IMPULSE ZU DEN WOCHENLOSUNGEN 2019

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. (Lukas 21,28)

Welche Blickrichtung nehme ich ein? Rein theoretisch gibt es da ja ganz verschiedene Möglichkeiten. Ich kann zum Beispiel vor mich hin auf den Boden blicken. Da sehe ich dann zwar meine Fußspitzen, habe aber weder den Weg, der vor mir liegt, im Blick noch eventuelle Gefahren, die auf mich zukommen. Ich bin dann fixiert auf den Moment – aber nicht auf das, wo ich hin will.

Eine andere Möglichkeit ist, ich schau nach vorne und entdecke all die Gefahren, die diese Welt so in sich birgt. Das kann eine ganze Menge sein. Petrus erlebt das bei seinem Gang auf dem Meer und da steht ihm ganz schnell das Wasser bis zum Hals. (Matth. 14, 29 f.) Der Blick auf die Gefährlichkeit des Lebens lässt Menschen den Mut verlieren, lähmt und weckt Untergangsängste.

Eine dritte Möglichkeit ist, den Blick nach oben zu richten und nach Hilfe Ausschau zu halten. Der Blick nach oben macht frei für Zukunft und kommt aus der Hoffnung, dass es da irgendwie weitergeht.

Jesus empfiehlt den dritten Ansatz. Im Zusammenhang redet er mit seinen Freunden über die Entwicklung unserer Welt. In seiner Rede geht es nicht um eine optimistische Zukunftsphantasie sondern er redet sehr ernst von einer Entwicklung, die immer düsterer wird. Da ist die Rede von Kriegen und Kriegsfolgen, Naturkatastrophen, Verfolgung und Anfeindungen.

Bei Jesus heißt düsterer aber nicht aussichtslos. In aller Entwicklung, bei der es einem schon Angst und Bange werden kann, ist da immer noch die Zusage, dass Gott selber zur Hilfe kommt. Er lässt uns nicht im Stich. Das Vertrauen auf sein Kommen soll helfen auch die schwierigsten Zeiten zu überstehen.

Bei Jesus gilt der Satz: „Jetzt ist alles aus!“ nicht. Bei Jesus kommt immer noch etwas. Er selber ist schließlich der Kommende und damit gibt er auch uns eine Zukunft.

Was Jesus hier seinen Jüngern im Blick auf das gesamte Weltgeschehen erklärt, das gilt – meine ich – auch im Blick auf unsere Seelsorgearbeit in der ABPS. Immer wieder begegnen mir Menschen, die angesichts eigener Lebenskatastrophen den Blick senken und es nicht mehr wagen nach vorne zu sehen. Sie haben den Glauben an eine eigene Zukunft verloren. Und dann sind da solche, die die Menge ihrer Probleme sehen und den Mut verloren haben, auch nur irgendetwas noch anzupacken. Ihre Aussage heißt: „Das schaff ich ja doch nicht, da gehe ich unter!“

In all diesen Begegnungen ist es mir wichtig, auf den hinzuweisen, der in diese Welt gekommen ist um uns in unserer Lebensgestaltung beizustehen und uns die Aussicht auf ein neues gelingendes Leben gibt. Auf Jesus, dessen Kommen wir in diesen Tagen wieder feiern, der durch seinen Geist bei uns wohnt und der als der Wiederkommende uns und dieser Welt Zukunft schenkt.

Ich wünsche allen Lesern/innen eine besinnliche Adventszeit und den Blick der Hoffnung nach oben.

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sacharja 9,9b)

Dieser Vers beginnt eigentlich mit der Aufforderung: „Freue Dich sehr!“ und dann noch gesteigert: „Jauchze!“, also ‚total aus dem Häuschen sein vor Begeisterung‘.

Ein neues Kalenderjahr läuten wir mit lautem Getöse ein. Und wir schießen Raketen in den Himmel, bunte Farben und viel Glitzer. Und zugleich bohrt die bange Frage, was das neue Jahr wohl bringen wird? Und dann werden Vorsätze gefasst, wie wir es im neuen Jahr besser machen wollen. Die ‚Halbwertszeit‘ unserer Vorsätze dauert aber höchstens eine Woche…

Das Kirchenjahr beginnt dagegen ganz still. Kein Getöse, kein Lichtergewitter. Nur eine Kerze. Stattdessen der Grund zur Freude: ‚Dein König kommt zu dir.‘

Immer, wenn Gott uns etwas ganz Wichtiges mitteilen will, fängt er an mit „Siehe!“, d.h. so viel wie Achtung, aufgepasst: „Dein König kommt!“. Und Aufpassen, genau hinsehen ist angebracht. Denn dieser König ist anders. Ganz anders! Unser Vers geht noch weiter: „Er ist arm und reitet auf einem Esel.“ Nicht unbedingt das, was normalerweise unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Deswegen: „Sieh genau hin!“

Übliche Könige lassen sich dienen. Sie sind nicht Helfer. Und schon gar nicht immer gerecht. Dieser himmlische König, Jesus, kommt herunter zu uns. Er ist das Licht, das es hier bei uns auf der Erde hell macht. Und in uns. Wir müssen keine Blitzlichter in den Himmel schießen, die doch nur bald verglühen. Und Dreck auf unserer Erde hinterlassen. Er ist ein Gerechter und Helfer. Gott wird uns gerecht in dem Sinne, dass er uns neu aus-richtet und zu-recht-hilft.

Das gilt für den, der sich schuldig macht, wie auch für den, der unter Unrecht leidet. Der König kommt zu den Gerechten und den Ungerechten. Zu den Schuldigen und den Unschuldigen. Er richtet uns alle neu aus, hilft uns und heilt uns.

Wer diesem König entgegensieht, weiß was auf ihn zukommen wird. Wer sich diesem König anvertraut, kann sich auf Hilfe verlassen. Die ‚Halbwertszeit‘ seiner Vorsätze ist ewig, reicht hinein in die Ewigkeit. Ist nicht nach ein paar Tagen verpufft. Also: „Freue Dich! Jauchze!“

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. (Lukas 12, 35)

Wir wohnen in einer Straße mit spärlicher Beleuchtung, die vermutlich Jahrzehnte alt ist. Die Häuser links und rechts der Straße liegen völlig im Dunkeln. Als wir den Garten neu anlegten, plädierte mein Mann nicht nur für eine gut beleuchtete Eingangstreppe und Haustür, sondern auch für eine separate Beleuchtung der Büsche in der Grundstückseinfassung. – War ich anfangs skeptisch gegenüber seinem Beleuchtungskonzept, so musste ich bald feststellen, welch positive Wirkung davon ausgeht. Inzwischen haben wir es uns zu einer guten Gewohnheit gemacht, diese Beleuchtung anzuschalten, wenn wir jemanden erwarten. Ich freue mich jedes Mal selbst, wenn ich spät heimkomme und mein Mann hat die Lichter für mich eingeschaltet. Es sieht einladend aus und signalisiert: „da hat jemand an mich gedacht und wartet auf mich“.

Wenn Jesus zu seinen Nachfolgern sagt: „Lasst eure Lenden umgürtet[1] sein und eure Lichter brennen“ dann ist damit etwas ganz Ähnliches gemeint. Es geht um eine fröhliche Erwartungshaltung und um ein Bereitsein für sein Kommen.

Bist Du bereit? Lässt Du die Lichter brennen, dass er sich willkommen fühlt, wenn er kommt?

Mache Dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt. Diesen adventlichen Text aus Jesaja 60,1 werden wir bald wieder singen oder lesen. Doch wie können wir Licht werden? Damit es hell in uns wird und bleibt, brauchen wir diese Zeiten mit unserm Herrn und seinem Wort. ER will uns jeden Tag reinigen, damit wir keine Funzeln sind, sondern Lichter mit Strahlkraft. Ihr seid das Licht der Welt (Matthäus 5,14).

Weil unsre Welt voller Ablenkung ist und zu besinnungslosem Leben verführt, schließe ich mit einem Zitat von Leon Morris: „Was immer andere tun, ihr (betont!) müsst bereit sein“.

[1]Umgürtet sein“ ist ein Bild aus der damaligen Zeit. Zu Hause trug man das Gewand nicht gegürtet. Das Gürten bezeichnete die Bereitschaft zur Tätigkeit, besonders zum Wandern. “Umgürtet sein“ ist ebenfalls ein Bild für das „Vorbereitet sein“.

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi (2.Korinther 5, 10)

Woran denken Sie bei ‚Richterstuhl‘? Gerichtsgebäude in Deutschland sind vielfach erkennbar an der ‚Justitia‘, der antiken Göttin für Recht, Gerechtigkeit und Gericht. In der Hand hält sie eine Waage. Gewogen wird, was für und was gegen den Angeklagten steht. Und jeder hofft, dass die Waage zu seinen Gunsten ausschlägt.

Angesichts des Endes des eigenen Lebens reagieren Menschen unterschiedlich: Die einen sehen in Gott jemanden wie Justitia. Sie meinen, mit guten Taten und möglichst wenigen Verfehlungen im Gericht bestehen zu können. Die anderen streiten die Existenz Gottes und damit eines Weltgerichtes ab. Und glauben, dass sie somit davonkommen.

Jesus selbst macht aber den Ernst deutlich. Zum Beispiel spricht er in Matthäus über das kommende Weltgericht (Matth. 25). Die einen werden aus dem Gericht in ewiger Gemeinschaft mit Gott leben, die anderen in ewiger Trennung von ihm. Die Situation ist ernst. Gott ist heilig.

Axel Kühner schreibt in einem seiner Bücher (Zitat aus dem ‚Großen Textarchiv‘ entnommen): „In dem Roman von Carl Zuckmayer ‚Der Hauptmann von Köpenick‘ gibt es eine eindrückliche Szene, in der der aus der Haft entlassene Vogt bei seinem Schwager Unterschlupf findet. Die beiden Männer unterhalten sich nun über ihr Leben: „Und denn, denn stehste vor Gott, dem Vater. Und der fragt dir ins Jesichte: ‚Wat haste jemacht mit dein Leben?’ Und da muss ick sagen: ‚Fußmatten, die hab ick jeflochten im Gefängnis!’ Aber Gott sagt dir: ‚Jeh wech!’, sagt er. ‚Ausweisung’, sagt er. ‚Dafür hab ick dir det Leben nicht jeschenkt. Det biste mir schuldig. Wo ist et? Wat hast mit jemacht?”’

Was haben wir aus unserem Leben gemacht? Was machen wir aus unserem Leben?

In manchen Bibeln ist der Abschnitt, aus dem unsere Wochenlosung entnommen ist, überschreiben mit ‚Sehnsucht nach der himmlischen Heimat‘. Wie kann Paulus sich danach sehnen angesichts des Gerichtes? Paulus gibt ein paar Verse weiter im selben Kapitel die ‚Er-Lösung‘:

„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ (2.Kor.5,19)

Und dazu sagt er noch: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2.Kor.5,17)

So erlöst und versöhnt mit Gott als Richter können wir uns mit Paulus nach der ‚himmlischen Heimat‘ sehnen.

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ ( Matthäus 5,9)

Ganz der Papa! –

Die Losung für diese Woche steht im Zusammenhang der Bergpredigt von Jesus. Ich denke, dass die Inhalte dieser Bergpredigt immer wieder in den Reden von Jesus vorgekommen sind, die die Menschen seiner Zeit so sehr angezogen haben. Wir finden darin auch die sogenannten Seligpreisungen. Jesus redet da von Menschen, deren Lebensorientierung er total gut findet. Dazu gehört auch dieser Satz über die Friedensstifter. Bei Frieden geht es in der Bibel immer um den umfassenden Frieden Gottes, um Heil zu sein und Heil zu werden für den ganzen Menschen. Jesus findet die Menschen toll, die für diesen Frieden eintreten und ihn fördern.

Er nennt sie Kinder Gottes. Damit bin ich bei meinem Eingangsgedanken. Kinder – zumindest solange sie noch klein sind – wollen gerne so sein wie Papa und Mama. Gottes Kinder wollen sein wie ihr himmlischer Vater. Kinder Gottes, heißen so, weil sie in ihrem Bemühen Frieden (Heil) zu stiften Gott selber ähneln.

Jesus selbst hat diese Art als Sohn Gottes. Er stiftet Frieden (Heil) zwischen Menschen und zwischen Gott und uns Menschen.

Ich meine, dass da, wo wir auch in der Seelsorge und Beratung für das Heil (für den Frieden=Schalom Gottes) eintreten, wir in diese Fußstapfen von Jesus als Friedensstifter eintreten. Das geschieht da, wo wir ganz nach dem Vorbild von unserem himmlischen Vater für den Frieden arbeiten und uns um ihn bemühen.

Ich finde Menschen, die das tun ganz toll und wenn ich Jesus richtig verstehe, tut er das auch. Er nennt sie „glückselig“! Ich verstehe das so, dass er meint, die haben eine richtige und lohnende Lebensorientierung für sich entdeckt. Ich wünsche jedem Leser eine gute Woche, die vom Frieden Gottes und um die Bemühung darum geprägt ist.

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8)

Micha lebte 700 Jahre vor Christi Geburt. Ein Mann, der sich an Michas Wort gehalten hat, war Daniel. Er hatte einen guten Ruf am Königshof in Babel. Das gefiel einigen missgünstigen Fürsten nicht; sie konnten nur keinen Grund zur Anklage gegen Daniel finden – er war treu, so dass man keine Schuld und kein Vergehen bei ihm finden konnte.

Da wollten die Fürsten Daniel aufgrund seiner Gottesverehrung an­kla­gen. Sie gingen zu König Darius, um ihn zum Erlass eines neuen Ge­setzes zu bewegen: niemand solle im Verlauf von 30 Tagen von irgend­einem Menschen oder irgendeinem Gott etwas erbitten. Bitten seien in diesem Zeitraum nur an den König zu richten. Darius dachte sich wohl nicht viel dabei und stimmte dem Gesetz zu.

Daniel wusste von all dem. Aber für Daniel war es unvorstellbar, Gott nicht mehrfach täglich am offenen Fenster seines Hauses anzube­ten, Liebe zu üben und demütig zu sein vor seinem Gott.

Natürlich wurde Daniel denunziert. Darauf hatten die Fürsten nur ge­war­tet. Daniel wurde – das ist sehr bekannt – in die Löwengrube ge­worfen. Dort verschloss Gott, zu dem Daniel so treu stand, den Löwen das Maul. Daniel geschah nichts. Unversehrt hat Daniel die Nacht in der Löwengrube verbracht.

Daniel war ein treuer Mann. Er vertraute einem treuen Gott.

Herr! Ich danke dir für unsere Glaubensvorbilder. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

Heile Du mich, Herr, so werde ich heil; hilf Du mir, so ist mir geholfen. (Jeremia 17,14)

…so betet jemand, der Gott alles zutraut und fest damit rechnet, dass Gott heilt und hilft.

Immer wieder treffen wir auf Menschen, gerade auch in der BTS-Seelsorge, die krank sind und nahezu an Gott verzweifeln. Sie fragen sich, ob sie vielleicht immer noch krank sind, weil sie nicht ernsthaft genug beten oder glauben. Für sie scheint es einen Grundsatz zu geben, den ich so in der Bibel nicht finde: „genug Glaube = Gesundheit“. Was würde wohl Hiob dazu sagen. (es lohnt sich nachzulesen, was er erlebt hat).

Heile Du mich, Herr…? Um was geht es in der Situation, in der sich der Prophet Jeremia befindet? In einer Erklärung heißt es: “Indem der Prophet diese Einsicht ausspricht, unterstellt er sich ihr selbst. Sein ganzer Kleinglaube, seine ganze Anfechtung … kommt in diesem Bekenntnis zum Ausdruck.“ – Heile Du mich, Herr, so werde ich heil; hilf Du mir, so ist mir geholfen, bedeutet: Es Gott zu überlassen, wann und wie er was heilt. Das kann Heilung von Zweifeln (Kleinglaube), von Verletzungen oder von Schuld sein.

Für alle, die lernen wollen, wie Gott sehr persönlich heilt und sich heute mehr Zeit zum Lesen nehmen, schildere ich eine aktuelle und persönliche Erfahrung.

Freitag, 04. Oktober 2019: Unsere Familie ist wie fast jedes Jahr im Urlaub auf einer Segeljacht im Mittelmeer unterwegs.- Als Selbstversorger haben wir gerade eingekauft und wollen wie üblich zur Übernachtung in eine einsame Buchten. Da für die Nacht viel Wind vorhergesagt war, will ich im Hafen übernachten. Alle andern sind sorglos, da in der Bucht Bojen sind, an denen ein Schiff sicher befestigt werden kann. Das Boot wird extra mit zwei Leinen an der Boje festgebunden. Der Wind nimmt zu, die Geräuschkulisse auch. Es kläppert und scheppert draußen alles, was nicht „niet und nagelfest“ ist – wie immer bei viel Wind. Das Schiff tänzelt um seine Verankerung und wir schlafen ein. – Ein lauter Schlag, eine Erschütterung durchs ganze Schiff reißt uns aus dem Schlaf. Wir stürmen an Deck. Draußen ist es stockdunkel. Mit einer kleinen Lampe überprüft mein Mann die Befestigung an der Boje. Alles scheint in Ordnung, aber: Das Schiff bewegt sich nicht, es tänzelt nicht. „Um Himmels Willen, wir sind in den Felsen…“ – In mir steigt Panik auf: Wo sind wir? Was ist mit dem Schiff? Für einen winzigen Moment kommt mir der Gedanke: Beten! Ich lege meinem Hand auf die Schulter meines Mannes und sage: „Herr, hilf! Gib ihm Weisheit“. – Danach kann ich nicht mehr klar denken. Die Angst hat mich fest im Griff, während mein Mann als erfahrener Segler Kommandos gibt. Die Lage ist verzwickt. Im Schein der Lampen entdecken er und die erwachsenen Jungs weitere Felsen neben dem Schiff. Vorerst ist unter Deck kein Wassereintritt festzustellen… – Um es kurz zu machen: Irgendwie haben die das Schiff mit Motor in den Ausgangshafen zurückgebracht. Irgendwie standen wir alle unter Schock… Irgendwie waren wir alle dankbar. Alle sind gesund zumindest äußerlich). Gott sei Dank!

In Anbetracht der Länge einer Impulsandacht kürze ich die Erzählung stark, weil es um Heilung geht. …Ich selbst hatte einen psychischen Knacks bekommen. Mir war zum Heulen. Würde ich jemals wieder Segeln? Nach einigem Überlegen entschieden wir, wie nach einem Autounfall zu handeln: Es muss verdaut werden. Neue Erfahrungen müssen her (In der BTS-Sprache: Hier geht es um eine klassische Konditionierung: Etwas Schönes – in diesem Fall Segeln – hatte sich über Nacht mit Angst verbunden. Es muss gegenkonditioniert werden). Die Charteragentur bot uns für die 2. Urlaubswoche ein anderes Schiff an. Am nächsten Morgen schreibe ich geprägt von der Angst vor dem Segeln in mein Gebetstagebuch: Heile Du mich, Herr, so werde ich heil; hilf Du mir, so ist mir geholfen. (Gott weiß, wie wichtig, diese Segelurlaube für uns als Ehepaar bzw. als Familie sind und was sie uns bedeuten) Anschließend schlage ich den Aidlinger Bibelleseplan auf und lese den angegebenen Abschnitt in der Bibel (Joh. 6, 16 ff)….Jesus schickt seine Jünger mit dem Boot über den See…In der Nacht stürmt es, es ist finster, sie haben Angst…Jesus sagt zu ihnen: Ich bin’s; fürchtet euch nicht! Als ich dies lese, wird es mir ganz warm ums Herz und ich staune: Gerade heute kommt diese Stelle. In der Parallelstelle (Psalm 93,4) finde ich: Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; der Herr aber ist noch größer. Mehr brauche ich nicht. Ich bin so berührt. Wie lieb hat Gott mich, dass er mir diese Bibelstellen heute schenkt. Sein Wort heilt mich. ER IST JA DA!

In den darauffolgenden Tagen war ich herausgefordert, aktiv an der Heilung mitzuwirken. Wenn mir z.B. die Windgeräusche zu schaffen machten, die ich mit Sturm und Panik assoziierte, dann setzte ich dagegen: Herr, Du bist größer und jetzt ist eine andere Situation. – Es gelang nicht immer – wie bei den Klienten in der Beratung…Es braucht weitere Übung.

Heile Du mich, Herr, so werde ich heil; hilf Du mir, so ist mir geholfen;… ( und so geht der Vers weiter) denn du bist mein Ruhm.

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe“. (1.Johannes 4,21)

Gebote betreffen für mich immer Dinge, die ich nicht selbstverständlich sowieso mache. Für Selbstverständlichkeiten braucht es keine Gebote. Selbstverständlichkeiten funktionieren auch ohne Anweisungen. Nur die Dinge, die ich von mir aus anders machen würde, brauchen bei mir die Überschrift: Gebot.

Ich würde zum Beispiel gerne ohne anzuhalten durch meine Stadt fahren um an mein erwünschtes Ziel zu kommen. Und dann gibt es das Gebot der roten Ampel, das mich darauf aufmerksam macht, ab und zu auch andere mal fahren zu lassen. Das fällt mir nicht immer leicht – besonders dann nicht, wenn ich es eilig habe – aber Gebot ist nun mal Gebot.

Damit bin ich auch schon bei einem wichtigen Punkt. Ohne Gebote würde ich meinen mir eigenen Egoismus ganz schön ausleben und das nicht nur bezogen auf die persönliche grüne Welle.

Hier schiebt Gottes Wort einen Riegel genauer, ein Gebot vor. Im ganzen Kapitel des Briefes, aus dem der Wochenspruch stammt, geht es um die Liebe Gottes zu uns. Wie groß diese Liebe ist, welche Qualität sie besitzt, ja dass Gott selbst die Liebe ist.

Bei dieser überwältigenden beschriebenen Liebe kann ich schon mal leicht vergessen, dass sie nicht nur mir gilt, sondern allen Menschen, heißt auch meinen Mitmenschen, heißt besonders auch den Mitmenschen, mit denen ich mich schwer tue.

Natürlich darf ich die unermessliche Liebe Gottes genießen, sie ist aber auch etwas zum Weitergeben. Zur Nachfolge von Jesus gehört eben nicht nur der Lobpreis sondern auch die Diakonie, empfangen und teilen.

Für mich ist das mit einer der Gründe, dafür einzutreten, dass es in jeder Gemeinde die Jesus nachfolgt nicht nur ein Gottesdienst und Lobpreis Team gibt sondern auch ein Seelsorge Team, das bereit ist, die empfangene Liebe Gottes tatkräftig an andere weiterzugeben, die diese Hilfe brauchen.

Das ist nicht selbstverständlich, aber eben deshalb ein Gebot. Es ist eine Aufforderung von Gott selber nicht nur sich selber in dieser Liebe zu sehen, sondern auch mal den anderen die Liebe Gottes zu geben und zu gönnen. (eben wie bei der Ampel auch mal andere fahren zu lassen)

Ich wünsche allen Lesern eine  gute, gesegnete und liebevolle Woche.

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat (1. Johannes 5,4b)

Wir alle lieben den Sieg. Wir wollen gerne Sieger sein, auf der Seite des Siegers stehen.

Doch es gibt in der Welt drei Dinge, bei denen wir den Sieg nicht erringen können – in diesen Dingen sind wir geborene Verlierer: Wir können keinen Sieg erringen über den Tod, über Versagen und über Schuld.

Wenn Gott nicht persönlich die Initiative ergriffen hätte, dann hätte sich an dieser Situation für uns nichts geändert.

Aber Gott, der liebende Vater, der treue Sohn Jesus Christus und der Heilige Geist sind das Siegerteam über Tod, Versagen und Schuld. Mit ihnen dürfen wir auf die Seite des Siegerteams treten. Wann immer die Sonne über uns aufgeht, dürfen wir darauf vertrauen: Dieser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Wie kann es geschehen, dass auch du heute noch zu diesem Sieger­team kommst? – Komm unter das Kreuz. Komm zu Jesus. Sage ihm „Ich habe gesündigt. Ich bin schuldig vor dir und den Menschen.“ Und unter dem Kreuz wirst du erfahren, dass du mit diesem Wissen nicht ver­zwei­feln musst. Unter dem Kreuz wirst du erleben, wie Jesus dir Ver­gebung zuspricht, wie er deine Schuld überwindet und im tiefsten Meer versenkt und wie Jesus dir ewiges Leben verspricht.

Golgatha ist ein geheimnisvoller, wunderbarer Ort. Du kannst die­sen Ort auch heute noch im Geist erreichen und dich unter das Kreuz stellen. Du kannst dich einreihen in die große Schar derer, die schon von Jesus befreit wurden. Sei dabei.

Du, Herr, bist der Sieger von Golgatha. Und ich komme unter dein Kreuz. Mit dir zusammen überwinde ich die Welt. Amen.

 

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

„Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.“ (Ps. 145,15)

Ein Loblied Davids über Gottes Güte scheint ein passendes Thema zum Erntedankfest. Seine Freude in diesem Psalm quellt buchstäblich über und er wiederholt sich dabei mehrmals, damit auch die letzten ihn hören und verstehen. Gottes Werke, Wunder und Worte sind so offensichtlich, dass ihm gar nichts anderes übrig bleibt, als seinen Dank in einem Loblied zu erwidern.

Gottes Werke zeigen sich überall „aller Augen“ – nicht nur am Erntedankfest. Wenn es uns gut geht, wir alles zum täglichen Leben haben und wir sorgenfrei in den Tag leben, sind unsere Augen manchmal getrübt. Wir erfassen die Schöpfung dann nicht mehr als eine Offenbarung seiner Werke, sie verliert schnell an Glanz und Herrlichkeit. Wenn wir uns aber unsere eigenen Aufzählungen von Gottes Wirken in unserem Leben ‚vor Augen‘ halten, dann können wir gar nicht anders, als in das Loblied von David einzustimmen und Seine Herrlichkeit zu preisen. Gott lässt uns Seine Taten durch unseren Augen erkennen.

Gottes Wunder zeigen sich im „warten“, in einer Erwartungshaltung, die nur ihn zum Gegenstand meiner Hoffnung macht. In diesem einen Wort steckt so viel Sehnsucht, Freude und Zuversicht, die ‚warten‘ nicht zu einem Zustand macht, sondern zu einer Haltung. Wenn Gott seine Treue und Barmherzigkeit uns schon so oft bewiesen hat, dann dürfen wir ihn an jedem neuen Tag erwarten und mit seiner Gegenwart in unserem Leben rechnen. Auf Gott warten heißt dann auch, ihm mehr Raum in unserem Leben zu geben und uns von ihm zu neuen Wundern führen zu lassen.

Gottes Worte zeigen sich in seiner Speise für uns, er hält seine Zusagen, unseren Hunger zu stillen und er sättigt uns mit Wohlgefallen. David lässt Gott in diesem Psalm immer wieder als jemanden erscheinen, der genau weiß, was wir zum Leben nötig haben und unser Bedürfnis nach Speise nicht nur auf körperliche Nahrung reduziert. Er lädt uns ein, unser Vertrauen auf ihn zu richten und nicht auf uns selbst. Ein neuer Blickwinkel kann manchmal eine große Veränderung in meinem Leben bewirken und meine Speise zu einer Offenbarung des Gebers werden lassen.

Gottes Wirken ist nicht vorhersehbar, aber eines ist gewiss, er gibt uns alles, was wir nötig haben zur rechten Zeit. Er ist uns nahe, hört unsere Schreie und behütet uns. So gesehen ist ‚Ernte-Dank‘  viel mehr als nur für die täglichen Speisen zu danken, es ist auch ein ‚Lebens-Dank‘ an dem Geber für sein Wohlgefallen an uns. Lasst uns nicht müde werden, mit unserem Mund des Herrn Lob zu verkündigen. Er ist immer noch gegenwärtig und richtet seine Augen auf uns. Durch seine Werke, Wunder und Worte können wir ihn auch heute noch ‚erwarten‘.

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1.Petrus 5, 7)

Die Wochenlosung steht im ersten Brief des Petrus in einem Abschnitt, den er besonders an die Leiter der Gemeinde richtet (Kapitel 5, Verse 1-11). Gleich zu Beginn (V.2) fordert er auf, ‚die Herde zu weiden‘. Die NeÜ übersetzt: „Sorgt gut für die Herde Gottes, die euch anvertraut ist“. Das macht deutlich, worum es geht: Für-Sorge. Aber wer könnte schon diesen Auftrag so erfüllen, wie Petrus es beschreibt? Ungezwungen, freiwillig, Gott-gefällig, selbstlos, dienstbereit, demütig, vorbildlich, nüchtern, wachsam, fest im Glauben, wachsam gegenüber Satan, dem Gegenspieler Gottes, …

Deshalb fordert Petrus auf, diese ‚Sorge um die Gemeinde‘ wiederum auf Gott selbst zu werfen, ‚denn er sorgt für uns‘ (V.7). Das ist ein ‚zurück-werfen‘.

Damit wird klar: Der Auftrag der Fürsorge für den Nächsten kann nur von dem erfüllt werden, der Gott für sich selbst sorgen lässt.

Ein solcher Dienst hat Verheißung: Leben in der herrlichen Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Diesen Abschnitt schließt Petrus dann mit der denkbar besten Begründung: „Ihm, Gott, gehört die Macht in Zeit und Ewigkeit!“ (V.11)

Pfarrer Axel Kühner empfiehlt dazu: „Nimm dir jeden Tag eine Stunde Zeit für deine Sorgen. Und in dieser Zeit gehe im Gebet zu Gott.“1)

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2)

Der Herr tut uns Gutes. Das verstehen wir, wenn wir erfassen, dass uns der Herr begegnet wie ein Vater seinen Kindern.

Ein Vater hat Erbarmen und Mitgefühl mit seinen Kindern. Wenn Kin­der sich ängstigen, wenn sie Schmerzen haben oder in die Irre gehen, dann leidet der Vater mit seinen Kin­dern. In der Zuwendung des Vaters zu seinen Kindern zeigt sich alle Zärtlichkeit.

Ein liebender Vater will lieber anstelle der Kinder leiden, er will das Schwere von ihren Schultern nehmen und will es selber tragen. Der liebevolle Vater will, dass seine Kinder befreit und froh leben.

Und Gott hat all das in Christus wahr gemacht. In Christus hat Gott die schwere Schuld, die uns erdrückt und von ihm trennt, auf sich genom­men. In Christus hat Gott an unserer Stelle gelitten, hat uns befreit und wieder vom Boden aufgerichtet. Das ist das Gute, von dem David spricht.

Wir wollen nicht vergessen, was der Vater an uns Gutes getan hat, die Barm­herzigkeit und Geduld des Vaters sollen uns nicht aus den Ge­danken und aus unserem Herzen gehen. Denn Gott handelt eben nicht so, wie wir es nach unseren Sünden verdient haben, er straft uns nicht nach unseren Übertretungen des Gesetzes. David, der Poet, beschreibt es so: „Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.“ Was ist im Ta­geslauf vom Morgen weiter entfernt als der Abend? Was ist höher über der Erde als der Himmel? Nichts! Und so ist auch nichts größer, höher und weiter als das Gute, das Gott über seinen Kindern ausschüttet.

Danke, Herr, für das Gute, das Du mir tust. Du bist mir Schutz und Schild. Amen.

Christus spricht: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matth.25, 40b)

Unser Leben hier, wie wir leben, was uns wichtig ist, hat Folgen.

Jesus ist in Jerusalem angekommen. Er weiß, was dort auf ihn zukommen wird. Und auf seine Jünger. Deshalb bereitet er sie vor.

Er wettert gegen die religiösen Führer, die fromm daherreden, deren Taten und Lebensführung im krassen Widerspruch dazu stehen. Er klagt über den (geistlichen) Zustand Jerusalems. Er predigt über das Kommen des Christus, wie das sein wird, wie verschieden die Menschen darauf reagieren werden. Er beschreibt, wie richtiges und falsches Warten auf das Kommen des Christus aussieht.

In Bildern, Gleichnissen, macht Jesus das anschaulich: Die ‚klugen und törichten Jungfrauen‘ zeigen, dass die einen wirklich mit dem Kommen rechnen und die anderen ihn nicht ernst nehmen. Der Umgang mit den ‚anvertrauten Zentnern‘ zeigt uns, dass Warten aktiv ist und nicht bedeutet, auf einer Wartebank die Hände in den Schoß zu legen. Gaben und Begabungen sollen wir einsetzen.

Das Ganze gipfelt in der Beschreibung des kommenden Weltgerichtes. Und wieder scheiden sich hier die Geister, wird dann entschieden in die einen, die ihre Gaben und Begabungen bis zum Kommen des Christus eingesetzt haben im Dienst an den Mitmenschen und die anderen, die sie haben brach liegen lassen oder vergeudet. In beiden Fällen lautet das Resumee: „Was ihr (nicht) getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir (nicht) getan.“

Unser Leben hier hat Folgen. An Christus entscheidet es sich. Praktisch sichtbar an und im Nächsten.

Nach dem Blick in das dereinst kommende Weltgericht mit dem Wiederkommen Jesu Christi kündigt Jesus ein letztes Mal seinen Leidensweg an. Und er teilt mit Ihnen das Abendmahl. Alle nimmt er mit hinein, den Verräter Judas wie den Verleugner Petrus und alle anderen, die weglaufen, als es ernst wird.

Auch das Leben Jesu vor zweitausend Jahren auf dieser Erde hat Folgen: Die Brücke aus der Sünde hinein in das (ewige) Leben, die Erbschaft als Kinder Gottes. Geliebt und vom Versagen begnadigt. Und ganz neu begabt und gerufen in die Gemeinschaft mit Jesus Christus. In die Leidens- und Dienstgemeinschaft.

Lesen Sie mal die Kapitel 24 bis 28 des Matthäusevangeliums.

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. (Jesaja 42,3)

Je­sus löscht den glimmenden Docht nicht aus und bricht nicht das geknickte Rohr. Für ihn gibt es keinen hoffnungslosen Fall. Er öffnet nicht nur die Tür zum Le­ben; er selbst ist das Leben und schenkt das Leben.

Der glimmende Docht einer Kerze ist so ziemlich genau das Gegenteil von einem strahlenden Scheinwerfer, der helles Licht in seine Umgebung hineinstrahlt. Ein glimmender Docht, eine Funzel, die kurz vor dem Erlöschen ist. Ein Licht das ausgebrannt ist. Damit erinnert mich ein glimmender Docht auch an Erschöpfung, mit der Ratsuchende bei der BTS auftauchen. Oft kommt da jemand mit eben diesem Gefühl – ausgebrannt zu sein und am Ende zu sein. „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, jetzt ist alles aus.“

Israel hatte das im 6. Jahrhundert vor Christus erlebt. Da war der Sieg des babylonischen Heeres, Vertreibung und ein schwieriges Leben im Exil. Die Existenz des Volkes Israel war nur noch wie ein glimmender Docht oder wie ein geknicktes Rohr. Bald würde es dieses Volk nach menschlichem Ermessen nicht mehr geben. Sie waren kurz davor, auf der Müllhalde der Weltgeschichte zu landen. Und auch der Glaube an den einen unsichtbaren Gott, war am Verschwinden. Viele haben damals wohl daran gezweifelt, dass es für sie noch eine Zukunft gibt, dass Gott für sein Volk da ist und ihnen einen Weg aus dieser Krise zeigen könnte.

In diese Situation hinein spricht Gottes Wort durch den Propheten Jesaja. Gott selber macht hier dem schwachen Glauben Mut zum Weiterglauben und Weitergehen. „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ Mit anderen Worten: Gib nicht auf, auch wenn deine Kraft nur klein ist und auch wenn du nur wenig Mut hast, Gott lässt dich nicht fallen. Für ihn bist du nicht wertlos, du hast noch eine Zukunft und was du für das Ende hältst, kann bei und durch Gott ein neuer Anfang sein.

Das möchte ich auch an Ratsuchende immer wieder vermitteln und ich denke, dass Jesus das in seiner Botschaft auch aufnimmt. Zu Jesus darf ich kommen, wenn ich nichts mehr leisten kann, ja er lädt geradezu ein dann zu ihm zu kommen, wenn ich am Ende meines Leistungsvermögens bin. Er sagt: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11,28-30).

Ich wünsche allen glimmenden Dochten und allen geknickten Rohren für die kommende Woche viel Mut im Blick auf Gottes Zusage, das Leben anzupacken.

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1.Petrus 5,5)

Gnade ist Entgegenkommen. Wer Gnade erlebt, der wird hineingenommen in Güte, Freundlichkeit und Milde. Gottes Güte, Gottes Freundlichkeit und Gottes Milde. Das alles beruht auf einer Voraussetzung bei uns: Demut. Nicht Hochmut. Sind wir hochmütig, dann erleben wir Gottes Widerstand. Dann erfahren wir schon Gottes Verurteilung.

Doch wie geht das mit der Demut? Kann ich um Demut mit anderen wetteifern? Bin ich noch demütig, wenn ich mir meiner Demut bewusst bin? Diese Gedanken führen zu nichts. Wir brauchen in Demut ein Vorbild, wir brauchen einen Freund, der uns Demut lehrt. Dann können wir Demut üben und lernen. Und es gibt ihn. Dieser Freund ist Jesus Christus. Er ist sanftmütig und von Herzen demütig. In seiner Gegenwart erfahren wir Ruhe für unsere Seele. Denn Jesus zeigt uns, wie das geht, Gott zu achten und den Mitmenschen zu achten. Höher als uns selbst.

Demut wächst dann in unserem Leben, wir erfahren, was es heißt, sich Gott unterzuordnen, Stolz und Überheblichkeit vor den Menschen abzulegen und Hingabe für unseren Herrn zu leben. In diesen Gehorsam will uns Jesus hineinführen. Und das tut er selbst in Sanftmut und Demut. Du siehst, es hängt wieder einmal alles daran, den richtigen Freund und das perfekte Vorbild zu haben. Bei Jesus Christus findest du deine Heimat, dein Zuhause, den Ursprung deiner Herzenshaltung.

Herr Jesus Christus, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du dein Leben gegeben hast, um mich zu retten und mein Herz zu lehren, so zu leben wie du es tust.

Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? (Mat 16:26)

Diese Feststellung Jesu steht ziemlich in der Mitte des Evangeliums nach Matthäus. Lesen wir, was unmittelbar zuvor sich alles ereignete, könnte man den Eindruck einer ‚Achterbahnfahrt‘ bekommen. Petrus bekennt Jesus als den Messias. Jesus bereitet seine Jünger auf seinen gewaltsamen Tod, aber auch seine Auferstehung vor. Petrus will Jesus davor bewahren. Lesen Sie mal die Reaktion Jesu darauf nach… In dem darauf folgenden Abschnitt, aus dem unser Monatsspruch genommen ist, spricht Jesus davon, was Nachfolge bedeutet: sein Kreuz auf sich nehmen. Nachfolge ist nicht alle Tage Sonnenschein, sondern bedeutet in dieser Welt auch Leidensgemeinschaft mit Jesus Christus.

Unser Vers könnte auch so lauten: Wer nicht Jesus nachfolgen, also die Leidensgemeinschaft vermeiden will, verliert seine ‚Seele‘, statt sie zu gewinnen.

Wie verstehen Sie ‚Seele‘ an dieser Stelle? Ehrlich gesagt, ich hatte mir darüber bisher nicht viel Gedanken gemacht. Ohne Nachdenken hatte ich darunter immer nur ‚Seelenheil‘, das ewige Leben verstanden. Als Kind hatte ich die Vorstellung: hier verzichten, um dann dort im Himmel mehr zu bekommen. Wie eine Waage. Wie gesagt, ohne viel nachzudenken.

Und ist das nicht auch die Vorstellung vieler Menschen heute: ‚Do ut des‘, ich gebe, damit Du gibt’s? Ich verzichte, um mehr zu bekommen? Haben die Kritiker recht, dass Christsein Vertröstung auf den Himmel bedeutet?

Schauen wir mal nach, wie messianische Juden den ursprünglich griechischen Text in die hebräische Sprache übersetzen; genauer, den Begriff Seele. Dann stellen wir fest, dass in der hebräischen Ausgabe des NT an dieser Stelle für Seele ‚Nefesh‘ steht. Damit ist der ganze Mensch gemeint, mit allem, was ihn ausmacht, sein ganzes Leben mit Geist, Seele und Leib.

Jesus sagt uns hier nichts anderes als dass wie körperlich krank werden können, seelisch verarmen und tatsächlich auch unser Seelenheil verlieren, wenn wir die Gemeinschaft mit ihm ablehnen. Denken wir nur mal an den inzwischen fast zur Volkskrankheit gewordenen Burnout. Gemeinschaft mit Jesus bedeutet zwar auch Leidensgemeinschaft, aber eben auch Heil und Frieden. Mit ihm und unseren Mitmenschen.

Unser  Monatsspruch hat einen zweiten Satz: Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse? Nur die Verbindung mit Jesus bedeutet Leben in seiner ganzen Fülle. ‚Nichts, nichts haben wir zu bringen‘, heißt es in einem alten Lied.

Um deutlich zu machen, welche Fülle schon hier zu unserem Leben gehört, lesen wir im darauffolgenden Abschnitt von dem Berg der Verklärung. Ein kleiner Blick in die Wirklichkeit Gottes. Sie bricht herein in unsere Welt, unseren Alltag.

Abschließen möchte ich mit der Formulierung unseres Monatsspruchs in einer neueren Übersetzung (NeÜ): Denn was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber das Leben einbüßt? Was könnte er schon als Gegenwert für sein Leben geben?

Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! (Psalm 33,12)

Weißt Du, dass Du erbst und was Du erbst?

Wenn’s ums Erben geht, sind manche gut informiert. Sie haben Hoffnung oder gar eine Erwartungshaltung. Andere machen sich Sorgen, weil sie wissen, dass es beim Erben oft Streit gibt. Wie gut, wenn frühzeitig geregelt ist, wer was erbt. – Gott hat in dieser Hinsicht eine klare Regelung.

„Wohl dem“ wird heute mit „glücklich“ übersetzt. Ja, Du kannst Dich glücklich schätzen, wenn Du zu Gottes Volk gehörst. Denn dann hat er dich „zum Erbe erwählt“, manche übersetzen „zum Eigentum erwählt“. –

Paulus schreibt an die Galater (3, 29): Und weil ihr nun zu Christus gehört, seid ihr die wahren Nachkommen Abrahams. Ihr seid seine Erben, und alle Zusagen Gottes an ihn gelten euch. (neues Leben)

Demzufolge ist klar, wenn Du zu Christus gehörst, erbst Du… – Falls Du noch nicht dazugehörst, lade ich Dich ein: Nimm Jesus Christus als Herrn Deines Lebens an. (Lies Johannes 3,16 und/oder suche Christen, die Dir helfen, diesen Schritt zu tun).

Im Kolosserbrief (Kol. 1,12) lesen wir: „Mit Freuden sagt Dank dem Vater, der euch tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht“. Dazu schreibt Heiko Krimmer in einem Bibelkommentar: „der euch tüchtig gemacht hat“ heißt wörtlich: der euch passend gemacht hat, der euch qualifiziert hat. Jeder Gedanke an eigenen Verdienst ist damit ausgeschlossen. Gott, der Vater, hat uns die neue Qualität verliehen….Das Erbe der Heiligen ist das, was jedem Gläubigen als Teilhabe an Jesus Christus zugesprochen ist. … So wie jeder Israelit Erbe – von Jahwe zugeteiltes Land – im gelobten Land erhielt, so teilt uns unser Herr Heimatrecht, ewiges Wohnrecht im Himmel zu. Den Himmel kann sich keiner verdienen. Gott qualifiziert uns dafür. – Wenn wir auf unsre brüchige Welt sehen, ist es tröstlich zu wissen, dass wir auf den Himmel – dieses für immer bei Gott sein – zugehen. Gerade für Menschen in der Seelsorge, Beratung und Therapie ist diese Perspektive bei allem Leid wichtig.

 „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern“. (Lukas 12,48b)

Ob wir diesen Vers als Umrahmung für das Gleichnis vom treuen und untreuen Knecht erfassen können?

Ob dieser Vers gedacht wurde, dass GOTT auf unsere zuverlässige Arbeit angewiesen ist. ER vertraut uns (seine Doulos) während seiner Abwesenheit an, dass wir achtenswert mit starken und unabhängigen sowie mit schwachen und unfreien Menschen umgehen. Er vertraut uns, dass wir das, was ER uns gegeben hat, zum Guten wenden werden.

Ich verlasse mich auf dich, dass du…

  • die besondere Aufgabe der Sorge und der Liebe, die ich dir anvertraut habe, mit aufgeweckten Sinnen nachgehst
  • die vorgeschriebene Pflicht eines Gehilfen, die ich dir übertragen habe, mit Freude erfüllst
  • die hilfreiche Botschaften die ich dir offenbart habe, zur Hoffnung erweckst
  • die wachsende gute Frucht im Leben anderer, die ich zu Gedeihen helfe, mit Ausdauer begießt

Die eine Seite in uns! Erlauben wir dieser Stimme in uns laut zu werden, so werden Gütigkeit, Fröhlichkeit, Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Leichtigkeit unser Handeln bestimmen.

Ich verspreche dir ich komme wieder du mein treuer Diener!

Du verlässt dich auf dich, denn

  • die Erfahrungen von Macht, Besitz, Ehre, Selbstverwirklichung haben dein Denken und Fühlen blockiert
  • die verfälschten Botschaften der verzögerten Rückkehr deines Schöpfers veranlassen eine Gleichgültigkeit deines Herzens

Die andere Seite in uns! Diese trotzende Stimme lässt uns in dem Strudel der Turbulenzen untergehen. Beide Seiten gehören in unseren Leben.

Ich habe dir meine Versprechen gegeben, ich komme wieder du mein handelnder ‚selbst Gesetzgeber‘!

Es ist uns gegeben, es ist uns anvertraut.

Es wird bei uns ergründet, es wird von uns erwartet.

Nach diesem Text gibt es nicht nur Jubel! Unsere Gedanken gehen vielleicht an die vielen Zeiten des „selbst Gesetzgeber“ zurück. Sie lösen Gefühle aus, die uns in die Enge treiben. Wir werden mit Situationen konfrontiert, in denen wir Fehler gemacht und Menschen verletzt haben. Lassen wir uns ein auf die Auseinandersetzung mit dieser Schattenseite, so wird der Schleier beiseite geschoben. In dem Lernprozess werden der klare, feste Stand, der uns hilft, anderen Halt zu geben, andere zu verstehen, sie stehen zu lassen, andere zu lieben und zu helfen, in unserer Erinnerung einen Platz erhalten. Nun hat GOTT sich entschieden, uns zu vergeben, zu erneuern, zu lieben, einzuladen, in seiner Ewigkeit Teil zu haben.

„Früher gehörtet ihr selbst zur Finsternis, doch jetzt gehört ihr zum Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid. Verhaltet euch so, wie Menschen des Lichts sich verhalten. Ihr wisst doch: Die Frucht, die vom Licht hervorgebracht wird, besteht in allem, was gut, gerecht und wahr ist“. (Eph. 5,8-9) NGÜ

Licht hilft, den Weg sicher zu gehen, Orientierung zu finden. Licht hilft, dass die Seele aufatmen kann.
Paulus ermuntert uns, Lichtquellen für andere zu werden. Lichter zu sein, die Orientierung geben, die Wärme ausstrahlen und Sicherheit schenken.
Wie wäre das, wenn wir heute für einen anderen Menschen zu einer Lichtquelle werden könnten? Wenn wir in die gefühlte Dunkelheit des Lebens hineinleuchten?
Wie stellt sich das Paulus konkret vor? Im Epheserbrief beschreibt Paulus das ganz anschaulich. Zunächst schreibt er, wie Menschen sind, die keine Lichtquellen für andere sind.
Die Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ überträgt die Verse vor der Wochenlosung so:
„Paulus schreibt: Ihr gehört zu Gott. Da passt es selbstverständlich nicht mehr, sexuell zügellos zu leben, über die Stränge zu schlagen oder alles haben zu wollen. Ihr sollt nicht einmal darüber reden! Genauso wenig ist Platz für Klatsch, Sticheleien und zweideutiges Gerede.“ (Epheser 5, 3f.) Hier schreibt Paulus von Menschen, die keine Orientierungslichter sind, sondern Irrlichter, Blendlichter. Paulus beschreibt Menschen, die nur um sich selbst kreisen, die andere Menschen verletzen, durch ihr Verhalten und durch ihre Worte. Werden Sie heute so ein Mensch sein? Jemand, der alles haben will, der zügellos mit den Gefühlen anderer spielt? Werden Sie jemand sein, der heute Klatsch, Sticheleien und zweideutiges Gerede von sich geben wird?
Oder werden Sie eine Lichtquelle sein, durch die Jesus hindurch scheint. Was Paulus damit meint, schreibt er im Vers 9 „…die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“
Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit – das wäre schön, wenn mein Leben davon heute etwas ausstrahlen könnte.
Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit – im Umgang mit anderen Menschen: im Gespräch mit den Nachbarn, im Kontakt zur Bäckersfrau. Dann, wenn ich mit meiner Familie zu tun habe: mit den Kindern, den Enkeln, oder mit dem Onkel, den ich vielleicht gar nicht so gerne mag.
Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit – Jesus kann das bewirken. Wenn er in uns lebt, kann er durch uns hindurch leuchten. Da wird es hell. Da werden wir zu Lichtquellen für andere. Nicht, weil wir das aus uns selbst hervorbringen. Nicht, weil wir so gütig oder so gerecht oder so wahrhaftig wären. Aber wir lassen es zu, dass Jesus es ist. Da leben wir als Kinder des Lichts.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Epheser 2,19)

…Gäste sind zu Besuch. Sie sind vorübergehend da. Ein Gast bewegt sich auf fremden Boden und ist bereit, sich auf etwas Neues einzulassen. Dabei ist es von Vorteil, sich vorsichtig und beobachtend zu verhalten, um nicht in ein „Fettnäpfchen zu tappen“. Manches ist anders als das, was ich kenne. Selbst wenn ich aus der Beobachtung lerne, wie man sich hier verhält (Stichwort: Lernen am Modell), gehöre ich noch lange nicht richtig dazu.

Manchmal erleben säkulare Menschen genau dies, wenn sie einen Gottesdienst besuchen. Es kommt Ihnen alles etwas fremd vor. Manchmal wird für diese Menschen ein Gottesdienst zu einem echten Erlebnis, weil sie spüren, die Menschen hier haben etwas, das ich nicht habe. Sie sind so fröhlich und gehen so liebevoll miteinander um. Es ist wie in einer großen Familie.

DAZUGEHÖREN anstatt am Rand zu stehen. Eine Sehnsucht, die wir alle aus den unterschiedlichen Situationen kennen. – Zwei Fragenbereiche, die  mir dazu in den Sinn kommen:

Wo willst Du dazugehören? Zu welchen Menschen? Zu Gottes Familie? Zu welcher Gemeinde? Gehörst Du zu unserm BTS-Seelsorge-Netz?

Wie einladend sind wir? Wo geben wir andern Menschen ein Zugehörigkeitsgefühl? Wenn Du zu Gottes Familie, zu einer christlichen Gemeinde und/ oder zur BTS gehörst, gibst Du Neuen und Neugierigen, eine Chance, zu erfahren, wie sie dazu gehören können? Hilfst Du Ihnen, ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln?

Als der Apostel Paulus an die Gemeinde in Ephesus die oben genannte Zeile schrieb, erinnerte er sie an das Wesentlichste des christlichen Glaubens (Verse 12-18 zusammengefasst): Vergesst nicht, dass ihr keine Juden seid und aufgrund eurer Herkunft Außenstehende wart. Damals lebtet ihr getrennt von Christus. Euer Leben in dieser Welt war ohne Gott und ohne Hoffnung. Aber nun gehört ihr Christus Jesus. Ihr wart fern von Gott, doch nun seid ihr ihm nahe durch das Blut seines Sohnes. Denn Christus selbst brachte Frieden zwischen den Juden und den Menschen aus allen anderen Völkern, indem er uns zu einem einzigen Volk vereinte. Durch das, was Christus am Kreuz für uns getan hat, können wir jetzt alle, ob wir Juden sind oder nicht, in einem Geist zum Vater kommen.

Deshalb seid ihr nicht länger Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern ihr gehört zu den Gläubigen, zu Gottes Familie. (V.19, Neues Leben Übersetzung)

Als Christen und als „BTS-Gemeinschaft“ gehören wir zusammen, weil Christus uns durch sein Blut am Kreuz mit Gott selbst versöhnt hat. Zusammen haben wir auf dem Herzen, dass andere, denen das Evangelium fremd ist, Jesus Christus kennenlernen und sein Heil ganzheitlich erfahren.

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. (Jes. 43,1)

Diagnosen sind manchmal niederschmetternd, oft scheuen sich Ärzte, ihren Patienten die Wahrheit zu sagen, doch hilft es, diese zu verschweigen?

Gott hält uns seine Diagnose vor Augen: Ihr seid  „Ausgeraubte“; man hat euch das Paradies versprochen. Doch hat man euch ausgenützt und betrogen. Groß ist der Schaden. Unheilbar sind die Verletzungen. Nun sitzt ihr in der Patsche und es ist kein Helfer da. (vgl. Jes.39)

Müssen wir in unserm Leben erst noch an den Punkt kommen, an dem wir uns eingestehen: ich bin von meinen „Götzen“ ausgeraubt und betrogen worden? Eigensinn und Ungehorsam gegen Gottes Gebote haben mir das beschert, was ich jetzt bitter auslöffeln muss?

Wer mit dieser Diagnose, die nichts beschönigt, konfrontiert ist und sie anerkennt, hat Angst vor dem, was die Zukunft bringen wird. Er fürchtet sich, vor  Gottes Angesicht zu treten. Doch bleibt ihm keine andere Wahl und muss er kleinlaut bekennen: Vater ich habe gesündigt (wie einst der verlorenen Sohn).

Gott bleibt nicht bei seiner schonungslosen Diagnose stehen. Gott leidet mit seinen vom Eigensinn ruinierten Menschen. Er spricht: „Fürchte dich nicht. Trau dich, meine Gegenwart aufzusuchen, mich anzuschauen“. Er ruft seine ruinierten Geschöpfe beim Namen: er ruft mich bei meinem Namen: Lieselotte. Er ruft beharrlich: Lieselotte. Du gehörst mir. Ich erlöse dich, ich bin stärker als die Bindungen zu deinen Götzen. Lieselotte, Du hast eine Zukunft mit mir. Er verspricht auch Dir, lieber Leser: „Wenn du auch durch Wasser und Feuer gehst, sollst Du nicht beschädigt werden, denn ich bin bei Dir. Du bist so wertvoll. Ich habe dich lieb“(vgl. Jes. 43, 2 u.4).

Sich fürchten, Angst haben, das ist ein grundlegendes  Phänomen, das zum Menschsein gehört. Wir benötigen dieses Gefühl, um uns in der komplizierten Welt zurechtzufinden. Es warnt uns, uns nicht in zu riskante Situationen zu begeben. Gott hat es uns zu unserm Schutz mitgegeben.

Angst kann uns einengen. Ich habe vor vielen Dingen Angst, z.B. vor Menschen, Angst vor Ablehnung, Angst vor Verletztwerden. Wenn ich mich aber auf diese beängstigenden Dinge einlasse, merke ich, dass es gar nicht so schlimm ist wie ich das im Kopf habe. Ich härte mich ab, indem ich die gefürchtete Situation nicht vermeide.

„Du bist mein Eigentum, ich habe dich gemacht, über dir halte ich meine Hand, du musst dich nicht selbst beschützen“, da wird mein Schritt sicher, da kann ich die Konsequenzen ertragen.

„Aus Gnaden seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ (Epheser 2, 8)

Abhängig von Gottes Gnaden, will ich das? Da entscheidet sich Gott mich zu retten, und ich soll nichts dazu tun können?

Kein Reziprozitätsprinzip? Kein Geben und Nehmen, kein, Gott gibt mit Rettung, und ich gebe ihm meine Leistung. Gott errettet ganz einseitig. Der Vers macht es unmissverständlich deutlich, im Doppelpack: 1. Rettung ist Gnade und 2. sie kommt nicht aus uns.

Das muss man erst einmal aushalten. Keine Selbstwirksamkeit, keine Handlungsfähigkeit von unserer Seite. Einfach nur Annehmender sein, beschenkt, weil Gott das so will.

Wer die Geschichte Gottes mit uns Menschen ein wenig kennt, der weiß, dass Gott die Nase voll hatte, seine Liebe zu uns, von unserem Tun abhängig zu machen. Immer wieder hat er sich auf unsere Versprechen eingelassen und wurde enttäuscht.

Seine Antwort darauf ist Gnade. Gott liebt uns und errettet uns aus Gnade. Er will die Beziehung zu uns nicht mehr durch unser Fehlverhalten stören lassen. Sein Weg der Liebe ist größer als unsere Sünde. Jesus Christus macht durch seinen Tod und seine Auferstehung Gottes Gnade möglich.

Kann ich denn gar nichts tun? Doch: „Ich kann glauben!“ Ich bin mir nicht sicher, ob glauben ein Tun ist, aber es ist mindestens ein Aushalten, ein Aushalten, nichts aktiv beitragen zu können. Es ist eine Entscheidung, ein für wahr halten, was ich nicht sehen kann. Es ist die Entscheidung, Gott zu vertrauen.

Und wenn jemand es so gar nicht aushalten kann, nicht mit seiner Leistung zu seiner Rettung beitragen zu können, dem sei gesagt: Es gibt es unendlich viele Möglichkeiten Gott im Alltag zu zeigen, wie sehr seine Gnade schätze.

Gott freut sich über jedes gelungene Leben, über jeden Moment, in dem ich seinen Willen in meinem Leben umsetze und ihm ähnlicher werde.

So kommt dann doch noch das Reziprozitätsprinzip zum Einsatz. Ich darf Gott von ganzem Herzen lieben und seine Liebe an andere und mich weitergeben.

Nur: Meine Rettung bleibt Gnade!

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“
(Galater 6,2)

Werden wie die Lastenträger – Stellen wir uns das Bild eines Sherpas als Lastenträger, als Hilfskraft während einer Expedition ins Hochgebirge vor.

Ein Lastenträger, eine stark beladene Person, die fremde Lasten auf den Schultern trägt.

Welche Erleichterung spüren die Bergsteiger wenn sie diese Träger treffen, deren hervorragende Leistungen, nicht nur die körperliche Stärke aber auch ihre Gemütsart, Verhalten und Mut beweisen. Sie sind verlässlich, geben Sicherheit in Angst Situationen, kennen die Gefahren, sprechen Mut zu, tun alles um die Träume anderen zu verwirklichen.

Wie sollen wir das Tragen in einem übertragenen Sinn für uns verstehen? Wie tapfer schlägt unser Herz für andere, die gerade jetzt in ihren Lebenssituationen nicht so stark sind? Wie viel schenken wir ihnen von unserer Zeit? In welchem Maß wird dabei unser Mut, Verhalten und Gemütsart herausgefordert?

Es ist kein einfacher Lebensweg wenn wir anderen, die in Verzweiflung und Enge getrieben sind zu tragen, ihnen Hoffnung zu geben, ihnen helfen einen Sinn in ihrem Leben zu finden, Wunder in ihrem Alltag zu erfahren und ein neues Leben in ihnen hervorzulocken.

Wir könnten diesen Vers auch so verstehen, dass Paulus uns dazu auffordert, den anderen in seiner Andersartigkeit wahrzunehmen, zu verstehen, seine Perspektive und Ansicht einzunehmen, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben. Das ganze Gesetz Christi wie Johannes 13,34 betont: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt“, kann das Leben wecken und Gespräche fließen lassen.

Werden wie der Herr Jesus!

Jesus war der „Mensch für andere“! Dies ist ein Gedanke von Dietrich Bonhoeffer.

Seine Gegenwart gibt Sicherheit. Sein Herz zu berühren bringt die sensiblen Seiten unser Seele zum Klingeln. Sein freundlicher Blick, sein freundlicher Gruß, sein freundliches Wort können uns motivieren, dem Anderen so zu begegnen als wenn wir im Nächsten Christus selbst begegnen würden.

Es reicht manchmal einfach nur zu lieben.

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukas 19,10)

Da ist einer, der will Jesus sehen; ihn nur mal sehen. Warum? – Vielleicht weiß er es selbst nicht. Was erwartet er? Erwartet er etwas – er ist neugierig – er, der Zöllner, der sich mit Geld abgibt und den Zoll für die Besatzer eintreibt? Und er ist alleine, er hat gehört, dass Jesus anders ist als Andere. Das macht Hoffnung, darum will er ihn sehen.

Die vielen Menschen in den Straßen versperren ihm den Weg. Der Mann gibt nicht auf. Er sucht sich einen Ort, an dem er einen Überblick bekommt, einen Ort, der ihn zugleich vor den Blicken der Menschen schützt – einen Baum.

Weiß Jesus von diesem Mann? Haben die Leute über ihn gesprochen? Jesus jedenfalls sieht ihn. Unter der Menschenmenge, die in Jericho zusammengelaufen ist, um Jesus zu sehen, erkennt dieser in Zachäus einen Mann, der ihn wirklich sucht und braucht. Und er will bei ihm zuhause sein. Bei ihm! Bei einem, der viele Leute übers Ohr gehauen hat. Und das heute noch!

Diese Tatsache stellt sein bisheriges Leben auf den Kopf. Plötzlich erkennt er, was wirklich wichtig und richtig ist. Zachäus ist so außer sich vor Freude, dass er anfängt zu teilen. Wo er zu Unrecht etwas erworben hat, will er es von sich aus vierfach zurückgeben (nach damaligem, römischem Recht bei überführtem Diebstahl üblich und nach jüdischem Recht bei Viehdiebstahl). „Heute“ ist in ihm etwas heil geworden. In der Begegnung mit Jesus hat er erfahren, was ihn wirklich reich macht.

Wer in die Nähe von Jesus kommt, der wird sauber, der wird rein, der strahlt wieder, er bekommt den ursprünglichen Glanz zurück.

Und so kann ihn Jesus wieder gebrauchen, er wird Sein Schmuckstück. Wir sollen und dürfen Schmuckstücke von Jesus sein! Und ER will uns gebrauchen zu seiner Ehre und zur Hilfe für die Menschen um uns herum! Und das alles heißt: selig sein, eigentlich gerettet sein, gesund sein, wieder vollständig sein, heil sein.

Und die Leute? Sie reden natürlich. Das ist das Tagesgespräch! Sie sind empört darüber, dass Jesus sich mit so einem abgibt. Bei ihnen hätte er keine Chance des Neuanfangs bekommen – auch „Heute“ nicht. Und bei uns?

Christus spricht: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Mt. 11,28 Übersetzung nach Martin Luther)

„Ihr alle, denen man Lasten und Bürden aufgeladen hat, kommt zu mir, ich will euch auf- atmen lassen. Lasst euch zum Dienst verpflichten durch mich, nehmt euch ein Beispiel an mir: Ich verzichte auf Gewalt und habe ein demütiges Herz. Dann werdet ihr Ruhe finden. für euch selbst. Denn mein Dienst ist erträglich, und meine Last ist leicht“. (Übersetzung nach Berger/Nord.1999)

Die Lasten, die Jesus damals meinte, waren nach theologischer Erkenntnis die verordneten Lasten der Pharisäer. Welche Lasten und Bürden werden aber heute Menschen aufgeladen?

Von den existenziellen Lasten einmal abgesehen, sind es oft ganz andere Bürden, die Menschen quälen: „Kann ich so sein, wie die anderen? Nehmen mich meine Klassenkameraden an, meine Kollegen, gehöre ich dazu?“ Dazu kommen die Imperative von innen und von außen: „Du solltest so und so sein. Das oder jenes ist falsch an dir“. Und aus der Gemeinde tönt es womöglich: Aber als Christ solltest Du ….

Was sagt Jesus dazu? „Komm her zu mir, bei mir darfst du aufatmen. Komm in meinen Dienst, sieh, wie ich es mache: „Ich verzichte auf Gewalt und habe keine Machtansprüche. Ich passe mich nicht allen Meinungen an und muss mich nicht als etwas Besonderes darstellen und mich über andere erheben. Wenn du mich imitierst, wirst du innerlich zur Ruhe finden. Du wirst meinen Maßstab kennenlernen und brauchst nicht mehr den der Mitmenschen zu übernehmen“.

Um den so geplagten Menschen zu helfen, benutzt Jesus seine Mitarbeiter, auch uns in der BTS. Wie kann das aussehen? Manchmal sagt Jesus zu mir: Kümmere dich um diesen Menschen, er ist mir wichtig. Und das Wunderbare daran ist, dass er mich schon vorbereitet hat, dass ich diese Aufgabe übernehmen kann, z. B. durch eine BTS Ausbildung. Hier habe ich mich selber besser kennen gelernt und damit auch andere, habe Handwerkszeug bekommen, um anderen dienen zu können.

Und so beglückt Jesus zwei Personen: Den mir anvertrauten Menschen, indem er Trost, Ermutigung und eine neue Sicht auf sein Leben erfährt. Und so lernt er, neue Wege zu gehen. Und in dem allem wird sein Glaube an den Erlöser Jesus Christus gefestigt. Und mir schenkt Jesus Freude, weil ich durch die Führung des Hl. Geistes und das Einsetzen der gelernten Instrumente die Entwicklung eines geknickten Menschen hin zu einem fröhlicheren und reiferen Menschen erleben darf.

Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. ( Lukas 10,16)

Einfach einmal einen Tag lang eine Aufnahme mitlaufen lassen. Wer ist da zu hören? An einem guten Tag mag das ja noch gehen, aber an einem schlechten Tag…..?!

Jesus sagt diesen steilen Satz: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“, als er sein Jünger aussendet und beauftragt, zu den Menschen zu gehen, um ihnen das Reich Gottes nahe zu bringen.

Da ist zunächst einmal Jesus, Jesus Christus, der Sohn Gottes. Er geht das Wagnis ein, sich durch seine Jünger eins zu eins vertreten zu lassen. Er gibt ihnen zwar ein paar Hinweise mit, wie sie sich verhalten sollen, aber das war es dann auch schon. Kein vorheriges Abfragen und nachträgliches Kontrollieren. Jesus vertraut seinen Jüngern.

Und dann sind da die Jünger – Personen, die Jesus beauftragt, in seinem Namen aufzutreten. Will ich überhaupt ein Jünger sein? Verstehe ich mich als jemand, den Jesus aussendet? Nicht nur in einer Evangelisationsveranstaltung, sondern immer, tagtäglich, überall.

Das ist eine Frage danach, wie ich mich selbst verstehe, es ist eine Frage nach der Identität: „Wer bin ich?“

Mich beeindruckt das Vertrauen, dass Jesus in mich als seinen Jünger setzt, und das, obwohl er mich kennt und hört. Sein Vertrauen beflügelt mich.

Ich persönlich würde mich nur von ausgewählten Personen vertreten lassen. Es macht mich sehr stolz, in den Augen von Jesus, solch eine auserwählte Person sein zu dürfen. Jesus sieht jemanden in mir, zu dem ich noch auf dem Weg bin. Und er vertraut mir, als wäre ich schon am Ziel.

Dieses Vertrauen motiviert mich, weiterwachsen zu wollen in das Bild, das Jesus von mir hat und das ich nur in Abhängigkeit von ihm, durch seine Liebe und Vergebung erreichen kann.

Wenn Jesus dieses Vertrauen zu mir aufbringt, habe ich nicht das Recht, ihm zu unterstellen, dass er sich in mir getäuscht hat, sondern mit seiner Größe rechnen.

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen“. (2.Korinther 13,13)

Schuld und Vergebung, Glaube und Verzagen, Recht und Unrecht waren die großen Antipoden in der Korinther Gemeinde, die dem Apostel Paulus die ganze Bedürftigkeit der Gemeinde Jesu zeigte. Auch wir stehen immer wieder in diesem Spannungsverhältnis und merken, dass wir uns aus eigener Kraft nicht aus diesen diametral entgegenwirkenden Kräften befreien können. So gesehen hat sich die Bedürftigkeit der Gemeinde Jesu bis heute nicht verändert, vielleicht ist sie sogar noch größer geworden, auf der Suche nach Selbstverwirklichung, Individualität und zunehmender Versachlichung der Spiritualität.

Eines hat sich aber über Generationen hinweg nicht verändert, egal vor welchen ungelösten Konflikten wir gerade stehen oder wir von scheinbar unüberwindbaren Beziehungskrisen eingefangen werden: die Allgegenwart Gottes ist dieselbe geblieben und sie wird uns mit der heutigen Wochenlosung so präsent gemacht, dass ihr ganzes Ausmaß in einem einzigen Satz kulminiert. Sie breitet sich aus wie ein Flügel über uns, schützt uns wie ein Schild vor Gefahren und trägt uns wie eine Hand, die uns nicht fallen lässt.

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus“,
eine unverdiente Zuwendung in jeglicher Not,

„die Liebe Gottes“,
die mich bedingungslos annimmt, so wie ich bin und

„die Gemeinschaft des Heiligen Geistes“,
die mich nie alleine lässt,

erheben sich wie ein Schirm über unser ganzes Dasein und geben uns eine Zuversicht, die über alle Not hinausträgt.

Was der Paulus hier als Gruß und Schlusswort eines Kapitels an die Korinther schreibt, ist Seelsorge an der ganzen Seele. Er hat der Gemeinde Mut gemacht, ihre Lebensweisen zu prüfen und ihre Wirkungen zu betrachten. Er weiß aber auch um ihre Schwäche und Ohnmacht, die uns an unsere eigene Fehlbarkeit erinnert.

Es gibt Momente im Leben, die muss ich nicht verstehen können. Ebenso wenig muss ich immer einen Rat auf scheinbar unlösbare Probleme für mich oder für andere Menschen haben. Was mir aber keiner nehmen kann ist die Zuversicht, die aus der heutigen Wochenlosung hervorgeht. Gnade, Liebe und Gemeinschaft umgeben mich täglich. Sie gehen uns voraus, den Weg weisend; sie gehen uns nach, wenn wir vom Weg abgekommen sind und sie geben uns eine Geborgenheit, die über alles menschliche Verlangen hinaus unsere tiefsten Sehnsüchte stillt.

Ich wünsche Ihnen diese Erkenntnis für Ihr eigenes Leben und für Ihre Arbeit mit bedürftigen Menschen, dass Gnade, Liebe und Gemeinschaft zu nachhaltigen Veränderungen in unserem Denken und Verhalten führen können. Machen Sie es doch auch einmal zu Ihrem ganz persönlichen Schlusswort am Ende eines Tages oder am Ende einer Beratung.

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth“. (Sacharja 4,6b)

Einen Anfang wagen, eine Bauruine aushalten, ein Wunder erleben. Die Rückkehrer, die 70 Jahre in der babylonischen Gefangenschaft lebten, gingen voller Elan und Vitalität an den Wiederaufbau Jerusalems und begannen, den Tempel neu zu errichten.

Eine solche Aufgabe erforderte außergewöhnliche Kraftanstrengungen von allen Beteiligten. Es waren besondere Zeiten, die sie in Gottes Gegenwart erleben konnten. Zeiten, die ihnen ein angenehmes Leben ermöglichten. Zeiten, die ihnen einen Sinn für das Ziel vor Augen hielten.

Gegner dieses Projektes waren aber noch im Land und hatten den Wiederaufbau mit Erfolg verhindert. Unruhe, Zweifel, Resignation nisteten sich bei den Heimkehrern ein und der Anfang zum Untergang begann. Sie gaben auf. Diese Rückkehrer brauchten wieder Mut, um ihr Selbstbewusstsein aufzubauen, um das was unmöglich schien doch noch möglich zu machen.

In der Situation wo Frustration, Schwierigkeiten, Verlassenheitsgefühle und Enttäuschung wie ein Berg gewachsen waren, schickte GOTT dem Propheten einen Engel und zeigte ihm im Traum eine frohe Botschaft.

Kennen wir solche Situationen im Leben, wo wir gezielt Änderungen wollen, voll Vertrauen und Energie werden Schritte zu Veränderungen gemacht und trotz Anstrengungen werden die besten Absichten, die gut durchdachten Pläne dann doch nicht ausgeführt ?

Manchmal gilt es die erlebten schmerzlichen und aussichtslosen Erfahrungen auszuhalten. Es bedarf dann eines neuen Anstoßes von außen, damit wir GOTTES Wirken erkennen können wenn unsere menschlichen Fähigkeiten begrenzt erscheinen. Einen Anfang wagen und neue Wege riskieren, die dem Leben einen Sinn geben, Zuversicht dass Gott lenkt und leitet. Er kommt nie zu spät. Vielleicht merken wir auch, wenn nicht sofort, dass GOTT einen Engel auf dem Weg sendet, um uns wieder froh zu machen, unser Rückgrat zu stärken und uns zu ermuntern.

Ein Zeichen ist nötig damit Klarheit durchbrechen kann. Der Geist JHWH Zebaoth, Herr der Heere, Herr aller Mächte und Gewalten bewirkt Änderung, bringt Hoffnung, lehrt auf Neues zu schauen, weckt Sehnsucht nach Wunder.

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12,32)

Soeben sprach Jesus noch von sich als dem Weizenkorn, das in die Erde fällt und erstirbt. Durch sein Sterben bringe das Weizenkorn aber viel Frucht. Jesus meinte das alles nicht im Sinn einer Metapher. Er meinte das auch nicht irgendwie religiös-romantisch. Er sprach tatsächlich von seinem Tod. Die Frucht, die Jesu Tod bringt, sind Vergebung unserer Schuld und ein freier Weg zum Vater im Himmel. Jesus hat mit diesem Programm, das er schon in Johannes 12 skizzierte, Ernst gemacht.

Und nun dürfen wir ihn beim Wort nehmen. Im Moment befinden wir uns im Kirchenjahr zwischen Christi Himmelfahrt und dem Kommen des Heiligen Geistes. Ja, Jesus wurde erhöht von der Erde. Doch er bleibt nicht allein. Er zieht uns zu sich. Der Heilige Geist bezeugt dabei unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind und Anteil haben an dem neuen Leben in Christus.

Das ist eine wundervolle Lebensperspektive. Die Einsamkeit, die in unserer Gesellschaft mehr und mehr um sich greift, wird überwunden. In Christus. Er ist der Schlüssel zum Überwinden. Und damit es nicht geheim bleibt, wollen wir es gerne weitersagen: der Herr zieht uns zu sich. Wie sind nicht verwaist. Wir sind geborgen in Jesus.

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Psalm 66, 20)

Dieser Vers ist einem Psalm entnommen, der im ersten Vers überschrieben ist mit „Jauchzt Gott alle Welt.“ Es werden großartige Erlebnisse mit Gott beschrieben, Wunder Gottes die einfach nur Begeisterung hervorrufen können, bei denen, die sie miterlebt haben.

Der Psalmbeter legt in Vers 16 seine Motivation offen. Er will davon erzählen, was Gott seiner Seele (nefish) Gutes getan hat. Und er macht Mut zum Gebet.

Das Gebet ist der Schlüssel für Gotteserfahrungen, weil Gott ein hörender Gott ist. Natürlich braucht Gott unser Gebet nicht, aber er möchte derjenige sein, dem wir uns zuwenden – unsere „erste Adresse“ sozusagen.

Aus eigenem Erleben weiß ich, dass das Lob Gottes von Geschwistern auch demotivierend wirken kann. Immer dann, wenn mir eigene Gebetserfahrungen fehlen, oder ich nichts in meinem Leben erfahre, was zu bejubeln wäre. Situationen, in denen ich mich vielleicht sogar von Gott im Stich gelassen fühle. Da kann Lob auch wie Hohn klingen und dazu führen, den eigenen Glauben in Frage zu stellen: „Glaube ich überhaupt richtig? Warum erlebe ich das eigentlich nicht?“

Gott verwirft mein Gebet nicht, und er zieht seine Güte nicht von mir ab! Diese steile Aussage ist eine Wahrheit Gottes, die nicht nur in die Aufzählung von positiven Erlebnissen gehört. Im Gegenteil, sie sollte viel öfter in krisenreiches Erleben eingebunden sein. Da gehört sie hin. Da entfaltet sie ihre eigentliche Kraft. Von Gott gehört zu werden und in seiner Güte geborgen zu sein braucht nicht zwingend positive, begeisternde Erfahrungen, sondern gilt genauso in Leid und Schmerz.

Von dem dänischen, Theologe und Schriftsteller Søren Kierkegaard stammt dieses Zitat: „Das Gebet ändert nicht Gott, aber es verändert den Betenden.“

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Psalm 98,1)

Cantate heißt „singt“. Das ist ein schöner Name für einen Sonntag zwischen Ostern und Pfingsten. Wir erinnern uns daran, wie verzagt die Jünger kurz nach Ostern waren und wie sie durch Jesu Auferstehung froh wurden und gespannt auf das warteten, was nach Jesu Himmelfahrt auf sie zukommen würde. Sie trafen sich zum Beten und zum Gott Loben und ganz bestimmt auch zum Singen.

Singt zu Ehren unseres großen Herrn! Das ist ein Aufruf an uns. Es ist ein Geschenk Gottes, dass Menschen in der Lage sind, viele unterschiedliche Töne hervorzubringen, mit anderen sogar mehrstimmig singen zu können. Wir können Gott mit unserem Gesang ehren, ja wir sind ganzheitlich mit Soma, Pneuma und Psyche beteiligt. Unser Geist und unsere Gefühle werden belebt. Und das erst recht, wenn z. B. Gott wunderbar in unser Leben eingegriffen hat oder wenn sich schwierige Beziehungen ins Gute verkehrt haben, wenn wir die neue, ersehnte Stelle bekommen haben, usw. Dann sind wir erfüllt von Glückseligkeit. Und ganz besonders beglückend ist, wenn wir dabei sein dürfen, dass ein Mensch sein ganzes Leben für Zeit und Ewigkeit Gott anvertraut.

Wie ist es aber, wenn Schweres bei uns einkehrt? Haben wir da noch Lust zu singen? Sagen wir da nicht eher:“ Mir ist heute nicht danach zu Mut!“ In der Apostelgeschichte (Apg. 16, 25-34) gibt es eine Situation, in der schwer gefolterte Menschen mitten in der Nacht anfingen, zu Gott zu beten und ihn zu ehren mit Lobliedern. Und alle Gefangenen hörten zu. Plötzlich kam ein Erdbeben, das Gefängnis erbebte, die Fesseln sprangen von selbst ab, die Türen öffneten sich und alle waren frei. Leichenblaß erschien der Gefängnisaufseher und wollte sich schon das Leben nehmen, weil er Angst hatte, dass die Gefangenen sich davon gemacht hätten. Als er sah, dass alle noch da waren, wurde er offen für die Botschaft des Paulus und ließ sich mit seiner ganzen Familie noch in der Nacht taufen.

Solche Wunder werden wir vielleicht nicht erleben, aber wir erleben auch etwas: Wenn wir Gott loben in Liedern, bleibt für uns immer etwas übrig. Wir werden ermutigt, wir schauen weg von den Problemen hin zu unserem Himmlischen Vater, zu Jesus, unserem Erlöser und lernen auf die leise Stimme des Hl. Geistes zu achten. Über Jahrhunderte hinweg bis heute haben geistliche Menschen Lieder gedichtet und vertont. Wir dürfen aus diesem Schatz schöpfen.

Vielleicht sagt der/die eine oder andere: „Ich kann gar nicht singen!“ Singen lernt man, indem man es tut. Gott hört auch, wenn wir nur 3 Töne herausbringen. Ich bin überzeugt, dass sie im Himmel anders ankommen als in unseren Ohren, wenn sie seinem Lob und seiner Ehre zugedacht sind.

Im Judentum hat die Wiederholung von biblischen Texten einen großen Stellenwert. Ich möchte Lust darauf machen, Lieder, die wir einmal als hilfreich empfanden, auswendig zu lernen, um sie parat zu haben in schwierigen Lebenslagen. Die BTS hat ein sehr schönes Liederbuch mit Texten, die mir und vermutlich auch vielen anderen schon oft geholfen haben, über schwere Situationen hinwegzukommen. Es heißt Heritage- Das goldene Liederbuch. (> https://www.bts-ips.de/shop/heritage/)

Frau Hilde L. Dieterich hat die Lieder gesammelt und herausgegeben. Manchmal gibt es bei mir in der Beratung eine Hausaufgabe, die heißt, bestimmte Liedstrophen auswendig zu lernen. So können Ressourcen erworben werden, um den Unbilden des Lebens Widerstand zu leisten.

Das angegebene Lied für diese Woche heißt übrigens:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön.
Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
Ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Es hat 8 Strophen und wurde von Paul Gerhardt gedichtet.

(Ev. Gesangbuch, S.302)

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2.Kor. 5,17)

„Ist jemand….., so ist er…“ Stimmt das aber auch in meinem Leben? Kommt das Alte nicht manchmal wieder hoch und lässt mich immer noch als die alte Kreatur erscheinen? Der Paulus stellt hier nicht eine Frage sondern macht ganz einfach eine Feststellung, …. “so ist er eine neue Kreatur.“

Wer einmal diese große Kehrtwende in seinem Leben gemacht hat, wer „das Alte“ vor das Kreuz gebracht hat, findet sich oftmals gefangen in den Erinnerungen seines alten Lebens. Bin ich dann in dem Augenblick auch noch eine neue Kreatur? Wenn wir uns den Text genauer betrachten, dann sehen wir sehr schnell, wovon Paulus eigentlich spricht. Im 4. Kapitel hat er eine ganze Aufzählung von Eigenschaften gemacht, die er als „Schatz in irdenen Gefäßen“ bezeichnet. Es lebt eine „überschwängliche Kraft von Gott“ in uns, die uns in Bedrängnis vor Angst bewahrt, uns nicht verzagen und verlassen sein und uns selbst bei Unterdrückung nicht umkommen lässt. Das ist eine ganz neue Qualität, die Gott in uns hineingelegt und die uns zu einer neuen Kreatur gemacht hat. Es sind jetzt nicht mehr die Erinnerungen, nicht die Versuchungen am Wegesrand, die mein Leben bestimmen. Es ist die überschwängliche Kraft von Gott IN MIR, die mein Leben bestimmt.

So gesehen ist unsere ‚Erneuerung durch Christus‘ als eine ganz neue Qualität in unserem Leben zu verstehen, die uns wissen lässt, das Alte ist tatsächlich vergangen. Ich muss das manchmal nur glauben (lernen).

Es ist nicht eine Persönlichkeitsveränderung, die hier stattgefunden hat, wenn auch eine Erneuerung durch Christus Einfluss auf mein Denken und Verhalten nehmen kann. Erneuerung durch Christus ist deshalb auch nicht einfach als eine psychische Veränderung zu verstehen sondern als eine spirituelle Transformation, durch Gott gewirkt und durch seinen Heiligen Geist befähigt, die mich zu einer neuen Kreatur gemacht hat. Ich stelle mir das wie eine Zapfsäule vor, das steht ein Energietank vor mir und ich zapfe ihn viel zu selten an. Ich versuche die Erinnerungen und Versuchungen in meinem Leben immer noch nach meiner alten Methode zu bewältigen, anstatt dem „Schatz in meinem irdenen Gefäß“ mehr Raum zu geben. Gott macht uns ein Angebot, diesen Schatz viel öfter anzuzapfen. Die Fähigkeit dazu hat er bereits bei all denen hineingelegt, die in Christus sind – bedient euch.

Deshalb können wir mit Paulus voller Zuversicht sagen: „das Alte ist vergangen“, es gehört nicht mehr zu mir, es bestimmt nicht mein Leben, ich stehe jetzt darüber und sage mir in Zeiten der Bedrängnis immer wieder; „Neues ist geworden“. Das bin ich, in all seiner Gnade, eine überschwängliche Kraft in mir, die nicht von mir kommt und mich im Hier und Heute leben lässt.

Ich wünsche Ihnen diese Zuversicht jeden Tag neu und erinnere dabei an den Psalm 103:

„Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat (V.1-2)

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Johannes 10,11.27-28)

Jesus ist das Leben. Und er behält das Leben nicht für sich, nein, er teilt es mit uns. Das bedeutet, Jesus gibt sich selbst.

Jesus sucht das Verlorene und führt es als guter Hirte zu sich, zum Le­ben, zurück. Wir alle waren verloren, und wir drohten auch immer wie­der neu verloren zu gehen, wenn Jesus nicht ständig auf uns acht­haben würde. Niemand kann uns aus seiner Hand reißen. Jesus achtet auf sei­nen Besitz – sein Eigentum.

Natürlich wird der Teufel versuchen, dich aus Jesu Hand zu stehlen. Das tut er, indem er deine Trennung von Gott groß und das Kreuz klein machen will. Aber Jesus ist stärker. Das gibt uns Sicherheit.

Natürlich gibt es auch Umstände, die uns niederdrücken wollen, die un­sere Existenz bedrohen wollen, Dinge, die uns unseren gesundheitlichen oder finanziellen Untergang vor Augen stellen wollen – aber keines sei­ner Schafe, keines seiner Kinder wird durch diese Umstände um­kom­men.

Natürlich kann uns auch unser eigenes Versagen treffen. Natürlich kön­nen wir – wie Petrus es später tun wird – enttäuscht über uns selbst zu unseren Fischernetzen zurück­kehren. Aber dein Versagen kann gar nicht groß genug sein, als dass Jesus dir nicht mehr vertrauen könnte. In Jesus haben wir einen wundervollen Seelsorger, der uns zu­rück­führt in seine Herde, der das Verlorene sucht und heimholt. Er macht ganz sicher auch an dir das Wort wahr: „Niemand soll sie aus meiner Hand reißen.“

Danke, Herr, für deine starke Hand. Amen.

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1.Petrus 1,3)

Wie sich Petrus verändert hat! Können wir Petrus Melodie „hören“, wie er aus ganzem Herzen, erfüllt mit Freude, Liebe und Dankbarkeit Gott, Vater des Herrn Jesus Christus, lobt? Petrus neue Lebensperspektive hatte ihm eine aufgerichtete Hoffnung auf ein auferstehendes Leben gegeben. Sein Lob, eine Hommage an Gott! Vielleicht flüstert auch uns Jesus zu: „Wecke in deinem Herz das Verlangen und die Sehnsucht bis dein Lied zum Himmel steigt“.

Im Gerichtshof, als Petrus sich auf eigene Kraft, Stolz und Selbstvertrauen stützte, Petrus eingeschlossen in seinem eigenen Gefängnis, offenbarte er seine Leidensscheu. Jesus nahm Blickkontakt mit ihm. Er sah ihn liebevoll an. Was hat Er aber in Petrus gesehen? Petrus musste bitterlich weinen und fliehen. Jesus kannte seinen Fehlgang und liebte ihn. Er gab ihm Zeit. Er ging mit ihm nach seinem Tempo. Entdecken wir im Alltag wie Jesus in unsere eigene Lebensgeschichte mitgeht? Wie Er uns manchmal so ganz spontan liebevoll ansieht, gerade dann wenn wir uns auf einen Abweg befinden?

Jesus begegnete ihm wieder: „Der Auferstandene Herr Jesus… ist dem Simon erschienen“. Petrus Selbst- und Fremdwahrnehmung kamen zu einer Wende, eine Umkehr. Er wagte seine neue Stellung anzunehmen. Jesus hatte ihn dafür vorbereitet: „Bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder“. Es war an der Zeit den Platz einzunehmen, der ihm zugedacht war. Woher soll aber der Mut kommen aus dem inneren Gefängnis heraus zu brechen, um unseren Platz einzunehmen?

Petrus angerührt von der Erfahrung durch die Begegnung mit dem Auferstandenen Christus, erfüllt von der Kraft des Heiligen Geistes den Jesus seine Jünger einblies, konnte ein Paradigma Wechsel erleben. Gott loben weil Er barmherzig ist, weil Er Hoffnung ist, weil Er in uns Wohnung genommen hat, weil Er unser Herz mit seiner Gegenwart schmückt.

Mit Petrus, mit den Psalmisten, miteinander – sich gegenseitig anstecken lassen in dem Lob an Gott, um nicht zu vergessen was Er uns Gutes getan hat und tun wird.

„Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1,18)

Viele Menschen mit einem christlichen Hintergrund kennen den alten Ostergruß: „Der Herr ist auferstanden – er ist in Wahrheit auferstanden!“

Gesagt ist das leicht aber kann ich das auch Glauben?

Steht dem nicht meine/unsere Erfahrung dagegen: Was hin ist, das ist hin! Tot ist tot und bleibt tot! Wer geht schon auf einen Friedhof, setzt sich dort hin und wartet darauf, dass einer der Toten aus dem Grab kommt und ein Schwätzchen mit ihm hält? Ich weiß, das klingt makaber aber genau darum geht es doch.

Genau das erzähle ich Menschen wenn sie mit mir über meinen Glauben an Jesus ins Gespräch kommen: Ich glaube an einen, der das getan hat. Aus dem Grab gekommen und mit seinen Freunden eine Unterhaltung geführt. Und der von dem ich erzähle war wirklich tot. Dafür hatten die zuverlässigsten Tötungshandwerker der damaligen Zeit – römische Soldaten- schon gesorgt. Und er ist wirklich vom Tod auferstanden und lebt. Das hat Gott bewirkt, der das Leben erfunden hat und Leben schaffen kann.

Dieses Ereignis war schon für die erste Jüngerschar eine Herausforderung und das ist es auch noch heute. Jesus ist nicht nur vom Tode auferstanden, er hat auch die Macht des Todes ein für alle Mal kaputt gemacht. Das steckt hinter den Worten, dass er die Schlüssel des Todes und der Hölle hat und dass er von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt.

Wer einen Schlüssel hat, der hat die Macht und die Möglichkeit verschlossene Bereiche zu öffnen.

Für uns ist das Leben in der Tat eine Sackgasse, die mit dem Tod endet. Aber nun hat Jesus den Schlüssel zu dieser Sackgasse und aus unserer Sackgasse des Lebens wurde eine Durchgangsstraße zu neuem Leben, das nicht mehr begrenzt ist.

Für mich hat das auch in der Beratung eine Bedeutung. Das Wissen, dass Jesus die Sackgasse des Todes zu neuem Leben geöffnet hat, heißt, dass folgende Sackgassen-Sätze: „Jetzt ist alles aus!“ oder „ich habe keine Hoffnung mehr“ nicht mehr gelten müssen. Aus allen Sackgassen unseres Lebens gibt es einen Weg zu etwas Neuem – da kommt immer noch etwas. Daran halte ich fest, weil ich an die einzigartige Tat von Jesus glaube: An seinen Tod und an seine Auferstehung am Ostermorgen. Und das möchte ich immer wieder an andere weitergeben, die vor sich nur die Sackgassen sehen.

Jesus ist auferstanden – er ist in Wahrheit auferstanden – und lebt – und wir mit ihm! Ich wünsche allen Lesern ein frohes Fest.

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben„ haben. (Johannes 3, 14,15)

Step by step, wie es oft beiläufig heißt. Ein Schritt nach dem anderen – also: Jedem Schritt geht ein anderer Schritt voraus. Jeder Schritt ist wichtig und kein Schritt kann erfolgen ohne den vorherigen.

Das Bibelwort spricht von drei Schritten:

Schritt 1: Die Antwort – das „Muss“. Jesus Christus muss erhöht werden, er muss sterben, damit Gott mit uns in Gemeinschaft leben kann, mit seinen geliebten Menschen. Jesus Christus stirbt stellvertretend für unsere Sünden, damit nichts mehr zwischen uns und Gott steht. Alle anderen Versuche von Gottes Seite sind gescheitert. Seine Neuanfänge mit uns Menschen haben wir immer wieder zunichtegemacht. Der erste Schritt ist Gottes Antwort auf unser Unvermögen treu zu sein. Er kämpft nicht mehr gegen unsere Untreue, er schafft eine unwiederufbare Lösung. Jesus Christus stirbt für alle, wirklich alle, Sünden und macht so den Weg zu Gott unserem Vater frei. Schritt 1, ein Schritt, den Gott tut, der Antwort gibt auf unser Versagen und Gottes Sehnsucht nach uns.

Schritt 2: Der Schritt des Glaubens. Der erste Schritt hat nur dann eine Bedeutung für mich, wenn ich ihn als solchen glaube und für wahr halte. Ansonsten bin ich nicht in der Spur der Schritte. Der Schritt 1 ist dann trotzdem gegangen worden, aber ich schlage eine andere Richtung ein. Gott tut alles für uns, er räumt aus mit der Mauer aus unseren Sünden, die zwischen ihm und uns stehen. Wenn ich das aber Schritt 1 nicht glaube, steht diese Wand immer noch zwischen ihm und mir. Ich erkenne dann nicht meine Angewiesenheit, dass „Muss“ von Schritt 1. Ich darf glauben, dass Christus mich frei gemacht hat, befreit von meiner Vergangenheit, befreit in meiner Gegenwart und befreit für meine Zukunft. Schritt 2, ein Schritt, der mich auffordert zu glauben; zu glauben, dass Jesus Christus die Antwort auf meine Sünden ist.

Schritt 3: Der Schritt zum Ziel. Dieser Schritt verkörpert Gottes erklärten Willen. Er will die Rettung des Sünders und nicht seinen Tod. Er ist der Schöpfer, der Leben stiftet, ewiges Leben. Er ist der, der rettet. Gott will Gemeinschaft auf ewig mit uns, seinen Kindern. Sein ganzes Tun richtet er danach aus. Dieses Ziel verfolgt er über Jahrhunderte, wie die Bibel berichtet. Dafür geht er konsequent Schritte, schmerzhafte Schritte, bedeutsame Schritte, Lebensschritte für mich.

Der eigentliche Schritt, der diesen drei Schritten vorausgeht, steht im nachfolgenden Vers des Wochenspruchs, in Johannes 3, 16

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eigenen Sohn gab, damit alle, die an ihn Glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Gottes Liebesschritt geht allem voraus und seine Liebesspur begleitet uns und kommt uns entgegen.

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.
(Matthäus 20,28)

Jesus erhält die perfekte Ausbildung. Zunächst lernt er ein Handwerk, und er lernt es, saubere Sachleistungen abzuliefern. Jeder, der ein Hand­werk erlernt hat, der weiß, wie wichtig es ist, exakt und korrekt zu arbeiten. Im Zimmermannsberuf hilft es nicht, wenn die Balken für ein Dach nicht exakt zusammenpassen.

In seinem späteren dreijährigen Wirken lernt es Jesus dann auch, im Dienst­leistungs­bereich zu arbeiten, Jesus lehrt, Jesus heilt ärztlich, Je­sus arbeitet auch geistlich und treibt Dämonen aus. Und das ist noch nicht alles: Jesus wäscht Füße, und er reinigt nicht nur die Füße – er rei­nigt auch die Herzen. Jesus vergibt Schuld.

Und damit kommen wir in einen Bereich, der über den mensch­lichen Dienstleistungs­bereich vollkommen hinauswächst: Schuld kann nur Gott vergeben. Und Jesus dient noch mehr: Er gibt sein Leben zur Erlösung für die Vielen.

Jesus hat in seiner Tätigkeit vom Sachleister zum Dienstleister etwas Entscheidendes gelernt: Gehorsam. Und dieser Gehorsam qualifiziert Jesus für seinen nächsten großen Dienst. Gehorsam qualifiziert Jesus für das Richteramt. Jesus wird richten als der gehorsame Sohn Gottes und als der Größte aller Dienstleister, der bereit ist, auch den niedrigsten Dienst zu verrichten, nämlich sein Leben für dein Leben zu geben und deinen Tod zu sterben.

Herr. Du hast dein Leben für mich gegeben. Hab Dank. Amen.

Quelle:
Rüdiger Marmulla: Die Liebe geht tiefer als das Gesetz. Andachten für die Seelsorge.
2. Auflage 2018, Moers: Brendow-Verlag, ISBN 978-3-96140-060-7
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Brendow-Verlags

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“(Johannes 12,24)

„Von nichts kommt nichts!“ Ein alter Volksspruch, der auf den römischen Philosophen Lukrez zurückgehen soll, ist mir bei dem anstehenden Wochenspruch eingefallen. Positive Ergebnisse brauchen Einsatz oder anders ausgedrückt: Leben kostet etwas. Die Geschichte, in der diese Aussage von Jesus fällt, spielt sich kurz nach seinem triumphalen Einzug in Jerusalem ab. Viele dachten damals wohl, nun übernimmt Jesus nach diesem Erfolg die Regierung und jagt endlich die Römer aus der Stadt und dann bricht eine wunderschöne Zeit für alle an. Menschen von weither kommen zu Jesus, seine Jünger agieren schon als Vorzimmersekretäre. Jesus ist eine Person der Öffentlichkeit geworden und Menschen drängen sich, um ihn kennenzulernen. Eventuell kamen sie sogar mit einer Einladung er solle auch zu ihnen kommen. Jesus scheint sein Ziel einfach erreichen zu können.

Aber sein Weg zu seinem Ziel ist ein anderer. Zu dem Ziel, Versöhnung mit Gott und ewiges Leben für alle, kommt man nicht durch den kurzfristigen Erfolg bei der Masse, einem Rausch, der nur zu bald mit einem Kater endet. Jesus bringt hier einen für mich erstmal paradox klingenden Gedanken ins Spiel: Sterben als der Weg zum Leben. Sein Sterben im Bild des Weizenkorns bedeutet Leben für viele. Damit bereitet Jesus hier schon die Botschaft von Karfreitag und Ostern vor.

Ich erlebe dieses Prinzip auf einer anderen Ebene auch in Beratungen. Damit Leben sich neu entfalten kann, muss erst etwas anderes sterben. Bei meiner Arbeit in der Suchthilfe wird mir das deutlich. Es genügt nicht der kurzfristige Erfolg einige abstinente Tage zu erleben – ich vergleiche das mit dem triumphalen Gefühl: Jesus zieht in Jerusalem ein, er hat es geschafft.

Für ein wirklich neues Leben muss das alte Leben sterben, damit ein wirklich Neues aufblühen kann. Dieses Sterben tut weh und ist nicht einfach, aber es führt zu etwas Besserem: Neuem Leben oder wie alte Prediger das formulierten: Durchs Kreuz zur Kron.

Ich wünsche euch in der Nachfolge von Jesus dieses Prinzip neu für euch und eure Beratung zu entdecken: Sterben als der Weg zum Leben.

„Doch Jesus sagte: „Wer seine Hand an den Pflug legt und dann nach hinten sieht, der ist für das Reich Gottes nicht brauchbar.“ (Luk. 9, 62)

Zuerst einmal denke ich bei diesem warnenden Satz von Jesus an Klienten, die sich komplett darauf versteift haben, nach der einen Ursache ihrer aktuellen Probleme in ihrer Kindheit zu suchen. Es ist gar nicht so einfach, sie nicht zu brüskieren, sondern sie erst einmal abzuholen und dann behutsam ins Arbeiten am Hier und Jetzt mitzunehmen.

Seit einiger Zeit erinnert mich der Satz jedoch auch an eine ungute Angewohnheit von mir selbst: Ich sah – mal wieder – meinen Kalender durch und überprüfte, wie viele Beratungsstunden ich in den letzten Wochen gehabt hatte. Wie wohl der Trend in den nächsten Wochen sein wird. Da hatte ich den Eindruck, Jesus sagte zu mir: „Verbringe nicht so viel Zeit damit, zu prüfen und zu vergleichen. Nutze die Zeit lieber, um für deine Klienten zu beten! Dann sorge ich dafür, dass genügend Leute kommen.“ Ist eigentlich einleuchtend, oder?

Noch ein weiterer Gedanke: Hier spricht Jesus ja über das „brauchbar“ sein, und zwar in Bezug darauf, sein Reich voranzubringen. Das könnte einige von uns „antriggern“. Und zwar diejenigen, deren Lebensskript einen Annahme beinhaltet, dass es im Leben vorrangig darum geht, zu leisten und ein Ziel voranzubringen.

Und es stimmt ja auch: wir haben die Ehre, uns ganz praktisch für Gottes Reich einsetzen zu dürfen. Zum Beispiel durch Fürbitte oder auch durch Seelsorge / Beratung.

Für manche von uns heißt das: Ja, fang an! Gib dieser schönen Tätigkeit mehr Raum in Deinem Leben!

Für andere von uns heißt das: Toll, dass du deiner Beratungstätigkeit so viel Raum gibst. Verliere aber nicht das zentrale Ziel deines Lebens aus den Augen. Ein echter Freund Gottes, seine „Braut“, zu sein. Du musst nicht alleine „die Welt retten“ und Dich völlig aufreiben. Nimm Dir die Zeiten der Erholung und der Gemeinschaft mit IHM, die Du brauchst. Wie es in einem neueren Lied heißt: „He’s bigger than the battle“…

„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8)

Was bedeutet es, „Sünder“ zu sein? Im ersten Kapitel des Römerbriefes lesen wir vom Zustand des Menschen ohne Gott; wir finden eine Aufzählung von bösen Eigenschaften und Verhaltensweisen: Ungerechtigkeit, Neid, Mord, Verleumder, erfinderisch im Bösen usw. Es ist eine Bankrotterklärung der Menschheit. In diesem Zustand, in welchem wir uns befanden, starb Christus für uns. Als wir noch Sünder waren, schreibt Paulus, als noch lange nicht daran zu denken war, dass wir uns je für Gott interessieren könnten.

In dieser extremen hoffnungslosen Situation kommt Christus auf die Erde und stirbt für seine Feinde am Kreuz. Das ist unfassbar!! Nichts anderes hätte uns aus unserer Verlorenheit befreien können. Es war der einzige Weg! Und der Beweggrund, dass Gott seinen Sohn gab, war seine Liebe zu uns.

Manchmal höre ich Menschen sagen: ‚Gott liebt mich nicht‘ oder ‚Wenn Gott mich lieben würde, dann müsste…..passieren‘ oder ‚Ein Gott der Liebe kann nicht dieses Böse geschehen lassen‘.

Menschen haben eigene Ideen davon, wie Gottes Liebe auszusehen hat und welches Verhalten Liebe ausdrücken würde. Es ist vergleichbar mit der verkürzten Sichtweise eines kleinen Kindes, welches der Mama vorwirft: „Du hast mich nicht lieb, weil du mir kein Eis kaufst.“

Unsere Vorstellungen von Gottes Liebe sind oft sehr eingeschränkt und ich bin froh, dass Gott sich nicht danach richtet. ER weiß, dass wir Menschen nichts nötiger haben als die Erlösung von unserer Schuld; der größte Beweis seiner Liebe!

Ich wünsche uns allen, dass unsere eigenen Vorstellungen verblassen und verschwinden durch die Erkenntnis, was Gottes Liebe wirklich bedeutet und dass wir darin zur Ruhe kommen.

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1. Johannes 3, 8b)

Der Text spricht von den „Werken des Teufels“, eine Ausdrucksform, die mir zunächst fremd ist.

Der Teufel erschafft etwas, so wie der Künstler ein Bild oder eine Skulptur erschafft. Es gibt demnach Werke in unserer Welt, die vom Teufel geschaffen sind.

Der Johannesbrief nennt im Wesentlichen drei Werke des Teufels, gelebte Gesetzlosigkeit, gelebte Lieblosigkeit und gelebte Ungerechtigkeit. Drei Werke, die im Alltag viele Gesichter haben können: Stolz, Neid, Unversöhnlichkeit, Rechthaberei, Eitelkeit, Unfrieden … um nur einige zu nennen. Das sind Verhaltensweisen, die im Alltag manchmal sehr verlockend erscheinen und sich nicht selten hinter einer frommen Argumentation verstecken.

Jesus hat diesen Werken des Teufels den Kampf angesagt. Er tritt hier als Zerstörer auf. Jesus nimmt die Werke des Teufels sehr ernst. Jesus weiß, wie stark die Werke des Teufels in unserem Leben nachwirken können, wenn wir nur einfach ein neues Werk an das Alte angebaut haben. Altes im Leben abzubrechen, kann schmerzhaft sein. Sich von Liebgewonnenem zu verabschieden fällt oft schwer.

Leben als ein Kind Gottes, in seiner Nähe ist kein Anbau, sondern ein Neubau. Der Auferstandene Christus zerstört alle alten Werke des Teufels in unserem Leben und erschafft ein grundsätzlich neues Werk, eines das sich absolut unterscheidet. Christus zerstört, er lässt nichts beim Alten.

Ist das nicht radikal? Ja, das ist radikal! Es geht aber auch immerhin um einen Herrschaftswechsel. Weg von dem zerstörerischen Werken des Teufels, hin zu einem siegreichen, hoffnungsvollen und sinnvollen Leben als Kind Gottes.

Christus spricht: „Ich lebe und Ihr sollt auch leben.“ Christus erobert für uns Lebensraum, indem er als Sieger über den Teufel und seine Werke triumphiert, indem er zerstört, damit mein Leben gelingt.

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lukas 18,31)

Jesus im Gespräch mit seinen Jüngern. Der Verlauf des Gesprächs macht deutlich, die Jünger verstehen Jesus mal wieder nicht. Dieses Phänomen kommt in den Evangelien öfter vor. Das zeigt mir, bei Jesus geht es in erster Linie um eine tragfähige Beziehung und nicht darum, alles verstanden zu haben. Manche meinen: ich muss Jesus – Gott – erst vollkommen verstanden haben, um mit ihm etwas zu tun zu haben. Und manche tun dann so, als hätten sie alles verstanden.

Ich bin sehr dankbar für Gottes Wort, dass die Jünger eben nicht alles verstanden haben und trotzdem eine gute und tragfähige Beziehung zu Jesus hatten.

Nun aber zu dem, was ich persönlich meine, von dem Gespräch verstanden zu haben.

Jesus stellt hier den Zusammenhang zwischen den Aussagen des Alten Testaments und seinem Leben her. Mir begegnen immer wieder Menschen, die mit dem Alten Testament nichts oder nur wenig anfangen können. Sie sagen dann: „Ich lese lieber im Neuen Testament, da wird von Jesus gesprochen und das reicht ja auch.“ Dabei wird das, was Jesus bedeutet für mich, erst auf dem Boden des Alten Testamentes deutlich.

Jesus erzählt hier seinen Jüngern von seiner Zukunft, von der Notwendigkeit seines Sterbens und von seiner Auferstehung und dass das alles schon in den Schriften des Alten Testaments vorhergesagt wird. Das allein macht doch das Alte Testament spannend, einmal herauszufinden, welche Stellen Jesus hier genau meint.

Wichtig ist mir vor allem der Bezug zu seinem Sterben und seiner Auferstehung. Viele Zeitgenossen können mit dem Kreuzestod nichts mehr anfangen und irgendwann dann auch mit dem ganzen Jesus nichts mehr.

Da ist für mich das Alte Testament als Deutungshilfe ganz arg wichtig. Im AT wird deutlich, dass Schuld immer ein Stück Leben kostet. Ein verleumderisches Wort tötet vielleicht nicht sofort, raubt aber Leben. Im Opferkult am Tempel wird das ganz deutlich. Für meine Schuld, für die Zerstörung von Leben, die ich verursacht habe, stirbt ein Tier an meiner Stelle. Schuld in unserer Welt hat immer Konsequenzen für andere. In der Beratungspraxis erleben wir diesen systemischen Zusammenhang ja auch sehr deutlich.

In den Riss, den ich nicht mehr reparieren kann – versuche mal eine zerstörerische Botschaft und seine Wirkung ungeschehen zu machen – in diesen Riss meiner Unfähigkeit tritt Jesus, der Sohn Gottes mit seinem Leben. Ich kann Leben zwar zerstören aber nicht wieder neu machen – Jesus kann das. Deshalb brauche ich ihn, wenn Dinge neu und heil werden sollen und deshalb ist das Wissen von ihn auch in der Beratung nicht wegzudenken. Jesus stirbt den Tod, den ich verursache und bringt mich zu einer neuen Lebensmöglichkeit.

Ich weiß nicht, ob ich Jesus richtig verstehe, aber ich möchte mit den Jüngern seiner Einladung folgen und mich in Gedanken mit ihm auf den Weg machen nach Jerusalem, nach Golgatha unters Kreuz und zum leeren Grab. Und dazu lade ich auch euch in den kommenden Wochen der Passionszeit ein.

Und es bleibt dabei: Nicht das was ich verstanden habe oder auch noch nicht verstanden habe zählt, sondern die tragfähige Beziehung zu ihm.

Noch einmal zu dem, was gesagt ist: »Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, verschließt euch seinem Reden nicht wie bei jener Rebellion. (Hebräer 3:15)

Von der offenen Rebellion der Israeliten in der Wüste damals sind wir wahrscheinlich alle relativ weit entfernt, das ist doch schon mal beruhigend ?

Nicht so wirklich im grünen Bereich fühlte ich mich in den letzten Jahren immer wieder bei der Frage, wann ich denn zuletzt das Reden Gottes persönlich vernommen habe… das war meist viele Monate her.

Auch wenig zufriedenstellend war mein Gebetsleben: Egal ob ich Stille Zeit frühmorgens oder spätabends versuchte, war es eher ein beständiges „Wegdämmern“ oder „Mit-Ablenkungen-kämpfen“.

Neben der persönlichen Betroffenheit beschäftigte mich auch schon länger die Frage, wie gläubige KlientInnen bei ihren Problemen mehr Veränderung durch Gottes Wirken (Faktoren Spiritualität und Kontingenz) erfahren könnten.

Diese Fragen führten mich zu neuen, bzw. ganz alten, geistlichen Übungen, die mich sehr begeistern: die sogenannten „Tagzeitengebete“. Sie werden in vielen Ordensbewegungen praktiziert, zum Teil seit Jahrhunderten.

Hier in aller Kürze ein Vorschlag, wie man das heute gestalten könnte:

mir ca. sieben Zeitpunkte am Tag überlegen, an denen ich mein Alltagstun für 10-15 Minuten unterbreche
mir zu Beginn bewusst machen, wo ich gerade bin und wie ich mich fühle
mir bewusst machen, dass ER da ist und ansprechbar ist, ich tatsächlich Zugang zu seinem Thron habe, und er sich auf mich freut
Einen Psalm pro Tag dazu nutzen: Den „meditieren“, d.h. immer wieder, Vers für Vers, lesen und auf mich wirken lassen. Nach jedem Vers mit Gott darüber ins Gespräch kommen
Mehr oder weniger kurz, vor ihm schweigen: Ich darf einfach sein, vor ihm
Eine Einheit am Tag lese ich fortlaufend die Bibel
Ggf. an einem Wochentag oder einer Uhrzeit ein Fürbitte-Ziel miteinbeziehen, z.B. „Menschen im Gefängnis

Meine Erfahrung damit:

Die Unterbrechungen meines geschäftigen Alltags tun mir sehr gut – die Uhrzeiten sind mir eine Hilfe, um daran zu denken, sehe ich aber nicht gesetzlich
Mein Alltag ist viel mehr durchdrungen vom Bewusstsein der Gegenwart Gottes
Die Worte des Psalms führen meine Gedanken immer wieder zurück zu Gott, ich bleibe wach und gedanklich präsent
Mein kleiner Horizont wird inspiriert durch den weiten Horizont von Jesus
Ich bin erstaunt, wie Gott auch durch einen Psalm, der meine Gefühlslage erst scheinbar überhaupt nicht trifft, durch einzelne Sätze mich inspiriert und herausfordert, tagesaktuell…

Vorsicht: Nicht als Horoskop lesen! ? Stattdessen als himmlisches Werkzeug, um mein Herz zu verändern und mich auf meine persönlichen Herausforderungen zuzurüsten.

Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel 9,18)

Daniel befindet sich in Babylon, in der Gefangenschaft und als er feststellt, dass es Prophezeiungen gibt, die ein Ende der Gefangenschaft vorhersagen (Dan.9,2), spricht Daniel ein beeindruckendes und zu Herzen gehenden Bußgebet.

Wir können davon ausgehen, dass Daniel nicht aktiv an den Sünden des Volkes beteiligt gewesen war, denn er wurde schon in sehr jungen Jahren nach Babylon deportiert. Er macht sich jedoch eins mit seinem Volk und bekennt stellvertretend die Schuld und die Gottlosigkeit des Volkes. Wiederholt stellt er fest, dass die Strafe der Wegführung und der Zerstörung Jerusalems eine Folge des Ungehorsams Israels war und zu Recht eingetroffen ist. Mose hatte es im Gesetz schon angekündigt (Dan.9,13).

Daniel hatte die richtige Haltung, um mit Gott zu reden. Er sieht ganz klar die unterschiedlichen Positionen: Gott ist gerecht und das Volk ist ungerecht. Das Unglück über Israel war ihre eigene Schuld und nicht Gottes Schuld. Doch hier macht Daniel nicht Schluss, denn er weiß: Gott ist nicht nur gerecht, sondern er ist auch barmherzig. Wenn es nur um Gerechtigkeit gehen würde, hätte das Volk keine Chance; sie wären de jure durchgefallen. Aber Gott ist barmherzig und voller Erbarmen und das ist ein Wissen, welches Daniel die Freimütigkeit gibt, Gott anzuflehen und um Hilfe zu bitte.

Es ist eine wunderbare Tatsache, dass wir einen barmherzigen Gott haben, der gern hilft und der barmherzig und gnädig ist. Aber die Voraussetzung, um mit Gott so reden zu können ist die richtige Haltung. Buße und Schuldbekenntnis sind der erste Schritt, damit Gott gnädig sein kann.

Ich wünsche mir selbst und meinen Ratsuchenden immer diese Haltung: Wir haben nichts verdient und wir können uns auch nichts verdienen, sondern alles ist Geschenk, ist Gnade, ist seine Barmherzigkeit! In diesem Wissen und mit dieser Einstellung dürfen wir zu Gott kommen und werden seine Hilfe erfahren, wie Daniel sie auch erfahren hat.

„Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.“ (Psalm 66,5)

Gott tut wunderbare Taten und er tut sie nicht irgendwo, er tut sie an seinen Kindern. Wir sind Bestandteil seines Tuns. Gottes wunderbares Tun ist auf uns hin ausgerichtet.

Er ist ein Gott der hinsieht, der Anteil nimmt, dem wir nicht egal sind. Gott ist ein Gott der handelt, der eingreift, der überraschende Wendungen einleitet.

Der Psalm spricht von wunderbaren Taten, die Gott tut. Das heißt doch, dass sie außergewöhnlich, Wundern ähnlich sind. Deshalb ist in anderen Übersetzungen ist die Rede davon, dass die großen Taten Gottes in uns Staunen und Ehrfurcht hervorrufen.

Sie sollen uns begreiflich machen, dass unser Leben nicht der Beliebigkeit ausgesetzt ist, nicht den Zufällen preisgegeben, die uns ohnmächtig erscheinen lassen und uns die Kraft zum Gestalten nehmen wollen.

Der Psalmist fordert uns auf, ebenfalls hinzusehen, hinzusehen auf das was Gott tut. „Kommt her und sehet …“. Ich kann also auch vorbeigehen und wegschauen, die wunderbaren Taten Gottes nicht wahrnehmen, mich nicht ins Staunen bringen lassen. So wie Gott sich uns zuwendet, sollen wir uns auch zuwenden, nicht achtlos vorübergehen.

Es geht um ein Miteinander, um ein Miteinander von Gott und seinen Kindern. Der Psalm beschreibt Erfahrungen mit Gott in der Geschichte des Volkes Israel. Er beschreibt Schweres und Schönes und erkennt darin das wunderbare Handeln Gottes. Er interpretiert das Geschehen mit dem Vorzeichen der Allmacht Gottes und nicht mit dem Vorzeichen der eigenen Ohnmacht.

„Komm her und schau hin!“, das verstehe ich als Einladung von Gott. Eine Einladung mein Leben aus der Beziehung mit ihm zu leben. Ich bin sein Menschenkind und er mein Vater. Ich will hinsehen und die wunderbaren Taten in meinem Leben erkennen.

„Der Herr wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen.“ (1.Korinther 4,5b)

Wie oft wünschten wir uns als Berater und Seelsorger, dass verborgene Dinge ans Licht kommen. Wenn ein Beratungsprozess ins Stocken gerät, weil es irgendwo klemmt und wir nicht wissen, wo. Vielleicht kann uns der Motivationstest dabei helfen, Beweggründe oder Motivationen des Ratsuchenden zu erkennen. Und durch Erfahrung, Austausch in der Supervision und nicht zuletzt durch Gebet können wir vorankommen und dem Ratsuchenden weiterhelfen.

Aber diese komplette Klarheit über versteckte und verborgene Dinge, wie in unserem Vers beschrieben, wird es erst in der Ewigkeit geben, nachdem der Herr wiedergekommen ist. Da wird es keine blinden Flecken oder verzerrte Wahrnehmung mehr geben!

Paulus schreibt diese Aussage, nachdem er die Korinther aufgefordert hat, nicht vor der Zeit zu richten. Er mahnt sie zur Zurückhaltung und zur Demut, indem er ihnen sinngemäß sagt: „Leute, seid vorsichtig mit dem Beurteilen, ihr habt noch nicht den gesamten Überblick. Wenn ein Richter ein Urteil spricht, dann hat er zuvor die Beweislage akribisch untersucht. Das ist notwendig, um nicht zu einem falschen Urteil zu gelangen. Könnt ihr denn das Trachten der Herzen beurteilen? Könnt ihr ins Herz schauen? Also wartet ab und richtet am besten gar nicht.“

Was passiert denn, wenn der Herr das Verborgene ans Licht bringen wird? Vielleicht fürchten wir uns davor, wenn offensichtlich werden wird, wie egoistisch und böse oft unsere Bewegründe waren. Aber das Geniale ist: Das Offenbarwerden endet nicht mit einer Verurteilung, weil die schon längst am Kreuz geschehen ist. Das Offenbarwerden endet bei Jedem mit einem Lob von Gott! („Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.“)Wie groß ist Er, dass ER selbst unser Urteil trägt, uns freispricht und am Ende noch eine Belohnung gibt!

Deshalb sollten wir uns damit zurückhalten, die Beweggründe anderer zu richten! Und wir selbst sollten auch nicht immer danach fragen, was andere Menschen von uns denken.

Am Ende zählt doch nur, was unser Herr von und über uns denkt.

Über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60,2)

Was für Worte! Sie sind es wert, wochenlang, ja monatelang betrachtet zu werden. Der heutige, letzte Epiphanias-Festtag führt uns zwei starke Verheißungen und tiefe Wahrheiten vor Augen: (1) Gott, der Schöpfer des Universums und Liebhaber unseres Lebens, strahlt dauerhaft über uns auf. Gott, der Herr über alles, behütet, bewahrt, beschützt uns, gerade in Zeiten von Chaos, Komplexität, Wirrwarr und Durcheinander. (2) Gottes Herrlichkeit, das Hervorgehobene, Herausragende erscheint über uns. Gott ist der Einzigartige, alles Überlegene. Er umgibt sich mit Herrlichkeit, die diese unfassbare Tatsache für uns in Jesus sichtbar macht.

Als Seelsorger sind diese Verheißungen für uns mit der Aufgabe verbunden, auf die Herrlichkeit dieses Gottes durch unsere Haltung und Handlung hinzuweisen. In unseren Beratungen können wir die Herrlichkeit zurückspiegeln, von der wir uns anstrahlen lassen. Paulus fasst diese Wechselwirkung wunderbar zusammen, wenn er uns auffordert: „Wandelt würdig vor Gott, der euch berufen hat zu seiner Herrlichkeit“ (1. Thess. 2,12). Die Verheißung weist uns darauf hin: Unser Ziel hier auf Erden ist es, Teil der Ausstrahlung Gottes, das heißt seiner Herrlichkeit und Ehre, zu sein. Die Konsequenz ist nicht Hochmut, sondern die Aufforderung an uns selbst, eines solchen Gottes würdig zu wandeln. Als seine Nachfolger tragen wir dieses Angeld auf himmlische Herrlichkeit in uns.

Erinnern wir uns noch an den 6. Januar, als hunderttausende Kinder und Jugendliche sich verkleidet haben und als Sternsinger in Städten und Dörfern von Haus zu Haus gezogen sind? Als sie zum Schutz mit Kreide die aktuelle Jahreszahl und »C+M+B« an die Türen geschrieben haben? Die Buchstaben stehen für »Christus Mansionem Benedicat«, was übersetzt heißt: »Christus segne dieses Haus«.

Mögen wir uns täglich bewusst machen, dass der Herr und seine Herrlichkeit mit uns sind, wenn wir durch unsere Haustüren gehen.

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Johannes 1,16)

Epiphanias – ein geistlicher Gesundheitserreger. Heute, am zweiten Sonntag nach dem Dreikönigsfest, geht es um die beiden herausragenden Begriffe Fülle und Gnade.

Fülle bedeutet: In Jesus ist mehr als genug vorhanden. Für jeden von uns, jeden Augenblick, jeden Atemzug, 24/7, ein Leben lang. Niemand braucht mehr von sich zu glauben, er genüge nicht, sei es nun seinen eigenen Ansprüchen oder fremden Erwartungen. Niemand braucht mehr zu glauben, er komme zu kurz oder nicht vor, werde übergangen, sei unwichtig.

Gnade bedeutet: Unverdientes Geschenk. In Jesus ist Gnade lebendig geworden. Niemand braucht mehr von sich zu glauben, er müsse alleine fertig werden mit seiner Schuld, den Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten, den Unsicherheiten und Unwägbarkeiten. Niemand braucht mehr am Leben zu verzweifeln,

vorbeizulaufen, zu scheitern.

Wörtlich übersetzt heißt es im Text: „Aus seiner Fülle empfangen wir Gnade um Gnade“. Jesus ist die Mensch gewordene göttliche Fülle und Gnade. Christen sind Beschenkte und Begnadete zugleich. Und haben damit beste Voraussetzungen für Biblisch Therapeutische Seelsorge. Als Beschenkte schenken wir Notleidenden aus der Fülle – unsere Wahrnehmung, Zeit, Kraft, Aufmerksamkeit, Echtheit, Empathie, Wertschätzung. Als Begnadete geben wir Gnade an Betroffene weiter – vergebend, authentisch, echt, wertschätzend, würdigend, zugewandt. In diesem Sinne ist Epiphanias ein wahrer Gesundheitserreger.

Mögen wir aus seiner Fülle und in seiner Gnade leben, jeden Tag.

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8,14)

Setzen wir unsere Epiphanias-Reise fort. Heute, am ersten Sonntag nach dem Dreikönigsfest, geht es um die beiden Kernbegriffe Geist Gottes und Kinder Gottes. Es geht darum, sich von Gottes Geist leiten zu lassen. Und darum, Gottes Kind zu sein. Beide Begriffe sind veränderungswirksame, existentielle Paradigmen. Sie bedingen einander, sind untrennbar miteinander verbunden und charakterisieren gelebtes Christsein.

Unser Wochenspruch stammt aus Römer acht, für viele Exegeten das Herzstück des Briefes. Paulus beschreibt in diesem Kapitel wichtige Gegensatzpaare, so genannte Ambivalenzen und stellt seine Leser vor die Wahl: Gnade oder Gesetz? Gerechtigkeit oder Verdammnis? Freiheit oder Knechtschaft? Frieden oder Feindschaft? Leben oder Tod? Wer oder was treibt uns an: Geld? Macht? Ehre? Selbstverwirklichung? Von wem oder was lassen wir uns leiten?

Auch heute sind wir wieder eingeladen zu wählen. Wählen können ist entscheidend. Denn immer dann, wenn ein Mensch Wahlmöglichkeiten hat, ist er nicht hilflos ausgeliefert. Anders gesagt: Wahlmöglichkeiten können unsere Selbstwirksamkeit erhöhen. Wer wählen kann, hat die Möglichkeit, veränderungswirksam zu entscheiden und zu handeln. Die Frage ist nur: Wofür entscheiden wir uns?

Bei einer Entscheidung ist eine Scheidung zu ihrem Ende gekommen. Gottes Kind zu sein und sich von seinem Geist leiten zu lassen, sind zwei Grund legende Entscheidungen. Zugleich sind sie weise, denn sie suchen das Leben und wollen Frucht bringen, die bleibt: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Sanftmut, Treue, Selbstbeherrschung (Gal. 5,22).

Mögest Du Dich vom Geist Gottes leiten lassen, Deine Gottes-Kindschaft umarmen und Frucht bringen, die bleibt.

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. (1. Joh. 2,8b)

Heute, am ersten Sonntag nach Neujahr, feiern wir Epiphanias. Welche Bedeutung wir diesem nach Ostern ältesten christlichen Fest auch zuschreiben – sei es „Erscheinung des Herrn“ (katholisch), „Dreikönigsfest“ (volkstümlich), „Weihnachtszwölfer“ (Österreich), „Hoch-Neujahr“ (regional vereinzelt) oder „Epiphanias“ (evangelisch) – immer geht es um IHN, um Jesus Christus.

Wenn Jesus erscheint, wenn die menschliche Gegenwart Gottes in unser irdisches, vergängliches Leben tritt, dann wird es Licht. So wie am ersten Schöpfungstag. Oder zur Geburt Jesu. Oder bei seiner Verklärung, oder Auferstehung. Dann geschieht Veränderung. Neues Leben entfaltet sich, Herrlichkeit überstrahlt Vergänglichkeit, neue Möglichkeitsräume entstehen, Menschen werden verwandelt. Licht ist im wahrsten Sinne des Wortes Lebens-Not-wendig. Ohne Licht kein Leben.

Wer oder was bringt Licht in Dein Leben? strahlen, schenkt Klarheit, gibt Orientierung? – Wo in Deinem Leben ist es dunkel geworden? Wo betrüben Dich Gedanken, bedrücken Dich Gefühle? Wo folgst Du dunklen Absichten oder Irrlichtern, machst finstere Pläne? Wo hat die Dunkelheit Dich am Wickel?

Licht oder Finsternis? Du hast die Wahl. Ich möchte Dich einladen, Dir heute einmal zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach anzuhören. Er komponierte sie in Leibzig für Epiphanias, das Fest, welches die Weihnachtszeit beschließt:

SIE WERDEN AUS SABA ALLE KOMMEN (BWV 65, 1724)

LIEBSTER IMMANUEL, HERZOG DER FROMMEN (BWV 123, 1725)

Wenn Du magst, dann lausche doch auch intensiv dem sechsten Teil seines Weihnachtsoratoriums: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“. Bach hat es speziell zur Aufführung im Gottesdienst für Epiphanias verfasst. Ich wünsche Dir viel Freude beim Hören.

Möge das wahre Licht in Dir scheinen und Dich immer mehr verwandeln.