Leben gestillt sein müssen. Wir können unsere Bedürftigkeit stillen. Mehr noch sie ist bereits gestillt, weil wir genommen haben. Es ist geschehen – das ist der Zuspruch. Der Anspruch ist, dass ich das Gestilltsein für wahr halte. Ich alten Gefühlen des Mangels und des Ungestilltseins keine Bedeutung mehr gebe, hinter mir lasse und dann, als ein mit Gnade gefüllter und erfüllter Mensch weiterlebe.

„Wir haben genommen“ ist ein aktives Handeln, eine Entscheidung, ein Willensakt. Da ist eine Quelle und ich darf mich bedienen, aber ich muss es auch tun.

Das Geschenk der Gnade gibt uns unseren Wert, unsere Achtung, unser Ansehen zurück, die durch Sünde oder Verletzungen verloren gegangen sind. Jesus Christus stellt uns durch seine Gnade wieder her. Sein Kommen als Mensch, sein Sieg am Kreuz ist unser Leben.

Ich lade Sie ein, den Bibelvers ganz persönlich zu nehmen und zu  sagen: „Ich habe genommen Gnade um Gnade.“